Slingshot Phantasm 730 Windsurf Foil im Test Slingshot Phantasm 730 Windsurf Foil im Test Slingshot Phantasm 730 Windsurf Foil im Test

Slingshot Phantasm 730 Windsurf Foil im Test

  • Julian Wiemar
 • Publiziert vor 2 Monaten

Echte Höhenflüge sind mit dem 103-Zentimeter-Mast möglich, doch das ist nicht die einzige sportliche Herausforderung auf dem „Phantasm“ Foil von Slingshot.

Das Phantasm 730 Foil an Land

Das „Phantasm“ (surf-Messung: 5,58 kg) tritt bei Slingshot die Nachfolge des Modells „Ghostwhisper” an und ist als agiles Freeride- und Manöverfoil konzipiert. Der Vollcarbonmast bietet mit 103 Zentimetern viel Bodenfreiheit, ist trotz seiner Länge aber bocksteif. Auch die verbreiterte Verbindung vom Mast zur Alu-Fuselage wirkt extrem steif, wird mit drei Torx-Schrauben fixiert und wirkt, wie alle Teile des Foils, sehr passgenau. Stichwort „Schrauben”: Benötigte man in der Vergangenheit bei Slingshot-Foils mitunter eine halbe Werkzeugkiste, reicht jetzt ein Tool – dieses gehört, wie auch eine passende Tasche, Neoprencover für die Flügel und Kupferpaste gegen Korrosion, zum Lieferumfang. Mast und Montageplatte bestehen beim Phantasm 730 aus einem Teil.

Manuel Vogel Ein agiles, manöverfreundliches Foil, mit 103-Zentimeter langem Vollcarbonmast.

Das Phantasm 730 Foil auf dem Wasser

Gibt es tatsächlich noch leiser als lautlos? Denn Foiling ist ja grundsätzlich bereits durch weitgehend fehlende Fahrgeräusche gekennzeichnet. Doch auf dem Slingshot Phantasm wirkt alles noch mal ein paar Dezibel stiller. Vermutlich schlagen da nur die Sinne ein Schnippchen, denn vor allem der gefühlt sehr geringe Fahrwiderstand führt wohl zu diesem besonders weichen, schnellen und ruhigen Fluggefühl. Das gesamte Set-up wirkt sehr steif und direkt und vor allem sehr leichtfüßig. Mit sehr geringem Widerstand schneidet das Foil trotz reichlich Fläche des Front Wings durchs Wasser, der lange Mast leitet jeden Steuerimpuls ungefiltert weiter. Dabei erfordert das Foil schon etwas Erfahrung, es nimmt Fußdruck sehr gut an, will aber auch mehr geführt werden. Sowohl um die Längsachse wirkt es eher etwas spielerisch als gelockt und auch in die Höhe geht es manchmal schneller, als man es bei den ersten Ausflügen vielleicht erwarten würde. Ziemlich schnell ist der „oh shit“-Point da. Der Punkt, wenn man die kritische Höhe erreicht hat, an dem üblicherweise die Strömung abreißt und ein kapitaler Schleudersturz unvermeidlich ist. Doch auf dem Phantasm passiert – nichts. Da folgt erst mal die Erleichterung und dann die Erkenntnis, dass der Mast ja im Vergleich zu einem üblichen 80er- oder 85er-Mast noch rund 20 Zentimeter Reserve bietet. Mehr Mastlänge gleich mehr Zeit zum Reagieren lautet die einfache Formel – wobei die schnelle Reaktion des Foils das teilweise wieder relativiert. Die Flüge im zweiten Stock wirken jedenfalls erhaben, sind für Foileinsteiger aber manchmal vielleicht ein flight level zu hoch. Fortgeschrittene können aber die agile Reaktion „runter-rauf“ und den langen Mast für immensen Schwung beim Springen nutzen. Vor der Welle tief abtauchen und dann mit langem Beschleunigungsweg in den Orbit katapultieren – das Foil verliert dabei kaum Speed und reagiert direkt und schnell – eben anders als etwas langsamere, Einsteiger-optimierte Foils, wie zum Beispiel das Severne Alien. Ebenso flink geht es auch durch Turns, allerdings nur mit etwas mehr Gefühl im Fuß, auch hier möchte das Foil geführt werden, bietet dann aber eben auch reichlich Potenzial.

Manuel Vogel Der Vollcarbonmast bietet mit 103 Zentimetern viel Bodenfreiheit, ist trotz seiner Länge aber bocksteif.

surf-Fazit

Ein leichtfüßig und schnell wirkendes Foil mit guten Sprungeigenschaften, das trotz über 1400 Quadratzentimetern Fläche im Frontflügel ohne viel Widerstand durchs Wasser zischt. Die Verarbeitung wirkt sehr solide und die Komponenten sitzen besonders solide zusammen. Für fortgeschrittene Foiler ein schnelles Teil mit viel Potenzial für flotte Manöver.

Infos unter www.slingshotsports.de

Themen: Foilsschon gefahrenSlingshot


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