Spezielles SegelkonzeptDas Rig One im Test - ein Segel für jeden Wind?

Surf Testteam

 · 22.08.2026

Mit kurzer Gabel und ohne die Camber ist das Segel besonders handlich.
Foto: Stephan Gölnitz
Rig One: ein außergewöhnliches Segelkonzept im surf-Test.
Das Rig One soll einen extrem großen Windbereich abdecken: im Idealfall kauft man nur eine der drei Größen und surft damit – immer. Wir haben das Konzept in der Größe „Medium“ ausgiebig getestet.

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Egal ob am Gardasee oder am Neusiedlersee, das Interesse an diesem Testsegel war besonders groß. Zweimal drumherum schleichen, dann kommt die Frage „Ist das wieder ein Cut Away?“ – die Anmutung scheint verblüffend groß. Doch im Rig One steckt auch noch eine sehr kurze Gabel wie beim ART Twister, herausnehmbare Mini-Camber wie beim Neil-Pryde MPR und der trimmbare Tack Strap wie bei vielen Racesegeln – der aber gleich doppelt. Designer John Chao bietet drei Segelgrößen an, Bestellungen laufen auch über eine Kickstarter-Kampagne. Mehr zu den Hintergründen hat uns John im Interview berichtet: Das steckt hinter dem ungewöhnlichen “RigOne” - Designer John Chao im Interview

Wer das Rig One das erste Mal in den Händen hält, ist vermutlich beeindruckt. Hochwertiges Tuch, sieben Latten, mehrere Mini-Latten, Verstärkungen an allen kritischen Punkten, eine am Unterliek weit hochgezogene Gummileiste – an der Qualität wurde nicht gespart. Die Camber sind sauber eingebaut und vernäht, die Nähte sitzen makellos. Einziger Schönheitsfehler: Die unteren Tack Straps ziehen bei der erforderlichen Spannung nicht nur den Segeldruckpunkt stabil nach vorne, sondern auch deutliche Falten ins Unterliek, die mit der Zeit vermutlich nicht schöner werden. Rein optisch und haptisch aber: volle Punktzahl.

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Passiv ins Gleiten ziehen lassen statt Anpumpen

Unser erster Testlauf erfolgte auf einem 430er-RDM-Carbonmast (GA RDM 80). Das Segel zeigt auch mit beiden Cambern vergleichsweise wenig Profil – auch bei sehr wenig Vorliekszug. Der Wechsel auf einen 460er-Mast (NeilPryde X 100) verändert das Segel spürbar. Das Profil wird sichtbar tiefer, das Segel wirkt eigenstabiler – und dadurch insgesamt nochmals beherrschbarer. Das leicht unruhige Gefühl auf dem 430er weicht einem präzisen Fahrgefühl, aber weiterhin mit dem charakteristischen, sanften Wegfedern des Topps bei Überdruck. Du stellst das Segel zum Angleiten mit langen Armen nach vorne – wie ein Wavesegel – und lässt dich entspannt ins Gleiten ziehen. Aktives Anpumpen bringt nur wenig Zugewinn.

Mit einer Gabelbaum-Einstellung von nur 1,82 Meter wirkt das Segel überraschend klein und leicht. Unser Vergleichssegel NeilPryde Speedster Evo 7,0 ist direkt über der Gabel inklusive ausgestelltem Achterliek knapp 30 Zentimeter länger. Mit der kurzen Gabel, dem Druckpunkt weit vorne und einem elastisch öffnenden Achterliek darf man nicht viel Backhand-Power erwarten, um bei sehr leichtem Wind aktiv zu beschleunigen. Wer hofft, durch gezieltes Fächeln aus dem Halbgleiten ins Rennen zu kommen, wird vermutlich etwas enttäuscht.

Entspanntes Cruisen auch bei Über-Hack

Was das Segel jedoch kann, begeistert auf andere Weise: Der Druckpunkt wandert nie hinter die hintere Hand. Er pendelt sich recht stabil immer zwischen den Händen ein und bleibt dadurch stets kontrollierbar. Das weit ausgestellte Top federt sanft zur Seite weg, lässt Druck raus, ohne dabei schwammig zu wirken. Überpowert fühlte sich das Rig One Medium an zwei Testtagen mit teils richtig viel Druck nie an. Ein Segel, das man noch mit zwei Fingern halten kann, wenn man am klassischen Freeridesegel bereits mit beiden Händen kräftig zupacken muss. Der reduzierte Lift, der die Beschleunigung bei Leichtwind drosselt, wird bei Starkwind zum Komfort- und Kontrollgewinn. Bei Böen, in denen man beim Speedster bereits mit viel Kraft festhalten musste, cruiste man auf dem Rig One Medium noch entspannt ohne weiße Handknöchel. Hält der Fahrer auf dem Speedster aber dicht, zieht er dem Rig One in jedem Windbereich klar davon. Aber fast 50 km/h auf dem GPS mit minimalem Kraftaufwand – das ist ebenfalls beeindruckend.

​Fast 50 km/h auf dem GPS mit minimalem Kraftaufwand – das ist beeindruckend.

Weil die Masttasche so schmal ausfällt wie bei einem camberlosen Segel, bietet es sich an, die beiden Profilstützen einfach wegzulassen. Siehe da: auch bei viel Wind hat uns die camberlose Variante sogar besser gefallen. Das Segel bildet weiterhin ein schönes Profil, sobald der Wind reindrückt. Die Lattenrotation in Manövern ist wirklich sehr gut und beim Auffieren bietet das Segel spürbar „off“ – was das Angleiten bei böigem Wind erleichtert. Mit korrekt montierten Spacern sitzen die Camber zwar sauber am Mast – aber unser Tipp bleibt: weglassen.

surf-Fazit zum Rig One Medium

Das Rig One ist kein kein klassisches Freeride- oder gar Freeracesegel und auch keine vollwertige Alternative zu einem weiteren, kleineren Segel. Es ist ein Entspannungsprofi mit einem nach oben raus besonders großen Windbereich. Wer nur ein Segel sucht, das von solidem Gleitwind bis deutlich über das eigentliche Starkwind-Limit hinaus funktioniert und dabei nie richtig anstrengend wird, hat hier seinen Partner gefunden. Wer in gemischtem Wind mithalten will, muss sich auf ein spürbares Defizit einstellen. Aber wer mit einem 7,0er-Segel einfach stundenlang entspannt durchsurfen will, während andere bereits mit dem Segel kämpfen – der ist mit dem Rig One bestens bedient.

STÄRKEN: Ausstattung und Verarbeitung, sehr geringe Haltekräfte, sehr großer Windbereich, Druckpunkt immer unter Kontrolle, leicht wirkend, leichtes Handling (ohne Camber), sehr ausgewogen in starken Böen
SCHWÄCHEN: Wenig zusätzliche Power durch Anpumpen, kaum Lift bei weniger Wind, mittelmäßige Leichtwindleistung
BESONDERES: Ausschließlich (auch in Größe Large) auf RDM empfohlen, extrem kurze Gabel, zwei Gurtbänder (Tack Strap) zum Spannen des Unterlieks, zwei herausnehmbare Camber, keine eigenen Masten im Programm

Technische Daten Rig One

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Herstellerangaben

​Small

  • Größe 6,0 qm
  • Vorliek 4,34 m
  • Gabel 1,75 m
  • Fahrer 36-82 Kilo
  • Wind 13-39 Knoten

​Medium

  • Größe 6,7 qm
  • Vorliek 4,66 m
  • Gabel 1,80 m
  • Fahrer 41-91 Kilo
  • Wind 13-30 Knoten

​Large

  • Größe 8,6 qm
  • Vorliek 4,96 m Gabel 2,25 m
  • Fahrer 12-30 Kilo
  • Wind 10-26 Knoten

Alle Infos unter windwing.com

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