RückspiegelDas waren die Highlights in surf 6/1999

Tobias Frauen

 · 01.03.2025

Jason Prior springt auf dem Cover von surf 6/1999 einen einhändigen Backloop, fotografiert von Jono Knight
Foto: surf Archiv
Im Juni 1999 brachte surf eine weitere Auflage der legendären “Cool Moves” von und mit Josh Stone, zeigte die besten Windsurfspots auf Fuerteventura, ging dem Geheimnis der Carbonmasten auf den Grund und berichtete über einen der ungewöhnliches World Cups der Geschichte. Stöbert mit uns durchs Heft!

Themen in diesem Artikel

Spot Guide Fuerteventura und die “SS American Star”

Das Wrack des Ozean-Riesen “SS American Star” an der Playa del Garcey war 1999 noch immer eine spektakuläre Kulisse für den umfangreichen Spotguide über Fuerteventura. Nicht umsonst zierte der vordere Teil des 1994 gestrandetes Schiffes auch den Aufmacher, gemeinsam mit einem Disney-Segel von North auf einer tiefblauen Welle. Damals war es 20 Jahre her, dass Fuerte seinen Ruf als ebenso windige wie vielseitige Windsurf-Destination begründete. “Ungezählte Panda-Piloten schnüffelten in den folgenden Jahren auf der Suche nach dem idealen Break über die Insel”, schreibt Autor Christian Tillmanns. Gleichzeitig begann auch der Massentourismus und mit ihm der Bauboom, 1999 ist der “widerspenstige Sandhaufen im Atlantik” schon genau wie heute eine einer der Top-Spots in Europa. Dafür haben neben dem legendären World Cup in Sotavento auch die Wellen an der North Shore und die Geschichten zahlreicher Locals und Besucher beigetragen. Der World Cup Spot in Sotavento bietet mit dem Egli Center und seinen damals 850 Riggs und 300 Boards (!) beste Infrastruktur, andere Spots haben nicht mal eine Straße. Besonders rauh ist der Norden: Mejillones - das “Horror Riff” - ist “der richtge Spot für Lebensmüde”, in Puerto Lajas ist “der Einstieg ins Wasser so nervig, daß sich das nur wenige Freaks antun”. Der Bauboom der Neunziger ist inzwischen abgeebbt, so dass Fuerte noch immer einer der beliebtesten Euro-Spots für alle Könnensstufen ist. Nur die “SS American Star” ist kaum noch zu sehen, sie ist im Laufe der Jahre von Wellen und Wind zerstört worden, so dass nur noch wenige Reste auf dem Meeresboden liegen.

So werden Windsurf-Masten hergestellt

Masten und ihr Carbon-Gehalt sind ein Dauerbrenner, heute genauso wie Ende der Neunziger. Damals durfte surf im “Eros-Center aller Carbon-Fetischisten” hinter die Kulissen schauen, der Masten-Produktion bei Reglass im italienischen Bologna. Ausführlich wird beschrieben, wie aus unzähligen winzig dünnen Carbonfasern am Ende ein Windsurf-Mast wird. Entscheidend ist neben der Qualität der Rohstoffe die Komposition verschiedener Ausrichtungen und Winkel der Fasern. “Einen stabilen Mast zu bauen ist nicht schwierig, kniffelig wird es erst, wenn man den leichtesten und trotzdem ausreichend haltbaren Mast konstruieren will”, erklärt einer der Techniker. Neben der Theorie hat surf auch verschiedene Segel mit jeweils drei unterschiedlichen Mast-Optionen von 30, 60 und 100% Carbon verglichen. Überlebt hat den Test keiner der Masten - denn alle wurden anschließend im Labor bis zum Zerbersten gebogen, um die Haltbarkeit zu messen.

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Camping World Cup auf der Baja California

Mit 50.000 Dollar Preisgeld lockte der O’Neill Wave Classic die Windsurf-Elite nach Punta San Carlos auf der Baja California in Mexiko. Die 1500 Kilometer lange Landzunge ist für ihre grandiosen Wellen ebenso bekannt wie für endlose Sandpisten, giftige Tiere, kalte Nächte und lebensfeindliche Wüstengebiete. Wer nicht selber anreisen wollte, konnte sich einem Wohnmobil-Tross von San Diego aus anschließen, so auch Robby Seeger, der für surf von der “wohl ungewöhnlichsten Veranstaltung der Wordcup-Geschichte” berichtete. Statt an einem Strand mit tausenden Zuschauern, Event-Setup, Hotels und Voll-Versorgung fanden sich die Wave-Stars in ein paar Mini-Zelten mitten in der Wüste wieder. Naish, Flessner und einige andere hatten “keinen Bock auf Pfadfinder-Zeltlager”, mit den Sivers, den Stones (Josh und Jason, nicht Mick und Keith), den Bakers, Jason Polakow, Robert Teriitehau, Björn Dunkerbeck und einigen anderen war der Contest aber dennoch top besetzt. Nach strapaziöser Anreise wartet weit abseits jeglicher Zivilisation immerhin ein vertrautes Gefühl auf die Profis: Das Wasser ist “frostig wie auf Sylt im Oktober”. Die Wellen sind dafür umso besser, sie brechen am Punta San Carlos “fast perfekt, etwas langsamer und nicht so kraftvoll wie Hookipa.” Polakow und Baker sind mit neuen, 2,20 Meter kurzen Boards deutlich radikaler unterwegs als der Rest und landen am Ende verdient ganz oben. “Polakow surft mittlerweile in einer eigenen Liga”, findet Headjudge Klaus Michel. Zwischendurch gibt es immer wieder heftige Regenfälle auf der Baja California, die die Flüssen anschwellen lassen und die Rückfahrt zur Tortur machen - “80 Kilometer in sechs Stunden”.

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Und sonst so?

  • Mistral, seit Kurzem mit Fanatic unter einem Dach, will die Produktionsstätte der neuen Schwestermarke auch für Boards mit dem m Dot nutzen. Viele Marken lassen noch in Malaysia produzieren, die Top-Boards kommen inzwischen fast ausschließlich von Cobra. In Europa betreiben nur noch AHD, F2, Bic, Schütz und Rotex/HiFly eigene Fabriken.
  • Beim World Cup am Neusiedler See wehte nur an zwei Tagen überhaupt ein schwacher Hauch, mit Mühe konnte die erste Runde beendet werden. Am Ende gab es 16 erste Plätze, die schwereren Fahrer starteten eine Unterschriften-Aktion gegen die Wertung
  • Perlen der Werbung: Ohne Surfer, ohne Wasser, ohne Action - und doch brachte kaum eine Werbung das Gefühl nach einem guten Surf-Tag so gut rüber wie die Anzeige der Uhren-Marke G-Shock. Eine Hand, die mühsam eine Gabel voller Spaghetti halten kann, dazu der Slogan “Wieder Sonne satt, wieder Schürfwunden, wieder total ausgepowert. Jetzt den Akku laden. Und morgen das gleiche noch mal. Pasta und basta.”
  • Die Bretter werden breiter: F2 Xantos, On Free, Mistral Vision und andere gehen in die Breite. Simmer Style präsentiert ein Freeride-Segel mit Ausleger am Topp, Monty Spindler kehrt nach dem ART-Aus mit der eigenen Marke “The Loft” zurück
  • Man muss auch mal loslassen können: Weil “drei von vier unvollendeten Powerhalsen am Schiften” scheitern, wird der richtige Zeitpunkt für die Segel-Rotation demonstriert.
  • Freestyle-Ikone Josh Stone zeigt im Manöver-Special “Cool Moves” 24 Manöver von Basics wie Backfahren und Handwash-Jibe bis hin zu Volcan und Spock. Eine Bibel für ganze Generationen von Nachwuchs-Freestylern
  • Trimmpunkte im Segel, heute weit verbreitet, sind Ende der Neunziger noch lizenzpflichtig. surf zeigt den richtigen Trimm, um die Punkte selber aufs Segel zu malen.
  • Geheimspots verraten oder nicht? In den Leserbriefen scheiden sich die Geister an dieser Frage. Der eine “will nicht andauernd den Aufsteigern ausweichen”, ein anderer beklagt sich über “laute Heiopeis aus Wanne-Eikel”, die mit Wohnmobilen und Grillgeräten einfallen. Gleichzeitig gibt es viele Stimmen, die sich für Rücksicht und Verständigung aussprechen. Eine never ending story...
  • Leckerbissen für Freunde endloser Tabellen: Für den “Weg zum richtigen Brett” gibt es eine umfangreiche Matrix aus Test-Noten, anschließend werden noch Brettgewichte aus dem Prospekt mit der Realität abgeglichen

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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