Spotguide SüdfrankreichDie besten Windsurfspots rund um Marseille

Jean Souville

 · 01.06.2022

Spotguide Südfrankreich: Die besten Windsurfspots rund um MarseilleFoto: Jean Souville

Die Gegend um Marseille gilt als einer der Hot Spots der europäischen Windsurfszene. Zwischen dem flachen Rhone-Delta im Norden und der vom Mistral geprügelten Cote d’Azur im Süden reihen sich hier in Südfrankreich traumhafte Spots aneinander. Surf-Fotograf Jean Souville beleuchtet für surf seine Homespots – und blendet auch die Schattenseiten nicht aus.

Allein dieser Geruch nach Kräutern, salzigem Meer, wildem Lavendel und Zypressen erinnnert an Urlaub. Im Sommer bevölkern Touristen aus ganz Europa die Strände zwischen Montpellier und Toulon. Doch zum Glück macht der Mistral hier regelmäßig klar Schiff: Mit Wucht säubert er die Strände von den Sonnenschirmen und die Luft von den Abgasen der Großstadt Marseille, statt sanftem Kräuterduft gibt es dann Flugsand, Salz in der Luft und grinsende Windsurfer am Strand.

Diese Spots stellen wir in diesem Artikel vor:

Verlagssonderveröffentlichung

Und weil die Landschaft zwischen der sanften Camargue im Norden und den vom Sturm geprügelten Ausläufern der Cote d’Azur so abwechslungsreich ist, finden Windsurfer an diesem Teilabschnitt der französischen Küste auf kleinstem Raum alles, was das Herz begehrt: Flache Speedstrips, Freestyle-Spielwiesen, moderate Wellen oder krachende Reefbreaks.

So verwundert es nicht, dass dieser kleine Landstrich in verschiedenen Disziplinen einige der besten Windsurfer des Planeten hervorgebracht hat, und wenn gerade keine Worldcup-Saison ist, trifft man Locals wie Wave-Weltmeister Thomas Traversa, Wellen-Hotshot Loick Lesauvage oder Slalom-Ass Cyril Moussilmani regelmäßig an den Spots rund um Marseille. Auch du wirst hier deinen Spaß haben, egal wonach dir der Sinn auf dem Wasser steht. Folge einfach deinen Vorlieben und diesem Spot Guide!

Salut, euer Jean Souville

Die besten Surfspots rund um Marseille zum Durchklicken:

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Foto: Jean Souville

Allgemeine Informationen zum Windsurfen in Südfrankreich

Anreise

Ideal ist die Anreise mit dem Auto/WoMo, von Köln und München sind es knapp über 1000 Kilometer nach Marseille. Einplanen sollte man etwa 5 Euro Maut pro 100 Kilometer. Auch Flüge nach Marseille sind von vielen deutschen Flughäfen günstig zu bekommen, so dass sich bei guter Vorhersage auch mal ein Spontantrip lohnen kann. Dabei empfiehlt es sich vor allem bei Billigfliegern die Preise für Surfgepäck zu checken, da diese oft kilogenau abgerechnet werden.

Wind, Wetter & Neopren-Empfehlung

Östlich von Montpellier übergibt der Tramontana das Zepter an seinen nicht minder mächtigen Bruder, den Mistral. Dieser entsteht durch Kaltlufteinbrüche aus Norden, wenn über Nordfrankreich ein Tief nach Osten abzieht. Die einströmende Kaltluft wird im Rhonetal kanalisiert und weht dann als kalter Fallwind aus Nordwest. Diese Wetterlage kann das ganze Jahr über auftreten, am häufigsten sind solche Systeme jedoch zwischen Oktober und Mai. Nicht selten erreicht der Mistral Sturmstärke, kleine Segel gehören bei jeder Reise nach Südfrankreich ins Gepäck. Auch im Sommer können bei starkem Mistral die Temperaturen kühl werden, ein 4/3er-Neo reicht bei Wassertemperaturen um die 23 Grad (August) allerdings aus. Im Winterhalbjahr sinken die Wassertemperaturen nie unter 13 Grad, da die Luft aber auch deutlich kälter werden kann, sollten auch Schuhe und Haube zur Grundausstattung gehören. Die beste Kombi aus Wind und Wärme gibt’s im Spätherbst und zwischen April und Juni.

Südfrankreich kann fordernd sein...Foto: Jean Souville
Südfrankreich kann fordernd sein...

Weht der Mistral sehr nördlich, ist die Region Bouches-Du-Rhones zwischen Saintes Maries und Port St. Louis extrem bevorzugt. Hier knallt es dann manchmal mit 50 Knoten, während in Marseille Windstille herrscht. „Normaler“ Mistral weht aus Nordwest, dieser erreicht quasi alle Spots der Region. Weht der Mistral mehr aus West, orientiere dich in die Gegend um Toulon, da die nördlichen Spots dann abgedeckt werden. Bevor du also losfährst, checke immer die genaue Windrichtung, wer mobil ist, surft hier im Schnitt an mindestens 50 Prozent der Tage des Jahres. Bei warmem Wetter kämpft der Mistral oft gegen eine im Tagesverlauf stärker werdende Thermik an, daher sind bei sommerlichen Mistralphasen die Morgenstunden meist besser. Ein weiterer zuverlässiger Spaßbringer im Sommer ist der „Marin“ genannte feuchtwarme Wind aus Süd bis Südost. Er erreicht zwar selten über sechs Windstärken, bringt aber vor allem in der Gegend um Fos konstant gute Bedingungen mit netten Wellen mit.

Jeans Tipp: Live-Winddaten für alle Spots findest du unter www.baston.fr

Wellen

Ja, auch im Mittelmeer können beachtliche Wellen entstehen, vor allem bei starkem Mistral aus Nordwest und Marin aus Südost. Meist bleiben die Wellen mit ein bis zwei Metern moderat, wenn der Mistral aus allen Rohren feuert, wird es an den Spots um Marseille auch mal masthoch. Dann kann man entweder dem Weltmeister (oder den anderen Locals) bei Spielen zusehen oder sich ein ruhigeres Plätzchen suchen.

Wohnen & Campen

Für beide Optionen gibt es viele Möglichkeiten, sofern man nicht im Hochsommer anreist – während der Ferienzeit geht ohne Vorbuchung wenig. Durchaus üblich (und erfolgreich) ist es in Frankreich auch in Zeiten des Internets noch, sich beim Tourismusbüro nach freien Zimmern zu erkundigen. In der Nebensaison wird wildes Campen noch toleriert, damit dies so bleibt gilt: Müll mitnehmen! Zur Hauptsaison wird allerdings konsequent an Ort und Stelle abkassiert, spätestens dann sollte man auf einem Campingplatz einchecken.

surf-Tipp: Einen Überblick über die zahlreichen Angebote gibt es auch mittels der App „Camping Cheque“.

Campen in Spotnähe (Auswahl):

Surfschulen & Clubs:

Surfshops:

Auch das ist Südfrankreich - leiderFoto: Jean Souville
Auch das ist Südfrankreich - leider

Schattenseiten

Ein seriöser Spot Guide über Südfrankreich kann die Schattenseiten der Region nicht ausblenden: Die Ecke um Marseille gehört zu den heißesten Pflastern Frankreichs. Wirtschaftlicher Niedergang, unkontrolliertes Wachstum der Vorstädte einhergehend mit Drogenkriminalität und Jugendarbeitslosigkeit machen die nördlichen Viertel Marseilles zu No-go-Areas. An den Spots im Umkreis kommt es regelmäßig vor, dass Diebe Surfer beobachten wo diese den Fahrzeugschlüssel verstecken. Daher sollte man den Schlüssel immer mitnehmen, keinerlei Wertsachen im Auto lassen und dies durch offene Vorhänge und Handschuhfach auch zeigen. Auch auf Supermarktparkplätzen und Tankstellen keine Wertsachen im Auto lassen oder immer mit einer Person im Auto bleiben. Neben der Kriminalität ist die Müllproblematik die zweite Spaßbremse – um Marseille sind Wasser und Strände leider oft dreckig. Auch wenn man daran auf dem Wasser wenig ändern kann, sollte jeder seinen Teil dazu beitragen. Nehmt beim Campen euren Müll mit und lasst nichts zurück!

Zu guter Letzt – die Menschenmassen: So schön es ist zu sehen, dass Windsurfen lebt, so voll wird es im Hochsommer an den Spots. Hundert Surfer sind in Carro oder La Coudouliere keine Seltenheit, also informiere dich über die Regeln in der Welle, sei respektvoll und auch ein wenig geduldig.

Windsurfen in Südfrankreich - die besten Spots rund um Marseille

1) St. Maries de la Mer

Nordwest weht hier moderater als in Port-St.-Louis. Kommt der Wind etwas nördlicher, was oft zum Ende einer Mistral-Phase geschieht, wird es in Saintes Maries aber am stärksten und nicht selten hämmert er dann brutal. Deshalb fielen hier in Prä-Lüderitz-Zeiten auch reihenweise die Speedrekorde. Den Kanal gibt es noch immer, wenn genug Wasser drin ist, kann man ihn noch befahren. Aber auch am Hauptspot östlich des Hafens kann man bei voll ablandigem Wind an seinem persönlichen Rekord feilen oder das perfekte Flachwasser nutzen, um an Halsen oder Freestyletricks zu arbeiten. In der Nebensaison ist es hier leer, das nächste Stückchen Land ist Sardinien, also Vorsicht! Auch Südostwind kommt durch, dann surft man westlich der Hafenmole bei recht auflandigen aber allemal sprungtauglichen Bedingungen mit Wind von links, die Wellen brechen auf Sand. Parkplätze für Womos sowie Campingplätze gibt’s vor Ort, im Sommer hat eine kleine Surfschule geöffnet (www.ecoledevoile.camargue.fr). Einziger Wehrmutstropfen: Moskitos!

St.-Maries de la Mer ist bekannt für seinen SpeedspotFoto: Jean Souville
St.-Maries de la Mer ist bekannt für seinen Speedspot

2) Beauduc

Der Spot am Ende der Welt – während der 15 Kilometer über sandige Pisten durch den Naturpark, vorbei an Flamingos und Wildpferden kommt unweigerlich das Gefühl von Freiheit und Abendteuer auf. Am Spot gibt es keinerlei Infrastruktur, alles was man braucht, muss man mitbringen. Auch in Beauduc wurde Windsurfern, Kitern und Ravern, die dieses Gebiet einstmals annektiert hatten, ein Riegel vorgeschoben. Womos bleiben aufgrund einer Schranke ausgesperrt – gesurft wird bei Südwest am westlichen Ende des Spots. Bei Mistral (NW), der hier oft sehr stark ankommt, findet man entlang der halbmondförmigen Bucht schnell ein Plätzchen mit Wind von rechts. Moderate Wellen entstehen sobald der Mistral die 20-Knoten-Grenze knackt, dann kann man hier ohne die Gefahr des Abtreibens herumspringen. Vorsicht: Teilweise viele Kiter und flache Sandbänke! Bei Südwestwind drehen am östlichen Teil des Spots nette Wellen rein.

3) Piemanson

Von Salins de Giraud kommend führt die Straße zum Spot an den Überresten der Salzindustrie vorbei nach Piemanson. Geparkt werden kann direkt am Spot. Weht der Wind ablandig aus Nordwest, was sehr oft vorkommt, findet man hier feinste Flachwasserbedingungen zum Heizen und Tricksen vor. Einziges Problem: Wenn was schief geht, ist Sardinien das nächste Stückchen Land, also geh’ nicht alleine raus! Westliche Winde können nette Sprungsessions mit Side- bis Sideon von rechts liefern, die Strömung ist allerdings beachtlich. Marin aus Südost schaufelt zwar ebenfalls beachtliche Wellen an den Strand, allerdings sind die Bedingungen dann chaotisch.

4) Plage Napoleon

Ein skuriler Ort – wild und natürlich auf der einen Seite aber auch mit dem zweifelhaften Charme der Großindustrie von Port-St.-Louis andererseits. Man kann die Szenerie lieben oder hassen, die Bedingungen sprechen für sich: Wenn der Mistral feuert, werden hier, östlich der Rhone-Mündung, die kleinsten Segel geriggt. NW bläst voll ablandig über einen großen Sandstrand, das Wasser ist spiegelglatt und ideal zum Speeden, gefährlich wird’s nur bei Materialbruch. West kann cleane Wellen mit Sideoff bieten, Südost ist hingegen platt auflandig. Die Strömung ist immer spürbar, vor allem aber bei Wellenbedingungen.

Plage Napoleon in SüdfrankreichFoto: Jean Souville
Plage Napoleon in Südfrankreich

5) L’Anse Carteau:

Auch wenn die vielen Kiter und zweifelhafter Industriecharme Windsurfer von diesem Spot östlich der Mole oft abhalten, lohnt sich für alle Freerider der Weg dorthin. Man surft in stehtiefem Flachwasser deutlich sicherer als am Plage Napoleon. Auch bei Südost ist der Spot von Wellen abgedeckt. Seegrasfinne im Sommer nicht vergessen! Das Kitecenter Centre Nautique Mer et Passion (www.mistralkitepassion.com) hat auch einige wenige Windsurfboards im Sortiment.

6) Plage Olga

Der kleine Strandabschnitt wird immer wieder als Alternative bei SO-Wind genannt. Er grenzt direkt an den Containerhafen von Port-St.-Louis, die Bedingungen sind mäßig, weil der Wind voll onshore bläst und nur bei starkem SO-Wind ein paar Wellen durchkommen. Ein Spot, den man getrost auslassen kann!

Fos sur Mer/SüdfrankreichFoto: Jean Souville
Fos sur Mer/Südfrankreich

7) Fos sur Mer/ Cavaou

Die große Sandbucht lockt ganzjährig Freerider und Freestyle-Trickser an. Der ablandige und böig wehende Mistral bügelt Kabbelwellen flach und zaubert perfektes Flachwasser! Bei Südost gibt‘s moderate Brandungswellen bis zwei Meter Höhe, mit Sideonshore-Wind von links – perfekt zum Springen und für gefahrloses Wellenabreiten. Westwind ist ebenfalls fahrbar, allerdings schwächer als an anderen Spots. Der Surfshop „La Voile Libre“ (www.lavoilelibre.com) ist vor Ort.

8) Renaires

Südlich des kleinen Hafens Renaires, in der geschützten Bucht Anse de Bonnieu, kann man bei normalem NW- und SO-Wind in kleinem Windchop umherheizen. Die mobile Surfschule Hot School (www.hotschool.wordpress.com) macht hier mitunter Stopp. Kommen Swell aus West und NNW-Wind zusammen, wird es ein paar Meter weiter nördlich, vor dem kleinen Hafen, hardcore: Dann bricht eine kraftvolle Welle auf ein flaches Riff – in Verbindung mit Strömung, böigem Sideoffshorewind, Seeigeln und Felsen macht Renaires dann keine Gefangenen. Auch bei Südost bis Süd geht hier mit Wind von links die Post ab: Wellen mit Punch machen den Spot allerdings zur Spielwiese für Wave-Experten! Die Anfahrt ist etwas tricky – von Martigues kommend fährt man über die N5 und die Route de Ponteau immer in Richtung der rot-weißen Türme des Heizkraftwerks.

9) Carro

DER Wavespot der Region! Bei Mistral aus NW ist es hier meist flach wie auf dem Baggersee, erst bei westlichem Einschlag kommt die Wellenmaschine auf Touren. Bei W bis WNW drehen die Wellen um das Kap und liefern kraftvolle Brecher und feinste Sideoffshore-Bedingungen zum Abreiten von rechts. Vor allem bei Sturm wird es selektiv – steiniger Einstieg, kraftvolle Wellen, starke Strömung und Felsen in Lee setzen Wellenerfahrung voraus. Wer sein Zeug schrottet, kann im Surfshop Le Marin (www.marinsurfshop.com) Ersatz bekommen. Auch mit Südostwind ist Carro top, dann gibt‘s Sideonshore von links und beste Sprungbedingungen. Bie SO-Sturm wird Carro manchmal unfahrbar, dann ist keine Schande nach Fos auszuweichen. Geparkt werden kann direkt am Spot, an den Wochenenden wird es aber oft extrem voll auf dem Wasser.

Herz der Wave-Szene: CarroFoto: Jean Souville
Herz der Wave-Szene: Carro

10) Sausset

Die gute Nachricht über Sausset ist, dass es hier weniger voll ist als in Carro. Die schlechte, dass der Spot nur selten funktioniert und nicht minder gefährlich ist. Normaler NW-Mistral ist zu ablandig und böig, bei westlichem Einschlag kommt der Spot in Form und bietet cleane Sideshorebedingungen zum Abreiten von rechts. Der Einstieg ist schmal und befindet sich direkt östlich des Hafens. Achtung vor den Steinmolen in Lee, hier haben schon viele Surfer ihr Material zerstört. Tolle Bedingungen mit Side- bis Sideonshore von links gibt‘s zudem bei O-SO, dann kann man Springen und Abreiten gleichermaßen. Weiter in Luv läuft dann am Fuß der Klippe „Le Virage“ eine tolle Welle zum Abreiten.

SaussetFoto: Jean Souville
Sausset

11) Etang de Berre

Der „Etang de Berre“ gehört mit seinem langen Damm („Le Jai“) zu den populärsten Allroundspots der Gegend. Mistral weht voll auflandig und bringt am Westende des Damms, bei Chateauneuf, regelmäßig bis zu einem Meter Welle für kleine Sprungsessions mit. Je weiter östlich in Richtung Marignane man sich begibt, desto glatter wird das Wasser, viele Slalom- und Freeridefans kommen hierher, um an ihren Manövern zu feilen. Im Sommer weht auf dem Etang de Berre der Mistral oft am stärksten, und weil auch Südostwind und sommerliche Thermik aus West gut durchkommen, ist man hier meist perfekt aufgehoben. Eine Seegrasfinne kann nicht schaden, die Wasserqualität ist sehr mäßig. Im Winter wird das Wasser locker zehn Grad kälter als das Meer. Dafür gibt‘s den Surfshop Hot-Mer in Martigues (www.hotmer.com) sowie die Surfcenter „Club Nautique de Marignane“ (www.cnmarignanais.fr) und den „Club Cercle Nautique de Rognac“ (www.cerclenautiquederognac.fr) vor Ort.

PradoFoto: Jean Souville
Prado

12) Marseille Prado

Wer alleine aufs Wasser will, ist hier fehl am Platz – den auch „Epluchures“ genannten Strandabschnitt teilt man sich mit vielen anderen Wassersportverrückten. Trotzdem ist die Stimmung hier recht entspannt. Mit NW-Wind wird Prado zum netten Wellenspielplatz mit Wind von rechts, gut zum Springen und Abreiten. Da die Wellen recht moderat brechen, sind hier auch Wellen-Novizen gut aufgehoben. Nordwind wird abgedeckt, westlicher Einschlag weht konstanter und lässt die Wellen größer werden. Dann ist Vorsicht vor den Buhnen geboten, die schon so manche Ausrüstung auf dem Gewissen haben. Südostwind geht auch, dann gibt‘s Flachwasser und weiter draußen etwas Chop. Meiden sollte man Prado nach stärkeren Regenfällen – die Wasserqualität ist dann aufgrund überlaufender Kanalisation katastrophal!

Freestyle-Action in Pointe-RougeFoto: Jean Souville
Freestyle-Action in Pointe-Rouge

13) Marseille Pointe-Rouge

Der kleine Sandstrand wird von Molen gegen die Wellen abgeschirmt, dank 100 Meter Stehbereich und auflandigem Wind fühlen sich hier Aufsteiger, Freerider und Trickser gleichermaßen wohl. Wer etwas rauskreuzt, kann bei starkem und nördlicher wehendem Mistral auch nette Wellen für Sprünge und Backside-Wellenritte bekommen. Der Surfshop Gliss Attitude (www.glissattitude.com) sowie die Surfstationen „Pacific Pallisades“ (www.pacific-palissades.com), „Yachting Club de la Pointe Rouge (www.ycpr.net) und „Eau Large de Noe“ (www.eaulargedenoe.fr) sind am Spot zu finden. Einziges Manko sind auch hier viel Müll und zweifelhafte Wasserqualität.

La CiotatFoto: Jean Souville
La Ciotat

14) La Ciotat

Die Sandbucht wird von zwei Buhnen eingerahmt, die besten Bedingungen hat man hier bei SW- und SO-Wind. Mistral aus Nordwest kommt voll ablandig und extrem böig. Sommerthermik aus Südwest, vor allem aber SO-Wind bringen echte Spaßbedingungen mit: Moderate Wellen zum Springen und Abreiten, die auf Sand auslaufen und auch für weniger geübte Waver zu meistern sind. Geparkt werden kann nur in den angrenzenden Straßen. Vor Ort befindet sich der Club Neptune (www.neptuneclub-laciotat.com).

15) Les Lecques

Einer der Kultspots der 80er, der heute nur noch wenig frequentiert wird. Westwind kommt hier auflandig und bietet gute Freeride-Bedingungen. Erst bei Hack laufen moderate Wellen in die schöne Bucht, insgesamt ist dies aber nur selten der Fall. Diese brechen dann recht kraftvoll auf den Strand. Die ersten 50 Meter sind stehtief und auch sonst lauern hier keine unsichtbaren Gefahren. Sowohl am südlichen als auch am nördlichen Ende der Bucht kann man starten, Vorsicht nur vor den zahlreichen Schwimmern. Das Surfcenter „Societe Nautique du Golfe des Lecques“ (www.sngl.fr) befindet sich unmittelbar am Hafen.

Les LequesFoto: Jean Souville
Les Leques

16) Bandol

Normaler NW-Mistral hat es schwer, in die wunderschöne Bucht vorzudringen. Hämmert an allen anderen Spots aber westlicher Mistral, ist Bandol ein guter Ausweichspot mit etwas weniger Wind. Am langen Kiesstrand kommt Westwind sideonshore von rechts, Südwest wird zunehmend auflandig. In Luv der kleinen Felsnase bleiben die Wellen mit Höhen von 1 - 1,5 Metern meist moderat. Vor Ort befindet sich die Surfschule „Club Société Nautique de Bandol“ (www.sn-bandol.com).

BandolFoto: Jean Souville
Bandol

17) Brutal Beach

Der Spot mit dem radikalen Namen wurde in den 90ern bekannt und wird auch heuten noch von der Waveszene frequentiert. Bei NW- bis Westwind bekommt man hier steile Rampen mit Sideonshorewind von rechts vor die Flinte, Nordwind kommt sideshore aber böig. Auch hier wird’s mitunter voll. Da, wo die besten Wellen laufen, sitzen zudem oft Wellenreiter im Wasser. Steinmolen am Ufer erschweren das Rauskreuzen, wer Bruch baut, bekommt im Nexpa Surfshop Ersatz (www.64sup.blogspot.de).

Brutal BeachFoto: Jean Souville
Brutal Beach

18) La Coudouliere

Einer der Top-Wavespots der Region! NNW bis WNW kommen stärker und früher durch als am Brutal Beach. NNW weht sideshore von rechts, WNW schräg auflandig. Die Welle bricht um einen Point, kommt schnell in Gang, läuft für einige Turns nach Lee und eignet sich auch zum Springen. Dass es hier mitunter fürchterlich voll wird, liegt nahe. An großen Tagen kann man als Wellen-Greenhorn auch schnell mal auf den Felsen landen, und auch um die wenigen Parkplätze wird an guten Tagen genauso gekämpft wie um die besten Wellen.

Jeans Tipp: Ein Parkticket zu kaufen, lohnt sich hier, der „Knöllchenmann“ kommt regelmäßig!

CoudouliereFoto: Jean Souville
Coudouliere

19) Le Brusc

Unweit der Wavespots Coudou und Brutal Beach surft man am Sandstrand in Brusc selbst bei Hack auf Flachwasser und in entspannter Atmosphäre. Der Spot wird durch die vorgelagerten Iles des Embiez gegen Wellen abgeschirmt, Freerider und Trickser sind hier unter sich. Der Einstieg ist easy, auf dem Wasser gibt es Platz ohne Ende, und das Windfenster ist groß. Lediglich auf einige unter Wasser versteckte Felsen im Uferbereich sollte man achten. Ein kleiner Törn rüber nach Embiez ist verlockend und wunderschön. Parkplätze und die Surfschule La Cahute (www.lacahute.com) sind ebenfalls vorhanden, hier kann man es definitiv aushalten.

BruscFoto: Jean Souville
Brusc

20) Les Sablettes

Die kleine Halbinsel St. Mandrier hält bei seltenem Ost- bis Ostsüdostwind eine Wellenperle bereit: Les Sablettes. Die Wellen drehen um ein Kap herum und formen cleane Sideoffshore-Bedingungen mit Wind von links. Es ist böig, aber gute Ritte nach Lee sind möglich. Wenn es groß wird, ist der Spot auch aufgrund der Strömung und des Shorebreaks nicht ungefährlich. Im nahen Yacht Club des Sablettes (www.ycsablettes.org), der sich direkt am Yachthafen befindet, kann man bei moderaten Freeride-Bedingungen auch Material und SUPs ausleihen.

Weht der Ostwind nur schlapp und kommen keine Wellen in Les Sablettes an, kann man in der Bucht von Toulon, im Vorort Tamaris, in schönen FlachwasserBedingungen freeriden. Parken kann man an einigen Stellen entlang der Uferstraße bei den kleinen Yachthäfen.

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Dieser Spotguide erschien erstmals in surf 11-12/2015