Stephan Gölnitz
· 17.09.2026
Bereits die Eckdaten zeigen, wohin die Reise geht: 12'6" Länge kombiniert mit nur 25 Inch Breite ist eine klassische Race-Konfiguration und deutlich schmaler als alle Touring-SUPs. Das NSP Performance Race richtet sich entsprechend nicht an Einsteiger, sondern an Paddler, die mit schmalen Boards bereits ausgiebig Erfahrung gesammelt haben. Eine Ausnahme bilden sehr (!) leichte Personen. Für Paddler mit geringem Körpergewicht kann ein 25 Inch breites Race-SUP auch bei weniger ausgeprägter Erfahrung beherrschbar sein. Grundsätzlich bleibt so ein Board aber ein Spezialist für sportliches Paddeln.
Das Board ist aus einer vergleichsweise kräftigen PVC-Konstruktion aufgebaut und vermittelt einen sehr soliden Eindruck. Die Verarbeitung zeigt sich im Test ordentlich. Der Shape folgt klar dem Ziel, möglichst wenig Widerstand zu erzeugen und das Board effizient ins Gleiten zu bringen. Das Heck ist nicht extrem ausgedünnt. Der Bug läuft ebenfalls nicht in eine besonders scharfe Spitze aus, sondern ist moderat verrundet. Damit orientiert sich NSP eher an einem Gleit-Shape, bei dem der Bug im Sprint auf das Wasser aufgleiten soll, anstatt dieses mit einer stark ausgeprägten Verdrängernase zu durchschneiden. Auffällig ist zunächst die nahezu flache Rockerlinie. Im normalen aufgepumpten Zustand besitzt das Board im Bug nur eine geringe Aufbiegung.
Die interessanteste Besonderheit befindet sich auf der Oberseite des vorderen Boardbereichs. Hier sitzt eine zusätzliche PVC-Kammer, die sich über ein eigenes Ventil separat befüllen lässt. Während der eigentliche Boardkörper mit 15 bis 18 PSI betrieben wird, benötigt diese zusätzliche Kammer weniger als 1 PSI. Sie soll entsprechend vorsichtig aufgepumpt werden. Der Effekt ist unmittelbar sichtbar: Die zusätzliche Kammer vergrößert das Volumen des Bugs und verändert dessen Form. Optisch erinnert die Konstruktion dadurch stärker an die gewölbte Bugpartie eines Hardboards. Interessant ist außerdem die Möglichkeit, über den Luftdruck die Bugpartie geringfügig zu beeinflussen. Eine stärkere Befüllung innerhalb des vorgesehenen Bereichs kann für eine etwas stärkere Aufbiegung sorgen. Gerade bei welligeren Bedingungen ist dieses konstruktive Detail interessant. Ob sich daraus unter allen Bedingungen ein relevanter Performancevorteil ergibt, lässt sich allerdings nur in direkten Vergleichstests mit unterschiedlichen Race-Boards abschließend beurteilen.
Auch beim Finnenkasten geht NSP einen ungewöhnlichen Weg. Statt den Kasten klassisch auf die Unterseite des Boards zu kleben, sitzt er in einer Aussparung und schließt bündig mit dem Unterwasserschiff ab. Dadurch entsteht eine sehr glatte Unterseite. Lediglich die Finne selbst ragt aus dem Board heraus. Das ist aus strömungstechnischer Sicht nachvollziehbar: Ein aufgesetzter Finnenkasten erzeugt einen zusätzlichen Aufbau im Wasser, während die NSP-Lösung den Unterboden möglichst glatt hält. Der Finnenkasten kann zudem vollständig entfernt werden. Für den Transport lässt sich das Board dadurch kompakter einrollen. Im aufgepumpten Zustand wird der Kasten durch die Konstruktion fest in seiner Aussparung fixiert. Der Ein- und Ausbau ist etwas aufwendiger als bei einem herkömmlichen fest verklebten System. Im Fahrbetrieb sitzt die Konstruktion jedoch sehr sicher.
Auf dem Wasser zeigt das NSP Performance Race unmittelbar seinen eigentlichen Charakter. 25 Inch Breite bedeuten hier: Stabilität ist nicht die primäre Disziplin. Wer von einem 30 Inch oder noch breiteren Touring-SUP auf das NSP umsteigt, wird den Unterschied sofort (feucht-fröhlich) feststellen. Die First Stability ist gering. Das Board reagiert sensibel auf Gewichtsverlagerungen und rollt unter den Füßen spürbar.
Beim Aufsteigen ist zunächst der Impuls groß, möglichst breit zu stehen. Beim Performance Race funktioniert diese Strategie jedoch nur eingeschränkt. Die geringe Breite bietet wenig Möglichkeit, sich über einen breiten Stand gegen die Kippbewegung abzustützen, für den “John Wayne Stance” ist schlicht nicht genügend Platz an Deck. Besser funktioniert eine vergleichsweise schmale und entspannte Fußposition. Das Board darf dabei leicht unter den Füßen arbeiten. Nach der ersten Kippbewegung kommt eine spürbare Second Stability. Diese ist vorhanden, fällt aber nicht so ausgeprägt aus wie bei vielen Hardboards mit tiefergelegtem Standbereich oder breiteren Touring-SUPs. Als Daumenregel wirkt ein iSUP etwa so wackelig wie ein mindestens ein bis zwei Inch schmaleres Hardboard. Wer das Board permanent aktiv stabilisieren möchte, dürfte unnötig viel Energie verbrauchen. Erfolgreicher ist es, die leichten Rollbewegungen zu akzeptieren und den Fokus auf den (kräftigen) Paddelschlag zu legen. Denn mit zunehmender Geschwindigkeit stabilisiert sich das Board zusätzlich.
Im Test konnte das NSP Performance Race bei vergleichbarem Paddelaufwand ungefähr ein km/h schneller bewegt werden als die zum Vergleich eingesetzten Touring-Boards mit rund 30 Inch Breite. Auf den ersten Blick klingt dieser Unterschied überschaubar. Im Geschwindigkeitsbereich von etwa 6,5 (Touring) bis 8,5 km/h auf längeren Strecken ist er jedoch sehr relevant. Ein Plus von einem km/h entspricht in diesem Bereich einem erheblichen relativen Geschwindigkeitsgewinn. Über eine längere Strecke kann daraus ein deutlicher Zeitunterschied entstehen. Dabei ist allerdings entscheidend: Das Board selbst macht den Fahrer nicht automatisch schneller. Der Geschwindigkeitsvorteil setzt voraus, dass der Paddler die zusätzliche Instabilität kontrollieren kann und die freiwerdende Energie tatsächlich in Vortrieb umsetzt. Genau darin liegt die zentrale Charakteristik des NSP. Das Performance Race belohnt gutes Balancegefühl und einen sauberen Paddelstil – es kompensiert fehlende Erfahrung dagegen nicht. Ein direkter Geschwindigkeitsvergleich mit anderen aufblasbaren Race-SUPs wurde im Test nicht durchgeführt. Aussagen über eine konkrete Positionierung innerhalb des Race-Segments wären deshalb nicht belastbar.
Der lange, schmale Shape ist auf einen effizienten Geradeauslauf ausgelegt. Die relativ gerade Unterwasserlinie unterstützt dieses Verhalten. Die große Finne hilft dabei, lange auf einer Seite zu paddeln.
Beim Cross-Bow-Turn zeigt sich die Kehrseite des Shapes. Das Board lässt sich zwar drehen, benötigt dafür aber mehr Paddelschläge als ein breites Allround- oder Touring-SUP. Denn die geringe Breite führt im Stand zu einem vergleichsweise tiefen Eintauchen, während die gerade Unterwasserlinie zusätzlichen Drehwiderstand erzeugt. Deutlich interessanter wird das Verhalten beim Step-Back-Turn. Wird das Gewicht nach hinten verlagert, lässt sich das NSP deutlich stärker aufdrehen. Allerdings steigt damit auch die Balanceanforderung. Der Fahrer bewegt sich in diesem Moment sinngemäß auf einem schmalen Schwebebalken. Wer die Technik beherrscht, kann sehr enge Turns fahren. Wer sie nicht beherrscht... Das ist typisch für ein konsequent auf Performance ausgelegtes Race-SUP: Manöver werden nicht unmöglich, aber sie verlangen gute Technik.
Die zusätzliche Bugkammer ist insbesondere unter welligeren Bedingungen ein interessantes Detail. Durch das zusätzliche Volumen im vorderen Bereich kann die Nase besser über die Welle geführt werden, anstatt früh einzutauchen. Zusätzlich lässt sich die Aufbiegung des Bugs über den Druck der separaten Kammer beeinflussen. Das Konzept erscheint damit grundsätzlich sinnvoll für wechselnde Bedingungen.
Das NSP Performance Race ist ein spezialisiertes Inflatable Race-SUP, das seine Konstruktion konsequent auf Geschwindigkeit und effizienten Vortrieb auslegt. Die Kombination aus 12'6" Länge und 25 Inch Breite sorgt für einen klaren sportlichen Charakter. Die geringe First Stability verlangt vom Fahrer ein gutes Balancegefühl und eine gewisse Eingewöhnungszeit. Wer versucht, die Bewegungen des Boards permanent zu korrigieren, wird vermutlich mehr Energie investieren als nötig. Wer dagegen lernt, das leichte Rollen zu akzeptieren, kann das Board effizient und sehr schnell antreiben. Im Test zeigte sich gegenüber breiteren Touring-SUPs ein Geschwindigkeitsvorteil von mindestens rund 1 km/h bei vergleichbarem Paddelaufwand. Für längere Strecken ist das ein relevanter Unterschied. Technisch setzt NSP mit der separaten Bugkammer und dem bündig eingesetzten Finnenkasten interessante Akzente. Die zusätzliche Bugkammer erhöht das Volumen und ermöglicht eine gewisse Anpassung der Bugaufbiegung. Der integrierte Finnenkasten hält den Unterboden glatt und kann für den Transport entfernt werden.
Das Board richtet sich vor allem an fortgeschrittene und sehr erfahrene Paddler, die ein möglichst schnelles aufblasbares Board für sehr sportliche Touren, Langstrecken oder Rennen suchen. Auch sehr leichte Paddler können von der geringen Breite profitieren, wenn sie obendrei gutes Gleichgewichtsgefühl mitbringen.
Das NSP Performance Race ist kein Board für Kompromisse bei der Breite und darf auf kleinen Fall im Anspruch unterschätzt werden. Seine 25 Inch verlangen dem Fahrer deutlich mehr ab als ein klassisches Touring-SUP oder auch ein vergleichbar breites Hardboard. Im Gegenzug bietet das Konzept ein äußerst sportlicheres Fahrverhalten und ein hohes Geschwindigkeitspotenzial. Die ungewöhnliche Bugkonstruktion und der integrierte Finnenkasten machen das Board zudem technisch interessant. Ob diese Lösungen gegenüber anderen Race-SUPs tatsächlich messbare Vorteile bringen, wäre Gegenstand eines direkten Vergleichstests. Für den erfahrenen Paddler bleibt vor allem eines: Das NSP Performance Race möchte schnell bewegt werden, immer – und am liebsten im Rennen. Das Board ist in weiteren Größen (14’x23’’; 14’x25’’; 14’x27’’) erhältlich. Die Testgröße wird für Racepaddler bis maximal 80 Kilo empfohlen.
| Merkmal | Details |
| 📏 Länge | 12'6" |
| ↔️ Breite | 25" |
| 📐 Dicke | 6" |
| ⚖️ Gewicht | 9,0 Kilo (eigene Messung, leer und ohne Finne) |
| 🏄 Zielgruppe | Fortgeschrittene bis sehr erfahrene Paddler |
| 💨 Empfohlener Boarddruck | 15–18 PSI |
| 🔒 Zusätzliche Bugkammer | Weniger als 1 PSI |
| ⚡ Einsatzbereich | Race, sportliche Touren und Langstrecke |
| 🦈 Finnenkasten | Herausnehmbar und bündig integriert |
| 🪙 Preis | 1049 Euro, inkl. Pumpe |
Infos unter nspsurfboards.com

Redakteur surf
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