Windsurf-Spot Preluk - der windigste Spot KroatiensFoto: Wolfgang Strasser

KroatienWindsurf-Spot Preluk - der windigste Spot Kroatiens

Wolfgang Strasser

, Manuel Vogel

 5/22/2022, Lesezeit: 6 Minuten

Der frühe Vogel fängt den Wurm – Frühaufsteher kommen in Preluk in den Genuss der wohl besten Windquote der nördlichen Adria.

Straßenhändler bestücken ihre Stände, an den Promenaden werden die Überreste der letzten Partynacht weggefegt und die Boote schaukeln träge in der schon stechenden kroatischen Morgensonne – die Tage an der Küste zwischen Rijeka und dem Fährhafen Brestova beginnen meist beschaulich, bevor am Vormittag die Touristenscharen aus den liebevoll restaurierten Villen und Hotels an die umliegenden Strände ziehen.

Nur im äußersten Norden der Kvarner Bucht, am Strandabschnitt Preluk, ist alles anders: Dort herrscht bereits im Morgengrauen hektisches Treiben. Grund dafür ist, dass hier ein lokales Windphänomen für die wohl beste Windquote an der nördlichen Adria sorgt – Kenner sprechen von 150 bis 200 Tagen mit Gleitwind pro Jahr. Das kroatische Hinterland ist bergig und steigt bereits wenige Kilometer von der Küste entfernt auf über 1000 Meter Höhe an. Weil es sich dort oben in den Nächten spürbar stärker abkühlt als über dem Meer, setzt in der Nacht ein kühler Bergwind ein, ähnlich wie der bekannte Nordwind am Gardasee. Die kühle und damit schwere Luft rauscht nun durch ein Tal hinab zur Adria und schießt direkt in Preluk als ablandiger Wind aufs Meer hinaus. Je nach Größe der Temperaturunterschiede kommt der hier „Tramontana“ genannte Bergwind in den Sommermonaten meist mit drei bis fünf Windstärken an, im Frühjahr und Herbst aber auch oft stärker.

Einziges Manko: Wer erst mal zum Bäcker schlendert und „zemicke“, also Brötchen, holt, verpasst das Beste des Tages, denn der Wind setzt im Sommer in der Regel in den frühen Morgenstunden ein und hält bis maximal 10:00 Uhr durch. Der Unterschied zum Gardasee ist dabei vor allem der, dass man hier an heißen Sommertagen nicht darauf hoffen muss, am Nachmittag eine zweite Chance zu bekommen, den Rest des Tages siecht die Adria meist in der Sommerhitze dahin – was wiederum auch Vorteile bietet: Man kann dann nämlich entspannt und ohne die Urangst vieler Windsurfer, den Wind zu verpassen, auf Entdeckungsreise gehen. Die Region bietet zahlreiche Highlights für Natur- und Kulturliebhaber – egal ob Wandern im bergigen Hinterland, Ausflüge nach Rijeka, Opatija oder Pula oder einfach nur Faulenzen am Strand.

 Preluk, im Hintergrund der Ort VoloskoFoto: Wolfgang Strasser
Preluk, im Hintergrund der Ort Volosko
Preluk ist in der heißen Sommerzeit oft der einzige Ort an der nördlichen Adria mit regelmäßigem Gleitwind aus Nord.Foto: Wolfgang Strasser
Preluk ist in der heißen Sommerzeit oft der einzige Ort an der nördlichen Adria mit regelmäßigem Gleitwind aus Nord.
Bild 2Foto: Wolfgang Strasser
Preluk liegt nahe Volosko, südwestlich von RijekaFoto: SURF Magazin
Preluk liegt nahe Volosko, südwestlich von Rijeka
Einsteigen kann man vor dem alten Campingplatz Preluk oder gegenüber im Örtchen Volosko. Dort gibt‘s auch ein kleines Windsurfcenter.Foto: Wolfgang Strasser
Einsteigen kann man vor dem alten Campingplatz Preluk oder gegenüber im Örtchen Volosko. Dort gibt‘s auch ein kleines Windsurfcenter.
 Preluk, im Hintergrund der Ort VoloskoFoto: Wolfgang Strasser
Preluk, im Hintergrund der Ort Volosko
Preluk ist in der heißen Sommerzeit oft der einzige Ort an der nördlichen Adria mit regelmäßigem Gleitwind aus Nord.Foto: Wolfgang Strasser
Preluk ist in der heißen Sommerzeit oft der einzige Ort an der nördlichen Adria mit regelmäßigem Gleitwind aus Nord.
Preluk ist in der heißen Sommerzeit oft der einzige Ort an der nördlichen Adria mit regelmäßigem Gleitwind aus Nord.
Bild 2
Preluk liegt nahe Volosko, südwestlich von Rijeka
Einsteigen kann man vor dem alten Campingplatz Preluk oder gegenüber im Örtchen Volosko. Dort gibt‘s auch ein kleines Windsurfcenter.
 Preluk, im Hintergrund der Ort Volosko

Allgemeine Infos:

Anreise: Volosko ist ein kleiner Ort in der Kvarner Bucht, gelegen zwischen den bekannten Städten Rijeka – 2020 Kulturhauptstadt – und dem mondänen Opatija. Das einstige Fischerdorf hat sich inzwischen zu einem beliebten Urlaubsziel entwickelt, versprüht aber immer noch den ursprünglichen Charme eines verträumten, ruhigen Örtchens. Ein Highlight des Ortes ist sicherlich die zwölf Kilometer lange Strandpromenade „Lungo Mare“, welche die Urlaubsorte Opatija und Lovran mit Volosko verbindet und zu einer traumhaften Wanderung entlang der Buchten mit ihren unzähligen Villen aus der österreichischen Kaiserzeit einlädt. Von München aus sind es zirka 540 Kilometer bis nach Volosko. Weiter nach Krk zum bekannten Spot Punat sind es noch mal etwa 60 Minuten Fahrt, den Top-Spot Premantura in Süden der Halbinsel Istrien erreicht man von Preluk aus in knapp 1:30 Stunden – man hat also noch gute Alternativen für Wetterlagen mit starker Bora oder Scirocco.

Wind, Wetter & Neoprenempfehlungen: Das angenehme in Nordkroatien ist, dass selbst im November und Dezember das Thermo­meter am Tag mit Sonne oft auf 12 bis 17 Grad steigt. Eine gute Zeit ist auch der Frühling – 20 Kilometer von der Küste entfernt liegt dann oft noch Schnee auf den Bergen, während am Meer schon der Frühling Einzug gehalten hat und die Orangen- und Zitronenbäume blühen. Der Spot Preluk hat locker 150 Tage im Jahr brauchbaren Gleitwind, im Hochsommer weht es meist mit 10-18 Knoten, im Frühjahr und Herbst oft auch stärker. Zwischen Juni und September reicht bei Wassertemperaturen zwischen 23 und 26 Grad ein dünner Neo, in der Nebensaison kann es auch mal frisch werden. Wenn noch leichte Bora aus Nordost weht, ist Preluk oft sehr böig, bei starker Bora an der gesamten Küste geht gar nichts am Spot – dann heißt es: Auf nach Punat oder Premantura! Am besten funktio­niert Preluk also bei ruhiger Großwetterlage und klaren Nächten, dann kann sich das lokale Windphänomen in Ruhe entfalten. Eine Vorhersage gibt’s hier.

Künden die Vorhersage oder der „Super Forecast“ in der Früh leichten nördlichen Wind an und es ist eine sternenklare Nacht, ist der Spaß ab dem Morgengrauen so sicher wie das Amen in der Kirche. Auch eine Webcam gibt’s am Spot.

Wohnen & Campen: Wohnen kann man direkt am Spot in Preluk, z.B. im Design Hotel Navis. Es gibt aber in Volosko viele Unterkünfte je­der Preisklasse. Der nächste Campingplatz ist aller­dings knapp 17 Kilometer entfernt.

Windsurfspot PrelukFoto: Woife Strasser
Windsurfspot Preluk

Der Windsurfspot Preluk

Am frühen Morgen erwarten Freestyler, Freerider und Slalompiloten hier in den Sommermonaten – klare Nächte vorausgesetzt – regelmäßig ablandige 10 bis 18 Knoten. Wer erst noch ausgiebig frühstückt, muss sich später die Ge­schichten vom Surftag anhören, denn ein bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang schläft der Wind im Hochsommer meist schon wieder ein. Es gibt zwei Einstiegsmöglichkeiten: Die ers­te in Volosko am Hafen beim Surfclub (de-de.facebook.com/dsnmvolosko/) und der Cafe-Bar „Surf“, wo auch der Treff­punkt der Windsurfer ist.

Wie fast überall in Kroatien ist die Küste eher steinig, Schuhe sind kein Fehler. Außerdem wird es schnell tief, es gibt keinen nennenswerten Stehbereich. Halbwegs sicheres Höhelaufen ist an diesem Spot also Voraussetzung. Parkplätze am Spot gibt’s im Sommer gegen Gebühr, ab September bis April sind diese dann kostenlos. Der Wind ist die ersten Hundert Meter schwach und böig von links, was aber mit großem Material kein Problem darstellen sollte. Die Spotbedingungen sind ideal für alle Trickser, Heizer und Manöverfans, denn das Wasser bleibt aufgrund des ablandigen Windes immer schön glatt, was den Spot sehr einfach zu fahren macht.

Preluk, Blick Richtung RijekaFoto: Woife Strasser
Preluk, Blick Richtung Rijeka

Eine weitere Startmöglichkeit hat man gegenüber von Volosko am alten und verwaisten„Camp Preluk“, mit einem großen Parkplatz davor (bei unserem letzten Besuch im Oktober 2020 war dieser noch gebührenfrei). Der Wind weht hier von rechts, man steigt über einen kleinen Kiesstrand ein und muss dann etwa 100 Meter nach Lee abfallen, um so richtig in der Windzone zu sein. Damit man bei eventuell nachlassendem Wind wieder zurück zum Strand kommt, ist es kein Fehler, ein etwas größeres Board zu fahren. Apropos Board: Am Marotti Windsurf Centar in Volosko kann man sein eigenes Material einlagern oder aus einem begrenzten Materialpool Anfänger- und Freeridematerial sowie SUP-Boards ausleihen.

Weitere Infos zum Surfcenter gibt’s HIER.