North Sails greift wieder an – Revolution im Segeldesign?Foto: John Carter

Segel-WaveNorth Sails greift wieder an – Revolution im Segeldesign?

Manuel Vogel

 4/28/2022, Lesezeit: 4 Minuten

Lange wurde das Windsurf-Comeback von North Sails angekündigt, jetzt kommen die ersten Segelmodelle und Masten auf den Markt – mit Technologie aus dem America’s Cup.

Lange Zeit war North Sails eine DER Marken im Windsurfen, vor einigen Jahren zog man den Stecker und konzentrierte sich voll aufs Kerngeschäft – Hochleistungssegel für Rennyachten. Jetzt kehrt die Brand wieder zurück zu den Wurzeln und bringt dabei die Technologie aus dem Rennsport einfach mit. Bis Mai 2022 sollen die ersten Modelle des Herstellers in die Shops kommen. Was man davon erwarten kann, verrät Pieter Bijl von North Sails im Interview.

Pieter, nach vielen Ankündigungen kommt North Sails jetzt tatsächlich zurück. Welche Produkte werden bald verfügbar sein?

Seit Mitte April gibt‘s das Modell „Wave“ in allen Größen – 3,3/3,7/4,2/4,7/5,3 und 5,8, die Preise liegen zwischen 899 und 1149 Euro. Aufgrund der 3Di-Konstruktion, bei der die Fasern aus Dyneema und Aramid für jede Größe genau in Zugrichtung auflaminiert werden, können wir die Segel mit weniger Latten druckpunktstabil gestalten, weil die Form ins Segel einlaminiert ist. Alle Größen bis 4,7 kommen mit drei Latten aus, 5,3 und 5,8 sind dann als Vierlatter konzipiert. Wir haben einen Importeur, der in Kiel sitzt und die Segel in die Shops bringen wird.

Pieter Bijl mit einem Prototypen des Modells “Wave”Foto: BK1
Pieter Bijl mit einem Prototypen des Modells “Wave”

Welche Masten empfehlt ihr für die neuen Segel?

Die Biegekurve bei North Sails ist ziemlich Contant Curve, was ja von vielen Marken verwendet wird. Wir haben zwei Rdm-Masten im Sortiment: Einen normalen 100er Carbonmast, der extrem haltbar ist, und den Ultimate Rdm. Dieser wird in Australien gefertigt, in einer Technologie, die Tow-Preg genannt wird. Eine Maschine wickelt alle mit Harz vorgetränkten Fasern um den Dorn und kann die Faserrichtung beim Aufwickeln steuern.

Wie unterscheidet sich das von der normalen Mastproduktion?

Normalerweise steuert man die Biegekurve über die Materialstärke. Dort, wo dick gewickelt wird, wird der Mast steifer. Dort, wo er sich biegen soll, ist das Material dünner. Mit unserer Technologie können wir die Wandstärke überall gleich dick halten oder sogar erhöhen – aber trotzdem über den Winkel, in dem die Fasern aufgesponnen werden, die Biegung an dieser Stelle erhöhen. Es gibt also keine Schwachstellen mehr.

Teamfahrer Antoine Martin zerlegt eine südafrikanische WelleFoto: Samuel Tomé
Teamfahrer Antoine Martin zerlegt eine südafrikanische Welle

Ab wann wird’s diese Masten geben?

Die Masten werden mit den Segeln gemeinsam verfügbar sein.

Wie geht’s nach dem Launch der Wavesegel weiter? Folgen weitere North Sails Modelle?

Im Mai soll es das Modell „X-Over“ geben, das in den kleinen Größen zwischen 3,7 und 5,0 als Power-Wave-Segel konzipiert ist und zum Heizen und Manöversurfen ebenfalls gut passt. Verglichen mit dem Modell Wave hat es eine Latte mehr und mehr Profil, eine längere Gabel und den Druckpunkt etwas weiter hinten. Was es insgesamt etwas kraftvoller, schneller und fahrstabiler macht. Die Größen 5,4/5,8 und 6,2 haben ein etwas weiter ausgestelltes Unterliek und damit mehr Leistung. 6,7er und 7,4er sind dann als reine Freemove- oder Freeride-Segel mit Fokus auf Gleiten, Speed und Kontrolle konzipiert.

North Sails ist ja voll im Regattasport involviert. Verwunderlich, dass ihr nicht mit Race-Segeln startet. Oder?

Im Herbst soll tatsächlich ein reines Race-Segel kommen, wir sind da gerade schon sehr weit. Es folgen dann Foil-Racing-Segel und auch ein Freerace-Segel für die Masse. Es wird mittelfristig also eine komplette Segel-Range geben.

Bei der 3Di-Bauweise werden Fasern exakt in Zugrichtung auflaminiertFoto: Paul Todd/Outsideimages.com
Bei der 3Di-Bauweise werden Fasern exakt in Zugrichtung auflaminiert

Werden alle Segelmodelle in der 3Di-Bauweise produziert?

Ja, genau. Beim Wave- und Race-Segel werden der Segelkörper und sogar die Masttasche mit Dyneema- und Aramid-Fasern laminiert. Das ganze Segel ist also ein einziges Teil, es gibt keine Nähte. X-Over- und Freerace-Segel werden einen laminierten Segelkörper haben, aber eine Standard-Masttasche aus Tuch. Denn die Preise sollen für diese Zielgruppe im Rahmen bleiben.

Danke Pieter für das Gespräch!

Einen ersten Eindruck vermittelt auch das folgende Video. Sobald die Segel verfügbar sind, nehmen wir diese natürlich für euch unter die Lupe und probieren sie aus – einen Fahrbericht lest ihr bald im Surf Magazin.

Weitere Infos gibt’s HIER