Manuel Vogel
· 12.06.2026
In 12 Stunden foilte Malik Humeida 375 Kilometer über die Ostsee – ein Weltrekord. Wie er auf diese Idee kam, welche Schwierigkeiten er zu überwinden hatte und wie heftig der Muskelkater danach ausfiel, erzählt der Kieler im Interview.
Die meisten Wingfoiler sind schon nach zwei Stunden auf dem Foil erschöpft. Kaum vorstellbar also, was es bedeutet, 12 Stunden non-stop auf dem Wasser zu sein. Malik Humeida hat es geschafft und dabei einen neuen Guinness World Record aufgestellt.
Danke! Als ich am Tag danach aufwachte, tat mir natürlich alles weh, der Muskelkater war schon ordentlich.
Ich habe als Jugendlicher zunächst mit dem Windsurfen begonnen und bin oft in Heidkate aufs Wasser gegangen. Von dort aus kann man den Kieler Leuchtturm sehen, und ich habe mich immer gefragt, wie es wäre, dorthin zu surfen. Es sind nur neun Kilometer, aber der Gedanke faszinierte mich immer. Mittlerweile bin ich sehr aktiv im Wingfoil-Racing und hatte mich bereits Anfang 2025 bei Guinness World Records für einen Rekordversuch beworben. Ich wollte ursprünglich von Heidkate nach Dänemark und zurück foilen. Das wurde abgelehnt, denn für einen offiziellen Rekord muss die Distanz reproduzierbar sein, nicht eine konkrete Strecke – was ich rückblickend verstehen kann. Der offizielle Long-Distance-Rekord wurde bis dato vom Griechen Dimitris Apalagakis gehalten; er schaffte 259 Kilometer in zwölf Stunden.
Wie gesagt, sie muss reproduzierbar sein. Das bedeutet, dass man eine Strecke zwischen zwei festen Punkten oder vermessenen Markierungen zurücklegt. Es zählt immer nur die Luftlinie zwischen den Markierungspunkten. Schlangenlinien oder Kurswechsel werden nicht einbezogen, deswegen reicht auch ein Rekord per GPS-Tracker nicht für eine Anerkennung. Ich habe mich für eine Messung mit zwei Bojen entschieden, die ich als Markierungspunkte genutzt habe. Deren Entfernung wurde offiziell von einem Lotsen vermessen. Und es müssen unabhängige Zeugen anwesend sein, die ein Logbuch führen, Rundenzeiten dokumentieren und dies auch mit Videoaufnahmen belegen. Unser Ziel war es, den offiziellen Rekord zu brechen. Dann hat vor wenigen Wochen ein Franzose einen inoffiziellen Weltrekord aufgestellt. Dieser lag bei 355 Kilometern in zwölf Stunden.
Genau. Eben ohne vermessene Markierungspunkte und über eine frei wählbare Strecke, auf der man natürlich seinen Kurs auf Basis der Windbedingungen variieren kann. Auch Materialwechsel sind dann möglich.
Ich habe den ganzen Winter über trainiert. Teilweise war ich sechs Mal pro Woche im Fitnessstudio, um Kraft und Ausdauer aufzubauen, dazu viel Boxen und Laufen. Im Frühjahr 2026 war ich dann zum Race-Training auf den Kanaren, dort bin ich das erste Mal alleine sieben Stunden am Stück gefoilt – rund 200 Kilometer. Da habe ich gemerkt: Der Rekord ist möglich.
Es war schwierig, denn das ganze Frühjahr über war die Wetterlage an der Ostsee sehr instabil. Die Vorhersagen änderten sich teilweise stündlich. Am Tag des Rekordversuchs war es etwas konstanter vorhergesagt, allerdings gab es auch diesmal Fronten, die den Wind störten oder verstärkten. Das große Fragezeichen war, ob der Wind den ganzen Tag über stark genug bleiben würde, um den Rekord zu ermöglichen.
Der Rekordversuch startete vor Damp, die Bojen waren rund zehn Kilometer voneinander entfernt. Direkt auf der zweiten Runde kam eine Front durch und der Wind schlief ein. Ich trieb im Wasser und dachte schon: „Das geht schief.“ Glücklicherweise kam der Wind recht schnell zurück und ich konnte das Rennen fortsetzen.
Ich habe zu Beginn immer nach zwei Stunden einige Minuten Pause gemacht. Flüssigkeit habe ich in einem Trinkrucksack am Körper mitgeführt, ebenso Energie-Gels und Riegel. Ich konnte also trinken und essen während des Foilens. Insgesamt habe ich knapp 30 Minuten Pause gemacht, die Netto-Foilzeit betrug also rund 11:30 Stunden.
Die Guinness-Regeln besagen: „Materialwechsel nur bei Bruch.“ Da nichts kaputtgegangen ist, bin ich komplett mit einem Set durchgefahren. Ich hatte ein Midlengthboard und einen 6,5er X-Race V2 Wing von Vayu, dazu ein Foil von Chubanga V3 mit 550 cm² Frontwing. Die Race-Foils sind natürlich sehr effizient, da bestehen Frontwing, Fuselage und Stabilizer aus einem Teil. Das erzeugt dann weniger Widerstand und auch eine bessere Kontrolle.
Es ist natürlich immer eine Wette. Ein größeres Foil hat Vorteile bei Windlöchern, fordert aber bei starken Böen mehr ab. Mein Wing war teilweise viel zu groß, denn der Wind nahm zeitweise auf knapp 27 Knoten zu. Ich hätte gerne auf einen kleineren gewechselt, aber das ist eben bei offiziellen Rekordversuchen nicht vorgesehen. Da hatte ich wirklich Angst, dass ich stürze und alles um die Ohren fliegt.
Ich hatte körperlich ein gutes Gefühl. Dass man es schafft, ist trotzdem nie sicher, denn es kann immer etwas schiefgehen. Das größte Fragezeichen war, ob der Wind die vollen zwölf Stunden durchhalten würde. Es gab im Vorfeld bereits ein großes Medieninteresse, das sorgt natürlich auch dafür, dass man nicht aufgibt, wenn es mal nicht läuft. Außerdem hatte ich natürlich keine Vorerfahrung damit, wie fit ich zum Ende des Tages noch sein würde. Meine längste Trainingssession war ja “nur” sieben Stunden lang gewesen. Nach neun Stunden hatte ich den offiziellen Rekord von Apalagakis gebrochen, danach ging es nur noch darum, auch den inoffiziellen Rekord zu schaffen, dieser lag ja bei 355 Kilometern. Das bedeutete, dass ich die letzten drei Stunden noch einmal ohne Pausen durchgezogen habe. Am Ende habe ich beide Marken geknackt - 375 Kilometer in zwölf Stunden.
Im Moment habe ich noch keine konkreten Projekte. Ich würde gerne mal auf dem Foil Lanzarote umrunden, aber das ist bisher nur eine Idee.

Redakteur surf
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