Fahrtechnik FreestyleSo hebst du ab – in Switch und Regular-Stance

Julian Wiemar

 · 13.10.2022

Fahrtechnik Freestyle: So hebst du ab – in Switch und Regular-StanceFoto: Charlie Connaughton

Ist das Segel erstmal „geduckt“ heißt es: Triebwerke aufladen und dann mit der richtigen Technik abheben. Wie ihr euch aus spiegelglattem Wasser – in Switch und Regular-Stance – in die Umlaufbahn beamt, zeigen wir euch hier, in Teil 2 der aktuellen Freestyle-Serie.

Wenn Freestyler sich nur mit Technik und der Power des Segels aus spiegelglattem Wasser meterhoch in die Luft katapultieren, erinnert das an eine Mischung aus Playstation-Spiel oder „Matrix Reloaded“. Powermoves wie Kono, Skopu oder Burner sind dadurch echte Hingucker.

Voraussetzung für einen guten Pop beim Absprung sind mehrere Aspekte:

  • Passendes Material: Reine Freestylebretter sind so designt, dass sie viel Volumen im Centerbereich rund um die Mastspur sowie im Heckbereich besitzen – das sorgt dafür, dass der Absprungimpuls nicht verpufft, sondern in Höhe umgewandelt wird. Wave- oder Freestyle-Waveboards haben mit ihren schmaleren Hecks diesbezüglich klare Nachteile.
  • Sauberes Ducken: Nur wer sein Segel sauber ducken kann und möglichst viel Speed mitnimmt, kann sich hoch rauspoppen.
  • Die Absprungtechnik: Damit es dich beim Absprung in den Orbit beamt, sind Speed, der richtige Kurs und die Segeltechnik entscheidend.

Oben Regular, unten Switch-Stance. Denkt man sich den Fahrer weg, machen Brett und Segel während des „Ducks“ genau das Gleiche,  eigentlich ist also  nur der Körper des Fahrers verdreht.Foto: True media & culture
Oben Regular, unten Switch-Stance. Denkt man sich den Fahrer weg, machen Brett und Segel während des „Ducks“ genau das Gleiche, eigentlich ist also nur der Körper des Fahrers verdreht.
Verlagssonderveröffentlichung

Stelle vor dem „Duck“ sicher, dass du auf beide Seiten genug Platz hast, es wird ja auch mal schiefgehen. Halte nach einer möglichst glatten Stelle ohne Chop Ausschau. Ideal für den Duck ist Halbwind- bis leichter Raumwindkurs. Speed ist dein Freund: Umso schneller du bist, desto leichter wird sich das Segel während des Durchtauchens anfühlen. Das gilt für Switch und Regular. Die Geschwindigkeit während des Umsteigens auf Switch zu halten, ist Anfangs knifflig, aber Grundvoraussetzung für einen sauberen Duck. Die Ducktack aus Serie 1 ist daher eine tolle Vorübung, da es ohne hinten in den Schlaufen zu stehen, einfacher ist den Speed zu halten.

Beim Regular Duck hingegen ist weniger der Speed, als die verdrehte Körperhaltung einer der Knackpunkte. Diese kann man wie in Serie 1 mit der Switch Heli-Tack gut vorüben. Versuche, um in der verdrehten Körperhaltung unter dem Segel durchzutauchen, dieses möglichst leicht zu stellen. Eine rückartige „Pumpbewegung“ aus den Knien vor dem „Duck“ (1-2 im Foto oben), kann dabei behilflich sein, Druck aus dem Segel zu holen. In dem Moment, in dem die Knie wieder gestreckt sind und du aufrecht stehst, beginnst du das Rigg mit der Masthand in der Segelebene schräg nach vorne Richtung Luv und Bug zu verschieben. Jetzt belastest du schon automatisch mit den Hacken die Luv-Kante (Bild 3 im Foto oben), wobei du darauf achten solltest, während des Duckens konsequent mehr die vordere Hacke zu belasten, sonst würgst du über eine Heck- oder ungewollte Leekantenbelastung den Speed ab. Auf Switch Stance passiert hier genau das gleiche. Versuche ebenfalls die Luv-Kante – vor allem über den vorderen Fuß – zu belasten. Nur eben umgekehrt, mit den Zehen anstelle der Hacken (Bild 1-2 unten).

Wenn man einmal mit Speed Switch-Stance in den Schlaufen steht, ist das Durchtauchen aus Switch vergleichsweise einfacher, wegen der nicht so verdrehten Körperhaltung zum Segel während des „Ducks“. | Foto True media & culture
Wenn man einmal mit Speed Switch-Stance in den Schlaufen steht, ist das Durchtauchen aus Switch vergleichsweise einfacher, wegen der nicht so verdrehten Körperhaltung zum Segel während des „Ducks“. | Foto True media & culture

Während du nun die Masthand nahe am Körper hältst und das Segel in der Segelebene verschiebst, ist es wichtig zu verstehen, mit welchem Wind du eigentlich surfst: Dem relativen Wind! Dieser ist eine Mischung aus dem atmosphärischen, tatsächlich wehenden Wind (3a, der auf Halbwind genau von der Seite kommt) und dem Fahrtwind (3b, der immer genau von vorne kommt). Der relative Wind (3c) ergibt sich aus diesen Winden und kommt demnach schräg von vorne – und genau dahin musst du dein Segel beim Ducken verschieben, um es neutral zu stellen.

Versuche das Verschieben in einer flüssigen Bewegung und greife über Kreuz nach hinten aufs Gabel-Endstück (3-4).

Schwebt das Segel neutral, hast du den perfekten Winkel getroffen. Ziehe das Schothorn aktiv unter den Körper Richtung Heck, dadurch kannst du mit der neuen Masthand an der Gabel weit nach vorne greifen und den Mast auf Distanz halten. Auch in dieser Phase belasten die Hacken, bzw. beim Switch-Duck die Zehen, immer leicht die Luvkante.

Auf der anderen Seite angekommen, halte die Spannung im Körper und den Mast mit der vorderen Hand auf Distanz (6).

Fehleranalyse

Mit Windstärke, Speed und Kurs verändert sich auch immer der Winkel für das „Ducken“ – das macht die Technik so schwer.

Knallt dir der Mast ungebremst ins Wasser, ist das ein Zeichen dafür, dass du das Segel beim „Ducken“ zu sehr nach Luv verschiebst | Foto True media & culture

Was in Switch-Stance eigentlich gar keinen vollwertigen Trick darstellt und im Contest auch nur mit geringer Punktzahl als „Semi Switch Kono“ bewertet wird, ist trotzdem ein explosiver Trick, eine gesprungene Art zu wenden und die Eintrittskarte in die Welt des geduckten Newschool-Freestyles.

Bei einem originalen, kompletten Switch Kono schiftet man während der Landung, durch plötzliches Loslassen der Segelhand im exakt richtigen Moment das Segel. Dadurch dreht das Brett gleichzeitig um weitere 180 Grad mit dem Heck durch den Wind und man fährt in Switch-Stance Fahrtrichtung weiter.

Das macht das Ganze für den Einstieg unnötig komplex. Wir bleiben für den Anfang bei der in den Wind gesprungenen 180 Grad Drehung, bei der das Brett wie eine Rakete, steil nach oben aus dem Wasser schießt und gerade wieder landet.

Ganz ohne Welle...mit aufgeladenem Segel nach Luv hoch abheben. Die Eintrittskarte in die moderne Welt des Freistils. Julian verrät euch seine besten Tips und Tricks um hoch hinaus zu kommen und wieder trocken zu landen. | Foto True media & culture
Ganz ohne Welle...mit aufgeladenem Segel nach Luv hoch abheben. Die Eintrittskarte in die moderne Welt des Freistils. Julian verrät euch seine besten Tips und Tricks um hoch hinaus zu kommen und wieder trocken zu landen. | Foto True media & culture

Konzentriere dich Anfangs darauf, das Segel nach dem „Duck“ durch Drücken mit der Segelhand aufzuladen, dabei leicht, jedoch konstant in den Wind zu carven und den Speed zu halten. Sind diese drei Kriterien erfüllt, hindert dich nichts mehr daran, den Gabelbaum, radikal mit durchgestreckten Armen in den Wind und nach oben über den Kopf zu reißen (Bild oben 2-4).

Tipp: Auch wenn es von außen so aussieht, man springt beim Kono (Switch und Regular) keinesfalls aktiv nach hinten, sondern nur nach oben und in den Wind. Den Rest übernimmt automatisch der Wind im Segel für dich. Wer sich nach hinten schmeißt, generiert keine Höhe und landet auf dem Rücken.

Bist du einmal in der Luft, ziehst du dich jetzt am höchsten Punkt – aus der gestreckten Körperhaltung während des Absprungs – aktiv unters Segel und nimmst eine möglichst kompakte Körperhaltung ein („from tall to small“). Es geht nun darum, das Brett, bildlich wie ein weiches Kissen für die Landung unter das Gesäß zu ziehen (Bild oben 5-7).

Winkle die Beine an, zieh deinen Körper an den Gabelbaum heran und versuche das Gewicht weg von Heck und Wasser, weiter nach vorne, Richtung Brettmitte zu verlagern.

Aus Switch-Stance ist dies ein wenig einfacher als Regular. Denn Regular solltest du kurz vor der Landungsphase gleichzeitig darauf achten, das Brett durch Strecken der Füße aufrecht zu halten, damit es sauber landen kann und nicht zuerst mit dem Rail oder der Nase einsticht. Gleichzeitig kann ein Blick über die vordere Schulter die Rotation unterstützen und lässt dich außerdem den Landeplatz anpeilen.

Zu Beginn ist es leichter, den Regular Kono Schothorn voraus zu landen und das Schiften erst danach zu vollziehen (8 oben). Sobald es dir gelingt, die nötige Höhe zu generieren, kannst du auch in der Luft komplett durchschiften. Ähnliches gilt für den Kono aus Switch. Landest du aufrecht und ohne Wasserkontakt (8 unten), kannst du als nächsten Schritt mal die Segelhand kurz vor der Landung loslassen und schauen was passiert. Viel Spaß beim Üben.