RückspiegelDas waren die Highlights in surf 07/1982

Tobias Frauen

 · 25.04.2026

"Fußsteuerung während der Flugphase" heißt es nüchtern zum Titelbild mit Greg Yester, fotografiert von Uli Seer
Foto: surf-Archiv
Windsurf-Boards im Windkanal, alte Manta-Werbung, ein bislang unbekannter windsurf-Erfinder , kuriose Spielereien und mehr - das waren die surf-Highlights im Juli 1982!

Ein wunderschöner metallicblauer Mercedes S123 war Hauptdarsteller in der surf-Geschichte zum richtigen Transport von Surfboards. Wobei das originär nicht mal eine Reportage war, die von der surf-Redaktion angestoßen wurde, sondern eine hochseriöse Versuchsreihe der Daimer-Benz AG. Dort hatte man “über 100.000 Mark” investiert, um den surfenden Mercedes-Eignern wissenschaftlich belegte Ratschläge an die Hand zu geben, wie sie ihre Ausrüstung optimal auf dem besternten Gefährt transportieren. Doch die Ergebnisse gelten “tendenziell für alle Fahrzeuge”, wie eingangs betont wird. Nach Praxis-Tests auf dem Hockenheimring mit einem Mercedes 500 (von dem es leider keine Bilder zu sehen gibt), wird auf besagtem T-Modell im Windkanal weiter getestet. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Ein Board verursacht etwa 50 kg Auftrieb, zwei Boards übereinander rund 70 bis 75 kg. Wenn zwei Bretter jedoch nebeneinander aufs Dach geschnallt werden, entstehen sagenhafte 200 bis 230 kg Auftrieb - also Kräfte, die den Vorderwagen nach oben ziehen und so die Straßenlage und Sicherheit spürbar schlechter werden lassen. Diese Werte wurden zwar bei 220 km/h gemessen, die Tendenz war aber auch bei 130 km/h identisch. Weitere Erkenntnis: Bei Kombis wird der Luftwiderstand kaum erhöht, bei Limousinen hingegen schon.

Die Wurzeln des Pumpfoilings

Eine recht unscheinbare. halbseitige Anzeige für einen “Freizeitspaß bei Flaute”: Der “swing surf” ist offenbar ein Konstrukt, das in den Schwertkasten gestöpselt werde kann. Auf das Deck kommt eine schwenkbare Trittfläche mit Fußschlaufen, unten ist eine Art Flossenkonstruktion über einen Mechanismus verbunden. Wer sich nun oben auf den Teller stellt und rhythmisch beweget, erzeugt über die Flossen Vortrieb. Ob das Wort “beschleunigen” bei den versprochenen 6 km/h passende gewählt ist, sei einmal dahingestellt, interessant wird das Ganze aber auf jeden Fall.

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Kommt der “echte” Erfinder des Windsurfens aus Großbritannien?

Darby, Drake, Schweitzer - die Erfindung des Windsurfens war oftmals Thema in surf und anderen Publikationen und Dank der zweifelhaften Geschäftstüchtigkeit gewisser Patentinhaber noch öfter vor Gerichten. Umso kurioser, dass 1982 plötzlich ein weiterer Protagonist auf die Bühne trat: Peter Chilvers behauptete, als Zwölfjähriger (!) eine Konstruktion gebastelt zu haben, die entfernt an ein Windsurf-Setup erinnert. Das Brett war eine hohle Holzkonstruktion, das Rigg ein Leinentuch mit biegsamen Leisten eine Holzjalousie als “Gabelbaum”. Bilder oder Original-Zeichnungen gab es schon 1982 nicht, Chilvers, damals 36 Jahre alt, skizzierte seine Konstruktion aus dem Gedächtnis. Im Trubel der Patent-Prozesse wurde Tabor Marine, der britische Importeur von Bic, auf Chivers aufmerksam und holte ihn als Zeugen im Prozess gegen Schweitzer vor Gericht. Die Richter und Anwälte begaben sich sogar auf Spurensuche auf den Campingplatz, wo Chivers’ Konstruktion angeblich ein unrühmliches Ende als Steg-Planke gefunden hatte. Tatsächlich reichte dem Gericht die dünne Beweislage, um das Schweitzer-Patent in Großbritannien zu kippen.

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Und sonst so?

  • “In 1 sec. von 0 auf 470 cm Länge” bewibt surf die neue Abo-Prämie: Eine Tsche für die damals noch einteiligen Masten
  • Perlen der Werbung: Eine “hydrodynamisch äußert gelungene Unterwassergeometrie” bescheinigt Marker seinem Modell “Mark 1 O.K.”.
  • 8500 Testfahrten wurden bei der surf-Testwoche am Gardasee registriert - einem Vorläufer des heutigen Surf-Festivals. Auch damals schon dabei: Seminare und Ratgeber rund um verschiedene Themen.
  • “Am liebsten würde ich Hoyle Schweitzer und Fred Ostermann erwürgen”, wird ein Olympia-Funktionär zitiert. Die beiden Business-Köpfe der Surf-Branche gehen dem Komittee, dass ein Olympia-Board für 1984 auswählen soll, gehörig auf die Nerven.
  • Warum Windsurfen eine der beliebtesten Sportarten werden könnte, legt surf in einer Art Essay ausführlich dar. In den boomenden frühen Achtzigern träumte man noch davon, bald sogar den Skisport hinter sich zu lassen. Außerdem gibt es Tipps für Einsteiger.
  • Für einfacheren Handling gibt es jetzt das “Komfort-Rigg”: Mit kürzerer Gabel, höherem Achterliek und mehr Fläche im oberen Bereich soll es besonders leicht aus dem Wasser zu ziehen sein
  • Perlen der Werbung, II: “Männlich, stark, sportlich”, heißt es in der doppelseitigen Anzeige, und am Schluss: “Leisten Sie sich eine Schwäche fürs Starke!” Beworben wird der Opel Manta II - was ist eigentlich aus “Wie wennze fliechst!” geworden?
  • Ein winzig kleiner Surfer direkt neben einem imposanten Frachtschiff - das war das etwas furchteinflößende Titelbild des Notfall-Ratgebers
  • “Sport Bittl” sorgt für Unruhe unter den Surfhändlern, der Shop am Rande Münchens haut hunderte von Ladenhütern und Günstig-Boards deutlich unter den üblichen Preisen raus. Die Konkurrenz schäumt, die Käufer freuts, und surf geht dem “billigen Jakob” auf den Grund.
  • Schon damals ein Renner: Im Revier-Guide Holland zeigt surf die bestens Spots an der Ostküste des Ijsselmeeres: Workum, Hindeloopen und Co. sind auch über 40 Jahre später noch extrem beliebt - und bieten viele tolle Campingplätze direkt am Wasser

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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