Diese Freeraceboards sind im Test dabei:
Für entspanntes Gleiten, für guten Speed ohne Stress und Powerhalsen mit Spurhalteassistent gibt‘s die harmonisch abgestimmte Freerideklasse. Das „Race“ in dieser Freerace-Gruppe ist deutlich mehr als Marketing und zeigt sich auf den ersten Blick in herausstechenden Merkmalen. Es dominieren dicke, breite Hecks und weit außen liegende Schlaufen – ähnlich wie breite Kotflügel und gepolsterte Hosenträgergurte in getunten Sportwagen – aber mit Straßenzulassung. Denn Komfort ist ebenfalls nicht unwichtig. Für lange Surfsessisons – und um die Fahrleistung auch herauszuholen. Die zusätzlichen PS unter den Pads nützen wenig, wenn man im Kabbelwasser die Gabel nicht mehr ruhig halten kann.
Kürzer, breiter, schneller – das ist das Erfolgsgeheimnis von Freeraceboards. Im Vergleich zu klassischen Freerideboards verfolgen die Shaper damit konkrete Ziele: Die kürzere Länge reduziert das Schwunggewicht im Bug, die Windangriffsfläche sowie die Gleit- und Kontaktfläche, was den Speed erhöht. Die größere Breite verbessert das Durchgleiten in Windlöchern und schafft einen längeren Hebel durch weiter außen liegende Fußschlaufen, wodurch sich größere Segel- und Finnenkräfte kontrollieren und mehr Segelleistung umsetzen lassen. Diese Shape-Konzepte bringen jedoch auch Nachteile beim passiven Angleiten. Eine lange, flache Bodenkurve ermöglicht frühes, gleichmäßiges Aufschieben aufs Wasser, doch bei kürzeren Boards fällt diese Kurve im vorderen Bereich steiler aus, weshalb man beim Angleiten leicht abfallen sollte, um dann wirklich gut vom Start wegzukommen – wie etwa beim Tabou Rocket+ oder beim Starboard Futura. Längere Boards wie der Severne Fox oder JP Super Ride gleiten dagegen einfacher an.
Anders als bei Freeridern, wo das Volumen zwischen den vorderen Schlaufen und der Mastspur konzentriert ist, sitzt es bei Freeraceboards hauptsächlich hinten, unter den Fußschlaufen in der „Powerzone“. Das ergibt dickere, boxigere Rails, die mehr seitlichem Druck ermöglichen. Es reduziert aber Volumen im meist ausgedünnten Bug, wodurch das Board beim Angleiten und Segelaufholen sensibler auf Gewichtsverlagerung reagiert und ein frühzeitiger Schritt nach hinten in die Schlaufen oft hilfreich sein kann. Boards wie das Starboard Futura kommen erst dann richtig auf Touren – mit dem vorderen Fuß knapp hinter dem Mastfuß wirkt es gebremst, sobald man jedoch nach hinten wechselt, beschleunigt das Board als hättest du bei aufheulendem Motor die Handbremse gelöst.
Der Gewinn gegenüber Freeridern beträgt 2–4 km/h, setzt aber voraus, dass man die Möglichkeiten des Boards vollständig ausnutzt. Denn die volle Leistung entfaltet sich nur mit weit außen montierten Schlaufen. Das Einfädeln wird dadurch anspruchsvoller, das Board ist dabei leichter aus der Balance zu bringen. Als Eignungstest für diese Boardklasse hilft eine kurze Check-Liste: Kann ich auch sehr stark angepowert noch stabil surfen?
Sind die Fußschlaufen bereits beim aktuellen Board außen positioniert und kann ich problemlos einsteigen? Liegt die Powerhalsen-Trefferquote (nicht unbedingt voll durchgleiten, aber trocken bleiben) bei mindestens bei 80 Prozent? Denn diese Boards bieten üblicherweise keine Halsenautomatik – die Ausnahmen unter den Free“Racern“ mit sehr stabiler, runder Halsencharakteristik sind der Duotone Blitz, Patrik F-Race oder JP Super Sport. Der JP Super Ride und der Severne Fox lassen sich ebenfalls rund und sicher halsen, sind aber auch eher als leistungsstarke Freerideboards einzuordnen.
So tummeln sich hier Spezialisten, die idealerweise mit Freeracesegeln (mit oder ohne Camber) gesurft werden, denn nur dann lässt sich der theoretische Leistungsvorsprung auch erleben. Der JP Super Ride ist als Referenzboard aus der Freeride-Klasse für diesen Test ausgewählt. Das Board kann im Topspeed nicht ganz mithalten, bietet dafür aber deutlich einfachere Fahreigenschaften, die sich bereits mit mittlerem Fahrkönnen vollständig abrufen lassen.
Freeraceboards sind durchweg mit klarem Fokus auf Performance ausgelegt. Entsprechend knapp geht es im Leistungsvergleich zu, anders als beispielsweise bei Freemoveboards, bei denen die Shaper die Schwerpunkte zwischen Easy Surfing, Manövern und Leistung teilweise unterschiedlich setzen. Der Topspeed lässt sich durch Finnenwechsel oft verbessern, denn die Serienfinnen variieren zwischen 40 und 44 Zentimetern.
Breite Hecks und die überwiegend kompakten Outlines der Freerace-Shapes sind beste Voraussetzungen für den gelegentlichen Foileinsatz. Die Flugversuche an den Leichtwindtagen mit einem 900er Starboard-Racefoil waren sehr überzeugend. Kurz gesagt fliegen diese Boards umso besser, je breiter das Heck und je kürzer die Länge ausfällt und je weiter die hinteren Schlaufen auseinander stehen. Beim Tabou Fifty wurde das als Konzept optimal umgesetzt – mit leichten Abstrichen beim Finnensurfen. Den recht langen JP Super Ride würden wir am wenigsten empfehlen, und Severne verzichtet beim 2,49 Meter langen Fox konsequent auf eine geeignete Foil-Verankerung und baut stattdessen eine Powerbox ein.
Mit leichten Abstrichen im Vergleich zu reinen Foilboards, kannst du auf einigen Freeraceboards ebenfalls bereits ab 10 bis 12 Knoten genussvoll fliegen.” (Stephan Gölnitz, surf-Tester)
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