Boards zum Aufblasen (engl. Inflatables) sind nach wie vor im Trend, das gilt für SUPs aber auch für Wingboards. Laut einer Umfrage unseres Magazins sind über 80 Prozent aller Wingfoiler prinzipiell offen für Inflatables. 35 Prozent geben sogar an, ein aufblasbares Wingboard zu besitzen und für ein kleines Packmaß notfalls auch Einschränkungen bei der Performance in Kauf zu nehmen.
Wer erstmalig ein eigenes Wingboard kaufen möchte, steht aber erstmal vor der Frage: Fest oder aufblasbar - was macht mehr Sinn? Im Folgenden möchten wir dir etwas Hilfestellung an die Hand geben und die wesentlichen Vor- und Nachteile gegenüberstellen. Weiter unten gibt’s dann eine wachsende Anzahl detaillierter Testberichte zu aufblasbaren Wingboards auf dem Markt.
Die Vor- und Nachteile von aufblasbaren Wingboards ergeben sich aus der Konstruktion solcher Boards, die sich grundlegend von festen Brettern unterscheidet.
Das Hauptargument für Inflatables ist natürlich das kleinere Packmaß. Normale Hardboards sind, je nach Volumen, zwischen 1,30 und 1,90 Meter lang. Inflatables kommen in der Regel, und zwar unabhängig vom Volumen, mit knapp einem Meter Packmaß aus. Dass dieses nicht noch kleiner ausfallen kann, liegt daran, dass für die Montage des Foils eine feste Platte nötig ist - diese lässt sich natürlich nicht falten. Unterm Strich gilt: Bei größeren Wingboards fällt der Vorteil beim Packmaß gravierender aus als bei kleineren Modellen. Ein Beispiel: Ein typisches 140 Liter Hardboard hat eine Länge von knapp 190 Zentimetern und ist damit beim Transport fast 90 Zentimeter länger als aufblasbare Wingboards. Bei einem 90-Liter-Hardboard mit 150 Zentimeter Länge schmilzt der Vorteil beim Packmaß auf gerade mal 50 Zentimeter zusammen. Zudem sollte man bedenken: Unterm Strich kann es genauso lange dauern, ein Hardboard vor der Fahrt auf dem Dachträger zu montieren, wie ein aufblasbares Wingboard am Spot aufzupumpen.
Florian Brunner, Chef des Wassersport-Vertriebs APM (Starboard, FreeWing), sieht allerdings ein weiteres Argument für die Inflatables: „Sobald es auf Reisen geht, bieten Inflatables natürlich gravierende Vorteile. Man bekommt in die Tasche des Boards im Normalfall auch noch das Foil, plus zwei Wings. Das Packmaß bleibt bei rund einem Meter, das kann man eigentlich bei jeder Airline aufgeben, auch wenn diese Surfgepäck offiziell nicht befördert. Mit einem Hardboard sieht es da schon anders aus. Auch wenn man zum Beispiel mit dem Campingbus unterwegs ist und vielleicht noch anderes Wassersportgerät mitführt, verschwindet eine solche Tasche schneller im Vehikel als ein Hardboard.“
Bei festen Wingboards (”Hardboards”) bieten sich den Shapern schier grenzenlose Möglichkeiten. Der EPS-Kern im Inneren kann in nahezu jeglicher Form gestaltet werden, abschließend werden dann Lagen von Glasfaser, Holz und/oder Carbon aufgelegt und alles in einer Form “gebacken”. Egal ob voluminöse Hecks, konkav geformte Deckbereiche oder angeschrägte Kanten - quasi alles, was die Designer für sinnvoll halten, kann bei festen Brettern umgesetzt werden.
Aufblasbare Wingboards sind bezüglich ihrer Shapes deutlich limitierter, da die Bauweise hier die Möglichkeiten bei der Formgebung stark einschränkt. Dies bringt gewisse Nachteile mit sich, wie ihr in der folgenden Bilderstrecke sehen könnt.
Bei den Inflatables werden Ober- und Unterseite durch Fäden im Inneren zusammengehalten (“Drop-Stitch”). Aus diesem Grund haben aufblasbare Wingboards allesamt runde Kanten, ein flaches Deck und ein simples Unterwasserschiff ohne Konkaven. Dies führt dazu, dass Inflatables im Schnitt nicht ganz an die Performance von Hardboards herankommen:
Bedingt durch die runden Kanten sind Inflatables etwas kippliger als Hardboards mit gleichem Volumen, vor allem um die Längsachse.
In der Angleitphase sorgen runde Kanten für höheren Fahrwiderstand. Unsere Testerfahrung zeigt: Je kürzer und breiter das Board, desto größer werden auch die Nachteile der Inflatables beim Anfahren, da der breite Bug dann viel Wasser vor sich her schiebt. Bei schlanken, gestreckten Midlength-Boards sind die Nachteile hingegen recht gering, zum Abheben benötigt man, je nach Fahrkönnen und Pumptechnik, etwa einen bis drei Knoten mehr Wind als mit einem Hardboard.
Auch beim ungewollten Absetzen auf der Wasseroberfläche sind aufblasbare Wingboards nicht ganz so fehlerverzeihend wie Hardboards mit angeschrägten Kanten, mitunter ergibt sich ein leicht erhöhter Widerstand bei Touchdowns. Einmal in der Luft wirken die aufblasbaren Modelle aber ähnlich steif wie ein Hardboard, die Flugeigenschaften werden dann ja ohnehin primär vom verwendeten Foil bestimmt und die Fixierung der Foils an der Carbonplatte ist absolut steif. Lediglich bei starken Böen bieten der vergleichsweise dicke Bug eines Inflatables dann wieder etwas mehr Angriffsfläche für den Wind, was sich in einem unruhigeren Flugverhalten niederschlagen kann.
Eines vorweg - ein Loch in einem Hardboard lässt sich meist gut reparieren, ein Loch in einem Inflatable nicht immer. Aber: Hardboards sind bei Schlägen oder einem Boom, der aufs Deck schlägt, deutlich empfindlicher als Inflatables, die solche Einschläge meist unbeschadet wegstecken. Unter diesem Aspekt sind aufblasbare Boards also deutlich unempfindlicher. Vorsicht ist nur bei Hitze und starker Sonneneinstrahlung geboten - keinesfalls sollte man ein voll aufgepumptes Inflatable im warmen Auto lagern oder in der knallen Sonne am Strand liegen lassen - hier riskiert man kaputte Nähte oder gar ein Platzen des Boards.
Wie bereits beschrieben sind bei Inflatables die Kanten konstruktionsbedingt rund. Das führt dazu, dass ein aufblasbares Board fast immer deutlich kippliger ist, als ein festes Brett mit gleichem Volumen. Für den Kauf bedeutet das:
Wer von einem Hardboard auf ein Inflatable wechselt, sollte eine Größe mit etwa 20 Litern mehr Volumen wählen!
Dabei darf das aufblasbare Board durchaus 20, bei Anfängern bis 30 Liter mehr Volumen haben als dies bei einem Hardboard nötig wäre, um eine vergleichbare Kippstabilität zu erreichen.
Unter Performance-Aspekten sind Hardboards die etwas bessere Wahl - wer also das größere Packmaß von Hardboards verschmerzen kann, sollte sich zu einem Hardboard orientieren. Soll es für Lagerung und Transport klein und kompakt sein, musst du vor einem inflatable Wingboard aber keinesfalls zurückschrecken, denn viele Modelle bieten eine solide Performance. Achte nur darauf, dass du dein aufblasbares Wingboard etwas größer wählst, um die Nachteile bei der Kippstabilität auszugleichen.
Wie testen regelmäßig auch aufblasbare Konzepte und achten dabei sehr auf die Ausstattung. Denn gerade hier gibt’s deutliche Unterschiede, die sich am Ende in der Performance niederschlagen. Ein Beispiel: Es gibt Inflatables, die weder über einen Tragegriff noch über Fußschlaufenplugs verfügen, was Komfort und Einsatzbereich extrem einschränken kann. Andere aufblasbare Wingboards kommen mit vollwertigem Griff auf Unter- und Oberseite, integrierten Plugs für die Schlaufen und einer Gummikante am Heck, die den Fahrwiderstand beim Angleiten reduzieren kann. Damit können Einsatzbereich und Fahrspaß nahezu auf dem gleichen Niveau sein wie bei Hardboards der Fall.

Redakteur surf