Foilsurfen: Kontrolliert fliegen, Material tunen & sicher halsenFoto: Marius Gugg

FahrtechnikFoilsurfen: Kontrolliert fliegen, Material tunen & sicher halsen

Manuel Vogel

 6/9/2022, Lesezeit: 6 Minuten

Im dritten Teil der Serie zum Foilsurfen zeigen wir dir, wie du in der Luft in den Autopilot wechselst, welche Knöpfe du drücken solltest, um plötzliche Turbulenzen zu meistern und warum vor dem Rückflug manchmal eine kontrollierte Zwischenlandung nötig ist.

Beim Foilen ist das oberste Ziel Kontrolle. Wer Kontrolle hat, kann genießen und entspannt und geräuschlos dahinfliegen. Ohne Kontrolle wird Foilen hingegen zum Ritt auf der Kanonenkugel. Dass die Hersteller am liebsten für jeden Einsatzbereich spezielle Produkte verkaufen würden, ist so bekannt wie nachvollziehbar. Kein Wunder also, dass reine Foilsegel bei den meisten Marken längst Einzug in die Produktpaletten gefunden haben, auch mit dem Versprechen „kontrollierter“ fliegen zu können.

Was aber unterscheidet spezielle Foilsegel von „normalen“ Windsurfsegeln überhaupt? Welche Vor- und Nachteile bieten beide Konzepte und wie kann man sein Windsurfsegel fürs Foilen tunen, wenn man den Fuhrpark nicht noch weiter anwachsen lassen möchte? Diese Fragen wollen wir euch im Folgenden beantworten.

Foto: Hersteller

Foilsegel vs. Windsurfsegel

Reine Foilsegel unterscheiden sich durch folgende Designmerkmale von Windsurfsegeln:

Outline: Bei Windsurfsegeln soll das Achterliek locker („loose“) sein, was ein Twisten des Segeltopps ermöglicht, die Kontrolle im Chop verbessert und dafür sorgt, dass das Brett frei über die Windwellen hinweg beschleunigen kann. Ohne Loose Leech wären Windsurfsegel topplastig, das heißt, sie würden im oberen Bereich zu viel Druck bekommen und dadurch die Brettnase nach unten drücken – eine freie Gleitlage und hoher Top-Speed wären kaum möglich. Genau das ist es aber, was Foilsegel können sollen – den Bug bewusst unten halten, um ein unkon­trolliertes Steigen des Foils zu unterbinden. Aus diesem Grund bleibt bei reinen Foilsegeln das Achterliek im Normaltrimm straff gespannt – das Segeltopp entwickelt Druck auf die Brettspitze, der Bug steigt dadurch nicht so schnell unkontrolliert.

Gabelbaumlänge: Bei Windsurfsegeln soll es über eine entsprechend lange Gabel und einen leicht nach hinten versetzten Druckpunkt ermöglicht werden, Druck auf die Finne auszuüben. Dies resultiert wiederum in einem freien Fahrgefühl, der Bug bekommt etwas Lift und das Brett fliegt frei über die Chops hinweg. Anders bei Foilsegeln: Ein Steigen der Brettspitze ist absolut unerwünscht, deshalb liegt der Druckpunkt hier deutlich weiter vorne, die Gabel fällt kürzer aus.

Profilhärte: Windsurfsegel sollen über einen großen Windbereich druckpunktstabil bleiben. Damit dies gewährleistet ist, muss Spannung ins Rigg. Erreicht wird dies etwa über eine stärkere Mastbiegekurve und damit verbundene höhere Trimmkräfte. Im Gegensatz dazu müssen spezielle Foilsegel in der Regel im Leichtwindbereich funktionieren und sind genau darauf optimiert: Kleine Camber fixieren das Profil weit vorne, das Rigg selbst kommt aber mit spürbar weniger Spannung aus.

Fazit: Unterm Strich sind reine Foilsegel für den speziellen Einsatzbereich Windfoilen optimiert. Hier bekommt man also 100 Prozent Foileignung mit 30 Prozent Windsurfeignung. Windsurfsegel bieten im Schnitt 80 Prozent Foileignung und 100 Prozent Windsurfeignung und haben damit einen größeren Einsatzbereich.

Foilsurfen - Tuningtipps für Windsurfsegel

Viele Windsurfer wollen es simpel halten, heißt: Das gleiche Segel zum Foilen und Windsurfen verwenden. Die gute Nachricht: Mit vielen Free­move-, Wave-, Freeride- oder Freeracesegeln kann man richtig gut Foilen, sofern man ein paar Anpassungen vornimmt. Deshalb unser Tipp: Weniger Vorliekspannung als normalerweise anlegen, so dass kein oder nur sehr wenig Loose Leech im Achterliek sichtbar ist! Das straffer gespannte Achterliek macht das Segel bewusst etwas „topplastig“, was den Bug besser unten hält und ein unkontrolliertes Steigen des Foils verhindern kann.

Kontrolliert Foilsurfen

Wenn du spürst, dass dir das Brett ungewollt immer weiter steigt, z.B. in einer Böe, ist der Einfluss, den du über ein Öffnen des Segels nehmen kannst, wesentlich geringer als beim Surfen mit Finne. Einen größeren Effekt hat eindeutig die Verlagerung des Körpergewichts.

KörperpositionenFoto: Marius Gugg
Körperpositionen

Um den Bug noch unten zu halten und einen Strömungsabriss des Foils zu verhindern, bringe den Oberkörper aus der normalen Fahrposition weit nach vorne (Abknicken in der Hüfte). Derart aufrecht kannst du über die Gabel Druck auf den Mastfuß ausüben und den Bug unten halten. Sobald sich die Flughöhe wieder eingependelt hat, kannst du in die normale Fahrposition zurückkehren und dein Körpergewicht wieder dosiert nach außen legen.

Schlaufenposition

Foto: Marius Gugg

Zum Lernen des Foilsurfens kann eine etwas weiter innen liegende Schlaufenposition hilfreich sein, da man leichter reinschlüpfen kann. Wer also keine Erfahrung mit weit außen liegenden Schlaufenpositionen hat, z.B. von Slalom- oder Freeraceboards, beginnt erst mal mit nach innen versetzten Straps. Wer schon sicher in die Schlaufen kommt und abheben kann, kann die Schlaufen dann wieder etwas nach außen versetzen. Dadurch hat man einen besseren Hebel und kann den Kräften des Foils mehr Kraft entgegensetzen – was die Kontrolle verbessert.

Mastfußposition

MastfußpositionFoto: Marius Gugg
Mastfußposition

Über die Mastfußposition kann man den generellen Trimm der Brett-Foil-Kombination gut beeinflussen. Wer das Gefühl hat, beim Abheben und Geradeausfahren den Bug
immer aktiv oben halten zu müssen, damit dieser nicht zurück aufs Wasser klatscht, schiebt den Mastfuß am besten etwas nach hinten. Steigt das Brett hingegen immer wieder unkontrolliert, kann dich ein nach vorne verschobener Mastfuß dabei unterstützen, mehr Druck auf den Bug auszuüben und damit die Kontrolle zu verbessern.

Foilposition

FoilpositionFoto: Marius Gugg
Foilposition

Viele Marken setzen, zumindest bei reinen Foilboards, mittlerweile auf eine Doppelschiene zur Befestigung des Foils. Der Vorteil: Schiebt man das Foil weiter nach vorne, unterstützt dies in der Regel ein frühes Abheben – ein Tipp also fürs Foilsurfen bei Windbedingungen am unteren Limit. Umgekehrt kann man das Problem eines in Böen unkontrolliert steigenden Boards auch dadurch lösen, dass man das Foil einige Zentimeter weiter nach hinten verschiebt.

Foilsurfen - die erste Halse

Die erste HalseFoto: Marius Gugg
Die erste Halse

Bis du beim Foilsurfen die erste Halse komplett durchfoilst, wird etwas Zeit vergehen. Am Anfang macht es Sinn, wenn man sich langsam herantastet und bei eher unterpowerten Bedingungen mit dem Üben beginnt. Das Ziel sollte zu Beginn immer ein „kontrolliertes Absetzen“ sein – halte das Board in jeder Phase bewusst flach und auf niedriger Flughöhe. Je mehr Übung du hast, desto länger kannst du die Zwischenlandung hinauszögern – am Ende bis über den Vorwindkurs hinaus. Auf diese Weise kannst du dich der durchgefoilten Halse Stück für Stück annähern.

Vorbereitungsphase: Überprüfe den freien Raum in Lee und hake dich aus dem Trapez aus. Nimm den hinteren Fuß aus der Schlaufe und setze diesen auf die Leekante des Boards.

Einleitungsphase: Leite durch dosierte Belastung der Leekante die Kurve nach Lee ein. Ziel sollte ein großer Radius sein. Damit dir das Board in dieser Phase nicht unkontrolliert steigt und das Foil den Kontakt zum Wasser verliert, versuche die Flughöhe bewusst niedrig zu halten. Dies gelingt, wenn du den Mast durch das Strecken des Mastarms konsequent weg vom Körper und nach vorne in Richtung Bug schiebst. Halte das Segel in dieser Phase mit der Segelhand bewusst geöffnet – dies ist einer der größten Unterschiede zur Powerhalse auf dem Windsurfbrett! Zögere diese Phase zu Beginn so lange hinaus, bis sich der Speed reduziert und dein Brett kontrolliert absetzt.

Ausleitungsphase: Nach dem kontrollierten Touchdown kannst du die Halse per Segelsteuerung zu Ende fahren – wer bei Leichtwind auf großen Boards sicher halsen kann, ist wie immer im Vorteil. Wechsle auf Vorwindkurs die Füße und neige das Segel mit dem Mast zum Wasser – das Brett dreht dadurch durch den Vorwindkurs weiter in die neue Fahrtrichtung. Auf neuem Raumwindkurs erfolgt das Segelschiften. Ziehe dir den Mast mit der Masthand nahe an den Körper und löse die Segelhand von der Gabel – das Rigg schlägt dann von alleine um. Hole auf der neuen Seite dicht und nimm wieder Fahrt auf.

Tipps zur Halse beim Foilsurfen gibt’s auch in diesem Clip: