Alois Mühlegger
· 29.09.2026
Sei es im Umgang mit Kunststoffen, beim Organisieren von Wettwerben, dem richtigen Händchen be iSponsorensuche oder dem exakten Fußdruck bei der Powerhalse an der Regattaboje. Hier sprechen fast 50 Jahre Erfahrung.
Nach ersten Versuchen mit Boards von erwachsenen Mitgliedern im Segelclub tauschte ich mein Segelboot gegen einen Mistral Competition – mein erstes eigenes Brett. Aber schon während der Schulzeit hab‘ ich mit den ersten Brettbauversuchen begonnen, Anhand der Anleitung im surf Magazin wurde ein Board mal um 80 Zentimeter gekürzt, bald darauf aus dem Vollen geshapt. In Rosenheim begann ich mit dem Studium der Kunststofftechnik, wo auch der Kontakt zur Brettmarke „Klepper“ entstand. Vorher hatte ich allerdings schon eine Tiefziehmaschine gezeichnet, auf der die Außenschalen der Klepper-Boards produziert wurden. Nebenbei surfte ich die ersten Regatten auf Longboards und kam nach dem Studienabschluss zu „Alpha“ in die Prozessentwicklung. Um 1990 gründete ich zusammen mit einigen Kumpels Windsurfing Austria, eine Klassenvereinigung für alle Boards und Disziplinen. Durch meine Tätigkeit kam ich etwa 1991 in den Kontrollrat des Österreichischen Segelverbandes und auch ab 2012 für fünf Jahre ins Präsidium. In den späten 1980ern machte ich die Ausbildung zum Wettfahrtleiter und habe bis jetzt an die 200 Regatten durchgeführt. Seit Mitte der 1980er bin ich im Vorstand des Segelklub Seekirchen-Wallersee, habe schon für die IFCA eine Euro am Neusiedler See organisiert und dieses Jahr zusammen mit dem Union Yacht Club Attersee die Europameisterschaft für den Windsurfer LT.
Viele, neben dem Job in meiner eigenen Firma bin ich gut ein bis zwei Tage je Woche für den Sport Windsurfen am Machen.
Naja – ruhig ist relativ. Wir haben regelmäßig Meisterschaften der IFCA, wie zum Beispiel Youth Europameisterschaften oder Formula WM. Auch die Erfolge von Marco Lang im PWA World Cup, das ist für ein kleines Binnenland durchaus okay. Trotz Rückgang des Windsurfens an sich und dem Dämpfer durch Corona haben wir etwa 140 Teilnehmende bei den Regatten von WSA pro Saison, davon an die 20 Jugendliche, allein fünf auf dem iQFOiL Youth.
Mit dem Vorstand die Richtung vorgeben, Terminkoordination, nationales und internationales Netzwerken, Jugendarbeit. Bei Social Media und Webpage haben wir tolle Unterstützung von Anita Eder und Gerald Böhm.
Windsurfen ist seit Jahrzehnten im OeSV relativ gut integriert, mit den Olympiateilnahmen 1984 durch Björn Eybl, 1988 mit Thomas Wallner, 1992 und 2000 mit Christoph Sieber einschließlich der Goldmedaille war das ja logisch. Es war nie ganz einfach, weil es – wie überall – verschiedene Interessen gibt, aber es war immer okay. Der Status von Windsurfing Austria als Mitgliedsverein im OeSV war 2013 ein Versuchsballon des Segelverbandes. Es geht darum, sich zu öffnen für neue Dinge. 2022 kam dann wieder ein Schub, um das Windsurfen anzuschieben, es geht ganz gut voran. Theo Peter konnte letztens bei den iQFOiL Games seine erste Wettfahrt gewinnen und etabliert sich im Mittelfeld, bei U19 hat es Georg Böckl ins Medal Race geschafft. Also die Richtung stimmt, das sieht auch der Verband. Die Kommunikationswege sind kurz, man kennt sich, und Kooperation steht im Vordergrund. Die Trainersituation wird laufend verbessert. Klar könnte immer mehr gehen, aber man muss natürlich auch budgetäre Gegebenheiten berücksichtigen.
Wie das ging – am Seeufer zusammensitzen und rumspinnen (lacht) und wenn man mit dem Präsidenten des größten Clubs Österreichs dasitzt, kommt so was raus. WSA wollte nach dem oben genannten wieder mal einen größeren Event. Eine IFCA-Meisterschaft am Neusiedler See hatten wir schon, die Wassertiefe schließt Windfoil-Events da leider weitgehend aus. An den tieferen Seen ist es entweder mit der Windsicherheit schwierig oder es fehlen die großen Clubs. Die Windsurfer-LT-Szene wächst sehr stark, wir machen seit 2019 Meisterschaften, die österreichische Community ist stabil und gut vernetzt. Der Union Yachtclub Attersee will sich „modernisieren“, ist groß genug – somit haben wir da eine Win-win-Situation. Wir haben uns gemeinsam beworben, den Zuschlag erhalten und freuten uns alle darüber, etwas Neues abzuliefern.
Nicht wirklich.
Mein Herz hängt am Slalomfahren. Da wir in Österreich nur wenige geeignete Reviere besitzen, hab‘ ich mit dem Circolo Surf Torbole am Gardasee einen Kooperationspartner gewonnen, der zwei Rennen pro Saison mit Windsurfing Austria (WSA) durchführt. Die sind Teil der Österreichischen Meisterschaft und extrem gut besucht. Auch hier geht’s um Kooperation unter ehrenamtlich strukturierten Vereinen.
Nicht nur dort, ich surfe die gesamte österreichische Slalom-Meisterschaft in der Finnen-Wertung mit. Zweimal in Italien am Lago, am Neusiedlersee, zweimal in der Schweiz am Walensee und am Silvaplaner See. Außerdem das Defi Wind und die One Hour Gardasee auf der Finne.
Ich surfe die gesamte österreichische Slalom-Meisterschaft in der Finnen-Wertung mit.”
Kein Problem, absolut. Ich bin schon lange nicht mehr angefeindet worden. Ich glaube sogar, dass dies als Vorteil angesehen wird. Die Teilnehmer wissen, dass ich aus der Praxis komme, ich weiß wovon ich spreche. Lediglich bei größeren Bewerben trenne ich Orga und Wettkampf, das bekomme ich sonst mental nicht mehr hin.
Ich schaue mir die Situation mit Verblüffung an, bin über manche Situation nicht glücklich. Meiner Meinung nach ist die Industrie schon im letzten Jahrtausend abgestürzt. Trotzdem hat sich Windsurfen zu einem stabilen Sport entwickelt.
Ich sehe Wingen sehr positiv, es holt die Leute aufs Wasser. Es ist cooler als Kiten, hat viele Vorteile gegenüber dem Kiten. Dass dieser Sport olympisch wird, davon gehe ich fix aus.
Das Gefühl, im Trapez hängend, wenn das Board auf der Finne übers Wasser fliegt, das hab‘ ich auf dem Foil nicht gefunden. Dieses Gefühl liebe und brauche ich jetzt seit fast 50 Jahren.
Die Landschaft, die lange Strecke, die Community, die Stimmung im Ort, alle Locals waren stolz auf diesen Event, das hast du als Teilnehmer gespürt. Wobei, ich registriere, dass sich die Veranstaltung in den letzten Jahren nicht mehr so positiv entwickelt hat. Mit Kiten und Wingfoilen, zusätzlich zum Windsurfen, vor allem aber zu vielen Teilnehmern, ist der Event fast zu groß geworden.
Die PWA hat eine schwierige Zukunft. Ich bin der Meinung, sie passt so wie aktuell nicht mehr in die Zeit. Sie versuchen jetzt, mit der IFCA (International Funboard Class Association, Anm. d. Red.) zu kooperieren. Es ist kein Budget da, um eine professionelle Zukunft zu organisieren, es fehlt ein großer Toursponsor. Deshalb wollen sie von den örtlichen Veranstaltern auch zu viel Geld. Dazu kommen intransparente Regeln, auf der PWA-Webseite sind zu wenig Infos zu finden. Außerdem bekommt die PWA starke Konkurrenz von der olympischen iQFOiL Class, wo der Spitzensport für mich deutlich professioneller durchgeführt wird.
Meiner Meinung nach ist das auch kontraproduktiv, darum werden die jeweiligen Felder auch immer kleiner. Viel Aufwand für Training, Reise und Material, und dann nur sehr wenige Bewerbe – das wird zu immer weniger Teilnehmern führen.
Zuerst könnte eine Bündelung der regionalen Klassenvereinigungen Sinn machen. Zum Beispiel planen wir für 2027 einen IFCA Alpen Cup mit je zwei Regatten in der Schweiz, in Italien am Gardasee und zwei in Österreich mit gemeinsamem Ranking. Die Rennen laufen abwechselnd für Finne und Foil, da bekommst du für beide jeweils genügend Wettfahrten auf den Zettel. Die IFCA bringt ab 2026 auch ein globales Ranking – ebenfalls gut. Verschiedene Disziplinen bei einem Event – das funktioniert immer besser.
Schon noch eine Zeit, je nachdem wie mir manche Dinge auf die Nerven gehen. Aber sobald ich aufs Wasser darf, bin ich voll engagiert, und eigentlich ist es egal, ob als Starter, Wettfahrtleiter oder Veranstalter.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.