SURF
· 24.07.2025
Der erste Tag der Freestyle-Wettbewerbe beim PWA Grand Slam 2025 in Fuerteventura lieferte dramatische Duelle, spektakuläre Moves und einige Überraschungen. Nach sieben Stunden nahezu ununterbrochener Action sicherten sich Sarah-Quita Offringa bei den Damen und Yentel Caers bei den Herren den Sieg. Beide konnten die Single Elimination für sich entscheiden und gehen nun als Favoriten in die Double Elimination, die direkt heute starten sollen.
Das Damen-Finale zwischen Sarah-Quita Offringa und Maaike Huvermann bezeichnete PWA-Berichterstatter Chris Yates als “eines der besten Frauen-Freestyle-Finals aller Zeiten”. Huvermann hatte vor dem Event schon angekündigt, dass sie Offringa den Spitzenplatz streitig machen wollte, und ließ Taten folgen. Mit einer beeindruckenden Palette an Moves, darunter ein Shaka, Skopu und ein gewaltiger Burner auf Backbord sowie ein regulärer Kono, Culo und der erste Spock-into-Kono einer Frau im Wettkampf, setzte sie die Queen des Freestyle massiv unter Druck.
Doch Offringa bewies einmal mehr, warum sie zu den größten weiblichen Athletinnen aller Zeiten zählt. Unabhängig von der Disziplin hat SQ die unheimliche Fähigkeit, ihr Niveau zu steigern, wenn es darauf ankommt – wie gerade erst in den letzten Tagen im Slalom X eindrucksvoll zu sehen war. Sie wehrte Huvermanns Angriff am Ende mit nur 0,8 Punkten Vorsprung ab, und das mit vier Tagen Hardcroe-Slalom X in den Knochen. Nach dem aktuellen Stand der Dinge scheinen Offringa und Huvermann – ohne den anderen Teilnehmerinnen zu nahe zu treten – eine Klasse für sich zu sein.
Lisa Kloster erzielte zum ersten Mal in ihrer Karriere einen Platz unter den ersten Drei, nachdem sie ihre Freundin Elena Dominick im B-Finale klar besiegte. Diesen Platz gilt es nun in der Double Elimination zu verteidigen. Kloster dürfte aus ihren heutigen Leistungen viel Selbstvertrauen schöpfen, da sie sich von Heat zu Heat kontinuierlich verbesserte und sich vom Rest des Feldes deutlich abhob.
Yentel Caers überstand einen potenziell gefährlichen Verletzungsmoment und sicherte sich verdient den Spitzenplatz auf dem Podium in der Single Elimination der Herren. Der Belgier rutschte während eines Moves im Viertelfinale gegen Antony Ruenes aus seinen Schlaufen und erlitt eine unschöne Schnittwunde am Bein, nachdem er auf seiner Finne gelandet war. Doch er ließ sich davon nicht aus der Konzentration bringen und legte im Halbfinale gegen Jacopo Testa den höchstbewerteten Heat des gesamten Events hin – 39,5 Punkte. Caers fuhr mit seinem gewohnt kraftvollen Stil und war der einzige Fahrer, der während des Tages einen Double Air Culo landete.
Im Finale traf Caers auf seinen Landsmann Steven Van Broeckhoven in der “Battle of Belgium”. Van Broeckhoven beweist mit 39 Jahren weiterhin, dass Freestyle nicht nur ein Sport für junge Hüpfer ist. Der erfahrene Belgier hatte sich vorher in einem extrem knappen Heat im Achtelfinale gegen Sam Esteve durchgesetzt – nur 0,4 Punkte trennten die beiden am Ende ihres Duells. Anschließend gewann er das Veteranen-Duell gegen den neunmaligen Freestyle-Weltmeister Gollito Estredo – ein Duell, das noch vor einem Jahrzehnt oft ein Winners' Final war – bevor er im Halbfinale den 18-jährigen Takumi Moriya bezwang.
Der erste Freestyle-Tag markiert einen Meilenstein in der Karriere von Takumi Moriya. Der hochtalentierte japanische Freestyler qualifizierte sich zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere für das Halbfinale einer Single Elimination auf der World Tour. Moriya steht seit einigen Jahren bereits auf dem Radar, aber heute machte er sich endgültig klar, dass er den Freestyle für die kommenden Jahre prägen wird. Der Japaner gewann nach seinem Halbfinal-Aus noch ein episches Duell gegen Testa im Kampf um den dritten Platz, nachdem er ein phänomenales spätes Comeback hingelegt hatte, um sich den letzten Platz auf dem Podium zu sichern – zumindest vorerst.
Auch Jacopo Testa zeigte während des gesamten Tages eine starke Leistung. Der Italiener erzielte nur einmal weniger als 36 Punkte und fuhr mit seinem gewohnt geschmeidigen Stil. Er hatte lediglich das Pech, in den letzten Phasen der Heats sowohl gegen Caers als auch gegen Moriya zu verlieren. Es wäre jedoch keine Überraschung, wenn er in der Double Elimination noch um den Event-Titel kämpfen würde. Niclas Nebelung liegt nach der Single Elimination auf einem extrem guten fünten Platz, den er sich mit Antony Ruenes, Adrien Bosson und Gollito Estredo teilt
Gollito Estredo drehte die Zeit zurück und zeigte auf Fuerte, warum er neunmaliger Freestyle-Weltmeister ist. Nach seinem Kurz-Comeback im vergangenen Jahr, bei dem er nur Ansätze seines Könnens zeigte, präsentierte sich der 35-Jährige diesmal in Bestform. Mit seinem unverkennbaren “Gollito-Stil”, der ihn zu einer Freestyle-Ikone gemacht hat, beeindruckte er Publikum und Judges. Schon seine erster Heat ließ alle aufhorchen, als er die drittbeste Wertung der ersten Runde erzielte – 34,5 Punkte. Da Estredo nicht gesetzt war, ergab sich eine bhochspannende Konstellation: Die Freestyle-Legende traf im Achtelfinale auf den amtierenden Event- und Weltmeister Lennart Neubauer.
Das Duell zwischen Neubauer und Estredo entwickelte sich zu einem der Höhepunkte des Tages in Heat 12b. Estredo setzte sich am Ende mit 0,2 Punkten Vorsprung gegen einen angeschlagenen Lennart Neubauer durch - er kuriert derzeit eine Knöchelverletzung von Pozo aus, die ihn besonders auf Backbord beeinträchtigt. Dennoch war Lennart zufrieden mit seinem Heat. Die spannende Frage: Kann er sich durch die Double Elimination zurückkämpfen, kann er trotz der Knöchelverletzung Vollgas geben und die notwendigen zehn Heats durchstehen?
Die Prognose für Donnerstag sieht ähnlich windig aus wie am ersten Freestyle-Tag, so dass es nahtlos in die Double Eliminations gehen dürfte. Da die Vorhersage für das Schlusswochenende unsicher aussieht, ist es wahrscheinlich, dass sowohl die Herren- als auch die Damen-Double-Eliminations abgeschlossen werden, wenn der Wind mitspielt.