40 Knoten, masthohe Wellen, erster SiegDrei Fragen an Tiree-Sieger Miguel Chapuis

Julian Wiemar

 · 17.10.2026

Im Halbfinale konnte Miguel Chapuis Weltmeister Paré bezwingen.
Foto: pwaworldtour.com

​Bei 40 bis 50 Knoten und masthohen Closeouts feierte Miguel Chapuis beim Tiree Wave Classic den ersten World-Cup-Sieg seiner Karriere. Im Interview spricht der Spanier über seine mentale Entwicklung, das Training auf La Réunion und seinen Schlüssel zum Erfolg bei extremen Bedingungen.

​2023 hatte Miguel Chapuis auf Tiree als Zweiter bereits am Sieg geschnuppert, diesmal gelang ihm beim Tiree Wave Classic der große Triumph. In masthohen Wellen und bei Sturmböen mit 40 bis 50 Knoten behielt der Spanier die Kontrolle und setzte sich gegen einige der besten Wave-Windsurfer der Welt durch. Dabei zahlten sich nicht nur sein Training unter anspruchsvollen Bedingungen, sondern auch seine neue mentale Herangehensweise aus. Im Kurzinterview spricht Chapuis darüber, was hinter diesem Erfolg steckt – und warum er ihn noch immer kaum fassen kann.

​Miguel, 2023 bist du auf Tiree Zweiter geworden, jetzt hast du dort deinen ersten Wave-World-Cup gewonnen. Was hat sich seitdem verändert – und wann hast du gemerkt, dass du diesmal tatsächlich gewinnen kannst?

2023 war für mich ein richtungsweisendes Jahr und gleichzeitig das Ende eines Kapitels, denn es war meine letzte Saison mit NeilPryde und JP. Tiree war tatsächlich mein letzter Wettkampf auf diesem Material. Danach unterschrieb ich schließlich bei North und Flikka. Das hat mir einen enormen Motivationsschub gegeben – vor allem, weil ich mich auf dem neuen Material sofort sehr wohlgefühlt habe. Dadurch konnte ich mich ganz natürlich weiterentwickeln und wurde immer konstanter.

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Ich habe außerdem das Gefühl, dass ich mich mental seit meinem letzten Start auf Tiree stark verbessert habe. Ich bin mittlerweile seit mehreren Jahren auf der Tour unterwegs und habe gelernt, unter Druck gut zu fahren, bis zur allerletzten Sekunde eines Heats alles zu geben und auf mein Können zu vertrauen.

Mir ist auch klar geworden, dass mein Ziel nie darin bestehen sollte, einem bestimmten Ergebnis hinterherzujagen. Vielmehr geht es darum, bei meiner Performance dieses Gefühl von Flow und Leichtigkeit zu finden. Wenn mir das gelingt, kann ich mein höchstes Niveau abrufen – und dann kommen irgendwann auch die guten Ergebnisse.

Diesmal hat auf Tiree einfach alles zusammengepasst. Ich hatte so viel Vertrauen, dass ich wusste: Jetzt könnte tatsächlich meine Zeit gekommen sein, das Schwert zu holen!

​Ich hatte so viel Vertrauen, dass ich wusste: Jetzt könnte tatsächlich meine Zeit gekommen sein, das Schwert zu holen!
Tiree-Triumph: Miguel Chapuis holt sich das Schwert.Foto: pwaworldtour.comTiree-Triumph: Miguel Chapuis holt sich das Schwert.

Bei 40 bis 50 Knoten, masthohen Closeouts und praktisch keinem Spielraum für Fehler hast du extrem kontrolliert gewirkt. Wie bist du mit diesen Bedingungen umgegangen – und was war der Schlüssel zum Sieg im Finale gegen Marino Gil?

Obwohl die Bedingungen wirklich heftig und nur schwer zu kontrollieren waren, entsprachen sie ziemlich genau dem, was mir Spaß macht und worauf ich zuletzt am meisten trainiert hatte.

Im September war ich auf La Réunion und bin dort bei sehr starkem Wind in großen Down-the-Line-Bedingungen aufs Wasser gegangen. Das hat mir auf Tiree definitiv geholfen.

Außerdem hatte ich das Selbstvertrauen, radikal an die Lippe zu gehen und sogar einige Tricks zu landen. Am Ende kam einfach alles zusammen. Nachdem ich meine erste gute Welle erwischt und auf die Uhr geschaut hatte, wusste ich, dass noch genügend Zeit blieb, um eine solide zweite Wertung nachzulegen und erneut einen starken Heat-Gesamtscore zu erzielen.

Auf dem Weg ins Finale hast du Marc Paré ausgeschaltet, im Endlauf gelangen dir dann zwei Wellen mit jeweils 7,5 Punkten. Fühlt sich dein erster World-Cup-Sieg eher wie ein wahr gewordener Traum an – oder wie der Beginn eines neuen Kapitels deiner Karriere?

Marc zu schlagen, war für mich ein klares Zeichen dafür, dass ich mit meinem Ansatz und meiner Entwicklung auf dem richtigen Weg bin. Gleichzeitig weiß ich, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe, um sein Niveau zu erreichen. Für mich ist er ohne Zweifel der Beste da draußen – und zwar bei den unterschiedlichsten Bedingungen. Ihm beim Windsurfen zuzusehen, ist unglaublich inspirierend.

Diesmal bin ich in diesen 15 Minuten besser gefahren und habe es dadurch ins Finale geschafft. Trotzdem habe ich riesigen Respekt und große Bewunderung für das Niveau, das Marc bei allen möglichen Bedingungen zeigt.

Das neue Kapitel meiner Karriere hat eigentlich schon im vergangenen Jahr begonnen, als ich auf Sylt erstmals auf dem Podium stand. In diesem Jahr folgte in Pozo mein zweiter Podestplatz – und jetzt der erste Sieg. Dinge, von denen ich vor gar nicht allzu langer Zeit nur geträumt habe, werden plötzlich Realität. Deshalb fühlt sich das alles noch ziemlich unwirklich an.

Danke für das Gespräch und nochmals Glückwunsch!

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Julian Wiemar

Julian Wiemar

Redakteur surf

Julian, 1996 in Köln geboren, zählt zu den besten deutschen Freestyle-Windsurfern und trainiert bis heute regelmäßig auf dem Rhein. Nach deutschem Meistertitel und mehreren Jahren an internationalen Top-Spots mit Weltcup-Ambitionen fand er über Reise- und Revierberichte den Weg zum surf-Magazin. Dort absolvierte er ein Volontariat und arbeitet heute als Redakteur, der seine Erfahrungen und Leidenschaft für den Windsurfsport mit den Lesern teilt.

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