Test No Cam FreeracesegelVolle Kraft - leicht gemacht! Sieben schnelle 7,2er im Test

Surf Testteam

 · 20.09.2026

Freeracesegel ohne Camber sind nicht nur schnell, sondern gehen auch gut durch die Kurve. Hier verschwimmt die Grenze zum Freeride-Bereich oftmals.
​Schnelle No-Cam-Segel sind die leichteste Wahl für Matches mit den Surf-Buddies und gegen die GPS-Uhr. Auf Langschlägen wirkt die einfache Kontrolle wie ein muskuläres Energiesparprogramm, die Fahrstabilität entspannt besser als jede Thai-Massage und die große Windrange erspart den vorzeitigen Boxenstopp. Wir haben sieben Modelle von 7,0 bis 7,2 m2 getestet.

Themen in diesem Artikel

Diese Segel sind im Test dabei:

Die Grenze zwischen Freeride und Freerace ist nicht so unüber-windbar wie der Graben zwischen manchen Kitern und Windsurfern. Sie lässt sich auch nicht einfach nach der Anzahl der Segellatten festlegen. Der Stempel „Freerace“ wird ebenfalls nicht ausschließlich nach der messbaren Leistung vergeben, sondern erfordert für die surf-Tester notwendigerweise auch ein etwas knackigeres, „racigeres“ Fahrgefühl. Und das lässt sich nicht mit einer einzelnen Komponente messbar erfassen.

So wirkt das neue NeilPryde Speedster beispielsweise, trotz nur sechs Latten, in vielen Fahrsituationen so sportlich, als hätte man ein leichtes Camber-Racesegel in den Händen. Das ebenfalls neue Duotone X_Pace vermittelt ein ähnliches, gelocktes und „raciges“ Feeling – allerdings mit sieben Latten. Spiegelbildlich steht auf der anderen Seite ein GA Matrix oder Sailloft Cross HR – mit sieben Latten – die beide ebenfalls eine beeindruckende Freerace-Leistung auf die Piste bringen, aber mit einem komfortableren Gefühl an der Gabel und einem Fahr-Mix aus Freerace und Freeride. Beim Goya dann ergänzen sich Theorie (sechs Latten) und die praktischen Fahrerlebnisse der Tester: Hier steckt einfach ein Schuss mehr komfortable Freerideeigung als Kerosin drin, in Form von mehr Dämpfung auf der Geraden und seidenweichem Halsenhandling. Ein Sportwagen und eine Luxus-Limousine, die mit gleichem Tempo über die Autobahn fahren, können den Fahrern ganz unterschiedliche Eindrücke am Lenker vermitteln. Genauso kommt man sich mit dem einen Segel bei gleichem Speed vielleicht nur deshalb schneller vor, weil man an der Gabel fester zupacken muss.

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Schnell sind diese Segel jedenfalls alle. Beim surf-Test sind das Fahrniveau, das Gewicht der Tester nahezu auf gleichem Niveau und die Boards und Finnen identisch. Leistungsunterschiede werden dabei über viele hundert Meter ausgefahren. In freier Wildbahn werden Fahrkönnen oder eine andere Finne einen deutlich größeren Einfluss auf den tatsächlich erzielten Speed haben. Beim etwas später durchgeführten Finnentest standen auf dem kabbeligen See mit einem 7,0er dieser Gruppe mehrmals deutlich über 55 km/h auf der Uhr. Gefühlt war beim Segel sogar noch spürbar Luft nach oben – bei glattem Wasser und mit kleineren Finnen. Damit gewinnt man kein Worldcup-Rennen, aber unter Hobbyracern am Gardasee müsste man bei dem Tempo nach vorn mehr achtgeben als nach hinten.

​Camberlose Freeracesegel bieten die komfortabelste Option, um richtig schnell zu surfen.” (Stephan Gölnitz, surf-Tester)

Masten – so wichtig wie die Reifen beim Mountainbike

Mittlerweile überwiegen auch bei sportlichen No-Cam-Segeln die schlanken RDM-Masten. Diese zeigen in den Testsegeln erstaunliche knackige Charakteristika und eine super Performance, die SDM-Masten nicht nachsteht. Allerdings – kleine Trübung des leuchtenden Scheins – ziehen hier 100 Prozent Carbon das Tuch in Spannung. Gerade bei RDM-Masten bieten Masten mit 60-70 Prozent Carbon häufiger nicht die gleiche Spannkraft und Spritzigkeit. Auf der sicheren Seite surft man auf jedem Fall mit dem Mast wie im Test.

Trimmtipps

Bis auf Sailloft findest du in jedem Segel einen Trimmpunkt – wenn die Loose-Leech-Falten im Segel bis dorthin verlaufen, ist die Vorliekspannung perfekt. Bei Gunsails ist es lediglich ein Punkt für den gesamten Windbereich, sonst häufiger eine Range von min bis max. Unsere Testerfahrung? Nahe am Maximum, oder gleich bei Max und dann mit null bis wenig Schothornspannung, funktionieren die Segel mit der größten Windrange und verlieren nur wenig Gleitleistung. Zu viel Vorliekstrimm kann das Segel allerdings nervöser werden lassen und das Board ebenfalls. Die Feineinstellung am Vorliek bestimmt also das Segelgefühl häufig mehr als die reine Gleitleistung.

​​Der nutzbare Windbereich ist riesig, oft auch ohne viel umzutrimmen. Die Segel funktionieren noch, wenn 5,0 auch schon geht.” (Manuel Vogel, surf-Tester)

Details: über Loose Leech, Latten und mächtige Zacken

Üppiges Loose Leech beim Severne NCX

Die gerne zitierte Trimmregel „Latte über der Gabel berührt leicht den Mast“ gilt längst nicht für alle Segel. Für den Vorliekstrimm zählt zuerst das Loose Leech. Wenn das „Loose“ – nach Trimmpunkt im Segel oder optischem Faltenverlauf im Achterliek – passt, ist der Vorliekstrimm fertig. Zusätzliche Mini-Latten im Achterliek sind auch als Hinweis zu sehen, dass das Tuch im umgebenden Bereich an Land zumindest leicht schlabberig-spannungsfrei liegen sollte. Bei einigen Segeln schieben sich die unteren Latten nach dem Vorliekstrimm noch deutlich am Mast vorbei (z.B. Severne NCX, Duotone X_Pace) bei anderen berühren die Lattenenden den Mast kaum noch (z.B. NeilPryde). Bei den Segeln in diesem Test wird das Schothorn dann lediglich ganz locker eingehängt oder bei viel Wind wenige Zentimeter gespannt. Die Latten können dabei weiterhin neben dem Mast stehen.

Die effektive Segelsehne, also die tatsächliche „Länge“ des Segels direkt über der Gabel, ist die Gabellänge plus der Überstand der Latte oberhalb der Gabel. Diese „Zacke“ in der Outline unterscheidet sich bei den Testsegeln teils deutlich. Die angegebene Gabellänge sagt also erstmal wenig, ob ein Segel tatsächlich eher gestreckt oder eher gedrungen ausfällt.

Die Test-Noten im Überblick

Passiv angleiten

Die Noten sind nur innerhalb der Gruppe exakt vergleichbar. Hinsichtlich der Einordnung von enttäuschend bis super berücksichtigen wir so gut wie möglich, dass in dieser Größe auch einerseits Freemovesegel erhältlich sind, aber auch Cambersegel. Die Noten dieser Segel wurden auf identischen Boards im direkten Duell gegeneinander ausgefahren.

Freeracesegel sinnvoll kombinieren

Wenn es um Speed auf schnellen Raumwindkursen geht, sind diese Segel oft nicht das schwächste Glied in der Kette. Wie beim Computer hängt auch hier das Problem manchmal auf der anderen Seite der Gabel. Besonders hohes Fahrkönnen ist für diese Segel allerdings nicht erforderlich. Sicheres Trapez- und Schlaufensurfen und los geht‘s. Beim Windsurfen gibt‘s keinen Stufenführerschein mit PS-Drosselung. Auch auf Freerideboards können diese Segel ihre Vorzüge bereits ausspielen. Wer in höhere Speedsphären aufsteigen möchte, investiert dazu bevorzugt zuerst noch in eine schnelle Finne, oder gleich in ein Freerace-Set aus Board plus Finne als komplettes „Sportfahrwerk“.

surf-Typempfehlung Freeracesegel No Cam

  • Vollgas – großes Segel, kleine Finne: Dein Herzschlag ist mit dem GPS synchronisiert. Angepowert am Limit, bist du mit dem Duotone X_Pace, Gunsails Rapid, NeilPryde Speedster Evo und Severne NCX bestens beraten. Das Speedster sendet den meisten Lift Richtung Finne, das NCX beschert vermutlich die beste Boardkontrolle. Selbst bei bereits konstant starkem Wind wünscht du dir bei diesen Segeln noch die Extra-Böe.
  • Leistung satt? Aber bitte mit Spurhalteassistent und Einparkhilfe? Besonders GA-Sails und Sailloft verpacken einen Antrieb, der ebenfalls ordentlich Oktan verbrennt, in ein komfortabel wirkendes Gesamtpaket mit bestem Reisekomfort – der Shinkanzen ist eine lahme Rappelkiste dagegen.
  • Früh gleiten, schnell surfen, aber bitte mit spielerischem Handling: Goya bietet mit dem Mark 7 quasi die Allradlenkung in der Halse und eine Lattenrotation mit der Sanftmütigkeit einer Oberklasse-Zuziehhilfe. Und der Durchzug im unteren Drehzahlbereich kann sich ebenfalls sehen lassen.

Alle Test-Kandidaten in der Einzelbewertung


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