Das Wrack des Ozean-Riesen “SS American Star” an der Playa del Garcey war 1999 noch immer eine spektakuläre Kulisse für den umfangreichen Spotguide über Fuerteventura. Nicht umsonst zierte der vordere Teil des 1994 gestrandetes Schiffes auch den Aufmacher, gemeinsam mit einem Disney-Segel von North auf einer tiefblauen Welle. Damals war es 20 Jahre her, dass Fuerte seinen Ruf als ebenso windige wie vielseitige Windsurf-Destination begründete. “Ungezählte Panda-Piloten schnüffelten in den folgenden Jahren auf der Suche nach dem idealen Break über die Insel”, schreibt Autor Christian Tillmanns. Gleichzeitig begann auch der Massentourismus und mit ihm der Bauboom, 1999 ist der “widerspenstige Sandhaufen im Atlantik” schon genau wie heute eine einer der Top-Spots in Europa. Dafür haben neben dem legendären World Cup in Sotavento auch die Wellen an der North Shore und die Geschichten zahlreicher Locals und Besucher beigetragen. Der World Cup Spot in Sotavento bietet mit dem Egli Center und seinen damals 850 Riggs und 300 Boards (!) beste Infrastruktur, andere Spots haben nicht mal eine Straße. Besonders rauh ist der Norden: Mejillones - das “Horror Riff” - ist “der richtge Spot für Lebensmüde”, in Puerto Lajas ist “der Einstieg ins Wasser so nervig, daß sich das nur wenige Freaks antun”. Der Bauboom der Neunziger ist inzwischen abgeebbt, so dass Fuerte noch immer einer der beliebtesten Euro-Spots für alle Könnensstufen ist. Nur die “SS American Star” ist kaum noch zu sehen, sie ist im Laufe der Jahre von Wellen und Wind zerstört worden, so dass nur noch wenige Reste auf dem Meeresboden liegen.
Masten und ihr Carbon-Gehalt sind ein Dauerbrenner, heute genauso wie Ende der Neunziger. Damals durfte surf im “Eros-Center aller Carbon-Fetischisten” hinter die Kulissen schauen, der Masten-Produktion bei Reglass im italienischen Bologna. Ausführlich wird beschrieben, wie aus unzähligen winzig dünnen Carbonfasern am Ende ein Windsurf-Mast wird. Entscheidend ist neben der Qualität der Rohstoffe die Komposition verschiedener Ausrichtungen und Winkel der Fasern. “Einen stabilen Mast zu bauen ist nicht schwierig, kniffelig wird es erst, wenn man den leichtesten und trotzdem ausreichend haltbaren Mast konstruieren will”, erklärt einer der Techniker. Neben der Theorie hat surf auch verschiedene Segel mit jeweils drei unterschiedlichen Mast-Optionen von 30, 60 und 100% Carbon verglichen. Überlebt hat den Test keiner der Masten - denn alle wurden anschließend im Labor bis zum Zerbersten gebogen, um die Haltbarkeit zu messen.
Mit 50.000 Dollar Preisgeld lockte der O’Neill Wave Classic die Windsurf-Elite nach Punta San Carlos auf der Baja California in Mexiko. Die 1500 Kilometer lange Landzunge ist für ihre grandiosen Wellen ebenso bekannt wie für endlose Sandpisten, giftige Tiere, kalte Nächte und lebensfeindliche Wüstengebiete. Wer nicht selber anreisen wollte, konnte sich einem Wohnmobil-Tross von San Diego aus anschließen, so auch Robby Seeger, der für surf von der “wohl ungewöhnlichsten Veranstaltung der Wordcup-Geschichte” berichtete. Statt an einem Strand mit tausenden Zuschauern, Event-Setup, Hotels und Voll-Versorgung fanden sich die Wave-Stars in ein paar Mini-Zelten mitten in der Wüste wieder. Naish, Flessner und einige andere hatten “keinen Bock auf Pfadfinder-Zeltlager”, mit den Sivers, den Stones (Josh und Jason, nicht Mick und Keith), den Bakers, Jason Polakow, Robert Teriitehau, Björn Dunkerbeck und einigen anderen war der Contest aber dennoch top besetzt. Nach strapaziöser Anreise wartet weit abseits jeglicher Zivilisation immerhin ein vertrautes Gefühl auf die Profis: Das Wasser ist “frostig wie auf Sylt im Oktober”. Die Wellen sind dafür umso besser, sie brechen am Punta San Carlos “fast perfekt, etwas langsamer und nicht so kraftvoll wie Hookipa.” Polakow und Baker sind mit neuen, 2,20 Meter kurzen Boards deutlich radikaler unterwegs als der Rest und landen am Ende verdient ganz oben. “Polakow surft mittlerweile in einer eigenen Liga”, findet Headjudge Klaus Michel. Zwischendurch gibt es immer wieder heftige Regenfälle auf der Baja California, die die Flüssen anschwellen lassen und die Rückfahrt zur Tortur machen - “80 Kilometer in sechs Stunden”.
Das gesamte Heft gibt es oben in der Galerie zum Durchklicken!

Redakteur