RückspiegelDas waren die Highlights in surf 11/1986

Tobias Frauen

 · 15.02.2025

Mike Eskimo mit Spieltrieb auf dem Cover von surf 11/1986, fotografiert von Sylvain Cazenave
Foto: surf Archiv
Was für ein Heft! surf testete die ersten Segel mit auffälligem Cutaway, beriet zum Thema teilbare Masten und stellte den Urahn moderner Wings vor. Und während der Name Dunkerbeck schon recht bekannt war, fuhr die damals 17 Jahre alte Andrea Hoeppner völlig überraschend zum WM-Titel der Amateure!

Themen in diesem Artikel

Erster Test der Cutaway-Segel

Der absolute heiße Sch... im Herbst 1986 waren Cutaway-Segel: Ein je nach Marke abenteuerlich ausgestelltes Top oder ein Einschnitt im Achterliek, der aussieht als ob der Kumpel mit der Finne ins Rigg geheizt war, sollte für Twist und Kontrollierbarkeit sorgen. “Das Eck, das dich schneller macht” (Werbeslogan F2) - ob das wirklich so stimmt, hat surf als erstes Magazin getestet. Cutaway-Erfinder ART war damals ganz neu, und das Rad Wing von Designer Monty Spindler (heute Loftsails) war am Ende auch klarer Testsieger. Neben ART und F2 hatten auch heute vergessene Marken wie Abnormal, Topsails und Unterberger an ihren Segel großzügig die Schere angesetzt, um auf den Trend aufzuspringen. Die Performance der einzelnen Modell war jedoch, so das Urteil der surf-Tester, stark vom Mast und den Bedingungen abhängig. Auch ordentliche “normale” Segel konnten mithalten. Radikale Cutaways waren wenig später wieder verschwunden, ART jedoch hatte sich durch den Coup etabliert und blieb lange Jahre am Markt. Wer allerdings auf die Idee kam, die sechs Testsegel für das Aufmacherbild auf eine Windmühle zu spannen, würden wir gerne wissen...

Trapeze für Frauen

“Was für Männer untragbar ist, muß für Frauen noch lange nicht schlecht sein”, heißt es zu Beginn des Damen-Trapez-Tests. Während die Herren bemängelten, dass “alle Hüfttrapeze” hochrutschen, sind die Modelle für Damen durchaus gut geeignet. “Das liegt in erster Linie an der oft stark ausgeprägten Taille der Frau”, mansplaint der Autor. Neben Brust- und Hüfttrapezen sind auch kombinierte Hüft-Sitztrapeze im Test dabei, ganz ähnlich den aktuell unter Profis verbreiteten Modellen. Sitztrapeze hingegen werden nicht berücksichtigt, weil sie nur für “sehr engagierte” Frauen geeignet seien, heißt es. “Eine Frau, die sich im schwarzen Neoprenanzug mit nassen Haaren und Sitztrapez zeigt, hat Charakter”, findet jedoch Jenna de Rosnay und erteilt damit den Ästhetik-Nörgeleien einiger Männer eine Absage.

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Teilbare Masten: aus eins mach zwei - oder drei

Noch relativ neu sind im November 1986 teilbare Masten. Und auch wenn damals mehrere Fluggesellschaften die 460er-Prügel ohne Murren am Stück transportiert haben, liegen die Vorteile des Zweireihers auf der Hand. Aus heutiger Sicht kurios: Einige Masten haben die Trennung nicht in der Mitte, sondern im Gabelbaumbereich, andere sind mit einer Verlängerung am Topp sogar dreiteilig. Auch Alu-Masten sind damals vor allem auf Flachwasser noch üblich, in der Welle ist Epoxy angesagt, in ganz großer Brandung sogar “schwere Pflicht”, wie surf den Lesern die Kategorie Heavy Duty näherbringt. Auch ein Problem damals: Die Dichtstopfen lassen zwar bei einigen Modellen Wasser rein, sorgen aber beim Fliegen für Unter- oder Überdruck im Mast.

Die Wind Weapon als Ur-Opa des Wingfoilens

Im Funboard-Teil taucht erstmals die “Wind Weapon” von Tom McGruder auf, ein Vorläufer der heutigen Wings. Auch wenn die Konstruktion noch per Alu-Mast mit einem herkömmlichen Windsurfboard verbunden ist, sind die Parallelen offensichtlich. “Ich glaube, dass wir mit der Wind Weapon 20 Meter hoch und 30 Meter weit fliegen können”, meint der Erfinder. Test- und Foto-Sessions an der Gorge sind jedenfalls Massenereignisse, auch Pete Cabrinha und Robby Naish übern schon fleißig. Wie sich die Wind Weapon anfühlt, konnte surf-Redakteur Manuel Vogel 2017 noch einmal nachfühlen: “Abgetrieben und fast ersoffen” - ein Tag mit der Wind Weapon

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Und sonst so?

  • Zur Eröffnung eines neuen Surfshops in Rosenheim wurden 100 Freiflüge über den Chiemsee verlost. Am Steuer: Der Shopbesitzer höchstpersönlich...
  • ...während am Walchensee eine Propellermaschine vor den Augen der Locals ins Wasser gestürzt ist.
  • In Frankreich geriet ein deutscher Surfer in den Fokus der Polizei, weil er ein selbstgebautes Board per Zettel am Auto verkaufen wollte. Der Vorwurf: Verstoß gegen die Zollgesetze
  • Apropos Behörden-Wahnsinn: Das DIN-Institut hat die Anforderungen für Surfbretter überarbeitet. Nur noch Schwertboards müssen zukünftig einen Mastfuß mit Notauslösung haben, zudem dürfen Finnen “um einen Millimeter Nasenradius” schärfer werden.
  • Im August-Heft brachte surf 1986 ein Porträt von Jenna de Rosnay. Was aber reitet einen Leser (Gendern an dieser Stelle unnötig) dazu, nach dem genauen Gewicht der Dame zu fragen - ganz zu schweigen von der detaillierten Antwort (inklusive Maße!) der Redaktion?
  • Hart und eckig statt elegant durchgeglitten: surf zeigt in der Fahrtechnik die Slam Jibe - zum höheschonenden Umdrehen und als Vorstufe zur gesprungenen Halse
  • Was steckt hinter dem Mythos Maui, was ist so faszinierend? surf hat ein Kameratem nach Hawaii geschickt, das viele Stars vor die Kamera lockte und den Video-Film “Magic Maui” mitbrachte
  • surf stellt den neuen Sport “Schneesurfen” vor. Damit ist natürlich das damals brandneue Snowboarden gemeint, aber auch ein Gefährt wie der Snowsurfer mit zwei ski-artigen Kufen versucht noch auf den Trend aufzuspringen. Charly Messmer und Andy Tanner dürfen jeweils ihren Favoriten preisen.
  • Spot Guides, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Neben den Malediven wird auch das “Friesen-Fuerte” Amrum vorgestellt
  • Bei der Funboard-WM der Amateure gewinnt sensationell Andrea Hoeppner, damals 17 Jahre alt. Die Herren Bachschuster, Maass und Schnellbacher blieben hinter den Erwartungen zurück und mussten zittern, denn die WM war gleichzeitig die Quali für den World Cup
  • Beim World Cup auf Sylt, der immer größer wird, laufen die Kursrennen weit draußen im Nebel. Jürgen Hönscheid motzt über Schmuddelwetter, und Newcomer Björn Dunkerbeck steht erstmals in einem Wave-Finale

Weitere surf-Rückblicke:

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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