Redaktion

Workshop: Brettreparatur

  • Manuel Vogel
14.10.2018

Wenn nach dem Schleudersturz die Brettnase an dir vorbeischwimmt oder das Deck so weich geworden ist wie eine Kinderhüpfburg, lässt man – keine Frage – besser Profis ran. Doch viele kleine Reparaturen kann man bedenkenlos selber machen. Wir zeigen euch, wie’s geht..

Baustelle Brett: Help yourself...

Brettreparaturen sind kein Hexenwerk, trotzdem gibt es Bereiche am Board, die man besser dem Fachmann überlässt. Dies ist der Fall: Bei weichen Stellen oder Beschädigungen im Standbereich, bei Rissen oder weichen Stellen unter den Pads, an den Rails unter den Pads, sowie an Mastspur oder Finnenkästen. Bbei großen Beschädigungen, bei denen der Styroporkern beschädigt wurde und natürlich wenn die Optik perfekt werden soll.

Laminieren oder Schnellreparatur?

Entscheidend für die Haltbarkeit ist immer das Gewebe, nie der verwendete Klebstoff. Daher gilt: Bei kleinen Löchern und Macken reicht eine Schnellreparatur (Materialien siehe unten), größere Risse im Gewebe sollte man besser laminieren. Ideal für Gelegenheitsreparaturen  oder zum Verreisen sind Komplett-Sets wie das "Rigo Epoxy Reparaturset" oder das "Big Ding Epoxy Repair Kit". Erhältlich sind diese Sets in vielen (Online-) Surfshops und unter www.bacuplast.de

Die Polyester-Falle

Es gibt Reparatursets für Polyester und Epoxy zu kaufen. Windsurfboards werden mit Epoxy-Harz laminiert, Boote oder Kayaks oft mit Polyester-Harz. Polyester ist etwas spröder und härtet schneller aus, greift aber die Schaumkerne von Surfboards an, was dazu führen kann, dass man hinterher ein größeres Loch im Brett hat als vorher. Daher sollte man immer auf Epoxy-Harze setzen!

Was brauche ich sonst noch?

Die erwähnten Sets beinhalten Schleifpapier, Gummihandschuhe, Harztopf, Pinsel, Glasfasermatten sowie Epoxy-Harz und Härter. Zusätzlich brauchst du Schere, Tücher, ein scharfes (!) Cuttermesser und – im Idealfall – einen Akkuschrauber mit Rundschleifer. 

Harz und Härter anmischen – was ist wichtig?

Erst wenn alles vorbereitet ist, wird angemischt. Wichtig: Genaues Mischverhältnis beachten! Auch bei kleinen Reparaturen besser etwas mehr Harz anmischen, je größer das Gesamtvolumen, desto weniger fallen Mischungenauigkeiten ins Gewicht. Sobald du Harz und Härter mischst, tickt die Uhr. Die Aushärtezeit von Epoxy hängt von der Umgebungstemperatur ab, je wärmer es ist, desto weniger Zeit bleibt dir. Bei Raumtemperatur ist Epoxy etwa 30 Minuten bis eine Stunde verarbeitbar, deshalb empfiehlt es sich vor dem Anmischen des Harzes schon mal drei bis vier Lagen Glasmatten in großzügige, rechteckige Stücke zu schneiden.

Die perfekte Kombination für unseren Workshop – Oli Schott aus Kiel ist als Bootsbauer Experte für sämtliche Materialien, seit vielen Jahren Top Ten im Deutschen Windsurf-Cup unterwegs und hat schon unzählige Bretter repariert.

Wenn ihr alles vorbereitet habt, könnt ihr euch ans Laminieren machen. Die einzelnen Schritte findet ihr in der folgenden Bildergalerie:

Olis Experten-Tipp: "Bei der Reaktion von Epoxy-Harz mit Härter wird viel Wärme frei. Benutze daher für das Gemisch einen Topf mit großer Oberfläche, damit die Wärme abgegeben werden kann und dir das Harz-Härter-Gemisch nicht schon bei der Bearbeitung hart wird." 

Wie bekommt man ein schönes Finish hin? Die Reparaturstelle (Bild 12) ist noch zu rau, um sie optisch ansprechend zu lackieren. Wer sein Brett auch optisch wieder aufwerten möchte, kann daher abschließend eine dünne Lage Epoxy-Spachtel (z.B. M2 Epoxy Spachtel) auftragen, aushärten lassen und nochmals schleifen. Die groben Poren des Glasgewebes sind dann verschlossen und geglättet. Anschließend kann man entlang der Reparaturstelle abkleben und mit einer Dose Autolack in mehreren Schichten vorsichtig ein farblich passendes Finish auftragen.

Schnellreparaturen

Nicht immer muss man laminieren – kleine Köcher kann man bedenkenlos mit folgenden Materialien flicken. Welche Vor- und Nachteile die einzelnen Produkte haben und welche vor dem nächsten Trip unbedingt mit ins Boardbag sollten, erfahrt ihr jetzt:

Reparatur-Sets fürs Surfbrett: Wenn's mal schnell gehen muss...

Olis Experten-Tipp: "Wenn du aus dem kalten Wasser kommst, dehnt sich die Luft im Brett aufgrund der Erwärmung aus und drückt nach außen, das Reparaturmaterial löst sich wieder. Daher gilt: Lüftungsschraube auf und Reparatur im Schatten durchführen. Wenn der Unterschied zwischen Luft- und Wassertemperatur sehr groß ist, sollte man dem Brett 60 Minuten Zeit geben, um den Druckunterschied auszugleichen."

Gruppe 1: Zwei-Komponenten-Kits

Ding Stick (ohne Bild), Session Saver (2), Tekkno Stick (1) oder Gumball (3) – viele Namen, hinter denen sich das Gleiche versteckt: Ein Zwei-Komponenten-Kit von dem man ein Stück abschneidet, dieses verknetet bis die Masse weiß wird und damit die Stelle abdichtet. Wichtig: Zuvor anschleifen und Finger etwas anfeuchten! + Mischungsverhältnis automatisch richtig + härtet auch im Wasser aus + unabhängig von UV-Strahlung + schnell trocknend (etwa 15 Minuten) + kein Schleifen nötig – bei Kälte längere Trocknungsdauer – bei flächigen Reparaturen wenig dauerhaft. Bezugsquelle: In quasi jedem Surfshop surf-Fazit: Dort, wo man nicht immer auf Sonne setzen kann, unverzichtbar!

Gruppe 2: UV-härtende Materialien

Solarez (4/5), Dura Rez (6) und das Phix Doctor Set (7) basieren auf UV-härtendem Epoxy. Das Phix Doctor Set hat zusätzlich Glasmatten und Zubehör für größere Reparaturen dabei. Stelle trocknen, anschleifen und Material im Schatten auftragen. Die Harze sind mit Microballoons – einem Füllstoff aus kleinen Glasfaser-Schnipseln – versetzt, das Harz kann mit mitgelieferten Folien glattgezogen werden (kaum nachschleifen nötig). Erst dann der Sonne aussetzen. + innerhalb kürzester Zeit hart (2-5 Min. bei direkter Sonneneinstahlung) + Temperatur-unabhängig + taugt auch zum Verfüllen tiefer Löcher, die abschließend laminiert werden sollen + dauerhafte Reparatur – bei mäßiger Sonneneinstrahlung oft stark verzögertes Aushärten Bezugsquelle: Im Surfshop oder unter www.freestyleworld.de

surf-Fazit: Bei Reisen in den Süden die beste Wahl! Als Ergänzung taugt ein Zwei-Komponenten-Kit perfekt.

Gruppe 3: Weitere Klebematerialien

Tear Aid (8): PVC-Klebefolie, die – laut Herstellerangabe – auch für Surfboards geeignet sein soll. Stelle anschleifen, mit den beigelegten Alkoholtüchern entfetten, aufkleben, fertig! + unabhängig von Sonne & Temperatur - wenig dauerhaft im Unterwasserschiff und auf dem Deck (Standlack) - bringt keine Festigkeit. Bezugsquelle: www.tt-project.com

surf-Fazit: Weniger empfehlenswert für Surfbretter, gut für aufblasbare SUPs.

Sekundenkleber (9), zum Beispiel von Conrad: Reagiert innerhalb von Sekunden durch die Feuchtigkeit der Luft. Für kleine Haarrisse pur, ansonsten in Verbindung mit "Füllstoff für Sekundenkleber" verwenden. + extrem schnell + unabhängig von Sonne und Temperatur – Vorsicht bei tiefen Löchern: Bei Kontakt mit dem Schaumkern löst es diesen auf. Bezugsquelle: Baumarkt & Modellbau surf-Fazit: Allzweckwaffe für Haarrisse

Gruppe 4: Epoxy-Spachtel

M2-Epoxy Spachtel (10) und Härter im Verhältnis 2:1 anmischen, Stelle überspachteln (perfekt sind alte EC-Karten) und aushärten lassen. + gut schleifbar und überlackierbar - bei Kälte längere Trocknungsdauer – bei flächigen Reparaturen nicht dauerhaft Bezugsquelle: Surfshops & www.ascan.info

surf-Fazit: Eigentlich nur zum Finishen gut geeignet, unterm Strich aber zu umständlich!

Gehört in jedes Bücherregal: Die Reparatur- und Selbstbaufibel von Bacuplast www.bacuplast.de

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