Bei Naish hat man als Wingfoil-Fan die Qual der Wahl: Man kann zwischen dem Allround-Modell ADX und dem kompakteren Neutron wählen. Wir konnten beide Modelle in der Größe von 6,0 Quadratmetern testen.
Das Modell Neutron ist in der Saison 2026 in zwei Farbvarianten und in Größen von 1,6 bis 6,0 Quadratmeter verfügbar. Der Wing ist bewusst mit nur moderater Tuchspannung designt, das Profil ist tief und dementsprechend kraftvoll abgestimmt. Im Vergleich zum Schwestermodell ADX ist die Spannweite deutlich reduziert, dafür wurde die Mittelstrut länger gestaltet und der Druckpunkt weiter hinten angesiedelt. Ausgeliefert wird der Neutron Wing mit einem durchgehenden Carbon-Boom, der sehr angenehm zu greifen ist, allerdings war der Belag bei unserem Testmodell nicht perfekt verklebt. Dank des simplen Montagesystems lässt sich der Boom ohne Werkzeug und sekundenschnell (de-)montieren, was auch das Packmaß minimiert. Besonders ist, dass der 100 Zentimeter lange Boom für alle Größen des Neutron passend ist. Auf ein Fenster muss man bei diesem Modell übrigens verzichten, vor Manövern nach Lee sollte man also den freien Raum in Lee checken. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen: Die Nähte an der Fronttube sind mit zusätzlichen Aufnähern gegen Abrieb geschützt, und auch die Front Handle ist passend dimensioniert.
Das Schwestermodell ADX, welches in Größen von 3,0 bis 7,0 Quadratmetern verfügbar ist, ist vergleichbar gut ausgestattet. Mit seiner größeren Spannweite und einer spürbar höheren Profilstraffung soll dieses Modell auch bei starken Böen ein höheres Maß an Kontrolle bieten. Der Wing besitzt Fenster und wird ohne Griffe bzw. Boom ausgeliefert, ist aber für beide Systeme kompatibel. Dies bedeutet, dass man das gewünschte Griffsystem separat erwerben muss (+120 Euro). Positiv: Auch hier passen Griffe und Boom für alle Größen. Beide Wings werden über zwei SUP-Ventile belüftet, durch die man die Luft beim Abbauen schnell wieder herausbekommt.
Dass der Neutron besondere Stärken bei Leichtwind hat, merkt man mit dem ersten Dichtholen sofort. Bereits bei marginalen Windbedingungen schwebt der Wing leicht und mit fühlbarem Auftrieb über dem Kopf. Das weiche Profil lässt sich hervorragend anpumpen und setzt Pumpzüge überaus effizient in Geschwindigkeit um. Einmal abgehoben, liegt der Wing dann mit satter Power in der Hand, was dafür sorgt, dass man maximale Flugzeiten aus absoluten Leichtwindbedingungen herausholen kann und auch in Windlöchern eine stabile Anströmung mit gutem Vortrieb spürt. Überhaupt überzeugt der Neutron mit sehr guter Flugstabilität, auch mit weniger Feingefühl lässt sich der Wing stabil ausrichten. In Manövern kommt die kompakte Spannweite voll zum Tragen: spielerisch und leicht lässt sich der Wing an seinem dünnen Carbon-Boom präzise führen. Einzig der Verzicht auf ein Fenster kann an vollen Spots kritisch sein. Das Konzept stößt an seine Grenzen, wenn starke Böen durchziehen, dann beginnt der Wing spürbar zu flattern und der Druckpunkt bleibt nicht immer verlässlich zwischen den Händen. Dafür stabilisiert sich der Neutron-Wing wunderbar, sobald man ihn nur an der vorderen Griffschlaufe führt und auf Dünungs- oder Brandungswellen hinterherfliegen lässt.
Das Schwestermodell ADX wirkt bereits beim ersten Dichtholen spürbar straffer abgestimmt. Zwar erreicht dieser Wing nicht ganz die Leichtwind-Effizienz des Neutron, lässt sich jedoch ebenfalls gut anpumpen. Am untersten Windlimit empfehlen wir, den Fülldruck am unteren Ende der Angabe zu wählen, das verleiht dem ADX spürbar mehr Elastizität. Ähnlich wie der Neutron liegt auch der ADX ausbalanciert in den Händen, hat aber eindeutig eine größere Windrange und bewältigt auch stärkere Böen mit stoischer Gelassenheit und guter Druckpunktstabilität. In Manövern überzeugt der ADX ebenfalls mit tollem Handling, egal, ob man ihn mit Boom oder Griffen nutzt. Positiv: Die Fenster geben zumindest einen kleinen Sichtkorridor nach Lee frei. Auch in Wellen lässt der ADX keine Wünsche offen - er stabilisiert sich beim Downwinden ebenfalls gut, aufgrund der kürzeren Mittelstrut bleibt die Hinterkante des Wings zudem auch bei Ritten nach Lee gut in der Luft.
Du möchtest einen kraftvollen Wing mit maximaler Leichtwind-Power? Dann ist der Neutron die klare Empfehlung. In Verbindung mit auftriebstarken Foils und/oder Midlength-Boards ist man damit für Leichtwindreviere bestens gerüstet. Kleine Personen profitieren zudem beim Anpumpen von der deutlich reduzierten Spannweite. Auch zum Downwinden in der Welle funktioniert der Neutron hervorragend, dank seiner überdurchschnittlichen Power kann man ihn sogar etwas kleiner fahren. Weniger empfehlenswert ist der Neutron Wing in Verbindung mit schnellen Foils zum Racen oder Freestylen bei viel Wind.
Dass der ADX im Vergleich etwas weniger Power hat, kann man verschmerzen, schließlich bietet der ADX einen sehr großen Einsatzbereich und das komplette Paket aus guter Leistung, überzeugendem Speed, gutem Handling und reichlich Kontrolle in starken Böen. Das macht ihn zur ersten Wahl für sportliches Freeriden mit schnellen Foils, Sprünge, Freestyle und auch gelegentliche Downwinder.

Redakteur surf