Die besten Windsurfspots auf Mallorca im Spotguide

Julian Wiemar

 · 22.08.2019

Die besten Windsurfspots auf Mallorca im SpotguideFoto: Luke Jertz / Valentin Böckler

Malle ist nur einmal im Jahr - windig. Zumindest lautet so ein gängiges Vorurteil über das Balearen-Eiland Mallorca. Eine Truppe deutscher Windsurfer machte sich auf, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Malle is’ nur einmal im Jahr – windig? Es ist sicher richtig, dass die balearische Insel Mallorca nicht gerade einen Ruf als Windsurf-Hochburg genießt. Direkt nach der boot Düsseldorf im Januar, bei fünf Grad, null Wind und Dauerregen wollten wir – Valentin Böckler, Loris Vietoris, Luke Jertz und meine Wenigkeit – nur noch weg und stolperten über eine Vorhersage mit fettem Sturmtief im Mittelmeer, direkt vor den Balearen. Bei genauerer Betrachtung erschien uns ein Trip nach „Malle“, trotz aller Vorurteile, als zunehmend reizvoll: Tolle Landschaft, günstige und kurze Flüge, bezahlbare Unterkünfte und warmes Klima ergaben ein durchaus reizvolles Gesamtpaket.

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Wir buchten kurzerhand eine Unterkunft samt Mietwagen und wenig später zerrten wir unsere Bags bei 16 Grad und 20 bis 30 Knoten aus dem Flughafengebäude­ direkt zum verwaisten Ballermann. Unser Mietwagen stand uns noch nicht zur Verfügung, also begannen wir unser Balearen-Abenteuer zu Fuß. Letztlich endete unser Versuch, mit dem Boardbag direkt vom Flughafen zum Strand runter zu laufen, ohne ein Taxi zu nehmen, vor einer vierspurigen Autobahn, die uns die letzten Meter bis zum Strand abschnitt. Aufs Wasser haben wir es trotzdem geschafft – innerhalb von sechs Tagen erkundeten wir sechs verschiedene Spots, die wir euch im folgenden Guide gerne vorstellen möchten.

Die Spots erstrecken sich vom Süden in Palma entlang der Ostküste bis zu den beiden großen Buchten ganz im Norden. Die steile Westküste der Insel eignet sich hingegen nicht zum Windsurfen.

Nach einer Woche Mallorca war auf jeden Fall klar: Malle ist windig, sicher nicht nur einmal im Jahr – wer flexibel ist und nach Vorhersage fliegen kann oder mit Familie und Alternativprogramm im Gepäck anreist, kann hier – keine drei Stunden entfernt von Kälte und Nieselregen – im Winterhalbjahr durchaus auf seine Kosten kommen.

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Foto: Luke Jertz

Allgemeine Infos

Anreise: Der Flughafen in Palma ist aus ganz Europa sehr einfach per Direktflug zu erreichen. Die Flugzeit von Deutschland beträgt zwischen zwei und drei Stunden, Fluglinien wie Ryanair oder Eurowings bieten ganzjährig günstige Flüge an. Bei Eurowings kann man 32 Kilo Surfgepäck für 50 Euro pro Strecke direkt online dazubuchen. Bei Ryanair ist das Sondergepäck auf 23 Kilo beschränkt – statt das Bag vollzustopfen, sollte man besser ein zweites Sportgepäck aufgeben. Vom Flughafen erreicht man dann mit dem Auto innerhalb von höchstens 1,5 Stunden Fahrtzeit alle Orte auf der Insel. Um ein Mietauto kommt man nicht herum, wenn man auf Mallorca Windsurfen möchte – die Preise für Mietwagen sind in Spanien aber vergleichsweise günstig.

Wohnen & Campen: Wir haben uns über Airbnb ein Häuschen an der Südküste Mallorcas in unmittelbarer Strandnähe in S’Estanyol de Migjorn gemietet. Im Winter ist das Dorf so gut wie ausgestorben, es hat uns aber sehr gut gefallen, besonders auch wegen der relativ zentralen Lage zwischen den Spots. Einer der besten Wavespots ist von dort in nur 15 Minuten mit dem Auto zu erreichen. Wildes Campen wird auf Mallorca nicht geduldet und allgemein dürfte die Insel für Campingfreunde nicht das bevorzugte Ausflugsziel sein. Es gibt nur zwei offizielle Zeltplätze, einen am Kloster Lluc im Tramontana-Gebirge und einen weiteren am Picknickplatz Es Pixarells. Für Wohnmobile gibt es in Inca einen gut ausgestatteten Stellplatz und, laut Erfahrungsberichten, auch ein paar schöne „wilde“ Ecken, an denen es abseits der Hauptsaison in der Regel keine Probleme bezüglich Übernachtung gibt.

Wind, Wetter & Neoprenempfehlungen: Die Balearen können im Sommer mit einer zuverlässigen, aber sehr moderaten Thermik aufwarten – ein Guide der besten Sommerspots steht bereits auf unserer Agenda. Im Winterhalbjahr können der aus Nordwest bis Nordost wehende Mistral und vor allem der Poniente aus Südwest bis West richtig gute Windsurfbedingungen mit sich bringen. Poniente ist an den Durchzug von Tiefdrucksystemen gebunden, die sich vor allem zwischen Oktober und April auf den Weg übers Mittelmeer machen. Generell braucht man ein Hoch über dem Atlantik und ein Tief über der Mittelmeerküste, um starken West- oder Südwestwind auf Mallorca abzubekommen. Und genau das haben wir einige Tage erlebt: Ein Mix aus Wolken, Sonne und Regen mit Windrichtungen von Südwest bis Nordwest bescherte uns gute Tage in Serie. Für Windsurf-Reisende bedeutet dies, dass man sich auch auf richtigen Starkwind und kleine Segelgrößen einstellen kann.

Foto: Windfinder

Selbst zwischen Dezember und Februar liegen die durchschnittlichen Luft- und Wassertemperaturen bei um die 15 Grad, im Oktober und April sogar deutlich darüber. Wenn die Sonne rauskommt, fühlt es sich an wie an einem schönen Frühlingstag auf der Nordsee. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte im Winter trotzdem einen fünf Millimeter dicken Neo und dünne Schuhe einpacken. Vor allem bei Poniente können an der Südküste Mallorcas schöne Brandungswellen entstehen. Weht es mehrere Tage durch, sind Wellenhöhen von über drei Metern drin.

Surfstationen: Direkt nahe der Hauptstadt Palma gibt es die „Bonaona“ Surfschule (www.surfschoolmallorca.com). Diese ist hauptsächlich auf den Verleih von SUP-Boards und Wellenreitern ausgelegt, bietet aber auch Windsurfkurse für Anfänger an. Auch am El Niño Surf Center (www.paddlesurfmallorca.com) geht’s hauptsächlich um SUP & Surf – zumindest Freeride-Windsurfmaterial bekommt man aber auch hier. Weiter im Norden, in Porto Pollensa, findet man Sail & Surf Pollença (www.sailsurf.de). Da die Center in der Regel im Winter geschlossen sind, empfiehlt es sich trotzdem mit eigenem Material anzureisen.

| Foto Valentin Böckler
| Foto Valentin Böckler

Shops: Im Pipeline Surf Shop in Can Pastilla (www.mallorcapipeline.com), der unter anderem auch der offizielle Vertrieb für I-99 in Spanien ist, sollte man auf jeden Fall vorbeischauen, wenn man Ersatz-Equipment oder Accessoires braucht, oder sich noch einige Local-Tipps zu den Spots der Umgebung abholen möchte.

Alternativprogramm: Das mögliche Alternativprogramm für Mallorca füllt ganze Reiseführer. Vor allem der bergige Nordwesten, die Serra de Tramuntana, mit ihren schroffen Bergen, saftig grünen Tälern und dem 1445 Meter hohen Puig Major, ist landschaftlich äußerst reizvoll und selbst in der Ferienzeit vergleichsweise ruhig. Es gibt zahlreiche Wege zum Wandern oder Biken – teilweise mit atemberaubendem Meerblick. Zahlreiche Klöster, Felsenburgen und Baudenkmäler zeugen von der bewegten Geschichte der Insel und auch ein Besuch der Höhlen, z.B. der Coves del Drac mit ihrem unterirdischen See, sind echte Highlights. Die genannten Surfcenter verleihen auch SUP-Boards, mit denen sich die Küste auf andere Art erkunden lässt.

Schattenseiten: Wer Mallorca im Winterhalbjahr bereist, muss auch mal mit wechselhaftem Wetter rechnen, es gibt kein konstantes Windsystem, welches die Spots verlässlich mit Gleitwind versorgt – vergleichbar ist das mit der Wetter­lage bei durchziehenden Tiefs im Herbst an Nord- und Ostsee. Große Teile der Insel sind vom Massentourismus gezeichnet – fast ein Viertel der Inselfläche ist versiegelt. Im Sommer zeigen sich Wassermangel und teilweise verschmutztes Meer als Symptome der fast 300.000 Gästebetten der Insel. Glücklicherweise hat auf Mallorca seit knapp zehn Jahren ein Umdenken eingesetzt – weg vom Ballermann-Image, hin zu mehr Qualität und Nachhaltigkeit.

Die besten Windsurfspots auf Mallorca:

1 Can Pastilla

Unweit von „Ballermann“ und Flughafen liegt Can Pastilla, ein Spot, den es sich vor allem bei starkem Poniente aus West anzusteuern lohnt. Dann bieten sich vor dem Strand klassische Sideonshore-Bedingungen mit Wind von rechts. Über einer recht flachen Sandbank baut sich hier eine ganz nette, steile Welle zum Springen auf, auch richtige Frontsideritte sind problemlos möglich. Der beste Einstieg befindet sich beim Aquarium in Can Pastilla, vom dortigen Parkplatz sind es knapp 100 Meter an den Sandstrand. Zum Teil sortiert die in Luv gelegene Hafenmole die Wellen und mindert den Chop. Weil es hier, abgesehen von etwas Strömung, kaum Gefahren gibt und die Welle moderat auf Sand bricht, haben hier durchaus alle ihren Spaß – Cracks und Wellen-Aufsteiger. Ideal sind die Wellen, wenn auflandiger Südwestwind auf West dreht. Bei Nordwest bläst es zwar sideshore, aber aufgrund der Bebauung und des Hafens wird es dann schnell böig und die Wellen verabschieden sich aufgrund der Lage in der Bucht von Palma schnell. Ebenfalls ein Tipp ist Can Pastilla bei starkem Südostwind – dann gibt’s gute Brandung mit schräg auflandigem Wind von links. Auch zum Wellenreiten und SUPen ist der Spot überaus beliebt – alleine auf dem Wasser ist man hier nie. SUP-Verleih und Ersatzmaterial gibt’s vor Ort.

Can Pastillo auf Mallorca | Foto Valentin Böckler
Can Pastillo auf Mallorca | Foto Valentin Böckler

2 Sa Ràpita

Gut zwanzig Kilometer südöstlich von Can Pastilla liegt Sa Ràpita, ein Spot der ähnliche Bedingungen bietet und ebenfalls bei Westwind ideal funktioniert. Locals behaupten, es handele sich hier um einen der besten Wave­spots der Insel. Auch hier bläst der Westwind schräg über die Hafenmole, die Abdeckung des Hafens fällt hier jedoch etwas kleiner aus, wodurch der Wind auch bei sideshore noch gut durchkommt. Außerdem läuft die Welle hier auch etwas länger, da die Sandbank sich etwas weiter nach draußen zieht. Von Westen kommend folgt man der MA-6021 durch Sa Ràpita, bis man am Ende des Orts auf der rechten Seite die Einfahrt zum Club Nàutic (Port Esportiu) sieht. Dort kann man entweder kostenlos vor der Schranke parken und ein paar Meter bis zum Wasser laufen oder man fährt in den Hafen rein und zahlt sechs Euro Parkgebühr. Die Investition lohnt sich angesichts des wunderschönen Sandstrandes, toller Wasserfarben und überraschend kraftvoller Brandung für jeden Wavefan allemal. Auch hier läuft die Welle auf Sand aus, sodass man selbst als ungeübter Waver zumindest wieder am Strand ausgespuckt wird. Südwestwind kommt auflandig, die Strömung wird dann stark und der Brandungsgürtel endlos.

3 Colonia de Sant Jordi

Südwestwind drückt hier genau auflandig in die enge Bucht und bildet schöne, kleine Dünungswellen, die auf beide Seiten zum Abspringen genutzt werden können. Zwischen den Wellen bleibt das Wasser richtig glatt, ein Spaß für alle Manöver- und Freestylefans. Der Wind muss aber passend auf Südwest stehen, damit der Spot richtig funktioniert, was nicht so oft vorkommt. Am Hafen des Dorfs Colonia de Sant Jordi gibt es ein Restaurant namens „Sal de Cocó“. Dahinter befindet sich eine kleine Slipanlage, durch die man ins Wasser einsteigen kann. Aber Vorsicht: Es kann hier rutschig sein.

Mallorca überrascht mit seinen vielfältigen Spotbedingungen | Foto Valentin Böckler
Mallorca überrascht mit seinen vielfältigen Spotbedingungen | Foto Valentin Böckler

4 Porto Colom

In der geschützten Bucht von Porto Colom kommen bei Starkwind aus Nord- bis Südwest alle Surfer auf ihre Kosten, die keine Lust auf Brandung haben und stattdessen an Gleitmanövern üben wollen. Viele Yachtbesitzer ankern auch in der Bucht wegen des geringen Seegangs. Westlich des Spots liegende Häuser und Berge sind für die relativ böigen Bedingungen verantwortlich, die man mit denen auf einem Baggersee vergleichen kann – nur die Szenerie ist hier schöner. Wenn man über die Ma-4010 nach Porto Colom reinfährt, biegt man am großen Kreisverkehr links ab und folgt der Ma-4060 auf die östliche Seite der Bucht. Auf Höhe des SUP-Centers am „Playa Arenal“ kann man parken und an dem kleinen Sandstrand ins Wasser gehen.

5 Badia d’Alcudia

Im Norden der Insel gibt es zwei besurfbare Buchten. Die südlichere und größere ist die Badia d’Alcudia. Hier baut sich bei nördlichen Richtungen, je nach Stärke, ein ganz guter Chop auf, bei länger anhaltendem Starkwind entsteht auch Brandung. Nach unserer Erfahrung ist der Wind in dieser Bucht auch ein bisschen stärker als in der nördlicher gelegenen Badia de Pollença. Wir sind an einem steinigen Strand bei S’Estanyol eingestiegen, weil die Bedingungen dort am besten aussahen. Um dort hinzugelangen, muss man der Ma-3331 Richtung Norden folgen bis es links nach „Urbanització s’ Estanyol“ abgeht. Am Ende der Straße biegt man wieder links ab und fährt um das kleine Dorf herum bis man links das Wasser sieht. Dort kann man vor einer kleinen Wiese parken und eine steile Treppe ans Wasser runtergehen. Vorsicht: Auf den ersten fünfzig Metern vom Ufer können noch vereinzelt Steine liegen. Hier am besten erst aufs Brett steigen, wenn es etwa brusttief ist. Unweit westlich, vor der El Sol Sunshine Bar, kommt man etwas entspannter über Sand aufs Wasser und findet ebenfalls spaßige Bump & Jump-Bedingungen mit (schräg) auflandigem Wind vor. Einige hundert Meter weiter östlich soll, nach Angabe der Locals, bei starkem Nordostwind ein Pointbreak an der östlichen Felsnase der Bucht zum Leben erwachen – Cracks juchzen dann bei Wind von rechts und cleanen Frontsideturns.

6 Badia de Pollença

In der kleineren Badia de Pollença herrschen ähnliche Bedingungen wie in Alcudia, das Wasser ist jedoch etwas glatter und der Strand sandig. Hier kann man ganz entspannt beim Kite Center Pura Vida direkt an der Straße (Ma-2220), die am Ufer entlang führt, parken. Im Uferbereich ist das Wasser seicht, auch Aufsteiger surfen hier sicher. Wird es doch mal wellig, finden Flachwasserfans am nördlichen Ende der Bucht, rund ums Center Sail & Surf Pollensa, noch glattes Wasser vor. Im Sommer weht hier zudem eine moderate auflandige Thermik – mehr dazu verraten wir euch in einem Guide der Sommerspots Mallorcas.