Italien: Die besten Windsurf-Spots am Lago di St. CroceFoto: Woife Strasser

ItalienItalien: Die besten Windsurf-Spots am Lago di St. Croce

Wolfgang Strasser

 8/2/2021, Lesezeit: 10 Minuten

Auch der Lago di St. Croce rund 90 Kilometer nördlich von Venedig kann mit verlässlicher Thermik glänzen - aber mit mehr Ruhe als der Gardasee.

Nach unserer Rückkehr aus Griechenland 2002, wo wir eine Surfstation betrieben haben und einem ersten Besuch am Gardasee, wurde uns klar. „Das ist keine Option für uns zum Windsurfen“; zu viel Hektik und zu teuer als Familie! Also erinnerte ich mich an Windsurfgäste aus Venetien, die von einem See mit sehr verlässlicher Thermik erzählten, wo es kaum Windsurfer gäbe. Unsere Tochter war schon eingeschult und somit machten wir uns zu den Pfingstferien auf zum Lago di Santa Croce, von dem wir eigentlich gar nichts wussten, nur wo der See ungefähr liegt! Alleine die Fahrt durch die Dolomiten war schon ein Erlebnis: eine stattliche Schlange, die neben uns an der Brotzeitbank in der Nähe von Cortina eine Maus verschlang. Am See angekommen konnten wir es gar nicht glauben, denn es wehten fünf Beaufort und nur drei Windsurfer waren auf dem ganzen See. Wir dachten nur: „Wow!“

Und es sollte so bleiben, schönes Wetter und täglich Wind. Nur am Wochenende war an der Baywatch-Bar was los: sage und schreibe 20 Windsurfer. Wir waren zu dieser Zeit am ganzen See die einzigen deutschen Windsurfer. Es herrschte eine gemütliche Atmosphäre und wir trafen sehr freundliche und hilfsbereite Einheimische. Somit verbrachten wir die letzten Jahre sehr viel Zeit in dieser Region und fanden vor Ort viele Bekannte und Freunde! Als unsere Tochter noch kleiner war und wir schon den Frühwind am Lago Morto gesurft sind, ging es immer mal wieder für einen Tagesausflug nach Lignano (115 km) an Strand und Meer. Abends noch in den Luna Park, somit war die ganze Familie zufrieden. Fazit: Wer eine ruhige Gegend zum Windsurfen sucht und auf Starkwind verzichten kann, ist in der Region Belluno mit dem Lago di Santa Croce gut aufgehoben.

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Der Lago Morto ist ein kleines Nordwind-Eldorado.Foto: Woife Strasser
Der Lago Morto ist ein kleines Nordwind-Eldorado.
Die Südthermik am Lago di Santa Croce ist zuverlässig, vor allem im Frühjahr – dann ist aber ein dicker Neo ratsam.Foto: Woife Strasser
Die Südthermik am Lago di Santa Croce ist zuverlässig, vor allem im Frühjahr – dann ist aber ein dicker Neo ratsam.
Unter Windsurfern aus der Region Venedig ist der Lago di Santa Croce kein Unbekannter.Foto: Woife Strasser
Unter Windsurfern aus der Region Venedig ist der Lago di Santa Croce kein Unbekannter.
Bild 4Foto: Woife Strasser
Für eine gute Session am Lago Morto muss man früh aufstehen.Foto: Woife Strasser
Für eine gute Session am Lago Morto muss man früh aufstehen.
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Der Lago Morto ist ein kleines Nordwind-Eldorado.Foto: Woife Strasser
Der Lago Morto ist ein kleines Nordwind-Eldorado.
Der Lago Morto ist ein kleines Nordwind-Eldorado.
Die Südthermik am Lago di Santa Croce ist zuverlässig, vor allem im Frühjahr – dann ist aber ein dicker Neo ratsam.
Unter Windsurfern aus der Region Venedig ist der Lago di Santa Croce kein Unbekannter.
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Für eine gute Session am Lago Morto muss man früh aufstehen.
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Allgemeine Infos:

Der Lago di Santa Croce ist ein Voralpensee in Venetien, Italien, zirka 90 Kilometer nördlich von Venedig gelegen. Der Stausee ist der zweitgrößte See Venetiens in der Provinz Belluno mit einer Fläche von 7,8 km², einer Länge von 5,5 Kilometern, mittlere Tiefe 33 Meter. Der Hauptort ist Farra d’Alpago auf der NO-Seite des zirka 390 Meter hoch gelegenen Sees. Das Westufer ist unbesiedelt, am Südende liegt der kleine Ort Santa Croce al Lago. Die Ge­gend ist bei Wind- und Kitesurfern, aber auch bei Paragleitern, Wanderern, Anglern und Mountainbikern aus Norditalien, Tirol und Südbayern beliebt, aber nicht überlaufen. Die steilen Berge rund um den See bieten unzählige Wanderwege und Mountainbike-Strecken. Darüber hinaus befindet sich in der Nähe auch der Wintersportort Nevegal. Neben den kleinen Orten wie Farra d’Alpago, Santa Croce und Puos d’Alpago befindet sich die Prosecco-Region mit dem Ort Valdobbiadene in unmittelbarer Umgebung. Prosecco direkt beim Winzer einkaufen und vor Ort Verkostungen sind ein weiteres Highlight in der Region. Für Paragleiter gilt der Monte Dolada als Highlight, oft fliegen Paragleiter bis zum See und landen direkt am Surfspot beim Campingplatz in Farra.

Anreise: Von München zirka 390 Kilometer über Innsbruck-Brenner-Ausfahrt Brixen, dann Landstraße Richtung Brunneck; bei Innichen rechts die Bergstraße hoch nach Cortina d‘Ampezzo. Quasi über die Dolomiten und dann Richtung Venedig zum Lago di Santa Croce und zur Ortschaft Farra d‘Alpago.

Wohnen & Campen: Hotel Albergo alla Spiaggi direkt am Spot www.albergoallaspiaggia.com/. Außerdem : Im Dorf Farra (ca. fünf Minuten zu Fuß zum See) Bed and Breakfast Da Guerrino (über diverse Booking-Plattformen buchbar).

Campingplatz Farra d‘Alpago: www.sarathei.it/de/

Villa al Lago B&B www.villaallago.it/ am Süd­ende des Sees in Santa Croce (mit Auto fünf Minuten zu den Spots)

Weitere Unterkünfte B&B und einfache Privat­unterkünfte im Web je nach Geschmack.

Essen und Bars: Snack Bar la Vela auf dem Weg zur Baywatch- Bar, 150 Meter vorher. Gleich nebenan Bar da Fortunato mit schöner Terasse und Blick auf die Seemitte.

Albergo Ristorante Bellavista oberhalb am Hügel mit einen unvergesslichen Ausblick über den Lago di Santa Croce – Via Piantura 22 in Farra. Eine Gute Pizzeria gibt’s auf dem Campingplatz Sarathei. Albergo Pizzeria Ristoranti Dolomiti Frazione La Secca 5,32014 La Secca (5 km entfernt von Farra).

Lago di St. CroceFoto: Woife Strasser
Lago di St. Croce

Wind, Wetter & Neoprenempfehlungen: Der Lago di St. Croce liegt zwar in Bella Italia, aber gerade im Frühjahr (März/April) kann sowohl das Wasser mit etwa 10-12 Grad als auch die Außentemperatur am Tag mit 15-20 Grad ziemlich frisch sein – nachts sogar oft leichte Minusgrade. Das Schmelzwasser aus den umliegenden Bergen fließt direkt in den See. Daher empfiehlt sich in den Monaten März und April ein dicker Neoprenanzug mit Schuhen und Neopren-Haube. Ab Mai erwärmt sich der See dann schnell auf 20 Grad, und in den Sommermonaten reicht ein Kurzarm-Steamer oder oft ein Shorty. Das Zauberwort für Wind am Croce nennt man „il Thermico da Sud“, also thermischer Südwind, der bei Hochdruck-Einfluss meist ab der Mittagszeit entsteht und im Frühjahr zwischen März und Mai (oft ab 11:00 Uhr) mit bis zu sieben Beaufort weht. Da der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht sehr groß ist, kann sich die Thermik durch die umliegenden Berge, mit bis zu 2500 Meter Höhe und wenig Flora, am stärksten entfalten.

Oft weht die Thermik aus Süd, bis die Sonne gegen 19:00 Uhr hinter den Bergen verschwindet. Ab 17:00 Uhr wird der Wind zwar immer böiger, aber die Böen sind mehrere Fußballfelder groß und stark; also noch perfekt für Freestyle und Manöver jeder Art, da der See flach bleibt.

Auch Juni und Juli bringen noch etwa 50 bis 70 Prozent Gleitwind, die Windrange bewegt sich dann zwischen vier und fünf Beaufort und im besten Fall sechs Beaufort. Erst im Hochsommer, Mitte Juli/August, schwächt sich die Thermik durch das feuchtwarme Wetter ab und der Regelwind liegt dann eher bei drei bis vier Windstärken. Nur bei Kaltlufteinbrüchen kann es im August danach auch zwei, drei Tage guten Wind mit vier bis sechs Beaufort geben.

Ab September bis November nimmt die Windstärke und Häufigkeit am Croce wieder zu. Oktober/November kann das Phänomen Nebelwind entstehen: In der Ebene Venetien bis Venedig entsteht durch das Meer und die Abkühlung bis auf einer Höhe von 200-300 Metern Nebel. Am Lago di Santa Croce (ca. 400 Meter hoch gelegen) und in den Bergen herrscht strahlender Sonnenschein und meist um die 20 Grad oder mehr – durch diesen Temperaturunterschied entsteht eine stationäre Kaltfront am See und eine Thermik bis sieben Beaufort.

Die Gewitterhäufigkeit nimmt im Hochsommer Juli/August zu (durch die nächtliche Abkühlung in den Bergen und das enge Tal entsteht kräftiger Nordwind), dann kann morgens zwischen 5:00 bis 10:00 Uhr am Lago Morto, der auf 273 Metern und wenige Kilometer südlich des Lago di Santa Croce liegt, mit sehr gutem Nordwind mit fünf bis sieben Beaufort gerechnet werden. Auch in den anderen Monaten kann es am Lago Morto mit zirka 50 Prozent Gleitwind aus Nord geben. Von dem guten Nordwind in der Früh am Morto ist am Croce nur ein leichter Nordwind (1-2 Bft.) zu spüren.

Die beiden Seen sind ideal für Freerider und die Disziplinen Slalom/Foil (Anfänger/Aufsteiger) und Freestyle. Die Segelgröße liegt zwischen 5,5 bis 8,5 Quadratmeter. In den windstarken Monaten bis Juni und ab September, fahre ich als Freestyler mit 78 Kilo Segel mit 4,8 bis 5,2 qm. Am Lago Morto bei Gewitter und Nordströmung Segel von 4,4 bis 5,6 qm. Das Wasser bleibt an beiden Seen flach, mit positivem Chop!

Windinfos zu finden bei:

Alternativprogramm:

Gleitschirmflüge: www.deltaclubdolada.it/

Wakeboarden Farra d‘Alpago: www.dolomitiwb.com/en/

Segelverein/Schule Südufer: Santa Croce am Croce mit Webcam Blick nach Norden zum Spot Farra und Campingplatz Sarathei: www.lnibelluno.it/

Infos für Bergtouren etc. in den Dolomiten:

Ausflüge nach Belluno, Vittorio Veneto, Trevisio, Venedig.

Lago di St. Croce - die Spots

1 Farra d‘Alpago

Als Wind- und Kitesurfer gleichermaßen gut ins Wasser kommt man in Farra d’Alpago am Strand vor dem Campingplatz. Achtet hier etwas auf den Wasserstand, der kann in den Sommermonaten schon mal etwas niedriger sein und der Untergrund dann schlammig (ähnlich Neusiedler See). Als Gast des Campingplatzes hat man direkten Zugang zum Strand, andernfalls gibt es einen großen Parkplatz direkt davor (mit Gebühr). Eine neue WC-Anlage und Duschen an der Liegewiese sind vorhanden. Zum Wasser sind es etwa 100 Meter und zum Aufriggen gibt es genügend Platz. Hier kommt der Wind auflandig. Je nach Windstärke gibt es Flachwasser bis leichten Chop. Der See ist an dieser Stelle zirka 2,5 Kilometer breit; das einzige Problem für Surfer ist hier, dass der Hotspot der Kiter direkt vor dem Campingplatz liegt und es somit an Wochenenden und in der Ferienzeit schon mal richtig voll werden kann. In diesem Fall bei entsprechendem Wind einfach Höhe ziehen und aufkreuzen und schon hat man sehr viel mehr Platz. In der Seemitte weht auch meistens der beste Wind. Der Einstieg hier ist Kiesel und Sand und auch oft mal schlammig; im Wasser gibt es einige gut sichtbare Steine.

Frühaufsteher sind auch hier im VorteilFoto: Woife Strasser
Frühaufsteher sind auch hier im Vorteil

2 Poetto „Baywatch-Bar“

Der Hotspot der local Windsurfer ist hier; das Kiten ist an dieser Stelle behördlich verboten! An der Baywatch-Bar stehen etwa 50 Parkplätze zur Verfügung (gegen Gebühr). Vor der Liegewiese (Rasen und Kiesel), die in Konzession der Bar ist, gibt es große schattenspendende Bäume und darunter einige Bänke zum Relaxen. Hier kann mit Rücksicht auf die wenigen Sonnenbadenden problemlos aufgeriggt und das Material abgelegt werden. Gleich in Luv befindet sich der Segel- und Surfclub.Der Wind kommt hier von links und zirka eine halbe Stunde eher an als am Campingplatz und ist fast immer einige Knoten stärker als in Farra. Durch perfektes Flachwasser gut zum Heizen und Freestylen. Kommt der Wind mehr südöstlich, ist er auf der gegenüberliegenden Seeseite um zwei bis drei Beaufort stärker und vor der Baywatch-Bar eher nur böig. In diesem Fall zirka 500 Meter Richtung Seemitte dümpeln, dann ist man meist schon im Windfeld. Der Spot Baywatch-Bar liegt etwa auf Seemitte und hier ist der stärkste Windbereich. Der Einstieg erfolgt über eine betonierte Rampe mit drei bis vier Meter Breite. An guten Windtagen kommt der Wind ab 17:00 Uhr mit richtig starken und langen Böen zum Tricksen direkt auf Höhe Baywatch-Bar und bleibt meist bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet! Je nach Jahreszeit sind hier an den Wochenenden 20 bis 50 Windsurfer auf dem Wasser. Unter der Woche nur zehn bis 20 oder weniger – selbst während deutscher Ferienzeit. Also „alles easy“ und entspannt. Viele Locals kommen aus Venedig und Trevisio und man trifft immer wieder die selben vor Ort und das schon seit vielen Jahren. Wer freundlich grüßt, wird sofort herzlichst aufgenommen. Bis jetzt war es nie ein Problem vor Ort im Bus oder Auto zu übernachten (einige Windsurfer aus der Gegend Venedig und Trevisio machen das am Wochenende). Allerdings gibt es hier keine öffentliche WC-Anlage; Toiletten nur an der Baywatch-Bar.

3 Lago Morto

Der Lago Morto, neun Kilometer südlich des Lago di Santa Croce gelegen, ist ein kleiner zirka 1,5 Kilometer langer und rund 600 Meter breiter See und liegt auf einer Höhe von etwa 270 Meter. Vom Lago di Santa Croce Richtung Süden auf der berühmten Strada Statale 51 di Alemagna nach Fadalto fahren, wo gleich unterhalb der Straße der See zu erkennen ist. Im Ort vor der Bar Bristot rechts in die Via della Ferrovia etwa 500 Meter direkt zum Spot. Hier gibt es genügend Parkplätze, bisher ohne Gebühr, zum Wasser sind es 50 Meter. Auf der Liegewiese vor dem See kann aufgeriggt und das Material abgelegt werden.

Der Wind aus Nord setzt meist in der Nacht um 2:00 Uhr ein, je nach Monat kann oft schon kurz nach 5:00 Uhr mit der Morgendämmerung gesurft werden. Der Wind weht in der Seemitte am besten; das Wasser bleibt flach und lädt zum Heizen und Tricksen ein. Um etwa 7:30 Uhr kommt die Sonne über die Berge und macht ein besonderes Licht und erzeugt ein tolles Gefühl. Die Sonne versetzt dem Wind noch mal einen Kick und er wird meist noch für eine Stunde stärker. An guten Tagen bläst der Wind bis etwa 10:00 bis 11:00 Uhr, durch die zunehmende Erwärmung wird er jedoch immer schwächer.