RückspiegelDas waren die Highlights in surf 2/1979

Tobias Frauen

 · 25.11.2023

Die Highlights in surf 2/1979
Foto: surf-Archiv
Steve Wilkings hat das Coverbild von surf 2/1979 geschossen, darauf ist John Speer mit seinem selbstkonstruierten Foil zu sehen
Foil-Fieber im Jahr 1979! John Speer zeigt auf dem Titel und in seiner Reportage, dass das Prinzip auch beim Windsurfen funktioniert. Gleichzeitig wird zwecks Patent-Umgehung an der Gabel gebastelt und neue Namen drängen auf den Markt. Klickt euch durch die Highlights der surf-Geschichte!

Wir schreiben den Anfang des Jahres 1979, die Windsurf-Welt steht noch immer ein wenig unter dem Patent-Schock (siehe surf 6/1978). Inzwischen gibt es jedoch erste Ansätze, um Hoyle Schweitzer und seinen Anwälten eins auszuwischen und eigenes Material auf den Markt zu bringen. “Es muss doch irgendwie weitergehen”, sagte sich Bootsbauer Siegfried Blech und konstruierte einen eigenen “Segelbaum”: Im Prinzip eine kleinere Variante eines Gabelbaums, die jedoch am hinteren Ende noch ein rund 70 cm langes Rohr aufweist. Daran wird das Achterliek befestigt und getrimmt, was bestens funktioniert, wie surf nach den ersten Test-Schlägen feststellen muss.

Die Blech-Konstruktion wäre legal, wenn man den Patent-Text wörtlich auslegt, deswegen sind auch Mistral und andere Marken hellhörig geworden. Doch ob das so ist oder ein Richter den neuen Gabelbaum doch zu nah am geschützten Original ansiedelt, darüber ist sich auch Mistrals hauseigener Patent-Anwalt unsicher. Immerhin ist der “Segelbaum” ein Erfolg für seinen Erfinder Siggi Blech: “Hoyle Schweitzer hat sieben Jahre Zeit gehabt, sein Rigg zu entwickeln, ich nur vier Wochen!”

Die Kinderstube des Foiling

Vom “leisen Flüstern der durchs Wasser schneidenden Tragflächen gegenüber dem Rauschen und Gurgeln eines konventionellen Brettes” schwärmt John Speer aus Hawaii in seinem Bericht über sein Tragflächenbrett. Diesen Vorläufer der heutigen Foils hat Speer selber konstruiert, vor Kailua ausgiebig getestet hat und sogar ein Rennen gegen einen Katamaran gewonnen. “Seitdem sind viele der besten Surfer aus Hawaii auf dem Tragflügelbrett gefahren, und sie hatten alle keine besonderen Schwierigkeiten”, berichtet Speer.

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Die Grundlagen seiner Konstruktion hatte Niko Stickl schon im Jahr zuvor für einen Prototyp auf dem Smirnoff-Cup verwendet (ebenfalls siehe surf 6/1978), damals jedoch mit einem 40 Kilo schweren Board. Speer optimiert den Entwurf und baut sich Brett und Flügel aus Carbon und PU-Schaum. Trotz dem Erfolg auf Hawaii verschwand das Foiling erstmal wieder von der Bildfläche - die damaligen Flügel waren dann doch sehr sperrig im Vergleich zu modernen Foils.

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Ski-Marken haben den Windsurf-Markt im Blick

Die Skifahrer wollen aufs Wasser: Mehrere Wintersport-Marken planen angeblich - mehr oder weniger offen - einen Einstieg ins Windsurf-Business. Marker hatte bereits einen Prototyp, Kneissl kooperiert mit den Stickl-Brüdern und hat seinen “Windstar” bereits offiziell vorgestellt. Blizzard und Rossignol hingegen winken ab und verweisen auf die schwierige Patent-Situation. Ganz vorne ist die Firma Fritzmeier: Der Hersteller von Skiern und Booten hat sich Anteile an einer kleinen AG in der Schweiz gesichert und bereits das erste Modell auf dem Markt. Der Name: Mistral Competition.

Und sonst so?

  • Als Einhefter gibt es die Einladung zur surf-Faschingsparty “Schleudersturz”. Darin heißt es: “Dortselbst können alle Teilnehmer durch Dichtholen oder Fieren des Riggs, das durchaus auch ‘Rita’, ‘Karl-Otto’ oder ähnlich heißen darf, den bereits erwähnten Abgang herbeiführen oder verhindern.”
  • Der VDWS geht gegen Surfschulen vor, die nicht nach den Verbands-Richtlinien schulen. Angedroht wird, keine Diplome mehr zur Verfügung zu stellen. Außerdem sollen pro Saison nur noch 50 Surflehrer ausgebildet werden, um eine “Lehrerschwemme” zu verhindern.
  • Auf eine parlamentarische Anfrage an das hessische Sozialministerium zum Windsurfen allgemein gibt der zuständige Minister zu Protokoll, Windsurfer würden Laichgebiete der Fische an den Seen stören, die Fortpflanzung (der Fische) verhindern und ganze Gebiete “ökologisch entwerten”. Woher diese Behauptungen kamen, blieb indes auch auf Nachfrage völlig unklar.
  • Die Firma Point zeigt ein Brett mit Manta-artigen Spoilern am Heck, einem klappbaren Metall-Schwert und fußförmigen Vertiefungen an Deck für besseren Stand.
  • Einige Jahre vor der legendären “Speed Machine” (surf 11/1980) zeigt surf, wie man ein Brett aus Holz baut. Für rund 300 Mark Materialkosten und in 70 Stunden kann man sich so ein optisches Highlight bauen.
  • Fahrtechnik mit Naish: Robby zeigt Tricks im Gabelbaum, darunter auch Kantenfahren. Mit dabei: Wie kommt man wieder aus der Gabel heraus?
  • Ein Sportstudent hat untersucht, ob man im Simulator oder auf dem Tandem schneller surfen lernt. Sieger: Das Tandem, weil es träger ist als der kippelige Simulator.
  • Wie wichtig ist das Gewicht für Windsurfer? Jim Drake sagt: nicht ausschlaggebend. Surfshop-Inhaber Burckhard Manzke hingegen ist der Meinung, dass Schwergewichte bei mehr Wind im Vorteil sind.
  • surf war auf einer Windsurf-Kreuzfahrt in Norwegen dabei: Lustiger Surf-Trip statt “schwimmendes Altersheim”, zwischendurch immer wieder Sessions in den Fjorden. Wichtigster Tipp: “Wer zum Schluß der Reise noch in seinen Neoprenzeug passen will, muß vor Beginn der Fahrt einige Kilo abspecken!”

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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