Test 20229 schnelle Freerideboards 125 im Vergleich

Test 2022: 9 schnelle Freerideboards 125 im VergleichFoto: Stephan Gölnitz

Als Freerider willst du komfortabel und schnell surfen und zum krönenden Abschluss noch geschmeidig die Kurve kratzen. Welche Freerideboards den modernen Dreikampf der Meere und Seen am besten meistern oder eher als Einzelkämpfer auf die Piste gehen, erfährst Du im Test.

Diese Boards sind im Test dabei:

(per Klick geht es direkt zu den Einzel-Berichten)

Jetzt heizen wir schon über einen Kilometer nebeneinander her, ohne dass einer dem anderen mehr als vielleicht mal ein, zwei Meter Vorsprung abringen kann. Eigentlich sind die Resultate in diesem Speedduell, bei diesen beiden Freerideboards, klar. Also abgehakt. Wechseln. Nächster Run. Eigentlich. Aber irgendwie hat uns im Testalltag doch das Freeridefieber gepackt. Zwei Kilometer voraus in Sichtweite leuchtet ein weißer Strand an einer kleinen Insel, daneben ankern ein paar Boote, das macht neugierig. Außerdem läuft es gerade so gut – und richtig anstrengend wird es trotz Vollgas auf unseren komfortablen Freeridern ja auch nicht. Also nochmal zwei Kilometer dichthalten. Ich linse mal rüber, auch Nik zeigt nicht das kleinste Anzeichen, dass er umdrehen oder vom Gas gehen wollte. Nach gut fünf Minuten erreichen wir so die kleine Bucht, legen kurz an. Kurz darauf trudeln auch die beiden anderen Tester ein, ein kurzer Austausch, durchatmen, genießen und dann geht’s auch schon wieder im Competitionmodus retour zur Station. „Wir testen hier nicht nur auf Meter und Inch, sondern wir testen authentisch das eigentliche Freeride-Feeling dieser Boards“, denke ich. Läuft also!

Angefangen hatte dieser Test bereits im Oktober am Gardasee, doch eine schwächelnde Herbst-Ora machte einen Strich durch die Planungen, erst im Januar konnten wir den Test dann gut zu Ende bringen. Doch für diese spannende, abwechslungsreiche Gruppe hat sich das Warten gelohnt. Denn vom Gleiteinsteiger bis zum wirklich sehr engagierten Heizer findet hier jeder (s)ein richtig gutes Board. Das Board von Fanatic war zum Testzeitpunkt leider noch nicht verfügbar.

Alle Boards und Finnen in der Galerie zum Durchklicken:

In dieser Gruppe findest du komfortable, schnelle Freerider für endlose Runs: Patrik F-Ride, JP-Australia Magic Ride und RRD Firemove auf Entdeckungstour im Roten Meer.
Foto: Stephan Gölnitz

An Land

Hier stellen wir die wichtigsten Merkmale vor. Noch viel mehr Infos und bewegte Bilder zu den Shapes der Boards, Ausstattung und Features findest du im Video weiter unten!

Shapes

Grob unterteilt finden wir drei Gruppen von Shapes. Zwei lange, schmale Klassiker von Lorch und Patrik, zwei besonders kurze und breite Boards von I-99 und RRD, sowie eine Handvoll in den Proportionen sehr ausgewogener Shapes, die so anscheinend den neuen Standard festlegen. Das Board von Severne bleibt dabei am schwierigsten einem Grüppchen zuzuordnen. Beim Dickenverlauf setzen vor allem I-99, Starboard und Severne auf einen sehr progressiven Verlauf vom sehr fetten Heck zum auffällig dünnen Bug, so wie man es bei Race-Slalomboards findet. Bei diesen drei Kandidaten findet sich auch das stärkste „V“ im Unterwasserschiff und besonders markante Konkaven. Eher sehr unspektakulär sind die Shapes von Lorch und Patrik mit sehr gemäßigtem „V“ und dezenten Konkaven im Unterwasserschiff gehalten – klassisch clean – das passt gut ins Bild.

Ausstattung

Nur Tabou und Severne verzichten bei diesen Modellen auf eine Foilbox, alle anderen sind „Foil-ready“. Und auch bei den Pads finden sich große Unterschiede. Von dünnen, straffen Pads wie bei Tabou bis zu mega fetten Polstern bei Starboard und Severne reicht die Range, was auch das Fahrgefühl beeinflusst. Erfreulicherweise sind alle Pads zumindest ausreichend groß, leider wirken die von I-99 nicht so griffig wie üblich. Besonders großzügig verlegt Naish den Teppich an Deck.

Auf dem Wasser

Gleiteigenschaften In dieser Gruppe tummeln sich viele hervorragende Gleiter, die Shapes von Lorch und Patrik zeigen dabei eine ganz eigene Gleitcharakteristik. Sehr einfach und ohne technische Tricks, schieben sich diese langen Boards sehr früh ins Gleiten, beschleunigen dann eher moderat und in Windlöchern passiert das ganze nahezu umgekehrt: Frühzeitig reduziert sich der Speed bei nachlassendem Wind, aber diese etwas gemächlichere Gleitfahrt bleibt dafür besonders lange erhalten.

Kurze, breite Boards wie der Starboard Carve zögern in der Startphase eine Sekunde, beschleunigen dann aber immer weiter, halten in Windlöchern länger den Druck auf der Finne aufrecht und bleiben dadurch bei etwas nachlassendem Wind länger auf hohem Tempo. Gegeneinander aufrechnen lassen sich diese Unterschiede in den Fahrleistungen nicht, es zeigt lediglich unterschiedliche Charaktere, mit denen man sich so oder so besser anfreunden kann.

Speed – und noch mehr Speed

Mit Geschwindigkeiten zwischen 45 und 50 km/h unter der Finne ist man im Kabbelwasser mit großen Segeln bereits ziemlich flott unterwegs – und selbst da liegt bei den Freeridern keine Hürde davor. Klar sind die meisten Freeraceboards vermutlich noch vielleicht ein, zwei km/h schneller – aber auch nur bei entsprechender Segelmotorisierung und bei viel sportlichem Ehrgeiz auf Race-Niveau.

Wer auf besten Topspeed auch bei seinem Freerider großen Wert legt, findet mit Starboard Carve, Severne Fox und Tabou Rocket auch hier Boards, die schon deutlich im Revier der Freeraceboards wildern. I-99, Naish und Patrik animieren dagegen – auch wegen der Freeride-orientierten Standposition – weniger zur GPS-Topspeedermittlung und können auch nicht das letzte Prozent im Topspeed liefern. Spürbar langsamer wird man sich darauf – ohne direkten Vergleich – aber ebenfalls nicht fühlen. Und die Boards machen das mit anderen Qualitäten wett.

Besonders stark bei Kontrollierbarkeit & Komfort

Abgesehen vom Tabou Rocket, der überpowert im Grenzbereich zumindest eine etwas konzentriertere Führung aus den Fußgelenken erfordert – bei geübten Surfern aber ebenfalls sehr gut kontrollierbar bleibt – bieten alle Boards eine überragende Kontrolle, die in dieser Ausgewogenheit neu ist. Diese Boards heben auch in heftigen Böen nicht einfach ab, verspringen nicht, lediglich die unterschiedlich direkte Gleitlage vermittelt beim Ritt am Limit je nach Modell mehr oder weniger Komfort oder Dämpfung.

Besonders direkt unter den Sohlen wirken Lorch, Naish und Tabou, die stärkste Dämpfung findest du bei Starboard, Severne und RRD. Alle Boards bieten für „normales“ Freeriden gute und bequeme Schlaufenpositionen. Für angepowertes Free-„Racen“ dürften dem einen oder anderen die vorderen Schlaufen bei I-99 und Naish vermutlich nicht weit genug außen montierbar sein.

Easy zu Halsen

Wer als Aufsteiger die Halse lernen möchte, kann bei Freeridern risikolos zugreifen, je nach Körpergewicht muss das Volumen dann aber passen und vielleicht die nächst größere Volumensklasse gewählt werden. Denn nichts verhindert den Lernerfolg mehr, als ein zu kleines Board. So sind diese Boards für sportliche Aufsteiger zum Gleiten und Halsen lernen bis etwa 70 Kilo sicherlich geeignet und bieten auch noch Potenzial für mehr als eine Saison. Ab 70 bis 75 Kilo spätestens ist man in den meisten Fällen mit dem nächst größeren Modell um 140 Liter besser beraten. Ab 85 Kilo darf es dann gerne auch ein Board mit über 150 Litern sein.

Die Typ-Empfehlung

Gleich vorweg: Keines dieser Boards weist irgendwelche gravierenden Einschränkungen auf, doch sind bei so einer Investition auch die Feinheiten einen Blick wert. Deshalb haben wir für die folgenden Zielgruppen schon mal vorsortiert.

  • Freerider, die einfach einen ausgewogenen Mix von Gleiteigenschaften, Komfort und guten Halseneigenschaften suchen, liegen grundsätzlich mit keinem dieser Boards falsch. Du kommst daher nicht drumherum, deinen ganz persönlichen „Testsieger“ aus den Einzelbeschreibungen heraus zu finden.
  • Angehende Freeracer wollen vermutlich vor allem besten Topspeed und erfreulicherweise muss man in dieser Gruppe dafür nur wenig Einbußen bei anderen Eigenschaften hinnehmen. Schau dir besonders die Beschreibungen von Severne Fox, Starboard Carve und Tabou Rocket genauer an.
  • Aufsteiger, die besonders einfache Halsenqualitäten und viel Komfort suchen, sind nach unseren Testerfahrungen vor allem mit JP-Australia Magic Ride, Naish Galaxy, Patrik F-Ride und RRD Firemove sehr gut bedient.

Die spannendsten Details zum Durchklicken:

Beim besonders langen Board von Lorch lässt sich die hinterste Schlaufe etwa 20 Zentimeter vom Heck montieren
Foto: Stephan Gölnitz

Freeride-Boards 125 in der Einzelwertung

I-99 Performa 125

Satte 80 Zentimeter in der Breite verhelfen dem I-99 zu einer sehr rundlichen Outline. Der Dickenverlauf ist dabei Richtung Heck konzentriert, die Schlaufenpositionen ermöglichen guten Feintrimm für den „klassischen“ Freerideeinsatz und verzichten auf sehr weit außen liegende Race- und auf besonders weit innen liegende Aufsteigerpositionen. Das passt aber zu der gezähmten Charakteristik des Performa, denn das Board überzeugt in erster Linie – wohl auch wegen des außergewöhnlich starken „V“ und der tiefen Konkaven im Unterwasserschiff – mit besonders guter Kontrolle, Laufruhe und obendrein sehr flüssigen Halsen in unterschiedlichsten Radien. Dabei bietet es an Deck extrem viel ebenen Platz und besonders kippstabil liegt das Board vor dem Angleiten ebenfalls im Wasser. Auch im Vollgleiten bleibt die Fahrhaltung auf dem I-99 etwas aufrechter, entspannter, das Board benötigt kaum seitlichen Druck gegen die Finne und gleitet sehr leichtfüßig mit sehr geringem Fahrwiderstand. Es lässt sich dabei nicht so frei pressen, wie es für rennsportlichen Topspeed erforderlich wäre, dafür bleibt es in jeder Lage besonders fahrstabil. Die Finne passte leider nicht perfekt in die Box und erforderte bei hohem Speed eine etwas gefühlvollere Belastung.

Fazit: Das Performa ist ein sehr einfach zu surfendes und gut zu halsendes, klassisches Freerideboard, das obendrein auch Aufsteiger vom Lernen der Powerhalse bis zur sportlichen Carving Jibe begleiten kann.

Plus: Kontrollierbarkeit, Foil-Eignung, Halsen
Neutral: -
Minus: Weiche, aber weniger griffige Pads

JP-AUSTRALIA Magic Ride 119 LXT

Ausgewogen in den Proportionen, mit moderat verrundetem Deck im Standbereich und großen Pads, die weit ums Rail herum gezogen sind, sowie eine ausgewogene Volumenverteilung bis in den Bug – so bietet das JP-Board nicht nur eine sehr harmonische Optik, sondern auch den wohl ausgewogensten Mix an Fahreigenschaften. Ein besonders bequemer Stand in den Schlaufen, maximale Kontrollierbarkeit wegen der stabilen Gleitlage bis in den Grenzbereich und komfortable Dämpfung durch das deutliche „V“ im Unterwasserschiff auch bei Topspeed empfehlen das Board sowohl nahezu jedem Freerider, wie auch allen Aufsteigern in die Gleitboardklasse. Obwohl es als kleinstes Board der Gruppe auch auf dem Wasser zierlicher wirkt, gleitet es erstaunlich gut und harmonisch an, so dass der Weg in die Schlaufen sehr einfach verläuft. Mit guten Fahrleistungen überzeugt das Board dann über die gesamte Windrange – auch wenn es im Topspeed ein paar Zehntel abgeben muss – was es aber mit Komfort und Kontrolle doppelt wieder einfährt. Dazu runden die flüssigen Halseneigenschaften das Bild ab. Der Magic Ride gleitet nahezu magisch durch mittlere Halsen, die mit moderatem Druck eingeleitet werden, enge Turns schneidet das Board ordentlich.

Fazit: Besonders gut kontrollierbares und komfortables Board mit ausgewogenen Leistungen – das macht es einfach, damit auch schnell zu surfen. Sehr easy, spurtreu und gleitstark in der klassischen Powerhalse.

Plus: Kontrolle, Komfort, Gleithalse
Neutral: -
Minus: -

LORCH Breeze 130

Wer hochwertigstes Carbon verbaut, der möchte das auch zeigen – so fällt der Breeze nicht nur durch die langen, schmalen Proportionen auf, sondern auch durch das ausgefallene Carbon-Finish. Das Volumen sitzt bei diesem Shape zwangsläufig mehr in der Dicke, die Rails fallen daher ebenfalls steil aus. Wegen der Länge, aber wohl auch durch das im Vergleich nahezu plane Unterwasserschiff gleitet das Board besonders flüssig an. Sehr, sehr richtungsstabil und gleichmäßig harmonisch ohne spürbare Schwelle. So bleibt reichlich Zeit, sich in die Schlaufen zu sortieren, das dann folgende Fahrgefühl ist von Beginn an – die straffen Pads unterstützen das – sportlich direkt. Dabei steht man sportlich außen sehr angenehm und kann gut Druck auf die Finne geben. Das Speedpotenzial ist gegen die Welle minimal geringer, als bei einem freier fliegenden Starboard Carve zum Beispiel, bei mehr seitlich laufenden Wellen aber ganz nah dran. Erstaunlicherweise ist das Board trotz geringer Breite sehr gut zu wenden und in der Halse zeigt der „Oldie“ einigen Newcomern immer noch, wie man in schnellen Powerhalsen bestmöglich durchgleitet: Spurtreu, mit sehr variablen Radien und spitzenmäßigem Gleitpotenzial. Davon profitieren Aufsteiger bis Könner gleichermaßen.

Fazit: Klassischer langer Shape, bei dem bestes Angleitverhalten, direktes Feeling und gute Halseneigenschaften höher bewertet werden als maximale Fahrleistung unter allen Bedingungen.

Plus: Gleiten, alle Arten Powerhalsen, Gewicht
Neutral: Top-Bauweise zum entsprechenden Preis
Minus: Finne kostet extra

NAISH Galaxy 125

Das Naish-Board bietet vermutlich am meisten Bewegungsfläche auf dem flachen Deck und wirkt so auch optisch etwas größer. Die Footpads sind in luxuriös-komfortablen Dimensionen verlegt. Mit den Hawaii-Inseln als kleinem Design-Tattoo auf der Unterseite, aber überwiegend aufgrund der harmonischen Fahrcharakteristik kommt schnell das passende entspannte, komfortable Freeride-Feeling auf. Die nicht ganz so weit außen liegenden Schlaufen sorgen für etwas aufrechteren Stand, so will man auf dem Naish nicht überpowert gegen die Finne pressen, sondern flott und locker gleiten oder schöne Halsen zirkeln. Und auch das kann der Shape wirklich richtig gut. Durch weite und mittlere Radien gleitet das Board sehr flüssig und stabil, perfekt für Powerhalsen, Duck Jibes, oder um die Gleithalse zu lernen, mit Druck sind sogar erstaunlich enge Turns möglich. Auch mit wenig Körperspannung erreicht das Board guten Speed und für Aufsteiger ist es auch deshalb besonders geeignet, weil die Gleitlage überaus stabil ist und sich der Übergang vom Dümpeln bis zum Vollgleiten harmonisch vollzieht, mit reichlich Bewegungsfläche für die Füße – vom Start bis zum Reinschlüpfen in die Schlaufen. Unter den Sohlen wirkt das Board recht sportlich straff, mit weniger Dämpfung als ein RRD beispielsweise, was schon bei mittlerem Gleitwind für ein flottes Feeling sorgt.

Fazit: Einfach zu surfendes Freerideboard mit dennoch sportlichem Feeling.

Plus: Gleiten, Halsen, Easy Surfing, große Pads
Neutral: -
Minus: -

PATRIK F-Ride 135

Classic Freeride is back! Mit 2,52 Meter Länge bei 71 Zentimeter Breite fällt das Patrik-Board durch alle gängigen Raster und auch das Unterwasserschiff besinnt sich mit einem leichten, durchgehenden V und nur sehr kleinen Konkaven auf klassische Shapetugenden. Und die überzeugen vor allem mit dem sehr harmonischen Übergang ins Gleiten. So schiebt sich das Board spürbar früher ganz sachte über die Gleitschwelle als etwa ein Starboard Carve, hält dabei sauber die Spur und lässt dem Fahrer alle Zeit der Welt, sich in die gut und bequem positionierten Schlaufen zu sortieren. Die Beschleunigung kommt dabei nicht mit einem „Tritt ins Kreuz“ wie bei einem Sportwagen, sondern eher wie bei den ersten Automatik-Limousinen. Der lange Shape trägt den Bug hoch erhaben über den Wellen, Dämpfung und Fahrkomfort sind aus der Ausstattungslinie „Extraklasse“. Der Topspeed bleibt dabei allerdings hinter den kurzen breiten Shapes zurück und auch in Windlöchern verliert das Board mehr an Fahrt – ohne allerdings ganz aus dem Gleiten zu fallen. Und das gilt noch mehr für die Halse. Egal ob Halsenschüler oder für sportliche Powerhalsen, der Shape macht alles mit: gleitstark und stabil auf der Kante, egal ob in mittleren oder engen Turns kommt man immer mit gutem Speed aus der Kurve.

Fazit: Leckerbissen für Freunde klassisch wirkender Shapes und für Gleitaufsteiger. Weniger für Surfer mit aktiven Competition-Genen

Plus: Angleiten, Kontrolle, Komfort, Halsen
Neutral: -
Minus: -

RRD Firemove 120 LTD

Besonders kurz und extra breit – das führt zu der auffälligen rundlichen Outline beim RRD-Board. Das Volumen ist dabei in Längsrichtung sehr gleichmäßig verteilt, die Nasenspitze biegt sich auf den letzten 20 Zentimetern keck nach oben. Ähnlich viel Platz an Deck wie auf dem breiten RRD findet man nur auf dem I-99. Und so liegt der Firemove beim Segel aufholen und Angleiten besonders stabil im Wasser und nimmt bei der Wende kleinere Fehltritte überhaupt nicht übel. Vom breiten, flachen Deck vorne wechselst du beim sehr flüssigen Übergang ins Gleiten ebenso einfach ins „Cockpit“. Das schmal gehaltene, rundere Deck hinten bietet bequemen Stand, sowohl in den weit außen liegenden hinteren Schlaufen, die sich aber nur geübten Freeridern empfehlen, wie in den Innenpositionen. Und die Gleitlage ist dann ein Komfort-Genuss: Der RRD fliegt sehr eigenstabil übers Wasser und beim Einsetzen gegen die Welle dämpft der Shape so komfortabel wie ein Luxus-Luftfahrwerk. Dabei wirkt das Board durchaus sportlich. Mit ordentlich Druck dreht der RRD gut in enge Halsen oder gleitet bei moderatem Ansporn flott durch mittlere Radien, wirkt dabei agil und schnell. Das Halsen erfordert ein bisschen Feingefühl, um im Vollgleiten durch die Kurve zu kommen, bietet dafür aber jede Menge Potenzial für verschiedene Radien inklusive echter Carving Jibes.

Fazit: Eine richtig gute Lernplattform, obendrein mit viel sportlichem Potenzial und dabei sehr ausgewogen.

Plus: Kontrolle, Easy Surfing, Fahrkomfort
Neutral: -
Minus: -

SEVERNE Fox 120

Der Shape des Fox wird optisch von einem gewaltigen „V“ dominiert, ergänzt von seitlich abgeschrägten Rails („bevels“) im vorderen Bereich. Die Pads sind besonders fett und unter den Zehen erhöht. Die dickste Stelle ist bei der hinteren Schlaufe, zum Bug wird das Board deutlich dünner. Der Fox bietet trotz seiner aggressiv-roten Optik extrem viel Kontrolle und Fahrkomfort. Die Füße finden sehr gut Halt und die Anbindung ans Board wirkt solide wie mit Klickpedalen. Dabei dämpfen Shape und Pads gleichermaßen, selbst bei Topspeed bleibt das Board sehr ruhig und vermittelt maximale Sicherheit. Die Finne bietet dabei optimalen Grip und viel Speedpotenzial. So lässt sich der gute Topspeed auch ohne besonders große Anstrengung und ohne Raceerfahrung gut heraus kitzeln. Das Board hält die Nase sehr stabil auf einer Höhe –auch angepowert im Kabbelwasser –und der V-förmige Rumpf dämpft sämtliche kurzen Aufsetzer bestens ab. So wie der schmalere Shape beim Dümpeln, Angleiten und Wenden kippeliger wirkt als die breiten Brüder dieser Gruppe, so geht das Board auch eher sportlich, schnittig, aber auch etwas anspruchsvoller durch die Halse. Mit Übung lässt sich das Boards sehr schnell übers Rails durch die Halse carven, will dabei aber durch dosierte Fußsteuerung in der Spur gehalten werden.

Fazit: Für geübte Freerider, die gerne Gas geben und das bei bei maximalem Fahrkomfort.

Plus: Speed, Kontrolle, sportliche Halsen
Neutral: Keine echte Innenposition für Aufsteiger
Minus: -

STARBOARD Carve 129 WS

Hinten fett, vorne dünn und mit tiefer Mulde im Deck, wirkt der Carve schon optisch wie ein Rennbolide. Und der Carve ist tatsächlich die Speedmaschine dieser Gruppe. Während es das Board in der Angleitphase noch recht gemächlich angehen lässt, findet die folgende Beschleunigung nahezu kein Ende. Dabei wirst du nicht in die Schlaufen gepresst, sondern das Board beschleunigt eher normal, dafür aber immer weiter, bis es am Ende alle Verfolger abhängt – vor allem bei richtig Druck im Segel. Die überragende Laufruhe und Kontrolle ermöglichen es – zusammen mit dem sehr soliden, sicheren Halt in den Schlaufen – sich voll aufs Segel zu konzentrieren und das Board über die Finne fliegen zu lassen. Unter der blauen Haube steckt nahezu mehr Freerace als Freeride, die sehr komfortable Dämpfung unter den Sohlen wird dabei mit einer freien, sportlichen Gleitlage kombiniert. Mit sehr gutem Halt in den Schlaufen lässt sich die Finne ordentlich pressen und das Board fliegt auf dem schmalen Heck dahin. Dann – mit Fullspeed in der Halse – zeigt der Carve beste Aufsteigerqualitäten, das Board gleitet bissig durch mittlere Radien, hält gut Speed und liegt stabil im Turn, dabei dreht es eher über das hintere Rail. Mit viel Vorlage übers vordere Rail zu carven zählt gar nicht mal zu den Stärken, denn dabei drosselt man lediglich die gute Kurvengeschwindigkeit.

Fazit: Sehr schnelles Freerideboard mit top Kontrolle und Fahrkomfort sowie guten „Easy Jibing“-Qualitäten.

Plus: Speed, Kontrolle, Komfort
Neutral: Volumenverteilung für Aufsteiger
Minus: -

TABOU Rocket 125 TEAM

Der Tabou Rocket geht mit sehr ausgewogenen Proportionen und gleichmäßiger Volumenverteilung an den Start, die Pads sind auffällig dünn und straff. Das nach den Abmessungen und Daten vielleicht „durchschnittlichste“ Board erreicht in nahezu allen Disziplinen ziemlich Überdurchschnittliches. Denn im Evolutionsprozess hat der Rocket seine guten Gleiteigenschaften nicht eingebüßt – das Brett gleitet besonders früh und leichtfüßig an und beschleunigt rapide – und dazu an sportlichem Potenzial gewonnen. Besonders bei schwachem und mittleren Gleitwind überzeugt das Board mit super Speed, der auch in Windlöchern bestmöglich beibehalten wird, die nur 7,1 Kilo Boardgewicht helfen da sicherlich mit. Die Kontrollierbarkeit des frei fliegenden Boards bleibt trotz sportlich direktem Sohlenkontakt sehr gut, erst bei Topspeed im echten Grenzbereich erfordert das Board dann doch die Spannung und Führung, die auf sportlichen Boards oft erforderlich ist, um nicht doch mal abzuheben. Ähnlich präsentiert sich der Shape in der Halse: Sehr agil, variabel, besonders gut durchgleitend, aber mit dem Anspruch, auch sauber durch den Turn geführt zu werden. Eine „Radius-Automatik“ wie auf einem JP-Australia oder Starboard Carve hat der Tabou zugunsten mehr sportlicher Variabilität nicht eingebaut.

Fazit: Sehr leistungsstarkes, sportliches Board, das aber auch von Aufsteigern noch recht gut beherrscht werden kann. Top Gleiter auf der Geraden und in der Kurve

Plus: Fahrleistungen, sportliche Halsen
Neutral: Sehr dünne, direkte Pads
Minus: -

Den gesamten Test dieser neun Freerideboards 125 aus SURF 3/2022 mit allen Übersichtstabellen, Daten und Noten findet ihr hier als PDF zum Download

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