Der absolute heiße Sch... im Herbst 1986 waren Cutaway-Segel: Ein je nach Marke abenteuerlich ausgestelltes Top oder ein Einschnitt im Achterliek, der aussieht als ob der Kumpel mit der Finne ins Rigg geheizt war, sollte für Twist und Kontrollierbarkeit sorgen. “Das Eck, das dich schneller macht” (Werbeslogan F2) - ob das wirklich so stimmt, hat surf als erstes Magazin getestet. Cutaway-Erfinder ART war damals ganz neu, und das Rad Wing von Designer Monty Spindler (heute Loftsails) war am Ende auch klarer Testsieger. Neben ART und F2 hatten auch heute vergessene Marken wie Abnormal, Topsails und Unterberger an ihren Segel großzügig die Schere angesetzt, um auf den Trend aufzuspringen. Die Performance der einzelnen Modell war jedoch, so das Urteil der surf-Tester, stark vom Mast und den Bedingungen abhängig. Auch ordentliche “normale” Segel konnten mithalten. Radikale Cutaways waren wenig später wieder verschwunden, ART jedoch hatte sich durch den Coup etabliert und blieb lange Jahre am Markt. Wer allerdings auf die Idee kam, die sechs Testsegel für das Aufmacherbild auf eine Windmühle zu spannen, würden wir gerne wissen...
“Was für Männer untragbar ist, muß für Frauen noch lange nicht schlecht sein”, heißt es zu Beginn des Damen-Trapez-Tests. Während die Herren bemängelten, dass “alle Hüfttrapeze” hochrutschen, sind die Modelle für Damen durchaus gut geeignet. “Das liegt in erster Linie an der oft stark ausgeprägten Taille der Frau”, mansplaint der Autor. Neben Brust- und Hüfttrapezen sind auch kombinierte Hüft-Sitztrapeze im Test dabei, ganz ähnlich den aktuell unter Profis verbreiteten Modellen. Sitztrapeze hingegen werden nicht berücksichtigt, weil sie nur für “sehr engagierte” Frauen geeignet seien, heißt es. “Eine Frau, die sich im schwarzen Neoprenanzug mit nassen Haaren und Sitztrapez zeigt, hat Charakter”, findet jedoch Jenna de Rosnay und erteilt damit den Ästhetik-Nörgeleien einiger Männer eine Absage.
Noch relativ neu sind im November 1986 teilbare Masten. Und auch wenn damals mehrere Fluggesellschaften die 460er-Prügel ohne Murren am Stück transportiert haben, liegen die Vorteile des Zweireihers auf der Hand. Aus heutiger Sicht kurios: Einige Masten haben die Trennung nicht in der Mitte, sondern im Gabelbaumbereich, andere sind mit einer Verlängerung am Topp sogar dreiteilig. Auch Alu-Masten sind damals vor allem auf Flachwasser noch üblich, in der Welle ist Epoxy angesagt, in ganz großer Brandung sogar “schwere Pflicht”, wie surf den Lesern die Kategorie Heavy Duty näherbringt. Auch ein Problem damals: Die Dichtstopfen lassen zwar bei einigen Modellen Wasser rein, sorgen aber beim Fliegen für Unter- oder Überdruck im Mast.
Im Funboard-Teil taucht erstmals die “Wind Weapon” von Tom McGruder auf, ein Vorläufer der heutigen Wings. Auch wenn die Konstruktion noch per Alu-Mast mit einem herkömmlichen Windsurfboard verbunden ist, sind die Parallelen offensichtlich. “Ich glaube, dass wir mit der Wind Weapon 20 Meter hoch und 30 Meter weit fliegen können”, meint der Erfinder. Test- und Foto-Sessions an der Gorge sind jedenfalls Massenereignisse, auch Pete Cabrinha und Robby Naish übern schon fleißig. Wie sich die Wind Weapon anfühlt, konnte surf-Redakteur Manuel Vogel 2017 noch einmal nachfühlen: “Abgetrieben und fast ersoffen” - ein Tag mit der Wind Weapon
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