Finnen-Setups im TestSinglefin oder Thruster für Freemoveboards?

SURF

, Stephan Gölnitz

 · 10.04.2026

Freemove 116 im Anflug. Trotz viel "Speck" unterm Laminat sind die Boards auch sehr agil.
Foto: Stephan Gölnitz
Zeigt her eure Finnen! In der Freemove-Klasse wird die Finne gerne mal gelüftet, aber auch auf der Geraden soll sie guten Grip bieten. Was ist besser: Thruster oder Single?
Viele Freemoveboards bieten mit drei eingebauten Kästen die Option, zwischen einer oder drei Finnen zu wechseln. Wir konnten das beim Freemovetest in der 115-Liter-Klasse ausprobieren. Einige Ergebnisse haben auch die erfahrenen Tester überrascht - lassen sich aber erklären.

Themen in diesem Artikel

In Ergänzung zum kompletten Freemove-Boardtest in der aktuellen surf 3|2026 haben wir alle Boards mit der Option auf Thruster oder Single-Finne nochmal unter diesem Aspekt unter die Lupe genommen. Ein Board hat sich dabei sogar deutlich verbessert. Boards mit kleinen Thruster-Sets tendieren manchmal dazu, nicht richtig plan zu gleiten, sondern leicht zur Fersenkante abzukippen. Das haben die Hersteller aber mit ausreichend groß gewählten Center-Finnen bei der Serienbestückung den getesteten Boards weitgehend abgewöhnt. Lohnt sich der Wechsel auf eine Einzelfinne dennoch? Lässt sich das Board besser schnell machen? In Einzelfällen wirkt sich der Finnenwechsel deutlicher aus als im Mittel. Als Option haben wir die Duotone-Single-Finne 30 Zentimeter ausgewählt, sowie das Thruster Set von Tabou mit den Finnenlängen 25 + 2 x 12 Zentimetern. Im folgenden haben wir die Statements der Tester zusammengefasst.

Duotone Freewave 112

Mit der großen Duotone-Finne, die dabei ist, liegt das Brett im Dümpeln und Gleiten angenehm kippstabil im Wasser – und auch mit dem optionalen Tabou-Thruster-Set. Daran ändert sich praktisch nichts. Es gleitet ordentlich an, entwickelt danach aber zunächst kein besonders aggressives Beschleunigungs-Feeling: Mit der großen Single-Finne fühlt es sich relativ lange „benetzt“ an, bis das Brett richtig frei wird. Über einen gewissen Speed kommt man dann nicht hinaus, es sei denn, es steht etwas mehr Wind an, als nur zum reinen Angleiten nötig ist – dann ist auch der gewünschte Speed da, aber man muss das Brett etwas aktiver frei halten. Mit dem sehr neutralen 5,6er Segel, das wir zum Test verwendet haben, gelang das nur mit Gefühl, ein kraftvolleres Segel wäre nützlich. Beim Wedeln fährt das Board dagegen sehr brav: kein Haken-Schlagen, sondern ein rundes, drehfreudiges Hin und Her. Diese seifig-weiche, runde Art setzt sich in der Halse fort – egal ob eng oder weit: fast ein echtes Easy-Jibing-Board. Insgesamt ist das Brett super einfach zu surfen und gleitet sogar mit beiden Finnen nach einer engen Halse erstaunlich gut weiter – das ist wirklich herausragend, vor allem dafür, wie unkompliziert es sich fahren lässt. Genau deshalb haben wir vom Single-Fin- aufs Thruster-Setup umgeschraubt, weil wir nicht ganz sicher waren: Normalerweise bringt die Single-Finne mehr Lift, hier fühlt es sich aber anders an. Das Thruster-Setup fährt sich beim Angleiten sehr ähnlich wie die Single-Fin, da tut sich kaum etwas, und auch die Beschleunigung bleibt vergleichbar. Der Unterschied: Nach dem Abfallen ist die Beschleunigungsphase zwar ebenso ähnlich, aber das Board bleibt danach irgendwie schöner „auf den Finnen“, läuft freier weiter und bleibt nicht so leicht stehen; in und nach der Beschleunigungsphase wirkt es minimal freier in der Gleitlage und hält das Fahren insgesamt stabiler durch. Der Unterschied ist insgesamt gering.

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Der Freewave kommt ab der Größe 112 mit einer Single-Finne. Die kleineren Modelle kommen mit Thruster. Foto: surf MagazinDer Freewave kommt ab der Größe 112 mit einer Single-Finne. Die kleineren Modelle kommen mit Thruster. Foto: surf Magazin

Goya One 115

Der Goya kommt ab Werk mit einem Thruster-Setup – und wirkt von Anfang an wie ein sehr gelungener Kompromiss: nicht so extrem flach wie der Duotone, aber auch nicht so „kippelig“ wie manche Boards.

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Goya One mit versetzter Center-Finne.Foto: surf MagazinGoya One mit versetzter Center-Finne.

Bereits im Thruster-Setup bleibt es angenehm „leicht“ auf dem Wasser. Das Board fühlt sich drehfreudig an, ohne dabei nervös oder „hakenschlagend“ zu wirken. Gleichzeitig bleibt es insgesamt sehr Freeride-orientiert: gedämpft und kontrolliert – aber sobald man Druck gibt, wird es direkt lebendig. Pumpen nimmt er von Haus aus gut an und setzt es effizient in Speed um.
Ein spannendes Detail: Der Goya gehört zu den wenigen Boards, bei denen die Thruster-Finne auf dem Finnenkopf nach vorne versetzt ist. Der Hintergrund scheint klar: Wenn man auf Single-Fin umsteckt, sitzt die Finne dann in der „richtigen“ Position die mittlere Box ist da, wo eine Single-Finne üblicherweise hingehört (Außerdem kollidiert der Schlaufendübel weniger mit der Finnenschraube). Und genau das merkt man auf dem Wasser. Steckt man eine Single-Finne rein (z. B. die Duotone 30er), wird das Board noch freier. Es fährt zielstrebiger, steht mehr auf der Leekante und „fliegt“ fast – ein kontrolliertes Fliegen. Das Ergebnis ist ein sehr angenehmes, spritziges Fahrgefühl. Auch beim Springen überzeugt das Board. Mit Vollspeed fühlt es sich mit Single-Fin teilweise sogar noch besser an. Im Thruster-Setup gefällt dagegen, dass man vor einer Welle kurz mit einem kleinen Schlenker anluven kann – das wirkt beim Absprung oft noch einen Tick harmonischer. Insgesamt sind die Unterschiede aber nicht riesig: Mit Single-Fin wird alles etwas freeridiger, man bekommt mehr Druck auf die Finne, und das Board läuft geradliniger.

JP-Australia Freestyle Wave 114

Der JP Freestyle Wave kommt in Serie mit Thruster-Setup mit großer Center-Finne. Das Brett ist von Haus aus weder ein enger Dreher noch ein klassisches Wedelbrett. Es dreht aber – vor allem, solange man es nicht zu schnell fährt, ordentlich. Bei sehr hoher Geschwindigkeit, wo andere Boards teilweise noch richtig „einen Haken schlagen“, dreht der JP nicht ganz so bombastisch.
Mit der Single-Fin benötigt das Board nochmals etwas mehr Druck - aber wirklich nur minimal. Gleitlage, Charakteristik und fast alles andere bleiben gleich und funktionieren weiterhin sehr gut.
Auch Halsen gelingen mit beiden Setups richtig gut. Beim JP ist es dabei vielleicht einen Tick anspruchsvoller als beim Easy-Jiber von Duotone – aber: Das sind beide, egal ob Thruster oder Single-Fin, richtig gute Durchgleiter.

Das 3er-Set bei JP setzt auf eine dominate Mittelfinne.Foto: surf MagazinDas 3er-Set bei JP setzt auf eine dominate Mittelfinne.

Der JP fühlt sich insgesamt sportlicher und etwas freerideiger an. Das merkt man auch beim Halsen: Er verleitet mehr zum Carven. In Noten gemessen verändert sich durch den Wechsel auf Single-Fin beim JP ansonsten kaum etwas – höchstens dieses leicht geradlinigere, freeridigere Feeling mit ein bisschen mehr Lift auf der Finne, gerade wenn man einfach schnell und entspannt surfen will.
Unterm Strich empfiehlt sich das Thruster-Setup mit der dominanten großen Mittelfinne als Spitzenkompromiss für die meisten Fahrerinnen und Fahrer.

Severne Dyno 115

Der Dyno kommt serienmäßig mit einem Thruster-Setup. Dabei ist die Centerfinne relativ gerade – anders als bei der Tabou- oder MFC-Finne, die stärker nach hinten gebogen ist. Dieses Dreier-Setup funktioniert von Anfang an einwandfrei.
Generell wirkt das Board sehr brav, kippstabil und insgesamt extrem „easy-jibing“-freundlich – auch mit dem Thruster-Setup. Es lässt sich zwar angenehm „wedeln“, aber ein wirkliches Engdrehen ist es nicht: Selbst bei einer engen Halse braucht der Dyno mehr Druck als viele andere Boards. Das ist im Thruster-Setup bereits so. Beim normalen Gleiten im unteren bis mittleren Windbereich liegt der Druck zu etwa 80 oder 70 Prozent auf dem vorderen Fuß, während hinten vergleichsweise wenig Response kommt. Es rutscht dabei nicht weg, aber wenn man zwar voll gleitet, jedoch nicht richtig „angeballert“ ist, fährt man sich gefühlt mit einem 70/30-Verhältnis.

Die Dyno-Finnen stehen für ein Thruster-Set ungewöhnlich steil und gerade im Board.Foto: surf MagazinDie Dyno-Finnen stehen für ein Thruster-Set ungewöhnlich steil und gerade im Board.

Und dann: Sobald man die 30er Single-Finne einsteckt, wird das Fahrgefühl automatisch freeridiger. Auf den Beinen ist der Druck plötzlich deutlich näher an 50/50, man steht anders, das Board wird geradliniger, löst sich früher und kommt schneller frei. Auffällig ist generell: Die Finnenposition ist beim Dyno extrem weit hinten.
Unterm Strich ist die Single-Finne definitiv eine zusätzliche Empfehlung, vor allem für größere Segel. Sie bringt auch ein Plus an Leistung, weil das Board etwas früher ins Gleiten kommt. Dieses brave, weiche Grundgefühl bleibt dabei komplett erhalten. Das Einzige: Das Drehen verschlechtert sich mit der Single-Finne spürbar

Starboard Kode 115

Der Starboard Code mit Single-Fin: Ja, mit der Finnenposition so weit vorne fährt sich das ganze Board irgendwie etwas „eigenartig“. Witzig ist: Es gleitet zunächst nicht besonders gut, beschleunigt dann aber gar nicht schlecht. Die Beschleunigung funktioniert also auch mit der Single-Fin – nur hält das Board die Fahrt nicht. Es „steht“ danach relativ schnell wieder an.

Die Single-Finne ist im Starboard weit vorne positioniert.Foto: surf MagazinDie Single-Finne ist im Starboard weit vorne positioniert.

Dazu kommt: Auf dieser Finnenposition lässt sich das Board nicht wirklich sauber fahren. Insgesamt wirkt es unausgewogen – die Nose steigt, die Gleitlage ist ungewöhnlich und fühlt sich einfach nicht stimmig an. So erlebten wir es zumindest im Single-Fin-Setup.
Mit Thruster-Setup ist es interessanterweise komplett anders. In Kombination mit dem 5,6er Segel verbessert sich praktisch alles: Das Board beschleunigt früher und gleichmäßiger, gleitet freier an und bleibt deutlich länger in Fahrt – es bleibt weniger früh stehen. Auch die Gleitlage verändert sich spürbar zum Positiven. Es wirkt so, als wäre der Kode auf das Thruster-Setup ausgelegt.
Die Single-Fin wirkt dagegen mit dem 5,6er Segel kaum sinnvoll. Vielleicht ergibt sie erst mit größeren Segeln Sinn – 6,5 oder sogar 7,0 – wenn man das Board anders „herauspresst“ und konstanter Druck anliegt. Aber für alle, die mit „normalen“ Segelgrößen bis 6,2 unterwegs sind, gewinnt das Thruster-Setup deutlich. Denn du verlierst weder beim Angleiten noch beim Beschleunigen etwas, und auch durch Windlöcher gleitet das Board nicht schlechter durch – eher im Gegenteil. Außerdem dreht es mit Thruster nochmals besser.

Tabou 3S+ 116

Der Tabou 3 wird serienmäßig mit einem Thruster-Setup ausgeliefert. Das Board ist ziemlich radikal: mit spitzer Nase und es dreht von Haus aus extrem gut – eines der drehfreudigsten Boards überhaupt. Insgesamt wirkt es aber auch sehr ausgewogen. Selbst mit den Original-Finnen fährt es nicht übertrieben „auf der Luvkante“, sondern bleibt stabil und gut kontrollierbar. Wechselt man auf eine Single-Finne (in meinem Fall die Douton-Finne), verändert sich gar nicht so viel. Das Board läuft spürbar geradliniger und ruhiger. Die Drehfreudigkeit geht nicht komplett verloren, aber man braucht deutlich mehr Druck, um das Brett wirklich eng herumzudrehen.

Die Serienfinnen des 3S+ haben wir auch als Thruster-Set-Referenz für die Boards mit  serienmäßiger Single-Finne (Duotone, JP-Australia, Starboard) verwendet.Foto: surf MagazinDie Serienfinnen des 3S+ haben wir auch als Thruster-Set-Referenz für die Boards mit serienmäßiger Single-Finne (Duotone, JP-Australia, Starboard) verwendet.

Bei der von uns verwendeten Segelgröße 5,6 qm bringt die Single-Finne insgesamt eher wenig. Weder beim Anfahren noch beim Beschleunigen ist ein klarer Vorteil spürbar – das Verhalten ist praktisch identisch zum Thruster-Setup. Im Grunde macht das Board genau das, was man erwartet: Es wird etwas weniger drehfreudig, ohne aber dass ein großen Gewinn beim Durchgleiten erkennbar wäre. Beim Halsen bleibt es mit beiden Setups ähnlich: Das Tabou 3S+ ist ein Board für enge, sportliche Turns, und diese Stärke verliert es auch mit der Single-Finne nicht. Dieses „Haken schlagen“ bzw. übermäßige Eindrehen wird mit Single-Finne etwas entschärft – insgesamt wirkt das Fahrverhalten etwas geradliniger und weniger nervös.

We One We Freewave 114

​Der We One im Thruster-Setup – der V1 war ja von “Hause aus” mit der Single-Finne schon nicht schlecht abgestimmt, aber in erster Linie so, dass er mit einmal Anpumpen oder kurzem Abfallen extrem geil beschleunigt und auch auf der Single-Finne sauber drauf bleibt.

We One liefert keine Finnen mit dem Board, hat aber ein gute Auswahl im Angebot. Hier das getestete Thruster-Set.Foto: surf MagazinWe One liefert keine Finnen mit dem Board, hat aber ein gute Auswahl im Angebot. Hier das getestete Thruster-Set.

Heute dann das Thruster-Setup – vorher noch nie gefahren. Und siehe da: Das Angleiten bzw. die Gleitlage und auch das Beschleunigen verändern sich fast gar nicht. Das liegt daran, dass da ebenfalls eine relativ lange, schmale und schnelle Center-Finne drin ist – so ein bisschen der „JP-Trick“. Nur: Das Brett dreht auffällig besser.
Es war vorher schon gut im Drehen, aber nicht so im „Wedeln“. Jetzt kann das Board auf der Geraden – für 115 Liter, selbst wenn man etwas leichter ist – richtig gute Haken schlagen. Man kann diese nicht vorhandenen Kabelwellen da draußen plötzlich für echte Pseudo-Wellenritte nutzen, auch mal Backside. Das ging mit der Single-Finne nicht brauchbar. Da hat sich wirklich viel verändert – genau in die Richtung, die man will. Und trotzdem behält er das Wegfahren – und vor allem dieses freie Fahrgefühl: Er lehnt sich nicht auf die Leekante bzw. auf die Windseite. Das Brett fährt frei, gerade, spritzig und vor allem: Es gleitet super durch. Es braucht sehr wenig Segeldruck und läuft einfach schön auf der Center-Finne. Das ist interessanterweise fast gleich geblieben. Nur das Drehen hat sich sehr, sehr verbessert. Springen ist ungefähr gleich geblieben.
Unterm Strich sieht man daran eigentlich: Das Brett ist vielleicht nicht das beste Gleitbrett, aber es gleitet absolut ordentlich – und es beschleunigt und hält den Speed.


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