Lennart Neubauer im Interview“Ich möchte Wave-Weltmeister werden”

SURF

 · 07.09.2026

Der 22-Jährige hat bereits einen Freestyle-Weltmeistertitel auf seinem Konto und führt auch derzeit die Rangliste an.
Foto: Carter / pwaworldtour.com
Lennart Neubauer greift jetzt auch in der Welle an: Nach seinem Sieg auf Fuerteventura und Platz vier auf Teneriffa spricht der 22-Jährige über einen Sommer, der sich wie ein Durchbruch anfühlte. Im Interview erklärt er, wie er mit Angst umgeht, warum Druck für ihn Antrieb sein kann – und weshalb sein nächstes großes Ziel der Wave-Weltmeistertitel ist.

Er ist erst 22 Jahre alt, hat aber bereits einen Freestyle-Weltmeistertitel auf seinem Konto und führt derzeit die Freestyle-Rangliste an, bevor es später in diesem Monat zur Entscheidung nach Sylt geht. Lennart Neubauer ist jedoch nicht nur ein Freestyle-Ass – das griechisch-deutsche Windsurftalent macht auch in der Wave-Disziplin große Fortschritte, was sein hervorragender vierter Platz auf Teneriffa im August unterstreicht, der so manchen überrascht haben dürfte.

Interview: PWA / Chris Yates

Hey Lennart, herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg auf Fuerte und dem vierten Platz auf Teneriffa – wie war der Sommer insgesamt für dich?

Insgesamt fühlte sich dieser Sommer wie ein kleiner Durchbruch an. Nicht so sehr im Freestyle, sondern vor allem im Wave. Natürlich war der Sieg auf Fuerte sehr schön, aber der definitiv unvergesslichste Moment war der vierte Platz in der Welle auf Teneriffa. Außerdem habe ich die gesamte Kanaren-Reise so gut wie verletzungsfrei überstanden, im Gegensatz zum Vorjahr, als ich wegen meiner Knöchelverletzung auf Teneriffa nicht antreten konnte. Also ehrlich gesagt lief dieser Sommer so gut, wie er nur hätte laufen konnte.

Du hast jetzt eine beeindruckende Bilanz auf der Freestyle-Tour – vier Siege bei den letzten fünf Events – wie zufrieden bist du damit?

Es ist sehr befriedigend, vier der letzten fünf Events gewonnen zu haben. Ich habe wirklich das Gefühl, meinen Flow gefunden zu haben und zu wissen, was für mich im Wettkampf funktioniert. Was mir dabei sehr geholfen hat, war, nicht alles so ernst zu nehmen und keinen zu großen Druck auf das Ergebnis auszuüben. Letztendlich ist es doch egal, ob ich gewinne oder verliere. Ich bin aus Spaß und wegen der Herausforderung dabei, aber auch, um der Welt zu zeigen, was für einen coolen Sport wir betreiben. Vor allem den jungen Leuten auf der ganzen Welt möchte ich zeigen, dass es da draußen mehr gibt als nur Fußball und Basketball.

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Aus Sicht der Zuschauer gehörten die Bedingungen während des Finales auf Fuerte zu den besten, die wir je bei einem Wettkampf gesehen haben – wie war es für dich als Fahrer, unter diesen Bedingungen anzutreten?

Die Bedingungen waren absolut wahnsinnig. Mit Abstand die besten, die ich je auf Fuerteventura hatte, und möglicherweise sogar mit die besten meiner gesamten PWA-Karriere. Mit den Wellen war es wie in einem Skatepark. Den ganzen Tag habe ich vom Hotel aus zugeschaut und konnte es einfach kaum erwarten, aufs Wasser zu kommen und die Double Elimination zu fahren. Es war ein großartiger Kampf gegen Yentel (Caers, Anm. d. R.), und auch der Heat, den er vor meinem gegen Balz (Müller) hatte, war unglaublich. Ich habe mir tatsächlich ihren gesamten Heat vom Strand aus angesehen, bevor ich an der Reihe war. Es war ein unvergessliches Erlebnis, und diese Bedingungen haben es uns wirklich ermöglicht, zu zeigen, was Freestyle ausmacht. Ich denke, das war eine sehr gute Sache für den Sport.

​Ich möchte zeigen, dass es da draußen mehr gibt als nur Fußball und Basketball.

Was treibt dich an, den Sport weiterzuentwickeln?

Wir sehen, dass neue Moves auf der Tour wirklich gut ankommen, und das motiviert mich als Rider sehr, immer weiter an meine Grenzen zu gehen. Einen neuen Trick richtig zu lernen und ihn dann im Wettkampf zeigen zu können, ist etwas, das mich wirklich begeistert. Außerdem bleibt der Sport so interessant, statt immer wieder dasselbe zu sehen. Stell dir vor, jeder Fahrer würde jedes Jahr nur einen neuen Trick einbringen – die gesamte Tour würde von Jahr zu Jahr völlig anders aussehen. Ich denke, der Sport entwickelt sich in die richtige Richtung.

Vor dem Event auf Fuerteventura hast du einen Shifty in Forward gelandet und zuvor zugegeben, dass du Angst hattest, bevor du rausgegangen bist – wie schaffst du es persönlich, diese Grenzen zu überwinden, und hättest du Tipps für Hobby-Surfer, die aus ihrer Komfortzone ausbrechen wollen?

Ich glaube, Angst ist dazu da, uns zu schützen. Wenn wir früher keine Angst gehabt hätten, wären wir wahrscheinlich ziemlich leicht durch einen Löwen, eine große Welle oder einen schweren Sturz ums Leben gekommen. Angst ist also dazu da, uns zu helfen, was nicht immer bedeutet, dass sie notwendig ist. Ich versuche, sie als ein Signal zu sehen, das mir mein Gehirn sendet, um vorsichtig und präsent zu sein. Diese Angst verschwindet nie ganz. Was sich im Laufe der Zeit geändert hat, ist, dass ich ein viel besseres Gespür für mein Material entwickelt habe, sodass ich mehr Kontrolle habe. Selbst wenn ich etwas Neues ausprobiere, wie zum Beispiel den Shifty Forward, habe ich schon so viele Shiftys und so viele Forwards gemacht, dass ich bei jeder Bewegung des Tricks genau weiß, wo ich gerade stehe. Aber die Angst ist immer noch etwas, mit dem ich ständig zu kämpfen habe, wenn ich neue Dinge ausprobiere oder bei schwierigen Bedingungen rausgehe. Es geht darum, damit umzugehen und sich nicht davon überwältigen zu lassen, sondern diese Schmetterlinge im Bauch stattdessen positiv zu nutzen.

Einlauf beim Wave World Cup auf Teneriffa.Foto: Carter / pwaworldtour.comEinlauf beim Wave World Cup auf Teneriffa.

Nach Fuerteventura bist du dann nach Teneriffa gereist, um in der Welle anzutreten – dort hast du einen brillanten vierten Platz errungen, was bei weitem dein bisher bestes Ergebnis in der Wave-Disziplin ist – war dieses Ergebnis eine kleine Überraschung für dich? Und woran hast du konkret gearbeitet?

Teneriffa war interessant, weil ich als Herausforder dorthin gefahren bin und einfach nur gehofft habe, es ins Haupt-Event zu schaffen. Als ich es geschafft hatte, war ich schon glücklich. Dann habe ich meinen ersten Heat gewonnen, wodurch ich direkt unter die Top 16 kam – zu diesem Zeitpunkt war mein Ziel also bereits erreicht und der Druck war irgendwie weg. Von da an dachte ich mir einfach: Wie cool wäre es, weiterzukommen? Ich hatte nichts zu verlieren. Ich kam gerade vom Freestyle-Sieg auf Fuerte und hatte bereits mein bestes Wellen-Ergebnis erzielt, also habe ich einfach alles gegeben und daran geglaubt, dass ich es schaffen kann. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste, was mir dieses Event beigebracht hat – auch im Wave an mich selbst zu glauben. Im Freestyle weiß ich, dass ich es schaffen kann. Im Wave hat mir Teneriffa klargemacht, dass ich es auch dort schaffen kann. Ich bin einfach rausgegangen und habe mein Ding gemacht, meine Push-Forwards und meine Doubles gezeigt und es schließlich ins Halbfinale geschafft. Der Einzug vom Viertelfinale ins Halbfinale war wahrscheinlich das beste Gefühl, das ich während des gesamten Events hatte. Dann ins Finale zu kommen, war ein unglaubliches Gefühl, aber zu diesem Zeitpunkt kam es mir fast wie in einem Videospiel vor. Ich kam aus dem Wasser, alle jubelten, und ich konnte es kaum glauben, weil ich mich nie als einen dieser Jungs gesehen habe. Aber wenn ich ehrlich darüber nachdenke, sind meine Sprünge ganz ordentlich. Das Wichtigste, woran ich jetzt wirklich arbeiten muss, sind meine Wellenritte. Ich habe während des Events zufällig ein paar gute Wellen erwischt, und das hat sich wirklich ausgezahlt. Als ich das Finale erreicht hatte, stand ich nicht mehr unter Druck, was mir eigentlich ein wenig im Weg stand. Ich hatte das Gefühl, beweisen zu müssen, dass ich ins Finale gehörte, und diese Einstellung hat nicht wirklich funktioniert. Aber das spielte keine Rolle. Ich war überaus zufrieden mit dem Ergebnis und weiß jetzt, dass das mit den Wellenritten klappen wird.

​Im Freestyle weiß ich, dass ich es schaffen kann. Im Wave hat mir Teneriffa klargemacht, dass ich es auch dort schaffen kann.
Lennart möchte in Zukunft auf der gesamten Wave-Tour antreten.Foto: Carter / pwaworldtour.comLennart möchte in Zukunft auf der gesamten Wave-Tour antreten.

In der Vergangenheit haben wir gesehen, wie Leute wie Ricardo Campello, Kauli Seadi und Marcilio Browne mit großem Erfolg vom Freestyle auf die Welle gewechselt sind – ist die Teilnahme an der gesamten Wave-Tour etwas, das du in Zukunft anstrebst?

Ja. Ich möchte Wave-Weltmeister werden. Ich möchte unbedingt die gesamte Wave-Tour bestreiten, möglicherweise schon nächstes Jahr, je nach meinem Terminkalender. Zumindest möchte ich bei vier kompletten Events dabei sein, was meiner Wave-Rangliste sehr zugutekommen dürfte. Ich denke, Freestyle ist ein großartiges Sprungbrett in die Wave-Disziplin. Genau wie die Jungs, die du erwähnt hast, kommen viele großartige Waverider vom Freestyle. Dort lernt man, sehr präzise mit dem Material umzugehen, und bekommt ein wirklich gutes Gefühl für die Ausrüstung. Also ja, ich kann mir definitiv vorstellen, an der gesamten Wave-Tour teilzunehmen.

Sylt ist nun nur noch wenige Wochen entfernt – wie fühlst du dich vor dem Event, bei dem du deinen zweiten Weltmeistertitel anstrebst?

Ich denke nicht über den Weltmeistertitel nach. Ich denke nicht einmal über den Sieg bei diesem Event nach. Ich möchte einfach so gut performen, wie ich kann, im Idealfall in jedem Heat die 40-Punkte-Marke knacken und mein Ding durchziehen, wenn ich antrete. Ich genieße diesen Druck wirklich sehr. Jedes Mal, wenn ich antrete, zeigt er sich ein bisschen anders, aber gleichzeitig ist er doch ähnlich. Ich bin einfach gespannt, wie es sich dieses Mal anfühlen wird. Ich bin im Moment sehr zuversichtlich, was mein Windsurfen angeht. Ich weiß: Wenn ich gut fahre, habe ich sehr gute Chancen zu gewinnen.

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