Wir schreiben den Anfang des Jahres 1979, die Windsurf-Welt steht noch immer ein wenig unter dem Patent-Schock (siehe surf 6/1978). Inzwischen gibt es jedoch erste Ansätze, um Hoyle Schweitzer und seinen Anwälten eins auszuwischen und eigenes Material auf den Markt zu bringen. “Es muss doch irgendwie weitergehen”, sagte sich Bootsbauer Siegfried Blech und konstruierte einen eigenen “Segelbaum”: Im Prinzip eine kleinere Variante eines Gabelbaums, die jedoch am hinteren Ende noch ein rund 70 cm langes Rohr aufweist. Daran wird das Achterliek befestigt und getrimmt, was bestens funktioniert, wie surf nach den ersten Test-Schlägen feststellen muss.
Die Blech-Konstruktion wäre legal, wenn man den Patent-Text wörtlich auslegt, deswegen sind auch Mistral und andere Marken hellhörig geworden. Doch ob das so ist oder ein Richter den neuen Gabelbaum doch zu nah am geschützten Original ansiedelt, darüber ist sich auch Mistrals hauseigener Patent-Anwalt unsicher. Immerhin ist der “Segelbaum” ein Erfolg für seinen Erfinder Siggi Blech: “Hoyle Schweitzer hat sieben Jahre Zeit gehabt, sein Rigg zu entwickeln, ich nur vier Wochen!”
Vom “leisen Flüstern der durchs Wasser schneidenden Tragflächen gegenüber dem Rauschen und Gurgeln eines konventionellen Brettes” schwärmt John Speer aus Hawaii in seinem Bericht über sein Tragflächenbrett. Diesen Vorläufer der heutigen Foils hat Speer selber konstruiert, vor Kailua ausgiebig getestet hat und sogar ein Rennen gegen einen Katamaran gewonnen. “Seitdem sind viele der besten Surfer aus Hawaii auf dem Tragflügelbrett gefahren, und sie hatten alle keine besonderen Schwierigkeiten”, berichtet Speer.
Die Grundlagen seiner Konstruktion hatte Niko Stickl schon im Jahr zuvor für einen Prototyp auf dem Smirnoff-Cup verwendet (ebenfalls siehe surf 6/1978), damals jedoch mit einem 40 Kilo schweren Board. Speer optimiert den Entwurf und baut sich Brett und Flügel aus Carbon und PU-Schaum. Trotz dem Erfolg auf Hawaii verschwand das Foiling erstmal wieder von der Bildfläche - die damaligen Flügel waren dann doch sehr sperrig im Vergleich zu modernen Foils.
Die Skifahrer wollen aufs Wasser: Mehrere Wintersport-Marken planen angeblich - mehr oder weniger offen - einen Einstieg ins Windsurf-Business. Marker hatte bereits einen Prototyp, Kneissl kooperiert mit den Stickl-Brüdern und hat seinen “Windstar” bereits offiziell vorgestellt. Blizzard und Rossignol hingegen winken ab und verweisen auf die schwierige Patent-Situation. Ganz vorne ist die Firma Fritzmeier: Der Hersteller von Skiern und Booten hat sich Anteile an einer kleinen AG in der Schweiz gesichert und bereits das erste Modell auf dem Markt. Der Name: Mistral Competition.
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