Lisa Kloster
· 04.09.2026
Es ist der 1. Juli und ich habe gerade meinen Flug nach Fuerteventura gebucht. In neun Tagen geht es zum World Cup. Und damit haben wir plötzlich eine Deadline für die Fertigstellung des Vans. Denn während ich auf Fuerteventura beim World Cup antrete, soll mein Freund Konstantinos mit dem fertigen Van mit der Fähre von Athen nach Karpathos fahren. Von Fuerteventura fliege ich dann anschließend hinterher. Das Auto muss also nicht irgendwann fertig werden, sondern es muss bald funktionieren. Und offen gestanden hatte auch niemand Lust, noch länger daran herumzubauen oder im Herbst weiterzumachen. Außerdem braucht mein Vater auch irgendwann seine Werkzeuge wieder. Aber bevor es so weit war, lagen bereits fast sechs Monate Ausbau hinter uns. Vor allem die letzten drei Monate waren eine Mischung aus Bauen, Umplanen und der ständigen Frage: Bekommen wir das eigentlich alles noch rechtzeitig fertig?
Eines der größeren Probleme war das Holz. Wir wollten möglichst viel mit weiß foliertem marinem Multiplex bauen. Die Oberfläche ist bereits wasserdicht und hätte perfekt zu unserem Plan gepasst. Bei der zweiten Bestellung hieß es: „Eine Woche, bis es abholbereit ist.“ Nach einer Woche: „Die Presse ist kaputt, noch eine Woche.“ Nach ungefähr drei Wochen war für uns klar: Wir können nicht noch länger warten. Also Plan B. Normales Multiplex war deutlich einfacher zu bekommen. Wir haben es geholt, zugeschnitten und anschließend mit Bootslack behandelt. Das hat natürlich mehr Arbeit gemacht und wir haben so umgeplant, dass wir das weiße Multiplex, das wir aus der ersten Bestellung noch hatten, für den Wohnraum verwenden. Dort, wo man es später auch tatsächlich sieht. Noch schwieriger wurde es bei meiner geplanten Bambus-Arbeitsplatte. Das größte Stück Bambus, das wir finden konnten, war am Ende ungefähr 30 × 40 Zentimeter groß. Ein Schneidebrett. Also wurde es Eiche. Eine vier Meter lange, massive Eichenplatte, die gerade so auf die Ladefläche zum Transport gepasst hat. Danach habe ich die zugesägten Platten geschliffen, die Kanten abgerundet und mehrfach mit Hartwachs-Öl behandelt. Vier Schichten später waren sie fertig. Und tatsächlich sind sie heute eines meiner Lieblingsdetails im Van.
Dann kam eine Woche vor der Abfahrt der Moment, an dem wir kurz dachten, dass jetzt wirklich alles schiefgeht. Wir wollten das elektrische System zum ersten Mal richtig testen. Nichts funktionierte. Wir haben einen ganzen Tag lang gesucht. Mein Freund Konstantinos war irgendwann so enttäuscht, dass er eigentlich gar nicht mehr mit mir reden wollte. Mit Papa am Telefon und einem Multimeter in der anderen Hand habe ich den Fehler dann tatsächlich nach zehn Stunden Suche gefunden: Der Leitungsschutzschalter war schlicht falsch beschriftet. Dadurch kam am MPPT die falsche Polarität an und das System funktionierte nicht. Und am Tag des Abflugs war der Van dann tatsächlich fertig genug. Nicht zu 100 Prozent. Aber zu 98 Prozent. Und für den Rest hatten wir ja Karpathos.
Eine Woche vor Abfahrt kam der Moment, an dem wir dachten, dass jetzt wirklich alles schiefgeht.
Und was mache ich? Ich fliege erst mal nach Fuerteventura und schlafe natürlich nicht darin. Eigentlich hatte ich mich schon ziemlich darauf gefreut, nach all der Arbeit endlich die erste Nacht in meinem neuen Zuhause zu verbringen. Stattdessen ging es am 9. Juli mit dem Flugzeug nach Fuerte. Die Woche vor dem World Cup war fast komplett windstill. Und dann kam der Wind. Und zwar so stark, dass ich mein 3,6er fast nicht mehr halten konnte. Eines meiner Ziele war, einen Culo im Heat zu landen. Das andere war ein weiteres World-Cup-Podium. Beides hat geklappt. Nach meinem ersten Podium im vergangenen Jahr stand ich also wieder auf dem Treppchen. Yay! Währenddessen hatte Konstantinos bereits die Fähre nach Karpathos genommen. Mein neuer Van hatte also seinen ersten Roadtrip, bevor ich überhaupt einmal darin geschlafen hatte. Für mich wurde die „Heimreise“ dann fast schon zum nächsten Abenteuer: Von Fuerteventura ging es über Prag nach Karpathos. Als ich dort schließlich landete, war das Ganze ziemlich surreal. Der Flughafen liegt direkt neben den Windsurfspots im Süden der Insel. Und dann stand Konstantinos tatsächlich mit unserem fertigen Van am Flughafen. Zeit, mein neues Zuhause zum ersten Mal wirklich zu testen.
Auf Karpathos hatten wir vor allem eines: Wind. Sehr viel Wind. Während der ungefähr 45 Tage, die ich dort war, kam der Wind jeden Tag aus Nord mit über 30 Knoten. Für eine Windsurferin klingt das zunächst ziemlich perfekt. Und das war es auch. Gleichzeitig war es irgendwann körperlich ziemlich anstrengend. Nach dem World Cup auf Fuerteventura und der Reise nach Karpathos brauchte ich zunächst ein oder zwei Tage, um wieder halbwegs normale Energie zu haben. Trotzdem ging es ab Tag eins direkt wieder aufs Wasser. Dieses „Wenn Wind ist, muss ich aufs Wasser“ steckt wohl noch tief in mir. Schon als Kind habe ich mit meinem Papa im Urlaub jeden Windtag genutzt, weil es zu Hause einfach nicht ging. Und jetzt merke ich, warum wir den Van eigentlich so gebaut hatten. Nach einer langen Session mit salzigen Haaren zurück zum Van zu kommen, das Material mit einem Handgriff in die Garage zu schieben und dabei den Wohnraum trocken und sauber zu halten, spart wenigstens etwas Energie. Zumindest theoretisch. Denn natürlich schafft man es trotzdem irgendwann, mit einem nassen Neo und Sandfüßen durch den Van zu laufen.
Eine Sache, auf die ich mich besonders gefreut hatte, war die Dusche hinten am Van. Im T4 hatte ich so etwas nicht. Dort bestand meine Dusche meistens aus einer wieder aufgefüllten Flasche Wasser. Jetzt öffne ich nach dem Windsurfen einfach die Hecktüren, hänge den Neo irgendwo hin und kann mich draußen abduschen. Gerade auf Karpathos ist das perfekt. Es ist warm, die Sonne scheint, das Wasser ist super salzig und nach einer Session gibt es kaum etwas Besseres, als sich einmal komplett mit Süßwasser abzuspülen. Auch die Küche zählt zu meinen Highlights. Nach einer Session schnell etwas zu essen machen, eine kalte MioMio aus dem Kühlschrank holen oder den Airfryer anschmeißen – Dinge, die früher im T4 nicht möglich oder deutlich komplizierter waren, sind heute einfach Teil des normalen Tages. Und ja, richtig gehört: Endlich habe ich auch einen Airfryer. Nach Jahren im T4, in denen meine Küche eher nach dem Prinzip „Wie wenig brauche ich eigentlich wirklich?“ funktioniert hat, fühlt sich das schon ziemlich luxuriös an.
Der vielleicht größte Unterschied zum alten Van ist aber gar nicht die Küche. Es ist der Platz. Ich arbeite vom Van aus: Social Media, Videos, verschiedene Projekte rund ums Windsurfen – mein Laptop gehört eigentlich genauso zur Ausrüstung wie meine Boards. Im T4 habe ich dafür meistens irgendwo auf dem Bett gelegen. Das funktioniert. Aber irgendwann meldet sich der Rücken und man fragt sich, warum man eigentlich freiwillig in einer Position arbeitet, die kein normaler Mensch an einem Schreibtisch einnehmen würde. Deshalb war ein richtiges Tisch- und Sitzsystem diesmal ganz oben auf meiner Liste. Die drehbaren, ergonomischen Vordersitze geben mir eine richtige Sitzposition. Der Tisch lässt sich außerdem ausklappen. So passt sogar ein Catan-Spiel mit Erweiterung darauf. Wenn Freunde vorbeikommen, wird daraus ziemlich schnell ein Spieleabend: zwei sitzen auf der Bank, zwei auf den Vordersitzen. Die Sitzbank lässt sich übrigens bis zum Küchenblock ausziehen. Wenn wir mehr Platz brauchen, ist sie in zwei Sekunden ausgezogen. Das war genau das, was ich mir gewünscht hatte. Nicht möglichst viel Luxus. Sondern Dinge, die ich im Alltag wirklich benutze.
Und dann ist da natürlich noch das eigentliche Herzstück für mich: die Garage. Wer schon einmal versucht hat, mehrere Windsurfboards, Segel, Masten, Neoprenanzüge, Kitematerial, Wellenreitboards und den ganzen Kleinkram in einem Van unterzubringen, weiß: Das Ganze ist eigentlich ein ziemlich kompliziertes Tetris-Spiel. Und bei einer Garage gilt ohnehin: Sie kann eigentlich nie groß genug sein. Unsere ist 2,25 Meter lang, sodass auch die längeren Waveboards problemlos hineinpassen. Das Bett darüber ist dagegen nur zwei Meter lang. Deshalb haben wir die Garage nicht einfach überall gleich aufgebaut, sondern jeden Zentimeter genutzt. Auf der linken Seite, wenn man von hinten in die Garage schaut, haben wir die vollen 2,25 Meter zur Verfügung. Auf der rechten Seite sind es dagegen nur 2,10 Meter. Genau diese paar Zentimeter haben wir dann auch bei der Küche genutzt: Die Spüle ragt ein kleines Stück in den Bettkasten hinein. So konnten wir die Küchenzeile verlängern, ohne dass sie weiter in den Eingangsbereich ragt. Im neuen Van liegen die Boards horizontal übereinander und die Höhe der Halterungen kann angepasst werden. Je nachdem, welche Bedingungen kommen, kann ich also entscheiden, welche Boards und Segel ich schneller griffbereit haben möchte. Bei fast täglichem Wind spart das wirklich Zeit. Links vom Radkasten befindet sich die Elektrik, rechts ist Platz für Segel und Co. Und dann gibt es noch dieses eine Board. Ein 2,70 Meter langes Longboard zum Wellenreiten. Dafür mussten wir beim Ausbau tatsächlich eine ziemlich spezielle Lösung bauen: Das Board beginnt hinten in der Garage und reicht durch eine Öffnung bis in den Wohnbereich unter die ausziehbare Sitzbank. Nach viel Messen und Anpassen hieß es schließlich: „Es passt.“ Allein dafür hat sich der Aufwand schon gelohnt. Dass man alles auf sein Lieblingsequipment anpassen kann, ist wohl der größte Vorteil beim Selbstausbau des Vans.
Auch beim Thema Wasser haben wir aus den Erfahrungen mit dem alten Van gelernt. Den PVC-Boden haben wir an den Seiten hochgezogen und die Ecken zusätzlich mit Silikon abgedichtet. Zwischen Garage und Bett gibt es außerdem noch einmal eine wasserdichte Trennung. Die letzten Wochen mit nassen Neoprenanzügen und jeder Menge Wasser haben das Ganze direkt einem ziemlich guten Praxistest unterzogen und bisher funktioniert es genau so, wie wir es uns vorgestellt haben. Im T4 lag die Matratze direkt auf der Bettbasis und hatte durch die Feuchtigkeit irgendwann sogar angefangen, zu schimmeln. Im neuen Van schlafe ich dagegen auf einem Froli-System. Das funktioniert ähnlich wie ein Lattenrost, lässt gleichzeitig Luft unter der Matratze zirkulieren und sorgt damit für die nötige Bettunterlüftung. Natürlich ist trotzdem nicht alles perfekt. Die Heizung, die wir eigentlich auch noch einbauen wollten, haben wir zwar im Karton dabei, aber sie wartet noch auf ihren großen Auftritt. Bei über 30 Grad auf Karpathos war die Motivation, sich darum zu kümmern, allerdings auch ziemlich überschaubar.
Dass man alles auf sein Lieblingsequipment anpassen kann, ist wohl der größte Vorteil am Selbstausbau.
Nach ungefähr 45 Tagen auf Karpathos ging es für uns weiter nach Naxos. Eigentlich hätte das ganz einfach sein können. War es natürlich nicht. Ich hatte nämlich keine Fähre gebucht. Als ich ungefähr anderthalb Wochen vor der geplanten Abfahrt nach einer Verbindung schaute, stellte ich fest: alles ausgebucht. Von Karpathos nach Naxos gibt es ohnehin nicht besonders viele Verbindungen. Also haben wir angefangen, zu telefonieren. Wieder und wieder. Warteschleifen, verschiedene Fährgesellschaften, immer wieder die gleiche Antwort: „Nein, geht nicht.“ Schließlich haben wir aufgegeben und beschlossen, einfach jeden Tag zum Hafen zu gehen und nachzufragen. Und tatsächlich: 3 Tage später standen wir dort, fragten noch einmal nach und plötzlich ging es doch. Ich weiß nicht warum. Aber irgendwie hatten wir ein Ticket. Vielleicht ist das einfach Griechenland.
Jetzt bin ich also auf Naxos angekommen. Die Lagune ist perfekt, das Training läuft und einen Double Spock habe ich auch schon gelandet. Vor allem freue ich mich aber darauf, die nächsten Tage mit meinen Freundinnen zu verbringen und den Van auf der nächsten Insel weiter auszuprobieren. Und wer weiß, vielleicht hält das Vanlife ja noch die ein oder andere Überraschung für mich bereit.
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