Für Lisa Kloster ist gerade eine besondere Saison mit dem Europameistertitel zu Ende gegangen. Dabei stand ihr Start beim entscheidenden Tourstopp wegen einer Sehnenscheidenentzündung zunächst sogar auf der Kippe. Trotzdem hielt sie dem Druck stand und sicherte sich nach Platz zwei am Brouwersdam den Titel. Im Interview erzählt sie, wann sie wusste, dass das Ding durch ist, warum manche Moves Jahre brauchen – und weshalb Freundschaft und Konkurrenz für sie kein Widerspruch sind.
Ja, mit einem Sieg abzuschließen, wäre natürlich am coolsten gewesen. Aber ich bin auch so super happy mit dem Ergebnis. Besonders, weil ich mit einer Sehnenscheidenentzündung am Brouwersdam angekommen bin und tatsächlich überlegt hatte, gar nicht erst mitzufahren. Ich wollte es eigentlich nicht riskieren, dass sich das Ganze verschlimmert und ich dadurch meinen nächsten Trip gefährde. Deshalb habe ich die Hand vorher so gut es ging geschont und mit einem Zinkverband umwickelt.
Ich bin dann erst mal in meinen ersten Heat gegangen, um zu testen, wie gut es überhaupt funktioniert. Ich hatte schon Schmerzen, aber es ging. Also habe ich beschlossen, weiterzufahren, und gehofft, dass ich den Heilungsprozess nicht allzu sehr zurückwerfe. Vielleicht waren es deshalb auch nicht unbedingt die besten Heats meines Lebens, aber ich bin echt happy, dass ich trotzdem meine Scoresheets füllen und so konstant fahren konnte.
Vor dem Event hatte ich mir außerdem schon ein bisschen ausgerechnet, wie weit ich kommen musste, um den Titel zu holen. Živa (Batis, Anm. d. Red.) war im Ranking direkt hinter mir, und ich wusste ungefähr, welche Ergebnisse ich brauchte. Als die Single Elimination vorbei war, sah es schon ziemlich gut für mich aus. Als Bijou (Shahmirian, Anm. d Red.) dann Živa in der Double Elimination überholte, wurde es für mich entspannter. Und dann kam mein Heat gegen Bijou, den ich gewonnen habe. Da wusste ich: Jetzt ist das Ding durch. Ich war einfach nur happy und dachte: Geil, jetzt habe ich diesen Titel endlich in der Tasche!
Ein kleiner Gedanke an meine Hand war allerdings immer noch dabei: Hoffentlich habe ich es jetzt nicht komplett übertrieben. Aber bis jetzt sieht es zum Glück ganz okay aus.
Ich wollte es eigentlich nicht riskieren und hatte deshalb tatsächlich überlegt, gar nicht erst mitzufahren.
In Podersdorf habe ich mich tatsächlich ziemlich sicher gefühlt. Ich kam gerade aus einem richtig guten Wintertraining und war gut vorbereitet. Bei den Leichtwindbedingungen war eigentlich nur eine Frage in meinem Kopf: Sind mein Board und Segel groß genug, um ins Gleiten zu kommen? Ich hatte ein 4,8er Sailloft Air und meinen Starboard iGnite mit 87 Litern dabei. Da ich ein gutes Stück schwerer war als die anderen Fahrerinnen, ist das bei solchen Bedingungen immer ein Thema.
Ich glaube, dass mir bei diesem Event vor allem meine Erfahrung geholfen hat, auch bei wenig Wind konstant meine Scoresheets zu füllen. Natürlich hätte ich gerne meine neuen Power Moves gezeigt, aber dafür war einfach zu wenig Wind. Stattdessen musste ich mich auf das konzentrieren, was unter diesen Bedingungen funktioniert, und das hat ziemlich gut geklappt.
Am Brouwersdam war die Segelwahl echt schwierig. Mit den Regenfronten hat der Wind ständig gewechselt: von komplett underpowered mit dem großen Segel bis zum 3,6er-Segel und völlig overpowered. Ich habe deshalb oft eher zum größeren Segel gegriffen, weil man sich bei diesen Bedingungen nie ganz sicher sein konnte, was als Nächstes kommt.
Im wichtigen Heat gegen Bijou wollte ich unbedingt noch einen Skopu landen. Das Frustrierende war, dass ich den im Sommer bei einer Competition auf Karpathos schon richtig gut draufhatte und ihn dort eigentlich immer direkt im ersten Versuch sauber und mit ordentlich Power gelandet habe. Und jetzt brauchte ich plötzlich mehrere Anläufe. Da dachte ich mir schon: Wie kann das sein? Im Sommer zimmerst du das Ding in jedem Heat raus, und jetzt will es einfach nicht klappen?
Irgendwann habe ich mich tatsächlich gefragt, ob ich es überhaupt noch einmal probieren soll. Aber ich wusste, dass der Move bei mir eigentlich ziemlich sicher sitzt. Also dachte ich mir: Komm, bei so viel Wind ist das wahrscheinlich immer noch die bessere Option, als jetzt noch einen Switch Chachoo auszuprobieren. In den letzten Sekunden schaut man dann hauptsächlich auf die Uhr und überlegt, was taktisch noch am meisten Sinn ergibt. Dadurch, dass ich den Skopu öfter gecrasht hatte als normalerweise, war ich schon etwas unter Druck und habe die Heats doch ein bisschen zu hektisch gefahren.
Mit dem gelandeten Skopu war die Anspannung aber noch nicht vorbei. Die bleibt bei mir meistens, bis ich das Ergebnis kenne. Ich bin also zurück an Land gefahren, habe dort Elena gesehen und sie beim Raustragen gefragt: „Und, hat’s gereicht?“ Sie nur ganz trocken: „Ja, easy!“ Erst da ist die Anspannung wirklich abgefallen.
Ich hatte tatsächlich keine riesigen Tiefpunkte, bei denen ich grundsätzlich am Windsurfen oder an mir selbst gezweifelt habe. Ich liebe den Sport einfach zu sehr. Was mich manchmal eher fertig macht, ist, wenn ich einen neuen Move lernen möchte und sich über Jahre derselbe Fehler einschleicht. Beim Culo hat es bei mir bestimmt fünf Jahre gedauert, bis ich den endlich gelandet habe. Und gerade beim Burner habe ich ein bisschen Angst, dass mir das wieder passiert.
Es gab aber auch Momente, in denen ich mich gefragt habe, wie gut sich das Leben als Windsurf-Profi eigentlich mit dem Rest des Lebens vereinbaren lässt. Manche Tourstopps werden teilweise sehr kurzfristig angekündigt, und das macht die Planung schwierig, gerade wenn man nebenbei noch arbeiten, reisen und das Ganze irgendwie finanzieren muss. 2025 habe ich beispielsweise einen Tourstopp verpasst, weil ich es so kurzfristig nicht mehr hinbekommen habe, dorthin zu fliegen. Windsurfen an den schönsten Spots klingt natürlich nach einem Traum, aber die Reisen und das alles kurzfristig so zu organisieren, kann auch echt stressig und frustrierend sein.
Natürlich können einem auch Wettkämpfe Tiefpunkte bescheren. Was mir dabei hilft, ist, dass ich über die Jahre deutlich entspannter geworden bin. Mit 18 habe ich mir selbst unglaublich viel Druck gemacht, weil ich dachte, dass die Ergebnisse suuuuperwichtig sind. Heute bin ich immer noch ehrgeizig und will natürlich gewinnen, aber wenn mal etwas nicht perfekt läuft, ist das auch kein Weltuntergang. Dafür liebe ich Windsurfen einfach zu sehr. Und mehr tun, als alles zu geben, kann man ohnehin nicht.
Es gab Momente, in denen ich mich gefragt habe, wie gut sich das Leben als Windsurf-Profi eigentlich mit dem Rest des Lebens vereinbaren lässt.
Wie eben gesagt, habe ich für den Culo ungefähr fünf Jahre gebraucht … Ich glaube, das spricht schon sehr für einen frustrierenden Move. Umso schöner ist es, dass ich ihn echt konstant landen kann, seit der Knoten endlich geplatzt ist.
Besonders stolz bin ich aber auch auf meinen Kabikuchi. Ich finde, das ist einfach ein richtig stylischer Move. Letztes Jahr habe ich auf Naxos ewig daran herumprobiert, bis Leon Struppeck mir einen entscheidenden Tipp gegeben hat: Ich muss das Segel nicht nur dichtnehmen, sondern in der Luft auch nach hinten ziehen. Plötzlich hat es funktioniert, direkt zweimal hintereinander! Seitdem klappt er immer besser. Die nächste Herausforderung ist jetzt, den Kabikuchi auch bei schlechteren Bedingungen und im Wettkampf zu landen.
Beim Culo hat es bei mir bestimmt fünf Jahre gedauert, bis ich den endlich gelandet habe.
Ganz klar: 100 Prozent Starkwind! Das war schon immer mein Ding, seit ich als Kind in Leucate Windsurfen war. Ich liebe es einfach, wenn richtig Druck im Segel ist, man über das Wasser fliegt und bei jedem Move Druck und Power hat. Das fühlt sich für mich einfach am besten an.
Die boot-Halle ist natürlich trotzdem cool, gerade wegen des Publikums und der besonderen Stimmung. Außerdem erreicht man damit auch Leute, die sonst vielleicht gar nicht so viel mit Windsurfen zu tun haben. Aber wenn ich mir aussuchen kann, wo ich aufs Wasser gehe, nehme ich definitiv den Sturm. Je mehr Wind, desto besser!
Ich glaube, im Heat denke ich tatsächlich gar nicht so sehr darüber nach, dass ich gerade gegen Maaike fahre. Ich versuche einfach, meine bestmöglichen Scores zu fahren. Natürlich passe ich meine Trickauswahl ein bisschen an die Konkurrenz an, aber grundsätzlich konzentriere ich mich auf meine eigene Performance. Und klar will ich sie schlagen!
Ich glaube, psychologisch ist es für mich manchmal sogar ganz angenehm, eher die Underdog-Position zu haben. Natürlich bin ich ehrgeizig und will mich mit ihr messen, aber wenn sie am Ende den besseren Heat hatte, kann ich mich trotzdem für sie freuen. Und was mich richtig happy macht, ist, dass sie sich auch für mich freut.
Bei der Afterparty am Brouwersdam gab es zum Beispiel einen ziemlich wilden Moment: Maaike hatte T-Shirts mit meinem Namen, einem Bild von mir und der Aufschrift „Lisa Kloster – European Champion“ drucken lassen. Die hatten sie alle heimlich organisiert, verteilt und dann bei der Party angezogen. Ich wusste von nichts, und plötzlich haben alle ihre Pullis ausgezogen und standen in diesen Shirts vor mir. Mir hat es wirklich die Sprache verschlagen! Dass meine Konkurrentin solche T-Shirts drucken lässt, um meinen Titel zu feiern, sagt eigentlich alles über unsere Freundschaft.
Maaike hatte heimlich T-Shirts mit meinem Namen, einem Bild von mir und der Aufschrift „Lisa Kloster – European Champion“ drucken lassen.
Eigentlich hat sich da gar nicht so viel verändert. Natürlich bin ich mega happy, jetzt Europameisterin zu sein. Den Titel kann mir keiner mehr wegnehmen! Aber mein eigentliches Ziel ist immer noch, möglichst viel Zeit mit meinen Freunden an den geilsten Spots der Welt zu verbringen.
Competitions sind natürlich ein cooler zusätzlicher Anreiz, weil man sich messen und gegenseitig zu neuen Leistungen pushen kann. Aber ich möchte mir nicht den Druck machen, immer gewinnen zu müssen. Wir leben schließlich nur einmal, und ich will die Zeit auf dem Wasser genießen, anstatt ständig darüber nachzudenken, welches Ergebnis ich als Nächstes erreichen muss.
Für mich gibt es nichts Besseres, als gemeinsam neue Moves zu lernen, sich gegenseitig zu pushen und zwischendurch einfach eine gute Zeit zu haben. Wenn man dann endlich diesen einen neuen Trick landet und diesen Moment mit seinen Freunden teilen kann, ist das einfach JACKPOT!
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Redakteur surf
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