In den Neunzigern war die ISPO in München traditionell der erste Ausblick auf die neue Saison. Alles da, was Rang und Namen hat, und mit dabei jede Menge Material frisch aus der Form. 1995 beerdigte F2 den legendären Sunset nach neun Jahren, brachte aber ein Tandem und ein Polakow-Board mit nach München. Der große Konkurrent Mistral will mit dem neuen Geschäftsführer Flo Brunner trendiger werden (”Wir merken nicht erst nach drei Jahren, daß No Nose angesagt ist”) und Fanatic bringt neue Falcons. ACE zeigt ein Brett mit kleinen Seitenfinnen an der Rail, HiFly hat ein Edel-Waveboard von Sean Ordonez im Programm. Der große Trend sind Convertibles - Boards, die sich mit anderer Finne und geänderten Schlaufen-Setup schnell vom Manöver- zum Heizer-Brett verwandeln lassen. Robby Naish ist erstmals mit seiner eigenen Segelmarke präsent, ART hat einen “Mini-Camber” entwickelt. Sowohl Mistral als auch Fanatoc haben außerdem eine Wellenreiter-Range dabei. Bei NeilPryde fällt der Blick zuerst auf Wave-Star Jason Prior statt auf die Riggs: Er hat sich das runde Pryde-Bulleye auf die Schulter tätowieren lassen (was die Marke mit einer doppelseitigen Anzeige feiert). Gleich doppelt ist Chiemsee auf der Messe vertreten: Neben der Original-Brand gab es auch eine Marke namens “Chiemsee Sailing” , die den Look frech kopierte.
Teneriffa, das hieß meistens El Medano. Doch die surf-Autoren Christian Tillmanns und Andreas Erbe enthüllten im Herbst 1995 neue Anlaufstellen. Vom beinharten Local-Spot Confital (mit Steinhagel zur Begrüßung) über Güimar bis hin zum Wave-Slalom-Spot Alcala werden neue Anlaufziele gezeigt. Dreh- und Angelpunkt bleibt aber El Medano mit seinen Stationen, Hotels und Shops. Olaf Dohse hingegen begab sich an die Ostsee, auf der Suche dem Wavespot Dahmeshöved an der Lübecker Bucht. Nach reichlich Umwegen steht er schließlich am gesuchten Strand - wobei “Strand” allzu euphemistisch klingt angesichts des kümmerlichen Sandstreifens zwischen Deich und Buhnenresten. “Einstiegsstelle” passt schon eher. Doch alles egal angesichts einer sauberen Welle an der Sandbank und Wind von der Seite. Für Gefahr sorgen neben den wenig erfreuten Locals auch zahlreiche Steine und Hindernisse im Wasser. “Man muß eben drum herum fahren”, so der Insider-Tipp. Mit Dahme und Kellenhusen sind obendrein zwei zahmere Spots nur wenige Kilometer entfernt.
Robert Teriitehau war in den Neunzigern der Superstar des Windsurfens - und ein unterhaltsamer Gegenentwurf zu den durchgeplanten und organisierten Legenden Dunkerbeck und Naish. Der bunte Hund aus Neukaledonien galt als eines der größten Talente seinerzeit und schrammte mehrfach haarscharf am WM-Titel vorbei. Seine steile Karriere begann 1982 mit den ersten Surfversuchen, sechs Monate später war Teriitehau kaledonischer Meister, 1984 schlug er in La Torche Robby Naish - vor 100.000 frenetischen Zuschauern. Es folgen Sponsoren-Deals, viel Geld und schneller Ruhm. Zeitweise prangte Roberts Bild auf fünf Millionen französischen Cornflakes-Packungen. Im surf-Interview ist der damals 28-Jährige überzeugt, dass er Weltmeister werden könnte, wenn er nur etwas mehr trainiert hätte. “Aber warum hätte ich damals um 10 Uhr abends ins Bett gehen sollen, wenn die Mädchen noch auf mich gewartet haben?” Auch auf dem Wasser pusht Teriitehau die Grenzen des Machbaren: In Hookipa sorgen seine 18 Meter hohen Loops selbst bei Dunkerbeck, Polakow und Co. für Kopfschütteln und seine Sprünge aus dem Becken heraus beim Indoor World Cup in Paris sind legendär. Später sollte Teriitehau beim ersten Windsurf-Rennen über den Atlantik dabei sein - inklusive Sprung vom begleitenden Eisbrecher! Da ist es fast schon schade, dass es damals noch kein Instagram und Co. gab, um alle verrückten Aktionen festzuhalten.
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