DänemarkWindsurf-Trip mit dem Segelboot durchs Kattegatt

Arne Jörn

 · 26.07.2026

Windsurfen mitten in der Ostsee - Arne Jörn und Ben Behrendt gingen auf Spot-Suche mit dem Segelboot
Foto: Ben Behrendt
Arne Jörn und Ben Behrendt entdeckten mit dem Segelboot das Kattegat – und stellten fest, dass „Heimat“ und „geheim“ manchmal ziemlich nah beieinander liegen.

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Freitag, 16:30 Uhr: Ich stehe an der Kasse und schaue dabei zu, wie die Kassiererin sichtlich genervt die letzten Artikel über das Band zieht. Nun ist auch der dritte Einkaufswagen voll, aber so ist das eben am Anfang der Ferien. Es geht nämlich mit dem Segelboot, der Familie, ein paar Freunden und natürlich den Surfsachen ins Kattegat, den nördlichsten Teil der Ostsee. Denn während der alljährliche Run auf Cold Hawaii zur Ferienzeit seinen Höhepunkt erreicht, sind sie hier noch zu finden – die einsamen, unberührten Spots der Ostsee.

Endelave - unbekanntes Eiland

Unser Plan ist, die windfreien Tage zu Beginn zu nutzen, um von Kappeln aus der Schleimündung so weit wie möglich gen Norden zu segeln, um dann das nächste Tief in Endelave abzupassen. Die Überfahrt verläuft reibungslos und wird von gutem Wetter gekrönt. Mit Wind von hinten und einigen Schweinswal-Sichtungen bewegen wir uns in Richtung Kleiner Belt. So ist auch die Debatte um die Berge an Surfsachen, die, wie der Skipper sagt, „das ganze Boot blockieren“, bald wieder vergessen. 24 Stunden und einen Stopp später laufen wir in den Hafen von Endelave ein. Endelave ist eine kleine Insel, relativ naturbelassen, etwa sieben Kilometer lang. Dort wohnen nur knapp 150 Einwohner. Wir machen im kleinen Hafen auf der Nordwestseite fest. Viel ist hier nicht los, aber man findet auch hier einige Ferienhäuser, einen Campingplatz und einfache Unterkünfte nur wenige hundert Meter vom Wasser entfernt. Vom Hafen aus brechen wir auf zu einem Inselspaziergang sowie einer kurzen Angeltour. Nach einigen Stunden kehren wir mit einem Lächeln in den Hafen zurück. In unserem Kescher befindet sich eine Meerforelle – der, wie ich finde, beste Speisefisch, den die Ostsee zu bieten hat. Auch das Menü für morgen sieht lecker aus: Auf dem Speiseplan steht Nordwestwind mit fünf Windstärken, das bedeutet: Abendessen, den Sonnenuntergang genießen und ab ins Bett.

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​Unser Skipper sagt, das Surfzeug blockiere das ganze Boot.

Was gibt es Besseres, als aufzuwachen und das erste Geräusch des Tages ist das Pfeifen des Windes um die Masten der Boote?! Die Insel bietet flache Küstenabschnitte mit Sandboden, großem Stehbereich und sogar einer Rasenfläche zum Aufriggen direkt am Hafen. Durch die offene Lage bekommt Endelave konstanten Wind aus unterschiedlichen Richtungen ab. Bei Nordwest- bis Nordwind entstehen kabbelige Bump-&-Jump-Bedingungen mit kleinen Windwellen und kleinen Chops zum Springen. Fahren kann man hier also alle Windrichtungen von West- bis Ostwind. Je östlicher der Wind jedoch kommt, desto böiger wird es, dafür bleibt das Wasser westlich des Hafens dann schön glatt. Der Spot eignet sich vor allem für Freeride, Freestyle, Anfänger und klassische Starkwindtage auf offenem Wasser. Im Westen des Hafens erstreckt sich ein schmaler, sehr flach einlaufender Sandstrand mit ausreichend Stehrevier für Anfänger. Durch die geringe Bebauung und die entspannte Inselatmosphäre wirkt hier alles sehr gelassen und man ist oft alleine auf dem Wasser.

Familie Jörn verwandelte das Boot in ein schwimmendes MateriallagerFoto: Ben BehrendtFamilie Jörn verwandelte das Boot in ein schwimmendes Materiallager

Wir nutzen die windigen Stunden so gut es geht, denn wir wissen: Die kommenden Tage werden eher windschwach sein. Für uns bietet das ruhige Wetter aber auch die Gelegenheit, gemütlich nach Norden zu schippern. Dabei genießen wir feinstes Wetter und einige Landgänge durch die naturbelassene Landschaft Dänemarks. Nicht zu vergessen natürlich die andauernde Makrelenzeit, die sich in großem Fangerfolg bemerkbar macht. Makrele satt, das hält alle bei Laune. Ebenso wie die Wettervorhersage, die ein neues Tief mit Wind aus Nordwest verspricht.

Ankunft auf Anholt

Nach einer langen Nacht laufen wir in den Hafen von Anholt ein. Mitten im Kattegat zwischen Schweden und Dänemark gelegen, rau, bergig und abgelegen. Wer mal ein Reise abseits der ausgetretenen Pfade machen möchte, sollte hierherkommen! Die Insel ist bei Seglern bekannt für ihre langen Sandstrände, die weiten Dünenlandschaften und das klare Wasser. Rund um den kleinen Hafen sammeln sich Ferienhäuser, Bars, eine Eisdiele, ein kleiner Supermarkt und einige einfache Unterkünfte, die besonders im Sommer von Urlaubern genutzt werden. Hier erwartet uns am Weststrand echtes Karibikflair: ein lang gezogener, weißer Sandstrand, türkisfarbenes Wasser, viele Badegäste und einige Boote. Am Hafen lädt gerade ein Fischer seinen Fang aus, während wir ein Eis an der Eisdiele genießen und dem langsam zunehmenden Nordwind zuschauen, wie er erste Schaumkronen über die Ostsee zieht.

Zum Surfen ist der Wind noch zu wenig, daher geht es auf eine Wanderung zum Ostzipfel der Insel. Die hügelige Heidelandschaft ist herrlich. Auf dem Weg begegnen uns einige Wanderer, viele Kaninchen und eine Reihe von kunstvollen Holzskulpturen am Wegesrand. Etwas erschöpft erreichen wir unser selbst gesetztes Ziel, den Leuchtturm. Doch der stetig auffrischende Wind motiviert nicht gerade, es hier länger auszuhalten als unbedingt nötig. Also schnell wieder zurück zum Hafen! Gegen Abend schleppe ich meinen Surfkram zum Nordstrand und habe dort eine entspannte Sunset-Wavesession mit Publikum und einem wundervollen Sonnenuntergang. Direkt am Nordstrand Anholts befindet sich nämlich die sogenannte Orakel Bar. An klaren Sommerabenden finden sich hier viele Segler ein, um den Blick auf die im Meer untertauchende Sonne bei ein paar Drinks zu genießen.

Auf Anholt ist auch eine Wave-Session drinFoto: Ben BehrendtAuf Anholt ist auch eine Wave-Session drin

Windsurfen mitten in der Ostsee

Auch am nächsten Morgen zeigt sich die Ostsee von ihrer besten Seite. Über Nacht haben sich Wellen aufgebaut, die geordnet an der Mole über die Sandbänke rollen. Durch die isolierte Lage bekommt Anholt nahezu ungestörten Wind aus allen Richtungen ab. Vor allem bei West- bis Nordwind entstehen am Nord- und Weststrand saubere Windwellen und feine Rampen zum Springen. Bei stärkerem Ostwind bauen sich auf der Südseite überraschend gute „Bølger“ auf, die die Steilküste sauber entlanglaufen. Selbst an guten Tagen sind nur wenige Leute auf dem Wasser und es ist ein cooles Gefühl, mitten in der Ostsee zu surfen. Wichtig ist hier jedoch, seine Grenzen zu kennen, da man bei der falschen Windrichtung aufs offene Meer getrieben werden kann.

Gleich zwei Wave-Sessions werden eingetütet, bis der Wind auf Nord dreht und abnimmt. Weg mit dem Wavematerial, her mit dem Slalomsegel, um ein paar Runden zu heizen. Ziemlich erschöpft und außerordentlich glücklich geht es dann abends auf den Grillplatz, an dem uns abermals ein fantastischer Sonnenuntergang erwartet. Die nächsten Tage sehen eher mau aus, also geht es für uns weiter in Richtung Norden. Leider bringt der am nächsten Morgen einsetzende Südwind einige Wolken und etwas Regen mit sich.

Vielfältige Spots auf Læsø

Gleichwohl kommen wir gut voran und verbringen nach einer regnerischen Überfahrt ein paar Tage auf Læsø. Obwohl diese Insel flächenmäßig größer ist als Sylt, hat sie kaum jemand auf dem Zettel. Nicht mal die Dänen selbst, denn laut Wikipedia ist Læsø „die am dünnsten besiedelte Gemeinde Dänemarks“. Læsø bietet endlose Sandstrände, eine flache, Landschaft und einige mit Seegras bedeckte Häuser, deren Dächer tonnenschwer aussehen. Natürlich gibt es auch hier die typischen Ferienhäuser und netten Campingplätze, die sich an die Dünen anschmiegen.

Freeriden mitten in der OstseeFoto: Ben BehrendtFreeriden mitten in der Ostsee

Auch Læsø bekommt jede Windrichtung sauber ab und bietet dadurch viele unterschiedliche Surfmöglichkeiten. Die besten Spots sind eine nach Norden geöffnete Lagune und die Strandabschnitte direkt westlich des Vesterø Havn. Hier findet man alles von Freeride- bis hin zu Bump-&-Jump-Bedingungen, wenn der Wind aus Südwest bis Nord bläst. Durch die flachen Küstenbereiche gibt es außerdem große Stehbereiche, die auch für weniger erfahrene Surfer interessant sind. Nur an Tagen mit besonders starkem Wind baut sich hier eine kleine Welle auf – eher nordisch rau als perfekt geordnet.

Von Flachwasser bis Welle: Letzte Sessions im Norden Fyns

Die Tage vergehen und langsam aber sicher müssen wir wieder auf den Weg zurück nach Süden. Nach mehreren langen Segeltagen kommen wir in Korshavn, einem kleinen Naturhafen im Norden von Fyn an. Korshavn und die dahinterliegende kleine Lagune bei Fyns Hoved bieten einen Surfspot, wie man ihn sich nicht besser wünschen könnte.

Ich verbringe fast den kompletten Tag im Neo: Erst steht eine Trainingssession mit meinen kleinen Geschwistern in Korshavn an. Durch die geschützte Lage funktioniert der Spot besonders gut bei West- bis Südwind. Dann baut sich auf dem flachen Wasser hinter dem Damm fast kein Chop auf, wodurch der Spot perfekt zum Foilen, Freeriden und für Freestyle geeignet ist. Weiter draußen wird das Wasser kabbeliger und bietet kleine Chops zum Springen. Durch das glatte Wasser und die schützende Landzunge ist Korshavn auch an stärkeren Windtagen gut für Einsteiger geeignet und ideal für lange Sessions auf dem Foil.

Von Korshavn wurde auf „Kurs heim“ gewechselt.Foto: Ben BehrendtVon Korshavn wurde auf „Kurs heim“ gewechselt.

Zum Ausklang des Tages checken wir auch noch die nahe Lagune von Fyns Hoved, die inmitten von Dünen, Wiesen und offener Natur liegt. Rundherum gibt es nur wenige Ferienhäuser und kaum Infrastruktur, die Lagune selbst ist flach, aber bis auf die Nordseite nicht allzu seicht. Gerade im inneren Bereich steht immer genug Wasser, um mit kurzen Finnen entspannt zu fahren. Das macht die Lagune zum Üben oder für erste Fahrversuche ideal, da man fast überall stehen kann.

Kleine Wellen am Bøgebjerg Strand

Am nächsten Tag hat der Wind einen so starken Nordeinschlag, dass wir auf Bøgebjerg Strand, einen Spot weiter im Süden, ausweichen und dort einige kleine Kicker genießen. Richtige Wavebedingungen gibt es hier zwar eher selten. Aber bei Nord- bis Nordostwind kann sich etwas ungeordneter Swell aufbauen, der am flach abfallenden Strand in kleine, locker brechende Wellen übergeht. Es gibt hier eher kleine, unregelmäßige Wave-Sections für kurze Abritte und mehrere vorgelagerte Sandbänke. Genau das macht den Spot für Einsteiger im Wavebereich interessant, da man immer wieder stehen kann und die Wellen nur wenig Druck haben.

Leider flaut der Wind schon früher ab als gedacht und am nächsten Tag geht es weiter in Richtung Süden. Einige Tage später legen wir wieder in Kappeln an. Nachdem wir Tonnen von Sand und Surfkram entladen haben, hat das Boot einige Macken mehr. Doch in meinem Kopf bleiben die Bilder von einem schönen Segel- und Surftörn durch das Kattegat – einer Region vor unserer Haustür, die aber kaum jemand kennt.


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