Alle Jahre wieder stand bis in die 2000er hinein im Herbst die ISPO in München an, dort zeigten die Hersteller ihre Neuheiten für die kommende Saison. 1988 ist Monofilm voll im Trend, nur North “verteufelt” die Klarsichtfolie noch. “Eigentlich müsste man Monofilm verbieten!” poltert North-Chef Wagner. Er sieht Hobby-Surfer in “Lebensgefahr” wenn die Segel durch kleine Beschädigungen reißen. Mistral hingegen setzt das neue Material als erste Marke in der kompletten Palette ein. Gleich mehrere Marken zanken sich mit Kampfpreisen nach der Klepper-Pleite um die freigewordenen Marktanteile, darunter F2, die neben dem Bestseller Sunset Slalom jetzt auch eine Race-Version dabei haben. Fanatic zeigt die neue Mamba und eine extraleichte Bee in Carbon-Honeycomb-Bauweise für 10.000 Mark (!). Wer danach noch Geld übrig hat, kann sich den Surf-Simulator für rund 45.000 Mark bestellen. Das Gerät erinnert an einen Bullriding-Apparat und soll mit Hydraulik und Elektronik ein “erstaunlich realistisches Surfgefühl” bieten. Alpha sorgt mit einem glatzköpfigen Katalog-Model für Gesprächsstoff (”Wir wollen damit bewusst Identifikation für ältere Surfer schaffen”), während Quiksilvers Slogan “No fat chicks, no big sizes” schon damals ein No Go war.
Abenteurer Stephane Peyron hat sich auf den Weg gemacht, um zum Nordpol zu surfen. Ziel der Expedition, die in Kanada startet, ist der magnetische Nordpol - der sich bewegt und in einem Radius von etwa 50 Kilometern mobil ist. Peyron muss dabei nicht nur auf tauendes Eis hoffen (welch Ironie aus heutiger Sicht...), sondern auch noch gegen die Strömung surfen, die unzählige Eisblöcke vor sich herschiebt. Auch “neugierige” Walrösser können zur Gefahr werden. Peyron surft pro Tag vier bis fünf Stunden, seine Ausrüstung umfasst zwei Mistral-Boards und fünf Segel, medienwirksam im Design des Sponsors. Die Mission ist erfolgreich: Am 23. August 1988 erreicht er als erster Mensch mit windsurfend den Nordpol!
Wie groß sind die Belastungen für Finne, Mast und Gabelbaum beim Surfen? Das wollen surf und der TÜV Bayern herausfinden und starten am Gardasee eine Versuchsreihe: Testfahrer Werner Buschmann geht mit Football-Helm, einem klotzigen Apparat auf dem Rücken und jeder Menge Kabeln aufs Wasser. Die Verkabelung ist an dünne Dehnungs-Messstreifen angeschlossen, die zuvor auf dem Material verteilt wurden und die auch minimale Veränderungen messen. Ein Tonband zeichnet die Werte auf, ein Schreiber an Land tickert die Ergebnisse auf Endlos-Papier. Schon kurz darauf jubelt der TÜV-Prüfer: Die Gabel ist gebrochen! “Das ist ein Glücksfall, wenn ein Bauteil während der Messung bricht!” Werner Buschmann, der “Glückspilz”, durfte anschließend noch Finne und Mast auf Bruchfestigkeit testen, dabei blieb aber alles heil. Erkenntnisse gab es trotzdem: Eine niedrige, aber dynamische Belastung kann für den Finnenkasten schädlicher sein als statische, aber höhere Werte. Beim Masttest zeigt sich: Er biegt sich weder nur nach hinten oder nur nach Lee, sondern windet sich korkenzieherartig je nach Trimm. Ziel des 20.000 Mark teuren Tests: Verlässliche Werte für die DIN-Norm festlegen und der Branche angesichts zahlreicher Mängel und Reklamationen die Qualität zu verbessern.
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