WintersurfenSo findet ihr den richtigen Neoprenanzug

Manuel Vogel

 · 29.11.2022

Wintersurfen: So findet ihr den richtigen NeoprenanzugFoto: Frithjof Blaasch
Test 2019: Winterneopren

„Unter zehn Grad geh‘ ich nicht mehr Surfen“ – wer das sagt, hat vermutlich noch nie einen guten Winterneo ausprobiert. Wir zeigen euch, was ein guter Surfanzug für den Winter braucht, damit eure Surfsaison später enden oder früher beginnen kann.

Zuletzt haben wir im Winter 2018 einen großen Test von Winter-Neos durchgeführt (Heft 1-2/2019). Den Test haben wir an mehreren Novembertagen auf Nord- und Ostsee durchgeführt, bei Temperaturen zwischen zwei und zehn Grad Celsius und Wind zwischen 20 und 30 Knoten. Das Fazit: Alle Modelle sind grundsätzlich für Sessions bis hinunter zum Gefrierpunkt geeignet - wenn man einige Punkte beachtet. Wie ihr einen warmen Winter-Neo finden könnt, verraten wir hier!

Viele Modelle von damals sind inzwischen weiterentwickelt worden, der nächste Vergleich ist aber bereits in Vorbereitung. Sobald erste Ergebnisse und Eindrücke vorliegen, zeigen wir euch die neuesten Modelle hier auf surf-magazin.de!

Verlagssonderveröffentlichung

Winterneos: Was wärmt wirklich?

Vor vielen Jahren haben wir die Wärmeisolierung von Neos in der Kältekammer des Outdoorhändlers Globetrotter getestet. Heraus kamen damals, neben einer fetten Grippe des Redakteurs, schöne bunte Aufnahmen von Wärmebildkameras, die aber nicht unbedingt die Erfahrungen der Praxis widerspiegelten. Denn mehr noch als die theoretischen Laborwerte entscheidet im Wintereissatz die Dichtigkeit von Nähten und Einstieg über die empfundene Wärmeisolierung eines Neos. Unserer Praxiserfahrung nach sind Winterneos dann warm, wenn folgende Faktoren zusammenkommen:

Dickes Neopren

Viel hilft viel, so einfach ist das. Offiziell hatten alle angeforderten Testmodelle 2018 sechs Millimeter Neoprenstärke am Rumpf. Darüber wie großflächig das dicke Material tatsächlich eingesetzt wird und wo Kältebrücken lauern, sagt die Herstellerangabe freilich nichts aus. Wir haben daher die Dicke aller Neos an verschiedenen Stellen nachgemessen – mit durchaus abweichenden Ergebnissen. Vergleichen oder nachmessen ist also sinnvoll! Viele Surfshops haben dafür ein Dicken-Messgerät.

Wie dick ist das Neopren wirklich? Wie gut dichtet die Halsmanschette ab?Foto: Oliver Maier
Wie dick ist das Neopren wirklich? Wie gut dichtet die Halsmanschette ab?

Qualität und Art des Neoprens

Der überwiegende Anteil der Anzüge besteht aus kaschiertem Neopren – eine Beschichtung aus Nylon bildet hier die Oberfläche. Diese Schicht macht die Anzüge robust gegen Abrieb und Finnenkontakt, erhöht aber auch die Verdunstungskälte. Aus diesem Grund verwendeten Marken wie RRD, XCEL, O‘Neill, Patagonia und NeilPryde im Rumpf-, teilweise auch im Kopfbereich, im 2018er Test noch Glatthautneopren. In den letzten Jahren wird kaschiertes Neopren nahezu flächendeckend verwendet, denn die verbesserte Isolierung durch Innenbeschichtungen macht den Kälteverlust nahezu wett.

Stramme Abschlüsse

Der dickste Neo mit den besten Laborwerten bringt in der Praxis nichts, wenn die Eisbrühe beim ersten Sturz an Haube, Armabschlüssen oder Einstiegsluke reinläuft und kostbare Körperwärme abzapft. Sinnvoll ist auf jeden Fall ein Zugband an der Haube, damit diese bei Stürzen nicht als Einfülltrichter fungiert. Ebenfalls mit Zugbändern werden durchweg alle Brustmanschetten ausgestattet. Ob das im Zweifel Wasser draußen hält, liegt aber auch daran, wie gut die darunter liegende Einstiegsöffnung von der darüber liegenden Brustmanschette abgedeckt wird. Der Preis dafür ist dann eine etwas engere Öffnung zum Einsteigen.

Die Abschlüsse sollten gut sitzen, an der Haube ist ein Gummizug sehr sinnvoll.Foto: Oliver Maier
Die Abschlüsse sollten gut sitzen, an der Haube ist ein Gummizug sehr sinnvoll.

Hochwertige Fütterung

Liest man die Produktinfos der Hersteller, wähnt man Raketentechnologie in den Neos. Mindestens. Fakt ist: Egal ob Celliant (XCEL) Plasma Plush (ION) oder Air Firewall (O‘Neill), die Thermobeschichtungen erfüllen ihren Zweck und erhöhen nebenbei noch den Tragekomfort. Großflächig verwendet werden Kuschelplüsch oder sonstige Thermofutter eigentlich überall.

Das Innenfutter trägt erheblich zur Wärme-Wirkung bei und erhöht den TragekomfortFoto: Oliver Maier
Das Innenfutter trägt erheblich zur Wärme-Wirkung bei und erhöht den Tragekomfort

Welche Größe bei Neoprenanzügen?

Wir hatten für unseren Test 2018 alle Neos auf Basis der Größenempfehlung der jeweiligen Marken bestellt – so, wie jeder Kunde eines Online-Shops auch vorgehen würde. Eines vorweg: Man hat nicht die „eine“ Größe. Beispiel gefällig? Unser 1,91 Meter großer und 90 Kilo schwerer Redakteur hatte mal Zwischengröße LT, mal XL. Unsere Testerin Steffi Wahl bekam nach Übermittlung ihrer Maße von vier verschiedenen Marken vier Größen wie 38, 8, 8T und 12 zugesendet. Wer also etwa Größe M bei Marke A bestellt, weil ihm diese schon immer bei Marke B gepasst hat, liegt oft völlig daneben.

Ideal ist es natürlich, die Neos vor dem Kauf im Shop anzuprobieren. Wer diese Möglichkeit nicht hat, der kann sich auf die Größentabellen der Hersteller weitgehend verlassen. Wichtig ist in jedem Fall: Da sich Neos nach den ersten Sessions etwas weiten, sollten Winterneos beim ersten Anziehen stramm sitzen und an Beinen, Armen, Haube und Einstieg gut abschließen.

Was ist bei Neoprenanzügen für Frauen zu beachten?

Die Auswahl an Winterneos für Frauen ist zwar kleiner, aber nicht minder interessant. Auch für unsere Testerin Steffi Wahl, die mit Sicherheit zu den erfahrensten Wintersurferinnen der Republik gehört, war der Neoprentest damals etwas Besonderes: „Sobald mir kalt wird, habe ich überhaupt keine Lust mehr zu surfen, also will ich den wärmsten Neoprenanzug haben, den ich bekommen kann. Dadurch ist für mich auch bei unter Null Grad noch nicht zwangsläufig Schluss, die Bedingungen und das Licht sind im Winter einzigartig.“ Steffis Tipp: „Winterneos sollten auf jeden Fall beim ersten Anprobieren stramm sitzen, denn sie weiten sich mit der Zeit etwas. Wenn zu Beginn schon etwas Luft ist, läuft nach einigen Sessions das Wasser in den Neo und der Kälteschutz ist nicht optimal.“

Bezüglich der Features stehen die Frauenneos denen für Männer meist in keinster Weise nach: Kuschelige Innenfutter, abgedichtete Nähte und ultraflexible Neoprenmaterialien gehören zum Standard.

Fazit

Kommen alle Faktoren zusammen, erlauben moderne Neos durchaus Sessions rund um den Gefrierpunkt. Die angegebenen Temperaturempfehlungen sind jedoch allenfalls als grobe Orientierung zu verstehen, denn das subjektive Kälteempfinden hängt von Geschlecht, Fitnesszustand, Fahrkönnen, Konstitution und natürlich den Faktoren Windstärke und Wassertemperatur ab. Natürlich bringt auch der beste Neo nichts, wenn man schon durchgefroren am Spot ankommt – also packt euch schon vorher warm ein!


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