RückspiegelDas waren die Highlights in surf 5/1987

Tobias Frauen

 · 27.05.2023

Die Highlights aus surf 5/1987
Foto: surf Archiv
Auf dem surf-Cover im Mai 1987:  Björn Schrader, fotografiert von Wolfgang Bernhard

Wir steigen ins Archiv und werfen einen Blick in alte Ausgaben! Hier zeigen wir euch die besten Fundstücke, bemerkenswerte Test-Ergebnisse, skurrile Anekdoten und vieles mehr! In dieser Folge geht es zurück ins Jahr 1987!

Es ist quasi ein Rückblick im Rückblick: Im Frühjahr 1987 feierte surf den ersten runden Geburtstag. Gleichzeitig war es 20 Jahre her, dass Jim Drake zum ersten Mal sein Erfindung gewassert hatte. Aus heutiger Sicht ist vor allem spannend, wie damals in die Zukunft des Sports geblickt wurde.

Werner und die fliegende Finne

surf-Test auf Gran Canaria, in den 80ern ein viel genutzter Spot. Jede Menge Starkwind machte den Slalom-Test 1987 eh schon zu einer Herausforderung, dass viele der Boards damit schlichtweg überfordert waren, machte es nicht besser. Das spektakulärste Bild lieferte Werner Buschmann: Er mit dem HiFly Slalom im Sprung, seine Finne einige Meter in Lee: “Beim Absprung knackste es kurz und trocken.” Albert Pucher wurde nach einem Finnenbruch zum Fall für die Seenotretter, doch selbst mit dem Motorboot blieb der havarierte Tester auf dem Atlantik verschwunden. Nach bangen Stunden tauchte er einige Kilometer südlich wieder auf, er hatte sein Trapez als Not-Abdrifthemmer ums Heck geschnallt und sich an Land ziehen lassen. Insgesamt brechen drei Finnen, zwei Finnenkästen werden verbogen und einer bricht komplett aus dem Board.

Links am Bildrand verabschiedet sich die FinneFoto: surf-Archiv
Links am Bildrand verabschiedet sich die Finne

surf analysiert später: Die Finnenkästen - durch die Bank US-Boxen - sind zu schwach für moderne Shapes, die Finnen werden immer länger und die Fahrweise kraftvoller und schneller. Bei Extrembedingungen wie im Test kommen Finnen und Kästen dann an ihre Grenzen. Die damals gültige DIN-Norm verlangt, dass die Finne “mindestens drei Schläge von definierter Stärke” überstehen muss - im Labortest brechen viele Modelle bereits beim ersten Schlag. Eine bemerkenswerte Evolution machte das Sailboard-Brett durch: Vom schnellen Verbiegen des ersten Brettes bis hin zu einem sehr soliden Probanden im Schlagtest - das machte surf stutzig. Alle drei wurden durchgesägt, und siehe da: Das letzte Modell hatte deutlich dickeres Laminat und eine Alu-Verstärkung. Unter dem Verdacht, dass es ein für den Test frisiertes Brett sein könnte, riet surf allen Käufern, sich die Verstärkungen vom Shop schriftlich garantieren zu lassen. Im Interview fordert ein Experte ein neues Finnen-System, macht jedoch angesichts der Kosten wenig Hoffnung. Doch nur wenig später kam die Powerbox und ist bis heute weit verbreitet.

Beim Test in regulären Bedingungen gab es dann soweit keine Überraschungen: Der F2 Sunset Slalom überzeugt als Top-Allrounder, der Mistral Diamond Head glänzt mit guter Geschwindigkeit, der HiFly ist zwar nicht ganz so schnell wie die Top-Modelle, aber für weniger geübte Fahrer bestens zu kontrollieren. Doch neben dem Finnen-Problem nervten im Test auch brechende Mastfüße, unsaubere Kanten, schwache Verklebungen und empfindliche Laminate.

20 Jahre Windsurfen, 10 Jahre surf

“Wir wollten eine Schreibe wie beim Spiegel, ein Layout wie beim Stern, Verbraucherberatung wie bei der Stiftung Warentest und freche Storys wie im Playboy”, erinnern sich Uli Stanciu und Gerd Kloos an die Gründungsjahre der surf. In einem großen Artikel schreibt Jim Drake, wie er das Windsurfen erfunden hat, welche Stolpersteine es gab und wie er die Zukunft des Sports sieht. Dabei hebt er vor allem eine Erfindung hervor: Den Wind-Wing - und wir wissen alle, wie diese damalige Grundidee inzwischen eingeschlagen hat.

Außerdem im Jubiläums-Special: Ein Rückblick auf zehn Jahre Robby Naish. Mächtig rund geht es in der Peter-Brockhaus-Story: Der Mistral- und spätere F2-Gründer teilt mächtig aus und berichtet, wie er quasi im Alleingang den Windsurf-Markt gestaltet hat. Obwohl viele seiner Projekte sehr erfolgreich waren, gab es auch immer horrende Kosten. “Peter Brockhaus schläft mit zwei Millionen Schulden besser als andere mit 200 000 Mark Guthaben”, wird ein ehemaliger F2-Geschäftsführer zitiert. Ein faszinierendes Stück Windsurf-Geschichte - ebenso wie die “seltsamsten Ideen der Surfbranche”: Neben kuriosen Gabeln und Brettern mit Kiel wird hier auch ein aufblasbares Brett genannt. Moderne iSUPs können da nur müde lächeln.

Brutale Bedingungen beim Worldcup in Omaezaki

Beim Worldcup in Japan fordern brutale Bedingungen die Fahrerinnen und Fahrer: Ein Tag mit neun Windstärken und masthohen Wellen bringt alle an die Grenzen. Björn Dunkerbeck schafft es, ein Rennen auch mit gebrochener Finne zu beenden, aber auch er hat kaum Kontrolle. Bojen fliegen weg, Regattaboote müssen aus Sicherheitsgründen abdrehen. “Die schwierigste aller Fragen galt der Segelgröße: Mehr als drei, drei, weniger als drei Quadratmeter?” Am Ende gewinnt - natürlich - Robby Naish, doch die Jungen holen auf.

Psycho-Test: Bin ich ein echter Windsurfer?

Kleinod am Heftende: Der natürlich hochseriöse Test von Richard Fryklund, Tommy Brandner und Bernhard Förth

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Und sonst so?

  • Jenna de Rosnay gibt auf einer Privatinsel in den Kleinen Antillen Privatunterricht. Luxus-Villen stehen als Unterkünfte zur Verfügung, nebenan wohnen (damals noch) Prinz Charles und Mick Jagger
  • Das VEB Schichtpresswerk Bernau präsentiert den “Heifan 325”, das neueste Surfbrett aus der DDR. Die Ausstattung umfasst Mastschiene, Fußschlaufen und ein versenkbares Schwert, das Segel ist durchgelattet. Über das Material ist nichts bekannt, das Gewicht liegt aber bei rund 17 Kilo
  • “Ich hab’s satt, immer nur gewinnen zu müssen” sagt ein etwas demotivierter Robby Naish vor dem Start in die Worldcup-Saison. Doch später im Jahr wurde Naish zum fünften Mal in Folge Weltmeister, danach übernahm das lästige Gewinnen ein gewisser Björn Dunkerbeck
  • surf zeigt die beste Fahrtechnik auf dem Raceboard, mit Tipps zu den heute fast vergessenen Kenterschlaufen. Allein der Bug seines F2 Lightning nimmt die komplette rechte Hälfte des doppelseitigen Aufmachers ein.
  • “Sweat & Brett”: surf zeigt die Pulli-Mode der Boardhersteller. Von schlichtem weiß bis zu grellem Muster in “giftgrün und gaggerlgelb” ist alles dabei.
  • surf-Leser haben Probleme mit dem Aufriggen zweiteiliger Masten mit verschiedener Stärke. Dabei gibt es eine härtere und eine weiche Seite, die sich aber verdrehen. Das Konzept verschwand schnell wieder, die Lösung ist heute noch gut: Einfach beide Hälften zusammentapen
  • Großartig: surf erklärt die Vorfahrtsregeln mit tollen Bildern von Kent Nilsson
  • Perlen aus der Werbung: Die sinnliche Jenna de Rosnay haucht “Wenn Technologie an Verführung grenzt” - gemeint ist ein schnödes Tiga-Board
  • “Computer-Ferien-Abenteuer für Floppy-Freaks”: Die Firma CompuCamp bietet Surfkurse an, bei denen die Theorie am Computer gelehrt wird
  • Sicherheits-Feature für Sinker: Damit man auch bei Flaute ans Ufer zurück kommt, gibt es einen aufblasbaren Schwimmring fürs Brett, der ansonsten um den Mast gewickelt wird.

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