Der zweite Wettkampftag des Fiji Surf Pro brachte wie erwartet die bislang größten Wellen des Events. Der Swell legte über Nacht um 20 Prozent zu, heftige Sets detonierten auf dem Riff und ließen den Judge-Tower vibrieren. Dazu wehten konstante 20 Knoten Cross-Offshore-Wind im perfekten Winkel über das Lineup.
Am Ende des Tages stand die Frauen-Siegerin fest, vier Männer hatten sich direkt für die Halbfinals qualifiziert, die ersten Athleten schieden in den Redemption Rounds aus – und ein Titelfavorit verletzte sich schwer.
Jane Seman aus Australien gewann den Fiji Surf Pro 2026 bereits vor dem letzten Durchgang. Die Severne-Fahrerin aus Margaret River holte sich nach ihrem gestrigen Sieg mit 16,70 Punkten – der höchsten Heat-Wertung des gesamten Events – auch den zweiten Lauf. In den noch heftigeren Bedingungen des zweiten Tages setzte sie sich mit 9,87 Punkten durch. Die Entscheidung fiel auf Basis der taktisch klugen Wellenwahl in einem Heat, bei dem die Bedingungen alles abverlangten. Da bei den Frauen die Platzierungen aus allen drei Läufen zählen, kann Seman mit zwei Siegen nicht mehr eingeholt werden. „Die Wellen waren einfach unglaublich. Es war ein Rausch, Wellen dieser Größe zu surfen, und das in einem Wettkampf zu tun, war ein Traum", sagt Seman.
Hinter Seman entwickelt sich ein spannendes Duell um die Podiumsplätze. Sarah Kenyon fand am zweiten Tag zu ihrer Form und sicherte sich mit 8,27 Punkten den zweiten Platz im Lauf. Die Spanierin Maria Andrés belegte mit 6,37 Punkten Rang drei – eine Umkehrung der Ergebnisse vom ersten Lauf. Beide haben nun jeweils einen zweiten und einen dritten Platz auf dem Konto. Der dritte und finale Lauf am morgigen Finals Day wird entscheiden, wer Silber und wer Bronze erhält. Die längeren Heat-Zeiten ermöglichten es den Fahrerinnen, während der Läufe mehr über die Wellen zu lernen und sich kontinuierlich zu steigern. Seman betonte, dass sie versucht habe, sich mit jeder Welle zu pushen, und dass das Zuschauen bei den Männern sie inspiriert habe, beim nächsten Mal noch mehr zu riskieren.
Die Männer absolvierten die Round 4 Seeding Heats, bei denen die Challenger-Qualifikanten auf das Hauptfeld trafen. In den bislang größten Wellen des Events setzten sich die etablierten Namen durch. Die vier Heat-Sieger qualifizierten sich direkt für die Halbfinals. Bernd Roediger lieferte den komplettesten Heat der Männer-Konkurrenz ab. Seine 16,90 Punkte bekam er für kompromisslose Rides in den größten Sets. Hinter ihm kämpften Takuma Sugi mit 12,40 Punkten und Camille Juban mit 12,14 Punkten um die weiteren Plätze. Logan Haggerstrom, Überraschungs-Fahrer des ersten Tages, konnte keinen Punkte sammeln – eine brutale Erinnerung daran, wie gnadenlos Cloudbreak sein kann. Heat 2 ging an Jaeger Stone, dessen bekannt kraftvolles Power-Surfing 15,23 Punkte einbrachte.
Hinter ihm platzierte sich Robby Swift mit 13,33 Punkten und einigen der stylishsten Rides des Tages. Goya-Neuzugang Julian Salmonn holte 12,07 Punkte, Duncan Osborn kam auf 9,54 Punkte. Heat 3 brachte die höchste Wertung des Männer-Feldes: Antoine Martin fuhr an den kritischsten Punkten die radikalsten Linien auf der Welle und bekam 16,96 Punkte - es schien so, als hätte er kein Interesse an einem langen Weg durch die Runden. Russell Faurot sicherte sich mit 11,56 Punkten Platz zwei vor Takara Ishii mit 10,80 Punkten und Finn Mellon mit 9,80 Punkten. Heat 4 war der knappste der Runde: Titelverteidiger Baptiste Cloarec setzte sich mit 15,53 Punkten gegen Morgan Noireaux durch, der mit 15,16 Punkten weniger als vier Zehntel zurücklag.
Federico Morisio holte 12,87 Punkte und Platz drei, Challenger-Qualifikant Michael Westra kam auf 8,77 Punkte und konnte seine Heldentat des Auftakt-Tages nicht wiederholen. Stones Heat-Sieg hatte jedoch einen hohen Preis. Der Australier erlitt einen heftigen Wipeout und musste vom Wasserrettungsteam mit dem Jet-Ski geborgen werden. Er wurde sofort zum Tower gebracht, wo ihn der Event-Arzt untersuchte. Die Diagnose lautete auf einen vermutlich gebrochenen Fuß. Stone wurde per Schnellboot aufs Festland gebracht, wo ein Krankenwagen wartete, um ihn ins Medical Centre zu bringen. Er wartet auf Scans zur Schadensbewertung. Die Verletzung macht es jedoch unwahrscheinlich, dass Stone im Finale dabei sein kann – ein harter Schlag für einen der Topfavoriten, der nach seinem Rückzug von der Vollzeit-Tour 2019 zu internationalen Wettkämpfen zurückgekehrt war. Sein Halbfinal-Platz wird bis zur medizinischen Freigabe gehalten. Trotz der Verletzung sagte Stone: „Ich glaube, ich hatte die beste Welle meines Lebens."
Ich glaube, ich hatte die beste Welle meines Lebens.” (Jaeger Stone)
Für alle anderen führt der Weg ins Finale durch die Redemption Rounds. Der Wettkampftag endete mit der kompletten Round 5 Redemption und den ersten Ausgeschiedenen des Hauptevents. In Redemption Heat 1 machte Camille Juban keine Fehler bei seiner zweiten Chance und kontrollierte den Heat von Beginn an mit 13,40 Punkten vor Julian Salmonn mit 11,60 Punkten – beide sind noch im Rennen. Duncan Osborn kämpfte in seinem Heat bis zum Ende und erkämpfte sich respektable 9,90 Punkte, doch Takara Ishii meisterte die Herausforderung mit 13,97 Punkten am besten und gewann den Heat. Finn Mellon schnappte sich mit 11,60 Punkten den zweiten Qualifikationsplatz.
Federico Morisio verfehlte mit 11,30 Punkten um nur drei Zehntel den Einzug in die nächste Runde. Michael Westra, der Challenger-Qualifikant, dessen 13,47 Punkte am ersten Tag herausragten, fand keine gute Welle und schied zusammen mit Morisio aus. Die vier Redemption-Überlebenden – Juban, Salmonn, Ishii und Mellon – steigen morgen in Round 6 ein, wo sie auf die Round-4-Zweitplatzierten treffen. In Round 6 Redemption Heat 1 starten Takuma Sugi, Robby Swift, Camille Juban und Finn Mellon. Round 6 Redemption Heat 2 sieht Morgan Noireaux, Russell Faurot, Takara Ishii und Julian Salmonn. Die Topplatzierten aus Round 6 komplettieren das Halbfinal-Draw – Heat 1 neben Roediger und Stone, Heat 2 neben Martin und Cloarec.
Der morgige Tag bringt die Entscheidungen beim Fiji Surf Pro. Die Männer starten mit den beiden Round 6 Redemption Heats, deren Sieger die Halbfinal-Line-ups neben Roediger, Stone, Martin und Cloarec komplettieren, bevor Halbfinals und Finale einen Männer-Champion krönen. Die Frauen gehen für ihren dritten und entscheidenden Lauf aufs Wasser, wobei Silber und Bronze zwischen Andrés und Kenyon noch offen sind. Der Swell soll weiter laufen und abermals epische Bedingungen bieten. Der Wettkampf beginnt um 12 Uhr Fiji-Zeit, also 2 Uhr Nachts in Mitteleuropa. Alle Heats werden wieder im Youtube-Kanal der WWT übertragen!
Alle Heats und Ergebnisse unter worldwindsurftour.com
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