HighlightsTag 3 beim Worldcup Sylt - Jede Menge Sieger, jede Menge Shorebreak

Tobias Frauen

 · 27.09.2022

Highlights: Tag 3 beim Worldcup Sylt - Jede Menge Sieger, jede Menge Shorebreak
Big Air von Philip Köster im Sylter Shorebreak

“Der beste Tag, den ich je auf Sylt hatte!” fand Philip Köster. Jede Menge Wind und Shorebreak brachte einen neuen Weltmeister, zwei Beinahe-Weltmeister und einen glücklichen Tages-Sieger.

Früh aufstehen hieß es für die Fahrerinnen und Fahrer am dritten Tag des Mercedes-Benz Windsurf World Cup Sylt. Bereits mit dem ersten Tageslicht ging es um 7:00 Uhr morgens los. Bei rund 30 Knoten Wind aus Südwest waren zunächst die Freestyler dran, eine komplette Single Elimination konnte gefahren werden. Die Bedingungen waren Sylt-typisch anspruchsvoll: Chaotische Wellen, jede Menge Strömung und Windlöcher in Strandnähe.

Die besten Shorebreak-Bilder von Montag:

Die besten Bilder aus dem Sylter Shorebreak
Verlagssonderveröffentlichung

Freestyle

Die beiden deutschen Starter Niclas und Lucas Nebelung mussten als Ungesetzte gleich in der ersten Runde ran. Während Niclas in einem knappen Heat gegen Waverider Antoine Martin die Oberhand behielt und weiterkam, unterlag sein Bruder Lucas gegen Thomas Traversa, ebenfalls eigentlich im Waveriding zuhause. Weil nur einmal pro Event Startgeld gezahlt werden muss und die Fahrer ohnehin vor Ort sind, melden sie sich auf Sylt immer mal wieder auch für den Freestyle-Wettbewerb an.

Parallel zu Lucas Nebelung schied auch Taty Frans aus, der sich gestern an seinem Foil verletzt hatte und im Krankenhaus genäht werden musste. Damit war Frans nicht in der Lage, sein Können abzurufen und unterlag Rasmus Oegelund aus Dänemark.

In Runde zwei ging es dann für Niclas Nebelung gegen Adrien Bosson, den späteren Sieger. Der hatte mit dem bis dahin höchsten Wertung des Tages schon gezeigt, wie stark er derzeit ist. Nebelung hielt lange dagegen und blieb dem Franzosen mit einem Double Burner und Shaka dicht auf den Fersen. Am Ende zog jedoch Bosson in die nächste Runde ein und die Nebelungs müssen auf die Double Elimination hoffen.

Der Weltmeister von 2021, Amado Vrieswijk, hatte zuvor berichtet, dass er sich aufs Racing konzentriere und nur noch selten im Freestyle unterwegs ist. Traversa konnte der Mann von Bonaire noch besiegen, danach war jedoch gegen Jacopo Testa Schluss. Dieser hatte bereits in den letzten EFPT-Events für Furore gesorgt und zeigte auch auf Sylt, dass er inzwischen zur Weltspitze gehört. Platz drei nach der Single Elimination, noch vor dem 2019er Sieger Yentel Caers, spricht für sich. Im Finale standen sich schließlich Adrien Bosson und Steven van Broeckhoven gegenüber, Bosson gewann mit deutlichem Vorsprung. Damit ist hat der Franzose beste Chancen auf den WM-Titel!

Stand nach der Single Elimination

1. Adrien Bosson
2. Steven van Broeckhoven
3. Jacopo Testa
4. Yentel Caers
9. Niclas Nebelung
17. Lucas Nebelung

Waveriding Damen

Am späten Vormittag wurden die Wellen immer besser, allerdings auch der Shorebreak immer fieser. Das bekam Maria Morales direkt zu spüren, die im ersten Heat des Damen-Waveridings aufs Wasser wollte. Trotz eines gebrochenen Mastes gewann sie gegen Maria Behrens. Auch Caro Weber musste direkt nach dem ersten Heat wieder an Land, sie verlor gegen die WM-Dritte Justyna Sniady.

Im Fokus stand natürlich besonders Lina Erpenstein, die Chancen auf den WM-Titel hat. Sie gewann gegen Line Bang Wittrup aus Dänemark und besiegte anschließend auch Marine Hunter. Im Halbfinale ging es dann ausgerechnet gegen ihre größte WM-Konkurrentin Sarah-Quita Offringa, die dann ins Finale gegen Justyna Sniady einzog. Die Polin hatte im Halbfinale gegen Steffi Wahl gewonnen und könnte mit einem Sieg das WM-Rennen deutlich spannender machen. Doch wenig überraschend ließ sich Offringa nicht aus der Ruhe bringen und holte sich souverän den Sieg in der Single Elimination. Lina Erpenstein landete auf Platz drei, nachdem sie im kleinen Finale ihre Freundin Steffi Wahl besieht hatte.

Stand nach der Single Elimination

1. Sarah-Quita Offringa
2. Justyna Sniady
3. Lina Erpenstein
4. Steffi Wahl
9. Maria Behrens
9. Caroline Weber

Die Highlights des Tages zum Durchklicken:

Ein überwältigter Champion: Marcilio Browne nach dem Gewinn des entscheidenden Heats
Foto: HOCH ZWEI /Joern Pollex

Waveriding Herren

In den Pausen zwischen den Damen-Finalheats starteten dann auch die Herren in die Single Elimination. Mit auflaufendem Wasser wurden Strömung und Shorebreak immer anspruchsvoller und kosteten den Fahrern jede Menge Kraft, Zeit und manchem auch den Mast.

Für Julian Salmonn, Florian Jung, Laurin Schmuth und Henri Kolberg war schon nach der ersten Runde Schluss, sie verloren ihre Heats gegen teilweise deutlich höher gesetzte Fahrer wie Victor Fernandez, Marc Paré oder Antoine Martin. Leon Jamaer schickte Baptiste Cloarec und Robby Swift zurück an den Strand, bis er gegen Philip Köster den Kürzeren zog. Auch Klaas Voget kam zunächst eine Runde weiter: Kurz vor dem Karriereende gewann der Routinier gegen Newcomer Liam Dunkerbeck, schied danach aber gegen Antoine Martin aus. Dabei machte er ebenso wie parallel sein Fanatic/Duotone-Kollege Victor Fernandez mit dem Shorebreak Bekanntschaft und durfte anschließend das zerstörte Rigg wechseln. Ob Duotone sicherheitshalber noch ein paar Masten auf die Insel schicken lässt?

WM-Topfavorit Marcilio Browne räumte relativ mühelos den für Spanien startenden Tim van Dam Sanchidrian und Takuma Sugi aus Japan aus dem Weg, bevor er dann im Viertelfinale auf Ricardo Campello traf. Ein Heat mit großer Bedeutung: Mit einem Sieg wäre Browne mindestens Vierter und hätte er genug Punkte in der Tasche, um uneinholbar vorne zu liegen. Dementsprechend gab der Brasilianer von Anfang an Vollgas und holte mit radikalen Wellenritten und sicheren Sprüngen mehr als 30 Punkte - die höchste Wertung des Tages! Dabei hätte er es auch gemütlicher angehen können, denn Ricardo Campello kam nicht richtig in den Heat und war zu keinem Zeitpunkt gefährlich.

Am Strand war Brawzinho dann überwältigt und ließ sich für den zweiten WM-Titel seiner Karriere feiern. “Mir fehlen die Worte. Ich habe mein ganzes Leben dafür gearbeitet, Weltmeister zu werden. Und jetzt ist es wahr geworden!” sagte der sichtlich bewegte Brasilianer.

Marc Paré zum ersten Mal in einem Finale

Auch im darauf folgenden Halbfinale gab Brawzinho alles, keine Spur von nachlassender Konzentration. Mit soliden Doppelloops und Waverides lag er lange vorn gegen Marc Paré, den viele als Weltmeister der Zukunft sehen. Dem Spanier gelang dann ganz zum Ende des Heats ein herausragender Wellenritt, der ihn knapp in Führung brachte. Damit stand er zum ersten Mal in seiner Karriere in einem PWA-Finale! Im anderen Halbfinale kam es - mal wieder - zum Duell zwischen Philip Köster und Victor Fernandez. Köster schaffte es mit den besseren Sprüngen ins Finale, während die Wellenwertung nahezu identisch war.

Im Finale lagen Köster und Paré dann lange nahezu auf Augenhöhe. Mit einem sehr guten Table Top Forward hatte der Spanier mehr Punkte für die Sprung-Wertung ein, doch Richtung Ende des Heats wählte Köster dann eine nahezu perfekte Welle, die er mit einem massiven Aerial abschließen konnte. Das bedeutete den Sieg in der Single Elimination beim Worldcup Sylt. Aber auch Marc Paré dürfte zufrieden sein, er hat sich mit seinem vorläufigen zweiten Platz den dritten Rang in der WM-Wertung gesichert!

“Es hat wirklich Spaß gemacht, das war glaube ich der beste Tag auf Sylt den ich je hatte!” berichtete Köster später begeistert. “Man merkt, dass Marc sehr hart trainiert hat, und ich bin sehr happy dass ich ihn trotzdem besiegen konnte!” Und auch dem neuen Weltmeister zollte Köster Respekt: “Marcilio ist verdienter Weltmeister. Er ist die ganze Saison super gefahren!”

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wurden dann noch die erste Runde der Double Elimination gefahren. Leider konnte keiner der deutschen Fahrer bislang eine Aufholjagd starten. Henri Kolberg, Laurin Schmuth, Florian Jung und Julian Salmonn verloren ihre Heats, das bedeutet das Ende des Events für sie.

Stand nach der Single Elimination

1. Philip Köster
2. Marc Paré
3. Marcilio Browne
4. Victor Fernandez
5. Ricardo Campello
5. Thomas Traversa
5. Antoine Martin
5. Leon Jamaer
9. Klaas Voget
17. Florian Jung
17. Laurin Schmuth
17. Julian Salmonn
17. Henri Kolberg

Und es gibt doch einen Livestream vom Worldcup

Groß war gestern die Enttäuschung, als viele Fans ein wenig überrascht feststellen mussten, dass die PWA keinen Livestream anbieten konnte. Zu wenig Budget, zu uninteressant für Sponsoren. Umso größer dann die Freude, dass die Macher des Surfmagazin Sylt gemeinsam mit dem Strandhotel Wyn einen improvisierten Übertragung auf die Beine gestellt haben! Im Laufe des Vormittags hat dann auch die PWA den Stream auf der eigenen Webseite eingebunden, für die Final-Heats kam Nico Prien als Kommentator hinzu. Was für ein Einsatz!

So geht es morgen beim Worldcup Sylt weiter

Nach dem stürmischen Montag dürfte der Dienstag etwas ruhiger werden. Am Vormittag könnten die angekündigten 13 bis 15 Knoten für weitere Slalom-Eliminations reichen, Richtung Abend soll der Wind dann immer weiter abnehmen. Für das Wochenende ist dann nochmal eine massive Sturmfront angekündigt!