RückspiegelDas waren die Highlights in surf 11-12/2002

Tobias Frauen

 · 21.12.2024

Andy Wolff lässt sich auf dem Cover von surf 11-12/2002  per Body Drag vor der Tahiti-Insel Tubuai erfrischen, fotografiert von Gilles Calvet
Ein wahres Paradies und eines mit Schattenseiten: im Winter-Heft des Jahres 2002 geht es nach Tahiti und Maui, zwei Reportagen zum Träumen und Nachdenken. Außerdem hat surf nachgefragt, wie neue Boards entwickelt werden. Wir nehmen euch mit auf eine kleine Zeitreise!

“Es gibt einen Platz auf dieser Welt, der mich nicht mehr loslässt”, schreibt Andy Wolff über die tahitianische Insel Tubuai. Nachdem Andy zu Beginn seiner Windsurf-Karriere einen Tahitianer kennengelernt und diesen zu Hause besucht hatte, war er verliebt in das nahezu unberührte Paradies. Nun machte er sich auf den Weg zu der Inselgruppe der Australen, die vom Passat umstreichelt und von der Zivilisation einigermaßen verschont sein sollen. Von Tahitis Hauptstadt Papeete aus geht ein Schiff, das jedoch eine Woche braucht. Die Fluggesellschaft, die die Inselchen versorgt, ließ sich erst durch gutes Zureden davon überzeugen, Windsurfmaterial in die kleine Propellermaschine zu quetschen. Doch der Aufwand hat sich gelohnt, Andy, Levi Siver und Jerome Boldoires finden ein wahres Paradies vor. Die Einheimischen sind begeistert vom Windsurfen, mögen es aber nicht selbst ausprobieren. Sie wollten sich nicht blamieren, “schließlich galt es, den Ruf der Polynesier als virtuose Seefahrer zu bewahren.” Gesurft wurde reichlich, die Bilder in der Geschichte sprechen für sich!

Vom Prototypen zum Serienboard

Wie die Entwicklung von neuen Boards abläuft, hat Stephan Gölnitz am Beispiel von drei Marken nachgezeichnet. Neben den Big Playern Fanatic und JP-Australia ist auch HiFly mit Shaper Klaus Jocham dabei. Der testet alle Boards selber, hat mehr als 20 Jahre Erfahrung und bei der Konzeption vor allem normale Surfer im Blick. Bei JP schaut man vor allem auf Zahlen: Testergebnisse, Marktanalysen und die direkte Konkurrenz werden als Basis genommen, um das Lastenheft neuer Boards zu füllen. Zielstrebig werde an bestimmten Fahreigenschaften gearbeitet, akribische Vergleichsfahrten sollen die Unterschiede zwischen Prototypen aufzeigen. “Und eure Tests”, so JP-Shaper Werner Gnigler grinsend zu surf, “sparen mir natürlich auch viel Arbeit. Ich könnte mir nie so viele Bretter organisieren und testen.” Wer bei Fanatic ein Waveboard kauft, bekommt 2002 einen original Goya. Der Wave-Weltmeister entwickelt gemeinsam mit Shaper Sebastian Wenzel die Shapes, die bis ins Detail identisch in Produktion gehen. Ist ein Board vom Style-Guru nicht zu radikal für den durchschnittlichen Ostsee-Rutscher? “Auch meine Bretter müssen in allen Bedingungen funktionieren”, versichert Francisco. “Ich benutze sie überall, unterscheide da nicht zwischen Onshore- und Sideshore-Revieren.” Durch den schnelleren Wave-Style der Profis seien die Boards auch für Hobby-Surfer besser fahrbar geworden.

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Maui mal anders

Werner Hickel ist leidenschaftlicher Windsurfer wie so viele und hat sich den Hawaii-Traum erfüllt. Doch Maui ist abseits der Profi-Videos deutlich weniger glamourös. In surf beschreibt er sein Leben in einer WG voller Surf-Freaks mit abenteuerlichem Lebenswandel, Ungeziefer und Billig-Nudeln im Hunderter-Pack. Maui on a budget, das kann hart sein. Ein günstig geschossenes Board entpuppt sich als Diebesgut, zum Glück ist der rechtmäßige Besitzer einigermaßen friedlich - ganz im Gegensatz zu anderen Locals, die im Line-Up wilde Verwünschungen brüllen und Auto-Reifen zerstechen. Warum nimmt jemand das auf sich? Eine Session in Hookipa rückt dann das Windsurfer-Leben wieder zurecht: Die Welle, von niemand Geringerem als Francisco Goya überlassen, entpuppt sich als der Ritt des Lebens. Anschließend gelingt Werner noch der erste richtige Frontloop. “Fürs Paradies geht es hier ganz schön ruppig zu”, resümmiert Werner. “Sie hat ihren Preis, die unermessliche Anmut und Intensität Hawaiis. Ob die Inseln in ihrem mystischen, unvergleichlichen Licht erstrahlen oder nicht, hängt immer nur an einem selbst.”

Das gesamte Heft gibt es oben in der Galerie zum Durchklicken!

Und sonst so?

  • Als “begeisterte Anhängerin” des Windsurfens bezeichnet sich Christina Rau, die Frau des damaligen Bundespräsidenten und damit First Lady. Im Urlaub auf Spiekeroog steht sie nach einer längeren Pause wieder regelmäßig auf dem Board, gelernt hat Rau das Windsurfen bereits 1978
  • American Express wirbt mit Ramon Fenoll, einem Surfshop-Besitzer aus Tarifa: “Er weiß, wie man [...] surft. Er bringt es ihnen bei für American Express Travelers Cheques”, dazu ein auffordernder Blick mit Kojak-Look.
  • Nach 48 Stück stellt Cobra die Produktion hohler Boards aus Qualitätsgründen wieder ein. Etwa 15 bis 20 Exemplare eines 5,3 Kilo leichten Freestylers sollen es dennoch bis nach Europa geschafft haben.
  • Björn Dunkerbeck konnte auf Sylt nicht dabei sein, weil er sich mit einer Harpune in den Fuß geschossen hatte.
  • Das grafische Design der JP-Boards kommt von Gudrun Geiblinger, die bereits 1993 eine preis für die Gestaltung des F2 Axxis verliehen bekam. Geiblingers Entwürfe sind gerne radikal mit Totenköpfen oder Ähnlichem. Nur ein Snowboard mit Vibrator-Design wurde vom Salzburger Landesschulrat “zum Schutze der Jugend” verboten.
  • Starboard bringt mit dem Hypersonic ein Board, dass bei allen Bedingungen auf dem Regatta-Kurs die richtige Wahl sein soll. Kurz, breit, flach und mit Cutouts erinnert es schon deutlich an heutige Freeracer. Nur die 2,5 cm (!) tiefen Konkaven wirken speziell.
  • Eine der legendärsten Anzeigen der Windsurf-Geschichte kam von NeilPryde: Eine leere. brechende Riesen-Welle vor Oahu, dazu der Slogan “The wind can tell The Difference”. Hing jahrelang als Poster im Zimmer des Autoren.
  • surf testet verschiedene Dachboxen fürs Material, um mehr Platz im Auto zu schaffen. Auch dabei: Ein Dachzelt - auch so ist mehr Platz im Auto
  • Dr. Michael Sachweh erklärt die Windsysteme an den wichtigsten Spots Europas, und wie die Vorhersagen entstehen. Das noch in Kurzform - sehr ausführliche Erläuterungen gab der Meteorologe dann 2022 in unserem großen Wind-Special
  • Vincent Langer wurde 2002 als aufstrebendes Talent vorgestellt. Schon damals hat ihn Kursrennen mehr gereizt als Freestyle. Das Ziel: Profi werden! Hat bekanntlich geklappt, Vinc hat fleißig Titel gesammelt
  • Falsch herum geht es in der Fahrtechnik zu: Matt Pritchard zeigt die spektakulärsten Schothorn Voraus-Moves!
  • Bei der Funboard-DM auf Norderney schrammt Andy Laufer haarscharf am ersten Titel vorbei, den gewinnt (natürlich) Flessner, trotz F2-Sponsoring mit einem Fanatic-Board unterwegs. Im Wave/Freestyle gewinnt André Paskowski - und muss sich die langen, blonden Haare abrasieren
  • Traumbedingungen beim Freestyle World Cup in Kanada: Im kaum bekannten Revier auf den Magdalen Islands zwischen Neufundland und Quebec waren aber kaum Profis am Start.

Weitere surf-Rückblicke:

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Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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