Der Dyno hat bereits 2025 im Test in der 95-Liter-Klasse überrascht – nämlich mit durchweg alltagstauglichen Qualitäten, die man bei den ausgefallenen Shapedetails vielleicht so nicht erwarten würde. Der hier getestete 115er ist auch schon das größte Modell der Dyno-Linie, was ein Anzeichen dafür sein könnte, dass diese Shapes besonders für gute Windbedingungen erschaffen wurden. Der Name könnte bereits Programm sein, denn als „Dyno“ wird beim Klettern auch ein besonders dynamischer, nahezu gesprungener athletischer Zug bezeichnet – das passt zu dem roten Windsurf-Flummi jedenfalls recht gut.
Der Severne Dyno wirkt optisch, als wären wie bei einem Herrenanzug zwei völlig unterschiedliche Konfektionsgrößen gemixt: das Heck bis zu den vorderen Fußschlaufen in Größe XL, mit einem Bug in schlank ausfallender Größe M. Die vordere Partie ist sehr dünn, an der Mastspur dann „normal“, und unter den Schlaufen sieht das Board fast aus wie aufgebläht, wie kurz vor dem Platzen. Die Füße stehen dafür in allen Schlaufenpositionen sehr angenehm auf dem dadurch sehr deutlich gerundeten Deck, auch kleine Füße können so seitlich Druck geben. Die Außenpositionen der Schlaufen sind auch näher am Rail vorgesehen als bei den meisten anderen Boards. Die hinteren Pads dürften zur Kante hin allerdings gerne länger ausfallen. Der Schraubenabstand der Schlaufen ist mit 15,5 Zentimeter etwas weiter als üblich, die Schlaufen lassen sich aber mit asymmetrischen Unterlegscheiben in der Weite noch etwas anpassen.
Die Rails schließen im Heck sehr scharfkantig an die Gleitfläche an, diese ist lediglich auf knappen 30 Zentimetern Länge gerade und endet am Heck mit rund drei Millimetern Aufbiegung. Die auffällig gerade Mittelfinne ist, ebenso wie die Fußschlaufen, sehr nahe am Heck positioniert. Der dadurch extrem weit hinten befindliche Stand und die leicht durchgerockerte Gleitfläche liefern schon eine erste Erklärung für den guten Popp – wie leicht sich das Board bei voller Gleitfahrt aus dem Wasser hebeln lässt. Auch beim V-Shape wurde geklotzt, im vorderen Drittel schwebt das Lineal am Rail gute zwei Zentimeter in der Luft, mehr findet man bei keinem Board, und das zieht sich bis zum Heck durch. Der V-Shape ist in der Mitte verrundet und von deutlichen Konkaven geziert.
Trotz des ungleichen Dickenverlaufs dümpelt der Dyno kippstabil und gleitet erstaunlich flüssig los. Bei sehr leichtem Gleitwind wirkt die anschließende Beschleunigung zwar noch etwas weniger spritzig, bei normalem bis gutem Druck im Segel legt der Dyno dann aber ordentlich los und trumpft dabei mit perfekter Dämpfung, Kontrolle und „Easy Surfing“ auf. Er tänzelt null, dämpft unter den Sohlen perfekt, und die Standposition ist auch für sportliches Freeriden geeignet, denn auf dem schmalen Heck stehen die Schlaufen im Vierer-Set-up vergleichsweise dicht am Rail. Das Board animiert aber auch geradezu zum Springen oder sogar zu gesprungenen Moves, es hängt leicht und jederzeit zum Take-off bereit am Fuß und senkt so die gefühlte Hemmschwelle selbst für einen 115-Liter-Loop erheblich.
Mit etwas mehr Fußdruck dreht der Dyno auch enge Halsen, aber besonders mittlere und weite Radien werden zum Genuss-Cocktail aus Kontrolle und gutem Durchgleiten – für sportliche Halsenkönner und aufstrebende Halsenschüler gleichermaßen. Dabei überzeugen vor allem der sichere Grip und die überragende Laufruhe selbst in chaotischem Kabbelwasser. Im Falle eines – unwahrscheinlichen – Abwurfs in der Halse muss man dem Surfer fast Sabotage unterstellen.
Ein Alleskönner im Sinne der Gruppe. Der Severne Dyno bietet Fahrkomfort und solide Freerideeigenschaften in einem Board, das mit Druck im Segel besonders flink aus dem Wasser abhebt, aber auch selbst bei Topspeed und schwierigen Bedingungen ebenso sicher auf der Piste liegt.
Top Kontrolle, Komfort; Halsen, Springen
Hintere Pads recht kurz
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*surf-Messung
| Volumen | Breite | Länge | Gewicht** | Finnen |
| 85 | 57,5 | 226 | 6,05 | 21,5+2x12,5 |
| 95 | 60 | 228 | 6,47 | 23,5+2x12,5 |
| 105 | 62 | 230 | 6,74 | 25,5+2x12,5 |
| 115 | 64,5 | 233 | 6,93 | 27,5+2x12,5 |
**Herstellerangabe
Dieses Board ist Teil des großen Freemove-Tests 2026. Mit dabei sind außerdem Duotone Freewave, Goya One, JP-Australia Freestyle Wave und Magic Move, Patrik F-Cross, Starboard Kode, Tabou 3S+ und We One We Freewave. Weitere Test-Artikel aus dieser Gruppe erscheinen regelmäßig auf surf-magazin.de und in surf 3/2026.