Egal ob du der Typ Homo Surficus Brutalis bist, der die Finne für einen geeigneten Erdnagel hält, den man zur Materialsicherung in den Sand rammt. Oder ob du als Finnen-Flüsterer schon im hüfttiefen Wasser ein gepolstertes Futteral hervorzauberst. Eins ist sicher: Eine zusätzliche Finne lohnt sich für jeden. Wir konnten in zwei JP Supersport 122 mit identischen 7,0er Segeln die 44er G10-Serienfinne gegen eine Handvoll Tuning-Finnen testen. Der Neusiedlersee hatte kurzfristig eine gute Prognose – und dann tatsächlich zwei Tage nahezu nonstop geliefert: Für 7,0 immer mit Druck und oft auch nahe am Limit. Alle Runs zwischen 50 und 56 km/h mit der camberlosen Freeracemotorisierung – das spricht für richtig solide Freeracebedingungen. So hatten wir uns das für den Test vorgestellt. Denn dass die Serienfinnen bei fast allen Freeraceboards mit 7,5er Segel und normal angepowert gut passen, war aus dem Boardtest bekannt. Wir wollten aber wissen, ob sich der Einsatzbereich nach oben merklich vergrößern lässt.
Die Serienfinnen sind bei nahezu allen Boards passend zu eher größeren Segeln dimensioniert. Nimmt man den aktuellen surf-Test der Freeraceboards als Referenz, findet man überwiegend Finnen zwischen 42 und 44 Zentimeter Länge. Einige Boards fliegen naturgemäß freier, andere gleiten satter: Die ausgewählten Finnen lieferten immer den optimalen Lift fürs 7,7er Segel. Angepowert mit 7,0 sollte da aber noch mehr herauszuholen sein – so war die Vermutung beim Boardtest. Genau das haben wir ausprobiert: Mit der Serienfinne lief auch bei diesem Test alles gut, solange die 7,0er Segel sich im unteren bis mittleren Windbereich bewegten. Gut angepowert und ab etwa 45 km/h im Kabbelwasser geriet der bis dahin sehr ausgewogen-stabile Trimm zunehmend ins Schlingern. Das Board will dann mit zunehmender Geschwindigkeit mit festem Fußdruck geführt werden. Vor allem im Kabbelwasser und bei seitlichen Wellen verlangen die Rollbewegungen und das leichte Tänzeln des Bugs viel Aufmerksamkeit. Da bleiben weniger Nerven für den letzten Topspeed-Kick-Down.
Wir waren beeindruckt, wie viel eine um vier Zentimeter kürzere Finne bewirken kann. Die Charakteristiken unterscheiden sich dabei deutlich und je nach Boardtyp – ob eher frei fliegend oder eher satter und stabiler gleitend – gibt es Favoriten. Im Extremfall, wie bei der MS-Fins X7 für 310 Euro, bekommst du plötzlich ein frei fliegendes Board, das die Wasseroberfläche kaum noch touchiert aber dennoch extrem stabil um alle Achsen bleibt. Hier weiß man nicht, was man mit gezieltem Fußdruck besser machen könnte. So fühlt sich maximale Sicherheit an, die dann auch maximalen Speed erst möglich macht. Auch die Select Super-fast sorgt für absolute Ruhe im Board, ist vor allem auf Raumwindkursen extrem schnell unterwegs und perfekt für sehr leichtfüßige Freerace- und Slalomboards. Die besonders dünne Maui Ulta Fin begeisterte im Test mit Speed und Kontrolle und sehr ausgewogenem Verhältnis aus wenig Widerstand und dennoch etwas Lift. Mega Kontrolle bietet auch die günstige Gun-Finne und die Finne von Patrik entspricht der JP-Serienfinne im Charakter nahezu eins zu eins und bietet eine gute Ergänzung für höheren Speed und ebenfalls bessere Kontrolle. Egal, welchen Einsatz du also hinblätterst, bei diesem Finnen-Roulette gibt es nur Gewinner.
Die GunSails-Finne beweist, dass auch die preiswerteste Tuning-Finne richtig gute Dienste leistet und eine sinnvolle Ergänzung in der Surftasche ist. Im Vergleich zur größeren Serienfinne hält der robuste G10-Stachel das Board um die Längsachse sehr ruhig und dabei ausreichend frei. Voll reinsteigen und Segel dichtknallen – kein Problem. Der (geringfügig) höhere Fahrwiderstand im Vergleich zu den zwei Carbon-Konkurrenten und auch zur Maui Ultra Fin erfordert etwas mehr Power und deren letztes Quäntchen Topspeed erreicht man nicht ganz. Zur 44er Serienfinne verbessert sich aber auch der Speed ab mittlerem Windbereich messbar. Und das neue Fahrgefühl, vor allem die gefühlte Sicherheit in starken Böen, spielt mindestens eine Klasse höher und erweitert den Einsatzbereich und Fahrspaß bei Starkwind deutlich.
Der Ferrari-rote Stachel aus geschliffenem GFK liegt mit dünnem Profil, scharfer Hinterkante und schlanker Outline wie ein Dolch in der Hand. Der Kopf sitzt stramm, aber passgenau abschließend in die Box. Im Duell gegen die Serienfinne bringt man das Board beim Angleiten nicht so schnell „auf die Finne“. Bei Druck im Segel gibt‘s dann aber schon im mittleren Windbereich kein Halten mehr und die 40er MUF fährt dem großen JP-Säbel nach Belieben um die Ohren – mit leichter Sounduntermalung. Der Mix aus geringem Fahrwiderstand und dennoch genügend Lift sorgt für eine einerseits sehr stabile, aber auch freie Gleitlage, die auf allen Kursen super ausgetrimmt wirkt: frei genug für tiefe Raumwindkurse und ausreichend Gegenhalt für den Amwindkurs. Die Finne bietet deutlich bessere Kontrolle, Speed und Fahrspaß.
Select schickt mit der Superfast 394 Gramm feinstes Hochgeschwindigkeitscarbon ins Rennen. Die dünne Finne ist natürlich nicht so robust wie die vergleichsweise massiv wirkenden G-10-Bolzen, dafür schön leicht und besonders edel im Finish. „Super fast“ wird die Finne vor allem auf tiefen Raumwindkursen bei ordentlich Zug im System. Das Board rollt nicht, steigt nicht und die Finne verträgt maximalen Druck tadellos und wirkt sehr leicht am Fuß. Im Vergleich erzeugt die Superfast etwas weniger Lift. Das heißt, das JP-Board läuft etwas flacher, was auf Amwindkursen geringfügig Leistung kostet, und in Windlöchern muss das Board etwas aktiver auf die Kante gestellt werden. Zu naturgemäß freier und quirliger gleitenden Boards (Freerace und Slalom-Race) als der recht brave JP passt so eine Charakteristik aber hervorragend.
Die G-10-Finne von Patrik ist ebenso robust wie die Serienfinne und daher bestens für Surfer geeignet, die nicht permanent mit dem Finnencover Gassi gehen, sondern das Board auch mal auf der Finne parken. Neben der Bauweise ähnelt die Finnencharakteristik ebenfalls der Serienfinne, nur in klein. Mit der P-Race rollt der Board weniger, steigt in Böen weniger, ermöglicht auf jeden Fall besseren Topspeed und hat nebenbei noch guten Lift für den unteren Windbereich und zum Höhepressen anzubieten. Die herausragende Laufruhe und überragende Kontrollierbarkeit im angepowerten Windbereich, wie bei den anderen vier Finnen, erreicht die G-10-Finne allerdings nicht ganz. Du gewinnst dennoch, zu einem moderaten Preis, auf jeden Fall an Speed und verbesserst die Laufruhe und Kontrollierbarkeit spürbar.
Die handgefertigte Carbonfinne sitzt mit feinster Passung in der Box und zeigt sich in makellosem matten Finish. Ohne übertrieben schlanke Outline, aber recht dünn und mit ernst zu nehmend scharfer Hinterkante. Und die MS liegt in diesem Feld in jedem Punkt vorne. Minimaler Widerstand vom Angleiten bis zum Topspeed, die Gleitlage des Boards wirkt damit smoother als Michael Jacksons Moon Walk. Im Angleiten und Beschleunigen kann die Serienfinne noch mithalten, doch bereits ab mittlerem Wind zieht die MS-Finne dann solide weg. Selbst in den stärksten Böen des wirklich kernigen Testtages bleibt das Board extrem ruhig, in perfekter Gleitlage, rollt nicht und steigt nicht. Hier spürt man noch deutlicher als bei den anderen, ebenfalls guten Finnen, was eine Carbon-Race-Finne aus einem Board herausholt.
* je nach Länge in Powerbox, Tuttle und/oder Deep Tuttle ** je nach Länge in Tuttle und/oder Deep Tuttle
| Gleiten | Speed Mittelwind | Topspeed | Kontrolle | |
| Maui Ultra Fins | 0 | + | ++ | ++ |
| GunSails | 0 | + | + | ++ |
| MS-Fins | + | ++ | ++ | +++ |
| Select | 0 | + | ++ | +++ |
| Patrik | + | + | + | + |
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.