Am Samstag geht es los, in Pozo startet eines der Highlights der PWA-Tour. Knallharte Bedingungen, nukleare Wind und jede Menge Talente versprechen Action ohne Ende - Pozo hat fast noch nie enttäuscht. Gran Canaria ist der erste Europa-Events der Waverider und könnte die Felder ordentlich durcheinander würfeln. Zudem wartet die Premiere der neuen Disziplin Slalom-X. Chris Yates von der PWA hat in seiner Vorschau alles Wichtige zum Gran Canaria Windsurf World Cup zusammengefasst:
Zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten wird keine der Moreno-Zwillingspaar am Ende des Events ganz oben auf dem Podium stehen, denn weder Daida noch Iballa Moreno werden sind dabei. Daida hatte ihren Heimwettkampf komplett im Griff - sie gewann in Pozo seit 1998 jedes Jahr mit einer Ausnahme, kündigte aber ihren Rücktritt an, nachdem sie das Finale in der letzten Saison gewonnen hatte - so dass das Rennen in diesem Jahr wirklich offen ist.
Die amtierende Weltmeisterin Sarah-Quita Offringa ist in dieser Saison noch nicht in Erscheinung getreten, geht aber auf Gran Canaria als Favoritin auf den diesjährigen Titel ins Rennen, nachdem sie in der letzten Saison hier Zweite wurde und im Laufe der Jahre zahlreiche Podiumsplätze erreichte. Offringa wird es jedoch nicht einfach haben, mehrere Konkurrentinnen rütteln am Thron der “Queen of Windsurfing”. Lina Erpenstein kommt mit ihrem Sieg in Chile im Rücken nach Pozo und ist hochmotiviert.
Auch Alexia Kiefer Quintana ist bei ihrem Heim-Event für eine Podiums-Platzierung gut. Kiefer Quintana tauchte 2019 auf der Bildfläche auf, als sie als damals 14-Jährige mit einem fünften Platz im Hauptevent auf sich aufmerksam machte. Alexia holte in Chile ihr erstes Podium und will sich weiter nach oben arbeiten.
Im Blick behalten sollten die Favoritinnen auch Sol Degrieck. Nach ihrem fulminanten Auftritt im vergangenen Jahr holte die 14 Jahre alte Belgierin zu Beginn dieser Saison in Chile ihren bereits zweiten Podiumsplatz auf der Tour. Degrieck mag es noch an Erfahrung mangeln, aber an Talent fehlt es ihr gewiss nicht, und es wird nicht viele geben, die gerne gegen sie antreten wollen.
Auch Maria Behrens (siehe auch unser aktuelles Interview hier) und Maria Morales wollen in die Weltspitze aufrücken, während Oda Johanne zum ersten Mal seit 2019 wieder in einem Waveriding antritt. Pauline Katz (Interview hier) wird versuchen, an ihr bisher bestes Ergebnis - Platz 4 in Chile - anzuknüpfen, und Marine Hunter, die in der letzten Saison auf Sylt gewonnen hat, könnte ebenfalls eine der Favoriten sein. Justyna Sniady, die sich zuletzt am Fuß verletzte, muss einen Wettlauf gegen die Zeit bestreiten, um für das Event fit zu werden. Vermutlich wird sie sich erst in letzter Minute entscheiden. Erwähnenswert ist auch, dass die aktuellen Weltranglistenersten und -zweiten - Sarah Hauser und María Andrés - beide nicht dabei sind.
Das Niveau bei den Herren scheint kurz vor dem Gran Canaria Windsurf World Cup 2024 durch die Decke zu gehen, es wird ein Feuerwerk an Sprüngen und Wellenritten geboten, das verspricht, ein Spektakel zu werden.
Nach den ersten beiden Events des Jahres befindet sich Morgan Noireaux auf unbekanntem Terrain, da er in Pozo zum ersten Mal die Weltrangliste anführt. Pozo wird natürlich eine ganz andere Herausforderung sein als das, was die Konkurrenten bisher in diesem Jahr erlebt haben, aber Noireaux wird trotzdem versuchen, ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen, um im Rennen um den Weltmeistertitel mitzuhalten.
Knapp hinter Noireaux liegt Victor Fernandez, der zu Beginn dieser Saison mit zwei Podiumsplätzen in Japan und Chile eine Art Aufschwung erlebt hat, nachdem er in der Saison zuvor nicht auf dem Podium stand. Natürlich hat Fernandez in der Vergangenheit hier eine hervorragende Bilanz vorzuweisen, aber in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass man ohne Pushloop Forward wahrscheinlich nicht um die ersten beiden Plätze mitkämpfen kann. Der ehemalige dreifache Weltmeister kennt Pozo jedoch in- und auswendig und wird immer noch hoffen, um die Top Fünf und darüber hinaus kämpfen zu können.
Letztes Jahr gab es ein hochspannendes Duell zwischen dem späteren Weltmeister Marcilio Browne und dem Lokalmatador Marino Gil, und man weiß nie, ob es am Ende des Events zu einer Wiederholung dieses Kampfes kommen wird. Browne hat einen soliden Start in das Jahr hingelegt und geht als Dritter der Overall-Wertung nach Gran Canaria. Der Brasilianer hofft, seinen Titel verteidigen zu können. Gil liegt nur ein paar Plätze weiter hinten auf dem fünften Platz, und der Youngster möchte natürlich dieses Mal ganz nach oben aufs Treppchen
Natürlich hat auch Philip Köster eine phänomenale Bilanz in Pozo: Der fünffache Weltmeister hat hier insgesamt sieben Siege verbucht. Letztes Jahr belegte der Deutsche zwar “nur” den 5. Platz, aber wenn man bedenkt, dass das mit einem gebrochenen Fuß geschah, ist das eigentlich unglaublich. Da Köster in diesem Jahr wieder voll fit ist, wird er in Topform zweifellos nur sehr schwer zu stoppen sein.
Ricardo Campello tritt in diesem Jahr zwar bekanntlich nicht auf der gesamten Tournee an, aber der amtierende Vizeweltmeister konnte nicht widerstehen, in Pozo anzutreten. Campello wurde hier letztes Jahr Vierter und wird auch dieses Mal wieder eine große Gefahr darstellen, wenn er rechtzeitig in Form kommt. Mit Star-DJ Martin Garrix als Sponsor hat er jedenfalls schon mal für den Coup des Jahres gesorgt!
Liam Dunkerbeck, Alessio Stillrich, der hier 2023 den siebten Platz belegte, und Josep Pons hoffen auf eine starke Leistung an ihrem Homespot, auch Moritz Mauch ist immer für einen Top-Score in der Welle gut. Auch Leon Jamaer, Antoine Martin, Julian Salmonn, Robby Swift, Thomas Traversa und Arthur Arutkin werden Vollgas geben. Nicht zu unterschätzen ist auch das japanische team mit Takuma Sugi, Takara Ishii und seinem Bruder Hayata Ishii. Dieter van der Eyken und Miguel Chapuis werden ebenfalls hoffen, sich in den Top 10 und darüber hinaus zu behaupten. Dany Bruch kehrt ebenfalls zum ersten Mal seit 2019 zurück.
In Pozo wird Slalom X wird sein Debüt auf der PWA World Tour geben. Im Gegensatz zum letzten Jahr sind die Rennen nicht auf eine bestimmte Anzahl von Tagen begrenzt, es können bei viel Wind und wenig Welle also so viele Rennen gefahren werden, wie das Reglement erlaubt.
Blanca Alabau geht als Titelverteidigerin in das erste Rennen der Saison. Die Spanierin, die letztes Jahr ihren ersten Weltmeistertitel holte, verbrachte den Großteil der letzten Saison auf dem Foil, daher wird es interessant sein zu sehen, wie sie sich anpasst, wenn sie wieder auf der Finne fährt.
Sarah-Quita Offringa hat Alabau im letzten Jahr mit der Finne die Stirn geboten und wird wahrscheinlich Alabaus größte Gefahr sein. Die Arubanerin landete in der vergangenen Saison in 15 Eliminations nur einmal außerhalb der Top drei und wird versuchen, das Double aus Wave- und Slalom-Sieg zu schaffen.
Jenna Gibson hat zweifellos das Tempo, um sich an die Spitze zu kämpfen, aber letztlich wird es auf ihre Beständigkeit ankommen, denn sie hat definitiv die Geschwindigkeit, um sich selbst zu ärgern. Auch Justine Lemeteyer und die ehemalige Weltmeisterin Marion Mortefon werden mit Sicherheit ein Wörtchen um den Sieg mitreden. Genau wie Offringa wird auch Oda Johanne in beiden Disziplinen antreten, während die 14-jährige Bobbi-Lynn De Jong bereit ist, sich mit den Besten der Welt zu messen. Man darf gespannt sein, wie sie sich schlägt, sie hat beide Eröffnungsevents der PWA Youth Slalom World Tour gewonnen.
Es ist schon eine Weile her, dass wir einen reinen Finnen-Slalom gesehen haben, aber die üblichen Verdächtigen sind bekannt: Der amtierende Weltmeister Matteo Iachino und Pierre Mortefon gewannen ihre ersten Titel auf der Finne, und beide sind für Hardcore-Slalom-Bedingungen gut gerüstet - in der Tat sind es wahrscheinlich ihre Lieblingsbedingungen.
Der Vizeweltmeister des letzten Jahres, Amado Vrieswijk, würde wahrscheinlich auch bei starkem Wind das Foil bevorzugen, aber er wird auch auf der Finne eine große Gefahr darstellen. Slalom X ist dazu gedacht, die Allround-Qualitäten der Fahrer zu fordern, und er ist zweifellos einer der talentiertesten Allrounder, wenn nicht sogar der talentierteste Allrounder der Tour.
Der PWA-Weltmeister von 2022 und letztjährige Weltranglistendritte Maciek Rutkowski wird darauf brennen, einen guten Start in die Saison hinzulegen. Der Pole führte die meiste Zeit des letzten Jahres das Rennen um den Weltmeistertitel an, bevor er ihn nur um 200 Punkte verpasste. Jordy Vonk wird sich bei der Aussicht auf einen reinen Hochwind-Slalom mit Finne wahrscheinlich die Finger lecken. Der fliegende Holländer war der einzige Mann, der in der letzten Saison eine Elimination in Pozo auf der Finne gewonnen hat. Zu den Finnen-Fans gehören Ebenso auch Taty Frans, Bruno Martini und Ingmar Daldorf, Jimmy Thieme und Malte Reuscher.
Leider fällt der Vorjahressieger Enrico Marotti nach einem Armbruch aus. Andere Fahrer, auf die man achten sollte, sind der sehr erfahrene Cedric Bordes, der Brite Scotty Stallman, der Franzose Alexandre Cousin und der neue PWA-Präsident Nico Prien.
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