​Vom Hobby zum BerufIn acht Tagen zum VDWS Wingfoil Instructor

Thomas Pfannkuch

 · 17.04.2026

In der Soma Bay hat Thomas Pfannkuch sich zum Wingfoil-Trailer ausbilden lassen.
Foto: Thomas Pfannkuch
Wingfoilen boomt, damit steigt auch der Bedarf an ausgebildeten Wing-Lehrern. Diese werden unter anderem vom VDWS ausgebildet. Welche Inhalte im Lehrgang vermittelt werden und welche Fähigkeiten man mitbringen muss, erzählt Thomas Pfannkuch.

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Wer heutzutage an den Spots der Welt den Blick über das Wasser schweifen lässt, kommt an Wingfoilern nicht mehr vorbei. Mit dem rasanten Wachstum dieser Trendsportart steigt auch der Bedarf an qualifizierten Trainerinnen und Trainern. In der ägyptischen Soma Bay habe ich am Wingfoil-Instructor-Lehrgang des VDWS (Verband Deutscher Wassersport-Schulen) teilgenommen.

Die Messlatte liegt hoch - Voraussetzungen für Wingfoil-Lehrer

Eines wird schon vor der Anreise klar: Der Lehrgang ist kein Urlaub. Um überhaupt zugelassen zu werden, müssen die Teilnehmer bereits ein definiertes fahrpraktisches Niveau vorweisen. Dazu gehört das sichere Wingen in unterschiedlichen Revieren von zehn bis 30 Knoten, problemloses Höhelaufen, Halse und Wende auf einem Longboard (z. B. SUP oder Windsurfboard mit Schwert) sowie die gefoilte Halse aus beziehungsweise in den Toeside-Stand in beide Richtungen – und zwar ohne Touchdown. Wer hier patzt, merkt schnell, dass der Lehrgang nicht dazu dient, das Wingsurfen und Wingfoilen zu lernen, sondern Kenntnisse zu gewinnen, wie man es Schülern vermittelt.

Bereits vor der Anreise in die Soma Bay mussten wir zudem die umfassenden Inhalte im E-Learning der VDWS Academy mit Texten, Bildern, Videos, Audio und Quiz durcharbeiten, um optimal auf den Lehrgang vorbereitet zu sein. Hier war mir sofort klar, dass vollgepackte Tage mit einem Mix aus Theorie, Praxis und Lehrproben vor mir stehen.

Methodik: Das Handwerkszeug des Lehrers

Der Kern der VDWS-Ausbildung ist die allgemeine Methodik. Hier geht es darum, komplexe Bewegungsabläufe so zu zerlegen, dass Schüler sie erfolgreich umsetzen können. Der Verband setzt dabei auf fundamentale Grundsätze: „Vom Leichten zum Schweren“, „Vom Einfachen zum Komplexen“ und „Vom Bekannten zum Unbekannten“. So lernen wir unter anderem, zwischen der Teilmethode, bei der Basics isoliert geübt werden, und der Ganzheitsmethode für einfache Abläufe wie das Drehen des Wings zu unterscheiden und diese je nach zu lehrendem Inhalt anzuwenden. Oder auch wie verschiedene Ansätze zur Problemlösung oder zum Erlernen von Manövern bei Schülerinnen und Schülern führen – denn, wie Jule Bleich, Ausbildern beim VDWS, sagt: „Es gibt nicht den Weg, es gibt viele Wege zum Erfolg.“

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​Es gibt nicht den Weg, es gibt viele Wege zum Erfolg.“ (Jule Bleich, VDWS-Ausbilderin)

Der Fahrplan zum Profi: Acht intensive Tage

Die Ausbildung zum VDWS Wingfoil Instructor erfolgt in acht Ausbildungstagen mit einem straffen Mix aus Theorie, Praxis und Lehrproben. Der Vormittag ist meist dem theoretischen Fundament und „ergänzendem Wissen“ gewidmet: Hier stehen zentrale Themen wie Methodik, Sicherheit, Physik, Wetterkunde und Materialkunde auf dem Plan. Die Nachmittage gehören fast ausnahmslos den praktisch-methodischen Übungen an Land und auf dem Wasser, in denen das theoretische Wissen direkt in fahrpraktisches Können und Lehrmethodik übersetzt wird.

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Voller Plan für die Teilnehmer der AusbildungFoto: Thomas PfannkuchVoller Plan für die Teilnehmer der Ausbildung

Der Kurs ist auf eine kontinuierliche Steigerung ausgelegt: Nachdem in den ersten vier Tagen die Grundlagen in Theorie und Praxis gefestigt wurden, markiert der fünfte Tag mit der fahrpraktischen Prüfung auf Longboard und Foilboard den ersten großen Meilenstein. Die Tage sechs und sieben rücken die pädagogische Kompetenz in den Fokus, mit intensiven Einheiten zur Unterrichtsplanung, Lehrversuchen und den entscheidenden Lehrproben vor auf der Agenda. Den Abschluss bildet am achten Tag die Theorieprüfung, gefolgt von einem Ausblick auf das VDWS-Berufsbild. Das jeweilige Tagesprogramm ist dabei nicht fix, sondern wird beispielsweise je nach den Wind- und Wetterbedingungen angepasst.

Theorie mit Tiefgang: Warum der Wing eigentlich fliegt

Guter Unterricht setzt voraus, dass man die funktionalen Zusammenhänge versteht. Während des VDWS Instructor-Lehrgangs lernen wir etwa, Schülern den relativen Wind zu erklären – die Summe aus atmosphärischem Wind und Fahrtwind. Das von Jule Bleich verwendete Beispiel der „Dampflok“, deren Dampf je nach Fahrt und Windrichtung schräg wegzieht, ist hier ein bildhaftes Hilfsmittel, das Schülern helfen wird.

Auch die Aerodynamik des Foils wird behandelt. Wir erarbeiten etwa, wie durch Unterdruck auf der Oberseite und Überdruck auf der Unterseite des Wings Auftrieb entsteht. Ein professioneller Instructor muss zudem den Unterschied zwischen High-Aspect und Low-Aspect Foils kennen, um Schülern das richtige Material für ihre ersten „Flüge“ zu empfehlen. Auch sprechen wir über die Kollisionsverhütungsregeln, den Aufbau und die Planung von Kursen, Meeresströmungen sowie die Technikbeschreibung von Manövern an Land und auf dem Wasser.

Zurück auf Anfang: Das Longboard-Labor

In der praktischen Ausbildung am Strand von Soma Bay werden wir selbst wieder zu Schülern, um die besten Übungen für den späteren eigenen Unterricht zu testen. Dafür ging es nach Trockenübungen an Land später auch „zurück“ auf das Longboard. Was zunächst wie ein Rückschritt klingt, entpuppte sich als essentielles Methodik-Labor. Wir erarbeiten in der Gruppe, welche Methoden und Übungen die erste „Bekanntschaft“ von Schülerinnen und Schülern mit einem Wing erleichtern – etwa wie sie den Wing am besten tragen, ihn am Nullgriff greifen, ihn umdrehen und ihn in die Grundstellung bringen. Dann geht’s mit großvolumigen Longboards mit Schwert oder Centerfinne aufs Wasser.

In Schlangenlinien erarbeiten wir, wie man optimal anluvt und abfällt und welche Steuerimpulse des Wings hierfür notwendig sind. Zudem standen mit der 180-Grad-Drehung, der Wende und der Halse die Basis-Manöver auf dem Plan der praktischen Lehrübung. Neben der Übung auf dem Wasser lernten wir auch den modularen Kursaufbaus und konnten wertvolle Erkenntnisse für unsere eigenen Kurse auf den Heimatgewässern mitnehmen. Der Einsatz eines Bojenparcours half uns dabei, Raumorientierung und Kurshaltung spielerisch mit einzubauen. Am Ende dieser Longboard-Tage stand die Erkenntnis: Nur wer das Handwerk in der Verdrängerfahrt sicher beherrscht, wird später auf dem Foilboard nicht nur Passagier, sondern Pilot sein.

​Nur wer das Handwerk in der Verdrängerfahrt sicher beherrscht, wird später auf dem Foilboard Erfolg haben.”

Später im Lehrgang geht es auch zur praktischen Lehreinheit mit dem Foilboard aufs Wasser. Dort erarbeiten wir zusammen, wie wir Schüler bei ihren ersten Flugversuchen unterstützen, welche Tipps fürs stabile Foilen hilfreich sind, wie man Richtungswechsel einleitet, welche Pump-Technik das Starten unterstützt und wie die Halse erlernt wird. Natürlich darf hier auch der Spaß, selbst übers Wasser zu fliegen, zumindest für eine kurze Zeit nicht fehlen.

Die Prüfungen: Der Moment der Wahrheit

Am Ende haben wir auch einen Prüfungsmarathon absolviert. Die fahrpraktische Prüfung verlangt Souveränität: Auf dem Longboard muss ein Parcours zwischen zwei Bojen mit Wenden und Halsen in Acht-Form absolviert werden. Auf dem Foilboard sind das sichere Fliegen auf allen Kursen, kontrolliertes Stoppen und gefoilte Halsen Prüfungsaufgaben.

Ein weiteres Element war die Lehrprobe. Hier unterrichten wir drei echte Schüler in einem zweistündigen Einsteigerkurs. Dabei mussten wir direkt das anwenden, was wir zuvor in den verschiedenen Theorie- und Praxiseinheiten gelernt haben. Jule Bleich als VDWS-Ausbilderin beobachtete genau: Sind die Anweisungen verständlich? Wie gut wurden Demonstrationen ausgeführt? Erkennt der angehende Lehrer Fehlerursachen und korrigiert diese mit den richtigen Übungen? Den Abschluss des VDWS Wingfoil-Instructor-Lehrgangs bildet eine umfassende Theorieprüfung, die unter anderem das Wissen über Material, Recht, Wetter und Physik abfragt.

Die Wingfoil-Grundlagen spielen eine zentrale Rolle in der AusbildungFoto: Thomas PfannkuchDie Wingfoil-Grundlagen spielen eine zentrale Rolle in der Ausbildung

Der Weg zum Level-2-Instructor

Wer die Prüfungen erfolgreich absolviert, hält die Level-1-Lizenz in den Händen und kann damit an einer VDWS-Wassersportstation unterrichten. Doch die Reise geht weiter: Um eigenständig Wing-Lizenzen (Grundscheine) ausstellen zu dürfen, benötigt man das Level 2. Hierfür ist ein 100-stündiges Praktikum (mindestens 21 Tage) an einer anerkannten VDWS-Schule vorgeschrieben. In diesem Praktikum wird das Gelernte unter Aufsicht eines erfahrenen Supervisors in der täglichen Schulwirklichkeit vertieft.

Für Wassersportlehrer, die bereits eineLevel-2-Lizenz des VDWS in einer anderen Sportart wie Windsurfen, Stand-Up-Paddling oder Kitesurfen besitzen, bietet der Verband mit dem VDWS X-Over-Lehrgang eine effiziente Abkürzung an. Dieser kompakte, dreitägige Workshop setzt voraus, dass die pädagogischen und methodischen Grundlagen bereits beherrscht werden, und konzentriert sich stattdessen voll auf die fachspezifischen Inhalte des Wingsurfens und Wingfoilens – von der Aerodynamik des Foils über die Wing-Materialkunde bis hin zum intensiven Longboard- und Foil-Training. Ein großer Pluspunkt für Profis: Teilnehmer, die mindestens sechs Monate Berufserfahrung mit ihrer ersten Instructor-Lizenz nachweisen können, erhalten einen Erlass des Praktikums. Damit ist der direkte Aufstieg zum Level-2-Instructor möglich, was zur eigenständigen Abnahme von Prüfungen und dem Ausstellen von VDWS-Lizenzen berechtigt.

​Die Lehrgangs-Tage in Soma Bay haben meinen Blick auf den Sport verändert.”

Vom Lernen zum Lehren zum Spaß vermitteln

Die Lehrgangs-Tage in Soma Bay haben meinen Blick auf den Sport verändert. Man lernt, dass es beim Unterrichten nicht darum geht, der beste Winger auf dem Wasser zu sein, sondern derjenige, der den Schüler mit Sicherheit und Spaß zum Erfolg führt – und dass man selbst bei wenig Wind unterrichten und Schülern ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Die Professionalität des VDWS-Systems, kombiniert mit der intensiven Theorie und Praxis vor Ort durch einen erfahrene VDWS-Lehrteamerin, machte diesen Lehrgang zu einer prägenden Erfahrung. Für jeden, der die Leidenschaft für das „Fliegen über Wasser“ zu seinem Beruf machen möchte, ist dieser Weg zum Glück.

Alle Informationen und Termine zum VDWS Wing Instructor gibt es unter vdws.de


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