Gemeinsam etwas Neues ausprobieren – das klingt nach Abenteuer, aber auch nach einer Bewährungsprobe für die Beziehung. Wie viel Spaß macht es wirklich, als Paar eine neue Sportart zu lernen? Und was passiert, wenn einer von beiden deutlich schneller vorankommt als der andere?
Madeleine und Laurin wollten das zusammen ausprobieren und meldeten sich auf Sardinien für einen Wingfoil-Kurs an – statt im prominenten Porto Pollo im Norden zog es die beiden in den Nordosten nach Posada, 30 Autominuten vom Flughafen Olbia entfernt. Hier kommt ihr Erlebnisbericht.
Laurin: Wir liegen im Bett und ich habe Angst. Angst, dass das eine doofe Idee war. Denn natürlich war das Projekt, Wingfoilen im Urlaub zu lernen, meine Idee. Und Madeleine zieht nicht ganz mit. Klar, sie will nicht nein sagen, aber ich merke: Sie fühlt sich unter Druck gesetzt. Und aus irgendwelchen Gründen hat sie Angst, sich dämlich anzustellen. Meine Idee: Eine gemeinsame Sportart stärkt die Beziehung! Und weil wir bis auf Wandern und Gravelbiken keine gemeinsame haben, soll nun Wingfoilen her. Doch jetzt liegen wir im Bett, erzählen uns, was wir uns für den Urlaub vornehmen. Als ich sage, dass wir die ersten vier bis fünf Tage sowieso erst mal mit dem Wingfoil-Kurs beschäftigt sind, erkenne ich Unwillen auf ihrer Stirn. Oh oh!
Madeleine: Ich habe ja gesagt, ich probiere gerne neue Sportarten aus. Doch ich habe von Wingfoilen noch nie etwas gehört, bis Laurin mit dem Kurs um die Ecke kam. Ich will aktiv sein, möglichst viele unterschiedliche Dinge machen – wandern, ein Boot leihen, möglichst die schönsten Strände von Sardinien ansteuern – und nicht die Hälfte des Urlaubs mit etwas verbringen, von dem ich gar nicht weiß, ob es mir Spaß macht. Vier Tage. Vier Tage von zehn. Das ist fast die Hälfte. Und ich liege hier und denke: Warum habe ich nicht einfach nein gesagt? Aber ich will auch kein Spielverderber sein. Laurin ist so motiviert. Vielleicht wird's ja cool. Vielleicht. Aber gerade jetzt, kurz vorm Einschlafen, habe ich eher das Gefühl: Das wird anstrengend.
Madeleine: Ich bin nervös. Nicht wegen des Winds oder des Wassers, sondern weil Laurin neben mir steht. Der lernt vermeintlich alles schneller. Und hat Vorerfahrung mit dem Kiten. Das macht mich kirre. Was mich beruhigt: Es sind noch zwei weitere Newbies dabei, das Berliner Pärchen Annika und Steffen. Irgendwie entspannt mich der Fakt mental, dass eine Frau dabei ist. Wir starten mit den Basics: Wie aufpumpen? Wie in den Wind halten? Was sind die ersten Steps? Dann geht's raus aufs Wasser. Mit einem riesigen Board. Und da wird mir klar: Schaut leichter aus, als es ist. Schon der kleinste Windstoß, die kleinste Handbewegung hat so einen krassen Impact auf den Wing. Es ist anstrengend, immer wieder aufs Board zu klettern. Gut, dass ich einen Neoprenanzug anhabe, sonst wären die Knie wund. Wenn ich dann endlich stehe, bin ich erst mal stolz. Vor allem, wenn ich es schaffe, nicht direkt zurück zum Strand zu treiben, sondern eine Weile geradeaus zu fahren.
Laurin: Auf dem Wasser sieht das dann sehr einfach aus mit diesen großen Boards und den zwei großen Schwertern, um Höhe zu laufen. Ist mir dann doch nicht so gut gelungen wie gedacht. Beim allerersten Mal laufe ich ein bisschen Höhe, danach funktioniert es ewig nicht mehr. Nach zweieinhalb Stunden habe ich mir mehr erhofft. Klar, super wäre gewesen, wenn ich zumindest Höhe halten könnte. Aber – nope. Der Wind droppt, das hilft nicht. Ich bin gespannt auf morgen. Und aufs Foil – das ist, glaube ich, echt noch mal ein großer Step. Wenn das dann rauskommt, ist das bestimmt eine komplett andere Sache als mit diesen Kreuzern rumzushippern.
Madeleine: Heute ist viel besser! Mehr Wind – das gibt automatisch Auftrieb. Die kleinen Anweisungen von Alex, unserem Instructor, machen plötzlich Sinn. Ich kann sie umsetzen. Die Zeit verfliegt. Es bockt, sich gegenseitig auf dem Board zu sehen, wenn man fährt. Das ist cool. Laurin ist tendenziell einen Tick besser als ich – aber das ist okay. Das hatte ich erwartet. Es fühlt sich gut an, heute auf dem Board zu stehen, ein bisschen lenken zu können, ein bisschen Höhe zu gewinnen. So ein kleiner Erfolgsmoment. Nicht nur wir sind auf dem Wasser, sondern auch Kiter. Und ich muss sagen: Ich finde Kiten sehr sexy. Vielleicht sollte ich das lieber lernen.
Laurin: Der Wind lässt uns ein bisschen im Stich, dennoch probieren wir heute die kleineren Boards. Erst Steffen und ich, später auch Madeleine und Annika. Mich freut's, dass Madeleine gut zurechtkommt und so schnell lernt. Wir liegen nicht weit auseinander. Sie macht sogar eine Halse! Das kleine Board ist wendiger, da fällt die Halse leichter. Alex sagt, man soll die Spitze nicht ins Lee, sondern in den Wind stellen. So hat's Madeleine gemacht. Ich habe es zweimal versucht – nur halb gelungen. Coach Alex meint, so macht man's dann auch mit dem Foil. Das Warum vergesse ich zu fragen. Die Stimmung zwischen mir und ihr ist gut. Madeleine ist happy – das ist mir wichtig. Insgeheim hatte ich Angst, dass sie sich schwertut und damit auch Frustration aufkommt. Und ich wäre dann der Buhmann gewesen – zu Recht vermutlich. Doch das sind alles Konjunktiv-Gedanken. Es läuft. Das ist gut.
Madeleine: Der Morgen startet bescheiden. Wir machen eine kleine Wanderung bei gefühlt 45 Grad ohne Schatten, ich kämpfe mit der Hitze, habe einen kurzen Mad-Moment. Bin mir unsicher, ob ich nach der Anstrengung in den Bergen heute Kraft für unseren Kurs habe. Oder ob meine Demotivation überwiegt. Aber dann – tatsächlich wird heute mein bester Tag! Annika und ich starten allein raus. Und ich habe plötzlich das Gefühl, dass ich das Thema Wind und all diese Theorie besser verstehe und umsetzen kann als in den ersten zwei Tagen. Ich hole mir noch mal Input von Coach Alex. Manchmal bin ich verkopft, ja. Aber heute kann ich vieles gut umsetzen. Und dann schaffe ich es: zum ersten Mal fahre ich komplett einen Loop! Rechte Seite, ein Turn auf dem Board ohne runterzufallen, dann wieder komplett nach links. Das fühlt sich richtig gut an. So ein kleiner Glanzmoment. Ich bin stolz, dass ich das durchgezogen habe, trotz unerwarteter Anfangsdemotivation. Ich bin auch happy, dass Laurin mir zusehen kann.
Laurin: Die Mädels starten mit den kleinen Boards raus, wir warten noch, schauen zu. Mich erleichtert es, dass es bei Madeleine gut klappt. Sie macht gute Halsen, gewinnt an Höhe. Ja, das ist erleichternd, dass sie Spaß hat. Dennoch meine ich, den ein oder anderen Fehler bei ihr zu beobachten, und weil Coach Alex gerade mit Annika beschäftigt ist, rufe ich ihr zu und korrigiere – und bereue es im gleichen Moment. Denn ich will eben keiner dieser Typen sein, der meint, er könnte Coach spielen – schließlich bin ich ja auch Rookie. Steffen geht's ähnlich. Wir geben uns recht, wollen ab sofort den Mund halten. Stattdessen bauen wir das Foil auf. Ich mache mir Hoffnung, heute ein bisschen aufs Foil zu kommen – „Anfoilen” nennt Coach Alex das Ziel für heute. Aber – nichts. Ich fahre einfach nur hin und her. Das Board mit weniger Volumen ist ganz schön kippelig, geht aber. Sobald ich an die Mittelstruts des Wings greife, verliere ich enorm an Höhe. Das Pumpen funktioniert auch nicht gut. Drei, vier Knoten mehr, bitte! Irgendwann sagt Alex, es hat keinen Sinn mehr, weil der Wind gedroppt ist. Ich sehe die Kiter und denke insgeheim: Ich hätte mehr Bock, mir kurz den Kite an das Trapez zu hängen und zu kiten. Ich habe mir mehr erhofft. Aber die Bedingungen haben nicht gepasst. Das ist Windsport.
Madeleine: Es ist gut, mit Annika zu fahren. Annika und ich sind auf demselben Niveau, Laurin und Steffen auch. Das nimmt Druck raus. Man hat nicht das Gefühl, jemanden von irgendwas abzuhalten. Es ist schön, ein paar lustige Momente zu haben, gemeinsam zu leiden, wenn man zum gefühlt 5000. Mal vom Board fällt. Das zu teilen und sich gegenseitig zu motivieren. Und dann draußen zu sitzen und den Jungs zuzuschauen.
Laurin: Vierter und letzter Tag – heute steht wieder „anfoilen” auf dem Plan. Der Wind müsste reichen. Erst mal funktioniert's ganz gut, aber das „anfoilen” kriege ich mit Pumpen nicht hin. Alex gibt mir Tipps, ich soll weiter vorgehen. Und dann – irgendwann klappt's! Mit Pumpen, mit den Beinen, mit dem Schirm – mit allem, was ich habe. Und dann ist es da – das Foil-Feeling, wenn auch nur kurz. Alles wird leicht, locker, als würde auf einmal die Servolenkung einsetzen. Doch auch super nervös – die Steuerung reagiert sensibel, und schon bin ich wieder unten. Kurze Geschichte – aber schöne Geschichte. Einmal komme ich so ein bisschen hoch, spüre keinen großen Effekt, muss visuell checken – ja, ich bin ein bisschen oben. Dann wieder richtig hoch! Kurz. Fünf Sekunden. Maximal. Insgesamt vielleicht zehn Sekunden. Aber: genug Blut geleckt! Ich will das jetzt lernen, länger draufbleiben. Die restlichen 45 Minuten sind eher ein Kampf. End of story. Achteinhalb Stunden sind vorbei. Zwar hätten wir noch weitere 1,5 Stunden, doch der Wind ist weg.
Madeleine: Mein Resümee: Kiten finde ich sexier als Wingen. Aber beim Wingfoilen sieht man innerhalb von wenigen Tagen Erfolge – das motiviert. So ein kleines Erfolgserlebnis, das man in jedem Alter machen kann. Als Paar ist es cool, wenn man abends berichtet. Ein schönes Paarerlebnis irgendwie. Ich würde es gerne weiterprobieren, vielleicht auf dem See. Vielleicht werde ich doch noch zu Wingfoilerin.
Laurin: Ich will das natürlich jetzt lernen. Mit den kurzen Foil-Momenten will ich mich nicht zufrieden geben. Ob ich empfehlen kann, einen Kurs zusammen mit seiner Freundin zu machen? Ja, doch das Ganze steht und fällt mit dem Fortschritt und der Frustrationstoleranz – und nicht zuletzt mit dem Wind.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.