Die mittlerweile vierte Generation des Allround-Wings Fly geht mit Beginn der Saison 2026 mit einigen Veränderungen ins Rennen. Unter anderem soll die Geometrie der Front Tube angepasst worden sein, um eine höhere Steifigkeit in diesem Bereich zu erlangen. Auch die Outline wurde nach Angabe des Herstellers überarbeitet - mit kompakterer Flügelspannweite, vor allem bei den größeren Größen über 5,0 qm.
Die beiden Varianten - Fly 4 und Fly 4 Pro - sind in jeweils sieben Größen von 3,5 bis 6,5 qm erhältlich. Wir konnten die Modelle in der Größe 6,0 qm miteinander vergleichen. Beide Wings werden über zwei isolierte SUP-Ventile belüftet, der Fly 4 Pro kommt mit etwas geringerem Fülldruck aus, was in erster Linie an der Verwendung des Aluula-Materials liegen dürfte, welches der Pro-Version insgesamt mehr Steifigkeit verleiht. Beide Wings weisen recht viel V auf, auf dem Boden liegend sind die Flügelspitzen also sichtbar angehoben. Im vorderen Drittel ist die Tuchspannung sehr hoch, in Richtung Hinterkante sind beide Wings dann sichtbar locker geschnitten - kleine Mini-Batten stabilisieren die Trailing Edge.
Der Gewichtsvorteil der edlen Pro-Version (2,70 Kilo) gegenüber der Standard-Bauweise (2,96 Kilo) lag bei unseren Test-Wings bei 260 Gramm. Beide Wings sind jetzt mit einem erfreulich dünnen und angenehm zu greifenden Boom ausgestattet, der Pistol Grip steht vorne etwas weiter von der Mittelstrut weg und bietet dadurch viel Platz zum intuitiven Greifen. Gut geschützt sind die Nähte an der Front Tube, hier verhindern solide Kevlar-Patches Beschädigungen auf hartem Untergrund. Auch die Front Handle ist passend dimensioniert und steif genug, um Steuerimpulse gut umzusetzen. Die Durchsicht durch die kleinen Fenster fällt begrenzt aus, bei der Pro-Variante sind die Fenster zudem vergittert - wer sicher gehen möchte, sollte vor dem Halsen einmal den Wing liften und den freien Raum in Lee nicht nur durch die Fenster checken. Insgesamt sind beide Wings tadellos ausgestattet, nur eine Leash muss man im Shop einplanen, denn diese gehört nicht zum Lieferumfang dazu.
Bereits bei absolutem Leichtwind bieten beide Varianten des NeilPryde Fly 4 genug Lift, damit die Wings sofort schweben und man sich auf dem Board positionieren kann. Die Powercharakteristik, die den von uns getesteten Fly 2 bereits auszeichnete, wurde auch beim Fly 4 beibehalten. Vor allem mit aktiver Fahrweise lässt sich das untere Windlimit erstaunlich weit drücken, denn der Fly 4 nimmt Pumpzüge willig an, twistet effizient und erzeugt unterm Strich sehr viel Leistung. Die Pro-Version bietet das gleiche Power-Niveau, wirkt beim Anpumpen aber sogar nochmal agiler und etwas steifer - dadurch hat man das Gefühl, noch leichter und kraftsparender anpumpen zu können. Einmal abgehoben, lädt sich das NeilPryde Fly 4 spürbar auf, bietet gleichmäßigen Zug und eine stabile Fluglage - beste Voraussetzungen, um entspannt zu Cruisen, an seinen Manövern zu feilen oder mit kleinen Foils ein paar Runs mit Topspeed hinzulegen. Erfreulich: Das stärkere Flattern der Hinterkante, was bei den ersten Fly-Generationen bei unseren Tests noch spürbar war, konnten wir beim aktuellen Fly 4 in der Größe mit 6,0 qm nicht beobachten.
Im Freeride-Einsatz liegt der Fly 4 Pro vergleichbar ausgewogen in den Händen wie die Standard-Variante, allerdings hat man einfach immer das Gefühl, einen etwas kleineren, handlicheren Wing zu fliegen. Gleiches gilt auch für Manöver - der Fly 4 überzeugt hier bereits auf ganzer Linie, der Pro wirbelt aber einfach noch etwas flinker und neutraler durch sämtliche Tricks. Führt man die Wings nur an der Front Handle, etwa bei Abreiten von Dünungswellen, pendeln sich beide schön neutral aus und bieten erfreulich wenig störendes Eigenleben. Zudem bleibt die Hinterkante auch bei Ritten nach Lee erfreulich lange oben. Nur spekulieren können wir über die Freestyle-Eignung, denn unsere Testgröße war überwiegend mit längeren Midlength-Boards im Einsatz. In jedem Fall bieten beide Wings reichlich Lift, was für hohe Jumps eine gute Voraussetzung ist.
Der NeilPryde Fly 4 glänzt als Wing mit gutem Einsatzbereich von Freeride über Downwind bis hin zu Wave: Das Power-Niveau ist überdurchschnittlich, Flugstabilität und Manöverhandling sind ebenfalls top. Vor allem bei Leicht- und Mittelwind hat er besondere Stärken, wodurch er auch für Binnenreviere mit wenig Wind ein Tipp ist. Der Fly 4 Pro bietet nochmals mehr Leichtigkeit und Agilität, weil er etwas straffer ist, kann man ihn vor allem in starken Böen sogar noch kraftsparender fahren. Unterm Strich sind die reinen Performance-Vorteile (Take-off, Speed) kaum messbar, allerdings bekommt man bei Handling und Kontrolle mit der Pro-Version nochmal ein fühlbares Upgrade. Ob dieses Plus den Mehrpreis rechtfertigt, muss jeder selbst entscheiden. Sicher ist, dass man mit keinem der beiden Wings einen Fehlkauf tätigt, wenn man auf der Suche nach einem tadellosen Allround-Wing ist.

Redakteur surf