WintersurfenDie besten Tipps zum Windsurfen im Winter

Tobias Frauen

 · 22.11.2022

Windsurfen im Winter hat seinen ganz besonderen Reiz
Foto: Steffi Wahl
Windsurfen im Winter hat seinen ganz besonderen Reiz

Viele Windsurfer machen keine Winterpause, sondern gehen das ganze Jahr über aufs Wasser. Wir zeigen, was Ihr beim Wintersurfen beachten müsst und geben Tipps für eine gelungene Session!

In diesem Artikel:

Traurig, aber wahr: So langsam müssen wir uns vom goldenen Herbst verabschieden und wohl oder übel den Winter einläuten. Das bedeutet aber nicht, dass das Windsurf-Zeug bis zum Frühling eingemottet werden muss. Immer mehr Windsurferinnen und Windsurfer gehen das ganze Jahr über aufs Wasser. Wir zeigen euch, was Ihr beim Wintersurfen beachten müsst!

Verlagssonderveröffentlichung

Surf-Sessions im Winter haben ihren ganz eigenen Zauber: Die Vorfreude und die Anspannung, aufs Wasser zu kommen; das Licht der Wintersonne im Zusammenspiel mit Wolken, Nebel und den Reflektionen und der “Afterglow” nach der Session auf dem Weg nach Hause. Während man früher zwischen Oktober und Ostern fast alleine auf dem Wasser war, sind die Parkplätze an den Spots inzwischen auch in der Winterreifen-Saison gut gefüllt und man trifft viele Bekannte.

Dennoch sollte sich jeder, der bei Temperaturen unter etwa zehn Grad aufs Wasser geht, den besonderen Herausforderungen und Gefahren des Wintersurfens bewusst sein und ein paar Dinge beachten. Denn Sicherheit geht immer vor! Kleinere Verletzungen oder Materialprobleme, die im Sommer schlimmstenfalls zum vorzeitigen Ende einer Session führen, können im Winter schnell bedrohlich werden!

Gedanken um seine Gesundheit muss man sich aber nicht machen. “Im Prinzip kann man fast das ganze Jahr surfen”, sagt Dr. Wolfgang Klauß im surf-Interview. Entscheidend sei vor allem ein guter Anzug.

Vorbereitung zum Wintersurfen

Material

Wer im Winter aufs Wasser geht, sollte sein Material vorher doppelt so gründlich checken wie sonst:

  • Sind alle Tampen in Top-Zustand und nicht aufgescheuert oder angerissen?
  • Ist die Sehne am Mastfuß frei von Rissen?
  • Hat der Mast keine erkennbaren Risse oder Beschädigungen?
  • Sind die Finnen fest in den Boxen?
  • Ist der Neo dicht und das Trapez in Ordnung?

Bei der Wahl des Materials solltet ihr einen guten Mittelweg wählen: Zu kleines Material und häufiges Dümpeln führen dazu, dass ihr öfter wasserstarten müsst und somit schneller auskühlt. Wer hingegen voll angenagelt aufs Wasser geht, erhöht das Risiko von Materialbruch und Verletzungen, außerdem kostet überpowertes Fahren mehr Kraft.

Je niedriger die Temperaturen, desto weniger flexibel werden die Materialien von Segel, Mast, Board und Co. Wenn es Richtung Gefrierpunkt geht, können auch dünne Eisschichten an der Gabel und auf dem Segel entstehen.

Ausrüstung

Wer im Winter Windsurfen geht, sollte nicht schon beim Aufbauen auskühlen. Deswegen am besten Snowboard-Hose, dicke Jacke, Schuhe und Mütze einpacken und von Anfang an tragen. Seht zu, dass euch im Auto muckelig warm ist und ihr bestmöglich temperiert seid, wenn ihr am Spot ankommt. Eine Kanne heißer Tee vor, während und nach der Session ist ebenfalls empfehlenswert.

Nach dem Aufbauen legt ihr eine kurze Aufwärm-Runde ein, um Muskeln, Sehnen und Bänder auf Betriebstemperatur zu bringen. Die Zeit für ein paar Liegestütze, ein wenig Laufen, springen oder Kniebeugen solltet ihr euch unbedingt nehmen! Wer mit dem Van am Spot ist, zieht sich am besten drinnen um, ansonsten im Windschatten anziehen und eine große Jacke oder einen Poncho verwenden, um nicht auszukühlen! Auch eine Auftriebsweste ist für Winter-Sessions eine Überlegung wert, da sie die Sicherheit erhöht und das Verletzungsrisiko senkt.

Welchen Neoprenanzug zum Surfen im Winter?

Neben den reinen Luft- und Wassertemperaturen ist es vor allem der Windchill, der den Körper auskühlen lässt. Ein nasser Neo bzw Körper kühlt im Wind noch einmal schneller aus. Deswegen ist Glatthaut-Neopren einem kaschierten Anzug vorzuziehen, dessen Oberfläche immer ein wenig Wasser speichert.

Die wärmste Variante ist ein Trockenanzug, unter dem man auch einen dicken Pulli tragen kann. Allerdings sind diese recht sperrig und die Bewegungsfreiheit ist extrem eingeschränkt, so dass wir eher zu einem dicken Nass-Anzug raten. Ideal ist ein 6mm-Anzug mit Haube, damit seid ihr optimal geschützt und es dringt möglichst wenig Wasser ein. Alternativ geht auch ein 5mm-Anzug und ein warmer Unterzieher. Diese gibt es in verschiedenen Varianten, vom Tank-Top bis zum Shorty mit Haube. Auch ein normaler Neo wird damit spürbar wärmer, oft ist noch eine isolierende Schicht dabei.

Dicker Neo, Unterzieher mit Haube, Handschuhe und Schuhe - reichlich Neopren ist beim Windsurfen im Winter obligatorischFoto: Tobi Frauen
Dicker Neo, Unterzieher mit Haube, Handschuhe und Schuhe - reichlich Neopren ist beim Windsurfen im Winter obligatorisch

Steffi Wahl, die mit Sicherheit zu den erfahrensten Wintersurferinnen der Republik gehört, sagt zum Thema Winter-Neo: “Sobald mir kalt wird, habe ich überhaupt keine Lust mehr zu surfen, also will ich den wärmsten Neoprenanzug haben, den ich bekommen kann. Dadurch ist für mich auch bei unter Null Grad noch nicht zwangsläufig Schluss, die Bedingungen und das Licht sind im Winter einzigartig.“ Steffis Tipp: „Winterneos sollten auf jeden Fall beim ersten Anprobieren stramm sitzen, denn sie weiten sich mit der Zeit etwas. Wenn zu Beginn schon etwas Luft ist, läuft nach einigen Sessions das Wasser in den Neo und der Kälteschutz ist nicht optimal.“

Dazu sind im Winter Neopren-Schuhe obligatorisch. Diese sollten gut sitzen, damit einerseits nicht zu viel Wasser eindringt und der Fuß in ihnen verrutschen kann, andererseits aber auch der Blutfluss nicht abgeklemmt wird.

Beim Thema Handschuhe scheiden sich die Geister. Während die einen auf Fäustlinge mit offenen Handflächen schwören, setzen andere auf dünne, komplett geschlossene Finger-Handschuhe. Je dicker der Handschuh, desto größer wird auch der Griff um die Gabel. Welche Variante ihr wählt, ist letztendlich Geschmackssache. Warme Surf-Handschuhe lassen sich auch mit Hausmitteln basteln! Auch hier ist vor allem der Schutz vor dem eisigen Wind wichtig.

Die richtigen Spots zum Wintersurfen

Bei der Wahl des Spots für eure Wintersession gilt: Safety first! Wählt immer einen Spot, an dem ihr sicher fahren könnt und wo Wellen und Strömung für euer Fahrkönnen gut zu beherrschen sind. Im Winter also beispielsweise lieber an die Ostsee nach Heidkate als bei ruppigen Wave-Bedingungen nach St. Peter.

Daneben sollte der Wind auflandig oder schräg auflandig wehen, damit ihr im Notfall leichter wieder an Land kommt. Ablandiger Wind ist ein absolutes No-Go! Ein großer Stehbereich schafft die Sicherheit, im Zweifelsfall auch zu Fuß wieder an Land zu kommen und nach Stürzen schnell wieder auf dem Board zu stehen.

So solltet Ihr euch auf dem Wasser verhalten

Achtet beim Windsurfen im Winter darauf, nicht allzusehr auszukühlen. Wer regelmäßig kurz an Land kommt, um sich schnell aufzuwärmen und wieder Gefühl in den Händen zu bekommen, hat länger Spaß. Es macht keinen Sinn, die Session bis zum letzten Moment auszudehnen und dann völlig entkräftet vom Wasser zu kommen. Besser: Realistisch einschätzen, wie lange die eigenen Kraftreserven reichen und wie warm man noch ist, und dann rechtzeitig Schluss machen. Im Winter ermüden die Muskeln deutlich schneller, ohne Kraftreserve kann ein Waschgang dann schnell ungemütlich werden.

Außerdem solltet ihr eher kürzere Schläge fahren, um im Zweifelsfall nicht allzu weit vom Ufer entfernt zu sein. Idealerweise sprecht ihr euch mit anderen ab, aufeinander zu achten. Auf dem Wasser solltet ihr auch die anderen Windsurfer und Kiter im Blick haben: Liegt jemand länger im Wasser? Hat jemand Probleme beim Starten? Lieber einmal zu viel vorbeifahren und sich erkundigen, ob alles okay ist!

Auch einen neuen Move werdet ihr bei einer echten Winter-Session eher nicht lernen. Häufige Stürze und Neustarts kosten Kraft und lassen den Körper auskühlen - also lieber beim entspannten Cruisen das Gefühl genießen, dem Winter eine weitere Session abgetrotzt zu haben!

Wichtige Tipps zum Wintersurfen:

  • Zieh dich nicht so an als wolltest du Windsurfen. Stell dir stattdessen vor es geht auf die Skipiste. Mit dicker Schneehose und Skiunterwäsche steigst du mit zartem Schweißfilm am Spot aus. Wer beim Aufbauen schon schlottert, kann es eigentlich gleich bleiben lassen.
  • Suche dir ausschließlich sichere Spots mit (schräg) auflandigem Wind aus. Ablandiger Wind ist im Winter ein absolutes no-go. Ideal sind Stehreviere wo du im Notfall, zum Beispiel bei Materialbruch, einfach zurücklaufen kannst.
  • Kauf dir einen wintertauglichen Neo, gute Schuhe, Haube und Handschuhe
  • Wärme dich vorher auf: Renn am Strand lang, mach Liegestützen oder was auch immer. Hauptsache du bist vor dem ersten Wasserkontakt ordentlich durchgewärmt.
  • Surfe im Winter nie alleine. Checke vorher dein Material genau auf Beschädigungen.
  • Fahre nur kurze Schläge nach draußen, so dass du im Notfall einen kurzen Rückweg hast.
  • Mit dem ersten Doppelloop solltest du vielleicht warten bis es wieder ein bisschen wärmer ist.
  • Nach den ersten Schlägen kurz pausieren und die Hände mittels Armkreisen wieder ordentlich durchbluten. Dann schmerzt es hinterher (vielleicht) nicht ganz so stark.
  • Bei Ausflügen in die Welle sind Helm und Prallschutzweste sicher kein Nachteil.

Auch interessant: