SpeedsurfenProjekt “50 Knoten mit 50 Jahren” - drei Fragen an Jan Gyger

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 · 14.09.2026

Speedsurfen: Projekt “50 Knoten mit 50 Jahren” - drei Fragen an Jan GygerFoto: Aurelien Toulan
Jan Gyger will die 50 Knoten Top-Speed knacken
Mit 50 Jahren die 50 Knoten Top-Speed knacken, dieses Ziel hat sich der Schweizer Jan Gyger gesetzt. Wie es zum “Projekt 50/50” kam, was er dafür tut und wo er bislang steht, hat uns er frühere Snowboard-Profi berichtet.

​Wie ist die Idee entstanden, dir zum 50. Geburtstag das Ziel zu setzen, 50 Knoten schnell zu surfen?

Nach meinem Einstieg ins Speed-Windsurfen vor rund zwei Jahren wurde ich bei jeder Session schneller und schneller, bis ich diesen Sommer erstmals die 80-km/h-Marke geknackt habe. Je näher mein 50. Geburtstag Ende Juli rückte, desto öfter kamen natürlich auch die Sprüche nach dem Motto: „Du alter Sack!“ Irgendwann entstand genau daraus die Idee zur Mission 50/50: 50 Knoten mit über 50 Jahren. Ich fühle mich noch topfit und jung und möchte damit auch ein Beispiel geben. Spitzenleistungen gerade im Speed-Windsurfen sind auch mit 50+ und unter 80 kg möglich, wie ich gerade selbst beweise. Das Geheimnis ist für mich eigentlich ganz einfach: immer dranbleiben und mit Bedacht pushen.

Gleichzeitig sind 50 Knoten ein extrem hoch gestecktes Ziel. Das Erreichen von scheinbar fast unerreichbaren Zielen passt zu mir. Ich bewege mich seit meiner frühesten Kindheit immer wieder im Grenzbereich – oder auch mal darüber hinaus. In der Geschichte des Windsurfens haben diese Marke von 50 Knoten bisher nur ungefähr 50 Windsurfer weltweit erreicht. Genau das macht die Herausforderung für mich so spannend. Und natürlich fand ich 50/50 auch als Aufhänger für das gesamte Projekt und für die Suche nach zusätzlicher Unterstützung bei Material und Finanzierung einfach genial. Es bringt in zwei Zahlen auf den Punkt, worum es geht: 50 Knoten mit über 50.

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Wie sieht dein Plan aus, um dein Ziel zu erreichen? Hast du eine Roadmap?

Ja, die Roadmap ist eigentlich ziemlich klar – auch wenn sich Speed-Windsurfen natürlich nicht komplett planen lässt. Aktuell stehe ich bei 43,91 Knoten Peak Speed. Von dort auf 50 Knoten zu kommen, sind aber nicht einfach nur weitere sechs Knoten. Je näher man an diese Marke kommt, desto schwieriger wird jeder einzelne Knoten. Ich verbringe natürlich möglichst viel Zeit auf dem Wasser und werde unter anderem in den nächsten Wochen auch wieder in La Palme trainieren. Dazu kommen internationale Speed-Events, wann immer es zeitlich und finanziell möglich ist.

Ein wichtiger Teil der Roadmap ist auch die konsequente Optimierung des Materials. Board, Finne, Segel, Mast, Trimm – am Ende können kleine Veränderungen darüber entscheiden, ob man noch einmal ein paar Zehntel oder einen zusätzlichen Knoten findet. Gleichzeitig arbeite ich natürlich weiter an meiner eigenen Performance. Mit unter 80 Kilogramm habe ich im Speed-Windsurfen andere Voraussetzungen als ein Fahrer mit 100 oder 110 Kilo. Ich muss also versuchen, meine Stärken auszuspielen und technisch möglichst effizient zu fahren.

​Die Mission endet, wenn auf dem GPS die 50 steht.”

Das große Ziel ist Lüderitz. Der Speedkanal dort ist für mich das Nonplusultra und wahrscheinlich der Ort, an dem ich die besten Chancen habe, tatsächlich in Richtung 50 Knoten zu kommen. Leider wurde die Lüderitz Speed Challenge 2026 abgesagt. Damit ist auch klar, dass ich die 50 Knoten möglicherweise nicht mehr innerhalb meines 50. Lebensjahres erreichen kann. Aber deshalb endet die Mission nicht an meinem 51. Geburtstag. 50/50 bedeutet für mich: Ich habe die Mission mit 50 gestartet – und sie endet, wenn auf dem GPS die 50 steht. Damit Lüderitz, die internationalen Events und das dafür notwendige Material überhaupt möglich werden, gehört zur Roadmap allerdings auch die Suche nach Partnern und zusätzlicher finanzieller Unterstützung. Speed-Windsurfen auf diesem Niveau ist nicht nur eine sportliche, sondern auch eine finanzielle Herausforderung. Der Plan ist also: trainieren, optimieren, Erfahrungen sammeln, schneller werden – und dann unter den richtigen Bedingungen angreifen.

Du bist ehemaliger Profi-Snowboarder, wie bist du zum Windsurfen gekommen?

Eigentlich müsste die Frage fast umgekehrt lauten: Wie bin ich vom Windsurfen zum Profi-Snowboarden und irgendwann wieder zurück zum Windsurfen gekommen? Windsurfen war nämlich schon meine große Kindheits- und Jugendliebe. Mein Vater war Windsurfer, und als kleines Kind war ich zunächst Passagier auf seinem riesigen HiFly, später stand ich zwischen seinen Beinen und half irgendwie mit, das Segel zu halten. Irgendwann wollte ich natürlich selber fahren. Im Sommer 1983, mit sechs Jahren, bekam ich eines der damals noch seltenen Kinderriggs und begann selbstständig zu surfen. Von da an war ich bei jeder Gelegenheit auf dem Wasser. Mit zehn durfte ich erstmals bei der Surfrallye unseres Surfclubs mitmachen – und habe sie gleich gewonnen. Mit 14 war ich bereits bei Sprüngen und ersten Versuchen von Frontloops, Cheese Rolls und Table Tops angekommen. Windsurfen war neben dem Wintersport meine grosse Leidenschaft. Dann wurde das Snowboarden immer wichtiger und führte mich schließlich in den Profisport. Mit ungefähr 19 begann eine sehr lange Windsurf-Pause. In den folgenden 26 Jahren stand ich nur noch ein paar Mal auf einem Windsurfbrett. Die Liebe zu diesem Sport war aber nie wirklich weg.

​Wer irgendwann aufgehört hat und noch immer dieses Kribbeln verspürt, sollte sich überlegen, wieder aufs Brett zu steigen.”

Der entscheidende Auslöser für meine Rückkehr war dann mein lebensbedrohlicher Lawinenunfall im Februar 2022. Wenn man dem Tod so knapp von der Schippe springt, beginnt man automatisch darüber nachzudenken, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Für mich bedeutete das unter anderem die Rückkehr zu meiner großen Kindheits- und Jugendliebe – dem Windsurfen. Nur wenige Wochen nach dem Unfall begann ich, mir auf dem Gebrauchtmarkt wieder Material zusammenzukaufen. Ich verbrachte wieder jede freie Minute mit Wind auf dem Wasser. Natürlich hatte sich das Material während meiner langen Pause enorm verändert, aber das Gefühl war sofort wieder da. Es ist tatsächlich wie Fahrradfahren – man verlernt es nie. Dass mich diese Rückkehr nur wenige Jahre später ins internationale Speed-Windsurfen und schließlich zur Mission 50/50 führen würde, hätte ich damals selbst nicht gedacht. Heute würde ich gerne auch ein Beispiel und eine Inspiration für andere ehemalige Windsurfer sein. Wer irgendwann aufgehört hat und noch immer dieses Kribbeln verspürt, sollte sich überlegen, wieder aufs Brett zu steigen. Die Rückkehr zu diesem außergewöhnlichen Sport – oder eigentlich viel mehr zu diesem Lebensgefühl – hat sich für mich auf jeden Fall ausgezahlt.

Vielen Dank und viel Erfolg!


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