“Camping: Wo man ein kleines Vermögen ausgibt, um wie ein Obdachloser zu leben.“ Okay, dieser Spruch überspitzt es vielleicht ein wenig, doch wenn ich mit dem Van losfahre, tue ich das nicht, weil ich so gerne auf zehn Quadratmetern hause, sondern weil ich gerne absolut unabhängig und flexibel sein möchte. In dem Moment, wo ich mir Gedanken über Verfügbarkeiten, Preise und Check-in-Uhrzeiten von Campingplätzen machen muss, geht der Reiz für mich verloren. Tagsüber weiß ich meistens noch gar nicht, wo ich mich später hinstelle, denn das verrät mir die Wind- und Wellenvorhersage erst am Vorabend. Dann bin ich oft so müde vom Surfen, dass ich auf dem Weg dorthin einfach nur noch den Motor abstellen und mich nach hinten ins Bett verkriechen möchte.
Ein Waldparkplatz zum Beispiel, auf dem ich niemanden störe und umgekehrt, erfüllt da absolut den Zweck. Dort koche ich mir morgens höchstens noch schön einen Kaffee, und dann bin ich schon unterwegs zum passenden Spot für den Tag. Sollte ich eines Tages ruhiger werden, was das Surfen angeht, und vielleicht einen größeren Van und Familie haben, wird sich meine Ansicht höchstwahrscheinlich schneller ändern, als ich gucken kann – und dann werde auch ich auf unser Camping Special zurückgreifen und mich ganz entspannt auf einen schönen Platz ans Wasser stellen – während auf dem Dach die Sat-Anlage ausfährt.
Auch mir rollen sich bei dem Gedanken an Dauercamper-Ghettos voller gartenbezwergter Parzellen und Riesenwohnmobile mit Satellitenschüssel die Zehnägel auf. Trotzdem steuern wir mit unserem Van fast immer Campingplätze an. Die Nacht ist einfach entspannter, wenn man weiß, dass man legal steht, und es nicht plötzlich an der Tür klopft. Außerdem ist an den wirklich schönen Plätzen das freie Übernachten kaum noch möglich: entweder ausdrücklich verboten oder aber per Höhenbeschränkung gleich ausgeschlossen. Und Surfzeug, Räder oder Kleinkram könnten auch nicht vor dem Bus liegen bleiben.
Die Campingplätze hingegen werden an vielen Orten immer besser und wirken in den letzten Jahren vielerorts deutlich frischer und individueller. Mit lockerem Vanlife-Style bringen sie zumindest einen Hauch der romantischen Camping-Freiheit zurück. Wer ein bisschen recherchiert, findet häufig sehr liebevoll geführte, naturnahe Plätze – teilweise sogar ohne akribische Parzellierung, sodass man immer ein tolles Fleckchen findet. Und ganz banal ist das Duschen und Abwaschen einfach deutlich komfortabler. Wenn man dann noch, ohne alles einzupacken und den Camper zu bewegen, aufs Wasser kommt, ist die ganze Familie wunschlos glücklich. Für uns einfach das bessere Gesamtpaket als frei stehend zu übernachten!
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Redakteur surf