Redaktion

Surf Skates: Wie Waveriding auf Asphalt

  • Peter Garzke
21.12.2017

Surf-Skates sind der neue Trend auf der Straße. Was diese von normalen Skateboards unterscheidet und wie man die Boards als Windsurfer nutzen kann, um sein Waveriding zu verbessern, verrät Peter Garzke.

Peter Garzke (48) ist seit langem Windsurf-Profi und leitet als Hochschulsport-Beauftragter an der Uni Kleve viele Sportkurse für Studenten.

Peter, Surf-Skates sind der aktuellste Trend auf der Straße. Was unterscheidet diese Bretter von klassischen Longboards? Erstmal muss man sagen, dass es keinen echten Oberbegriff dafür gibt. Die Boards werden je nach Marke als Surf-Skates, Surf-Trainer oder Carver bezeichnet. Gemeinsam haben sie, dass sie mit Skateboarden auf Longboards wenig zu tun haben – deswegen bekommt man die Dinger auch in kaum einem Skate-Shop. Es ist viel näher am Surfen als am Skaten, viele Wellenreit-Pros nutzen die Boards bereits als Trainingsgerät, um Technik und Style zu trainieren. Der Hauptunterschied ist die extrem bewegliche und leicht nach hinten versetzte Vorderachse, was ein wenig Eingewöhnungszeit erfordert, weil das Brett dadurch sehr wacklig ist. Aber man merkt schnell, wie nahe die Bewegungsabläufe am Surfen dran sind.

Surf-Trainer funktionieren, ohne dass man einen Fuß zum Schwung holen vom Board nehmen muss. Wie funktioniert das? Genau, das Konzept funktioniert ohne das übliche Schwungholen mit einem Fuß auf der Straße. Man kann sich stattdessen in Schwung "pumpen", wenn man sein Denken davon frei macht, auf einem Skateboard zu stehen. Der erste Baustein für einen schön gecarvten Bottom Turn beim Windsurfen liegt in der Rotation des Oberkörpers: Idealerweise gibt die Bewegung der Schulterachse die Richtung für das Brett vor, will heißen: Schiebe ich das Segel mit gestrecktem vorderen Arm nach vorne und zur Kurveninnenseite, wird auch das Brett dorthin carven. Beim Cutback dann umgekehrt: Kopf und Schulterachse drehen Richtung Wellental, das Brett carvt hinterher. Der zweite wichtige Aspekt der Waveriding-Technik ist eine doppelte Hoch-Tief-Bewegung: Man initiiert den Bottom Turn mit eher gebeugten und vorgedrückten Knien und kommt am Ende des Turns idealerweise in eine Streckung – dadurch beschleunigt das Brett im Turn. Dass man auch vor dem Cutback nochmal leicht tiefgehen und im anschließenden Turn wieder strecken sollte, habe ich selbst auch erst durch das Fahren auf meinem Surf-Trainer gelernt – auch das nach über 30 Jahren Wave-Erfahrung. Auch im Cutback kann man dadurch statt einzuparken nochmal auf dem Rail beschleunigen und mehr Spray generieren. In Summe ist die Technik auf dem Surf-Trainer nahezu eine 1:1-Kopie der perfekten Windsurf-Technik und daher ideal, um mit Spaß sein Waveriding zu verbessern.

Die Bewegungsabläufe sind viel näher am Windsurfen als am Skaten - so Peter Garzke.

Auch bei diesen Boards gibt es bereits jede Menge Auswahl. Was würdest du zum Anfangen empfehlen? Generell muss man sich bewusst sein, dass Surf-Skates bzw. Trainer nicht wie Longboards ein entspanntes Transportmittel im eigentlichen Sinne sind, um von A nach B zu kommen. Es geht hier um eng gecarvte Radien und Turns, nicht um zurückgelegte Strecke. Unter den Boards gibt es Modelle mit größerem Achsenabstand, die ein Carving-Gefühl vermitteln wie auf einer 6-Meter-Welle, mit lang gecarvten Turns. Boards mit kleinen Achsenabständen ähneln vom Gefühl her dem Backfoot-Waveriding in der Ostsee-Brandung – mit schnellen kurzen Haken. Zum Beginnen würde ich ein Mittelding empfehlen. Sehr leichte Surfer oder Mädels kommen mit kürzeren Modellen in der Regel besser klar.

Wie startet man am besten? Ein minimales Gefälle hilft, denn Anschwung mit dem Fuß zu geben, ist aufgrund der sehr wackeligen Vorderachse erstmal schwierig. Zu steil darf es aber keinesfalls sein, denn die Dinger werden downhill sehr unkontrolliert und die Sturzgefahr ist dann groß. Früher oder später muss man aber an seiner Technik feilen und das "Pumpen" mit der angesprochenen Oberkörper-Rotation und der Hoch-Tief-Bewegung lernen.

Was kosten die Boards und welches würdest du empfehlen? Die meisten Boards liegen so bei 200 bis 300 Euro. Es gibt mehrere Marken, etwa Carver ( www.carverskateboards.com ), Miller ( www.millerdivision.com ) oder Surf Skate (www.surfskate.com). Ich habe einiges probiert und bin ein Fan von Smoothstar ( www.smoothstar.com ) geworden, weil diese Boards nochmal etwas drehfreudiger sind als die anderer Marken.

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 6/2017 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

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