Julian Wiemar
· 04.02.2026
Maciek Boszko betreibt mit BOsport seit über 30 Jahren eine Windsurfschule im polnischen Chałupy auf der Halbinsel Hel. Im Sommer 2023 bekam er von seinen Kollegen ein besonderes Geschenk für seinen dreijährigen Enkel Henio: ein speziell entwickeltes Windsurf-Rigg namens „Super Kid". Das Set bestand aus einem Segel aus Kite-Nylon mit Marienkäfer-Muster, einem Plastikmast von einer Beachflag und einem verkürzten Junior-Gabelbaum. Die Segelfläche betrug etwa 0,5 Quadratmeter. Kombiniert mit einem aufblasbaren 2-Meter-Wingboard und einem gekürzten Mast als Finne funktionierte die spontan zusammengestellte Ausrüstung erstaunlich gut auf dem Wasser. Maciek begann nach ähnlichem Equipment zu suchen – vergeblich. Er fragte sich, warum Kindergarten- und Vorschulkinder schon Skifahren oder Fahrradfahren lernen, aber nicht Windsurfen? Die Antwort war simpel – laut dem Stationsbetreiber fehle es an geeigneter Ausrüstung und einem entsprechenden Schulungsprogramm.
Gemeinsam mit seinen Kollegen startete Maciek also eine Brainstorming-Runde. Die Anforderungen für das Rigg waren klar definiert: sehr geringes Gewicht, attraktive Farben mit kindgerechte Grafiken, Möglichkeit zur Nutzung eines Standard-Mastfußes sowie ein Gabelbaum, der je nach Fahrtrichtung unterschiedlich gefärbt ist. Piotr, ein Teammitglied, entwarf und nähte die Prototypen der Segel aus buntem Dimension-Polyant-Nylon, verstärkt mit einem Dacron-Rahmen. Es entstanden drei Größen: 0,4 Quadratmeter, 0,6 Quadratmeter und 0,8 Quadratmeter. Mast und Gabelbaum fertigte das Team aus Aluminiumrohren mit einem Durchmesser von 20 Millimetern und einer Wandstärke von einem Millimeter. Nach den Erfahrungen der letzten Saison entschieden sie sich, den Mast zu eloxieren. Die größte Herausforderung stellte der Gabelbaum dar. Auf Bitte des Teams entwarfen und fertigten befreundete Surfer die Gabelbaumköpfe und Endstücke mittels 3D-Druck.
Die bunten Segel mit kindlicher Grafik zogen sofort die Aufmerksamkeit von Kindern und Eltern auf sich.
Nach zahlreichen Anpassungen in Design und Material gelang es dem Team, die optimalen Beschläge für den Gabelbaum zu entwickeln. Die Gabelbäume wurden mit farbigem EVA-Schaum überzogen. Die drei Prototyp-Riggs erreichten folgende Gewichte inklusive Segel, Mast, Gabelbaum und Startschot: Das 0,4-Quadratmeter-Rigg wiegt 980 Gramm, das 0,6-Quadratmeter-Modell 1090 Gramm und das 0,8-Quadratmeter-Set 1250 Gramm. Nach vielen Versuchen mit den drei Riggrößen entwarf das Team zusätzlich ein speziell für Kinder entwickeltes Epoxy-Board. Das Board misst 200 Zentimeter in der Länge und 80 Zentimeter in der Breite. Es verfügt über ein flaches Design mit abgerundeten, sicheren Kanten sowie extra lange Schienen für Mastfuß, Finne und Schwert zur optimalen Einstellung. Das rutschfeste Deck zeigt ebenfalls kindgerechte Grafiken mit Schildkröte oder Krokodil.
Bereits im vergangenen Sommer beschloss das Team, nicht nur Macieks Enkel Henio, sondern auch andere Kinder mit dem neuen Equipment zu unterrichten. Der erste Schritt war, die farbenfrohen Kinder-Riggs auf der Strandpromenade vor der Windsurfschule auszustellen. Die bunten Segel mit kindlicher Grafik zogen sofort die Aufmerksamkeit von Kindern und Eltern auf sich. Schon eine Woche nach der Präsentation führte die Schule täglich mehrere Kurse für Kids im Alter von drei bis sechs Jahren durch, die nur zwischen 20 und 30 Kilogramm wogen. Das optimale Revier sei ein kleines Flachwassergebiet – etwa eine halbe Volleyballfeldgröße von neun mal neun Metern. Die Kursdauer beträgt 30 Minuten. Der optimale Wind läge abhängig von der Entwicklung des Kindes bei bis zu zehn, zwölf oder 15 Knoten. Wichtig sei zudem der enge Kontakt zwischen Trainer und Kind. Das Lernen erfolge hauptsächlich durch spielerische Elemente.
Das Programm erschließe einen neuen Markt und zöge besonders durch die freundlichen Farben und Grafiken Eltern mit kleinen Kindern an. Bislang gäbe es kaum vergleichbare Angebote, die Konkurrenz sei gering. Große Investitionen seien nicht erforderlich. (Die Riggs liegen preislich zwischen 200 und 250 Euro.) Weitere Optimierungen hinsichtlich Boardform, Finnen- und Schwertgrößen sowie der besten Setups werden laut Maciek in der kommenden Saison erfolgen.
Rigg:
Epoxy-Board:
Maciek Boszko betreibt mit BOSport seit 35 Jahren eine Windsurfschule in Chałupy auf der Halbinsel Hel in Polen. Er ist seit 20 Jahren Mitglied im VDWS und gründete die erste Windsurfschule in Prasonisi auf Rhodos. Derzeit bringt er seinem vierjährigen Enkel Henio das Windsurfen bei.
Infos unter www.heniosails.pl / www.bosport.pl, Bestellungen erfolgen direkt per Mail an maciek@bosport.pl
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