Im Juni-Heft 1978 war per handgetippter Eilmeldung verkündet worden, dass Hoyle Schweitzer das Patent für den Windsurfer erteilt worden war (siehe Rückblick 6/1978), im Sommer kam dann das Lizenz-Geschachere in Fahrt. surf war hautnah dabei, chauffierte Schweitzer und seine Frau sogar vom Flughafen ins Hotel und gab Auskünfte über die Erreichbarkeit des US-Amerikaners. Was im September-Heft dann minutiös nachzulesen ist, erscheint - vermutlich nicht nur aus heutiger Sicht -bizarr: Schweitzer hält in München regelrecht Hof, die Boardhersteller bekommen Audienzen, um um eine Lizenz zu betteln (”eine entwürdigende Situation”). Schweitzer gibt sich als Bewahrer, er möchte Jim Drakes und seine Erfindung vor Geschäftemachern schützen und “deutsche Hersteller zwingen, bessere Brettdesigns hervorzubringen”. Dafür zieht er auch den surf-Test zu Rate, hegt jedoch Sympathien für den auf ganzer Linie durchgefallenen “Solar Star” (siehe Leserbrief unten). Auch surf-Autor Ulrich Stanciu wird nicht recht schlau aus Schweitzer, der einerseits Lizenzen vergeben möchte (”bis zum Ablauf des Patents im Jahre 1987 etwa ein Dutzend”), Vorführ-Modelle ordert und jovial auftritt, andererseits aber Hersteller gegeneinander ausspielt, schwarze Listen führt und offenbar auch Patent-Partner TenCate beinahe vergrault hat. Im Laufe des viertägigen Gastspiels der Schweitzers in München klingelt auch immer wieder in der surf-Redaktion das Telefon, Hersteller erkundigen sich nach Schweitzer und machen sich teilweise unmittelbar auf den Weg, um ein Treffen mit dem Patent-Papst zu ergattern. Der besucht derweil einen Münchener Surfshop, ist überrascht ob des fortschrittlichen Auftretens und signiert beinahe das falsche Brett. Schweitzer versichert, noch auf dem Rückflug Entscheidungen treffen und Schreiben aufsetzen zu wollen, bis zum Redaktionsschluss erhielt jedoch keiner der Lizenz-Bittsteller eine Rückmeldung. Nur Mistral, einer der Kandidaten auf Hoyles schwarzer Liste (”aus Gründen, die mit Peter Brockhaus zusammenhängen”), bekam Post von Schweitzers Anwalt. Der hatte nach Begutachtung des Kataloges prompt Klage eingereicht. Das Patent sollte die Branche noch bis weit in die Achtziger hinein in Aufruhr halten, erst die Funboard-Welle nahm Schweitzer und seinen Anwälten den Wind aus den Segeln.
“Neuer Hit aus Hawaii: Schlaufen am Brett” verkündet surf schon auf dem Titelblatt. Die “größte Surf-Erfindung [...] seit dem Trapezgurt” begeistert alle, die die neuartigen “Schlupfschlaufen” ausprobieren durften. “Wie konnten wir nur je ohne sie surfen?”, “beste Kontrolle”, “wie der fünfte Gang” schwärmt die Hawaii-Gang. Doch die “neumodischen Fußstrapse” sollen nicht nur beim Springen in der Brandung nützlich sein, sondern ganz profan auch Schleuderstürze verhindern. Für ganz Eilige gibt es die erste Kurz-Anleitung zum Einlaminieren des Nylongurtes. Wegen der Verletzungsgefahr rät surf jedoch nur “echten Könnern” zum Schlaufen-Surfen, “solange, bis jemand die Surf-Bindung zur Sicherheitsbindung umkonstruiert”.
Dass sich Thailand als Surf-Destination nicht wirklich durchgesetzt hat, erscheint vor dem Hintergrund des schwärmenden Artikels von 1978 verwunderlich, trotz des zweifelshaften Images (”Neckermann-Jumbos mit dem Ziel Bangkok haben einen schlechten Ruf: Bumsbomber.”). Durch den Siam-Cup ist das Land in den Fokus der Surf-Community gerückt, hervorragendes Essen, Gastfreundschaft und jede Menge Kultur sind für alle reizvoll, die “nicht nur auf einer Insel der Karibik oder den Bahamas braten” möchten. Wind gibt es auch, in der “kühleren” Monsunzeit vier und mehr Windstärken, wenn man denn die frostigen 25 Grad Lufttemperatur ertragen kann. Es wird betont, dass man vor Ort sehr gut Surfmaterial ausleihen könne: “Die Mietbretter sind in Thailand gebaut und könnten eine Entwicklung in Europa vorwegnehmen: Sie wiegen weniger als 15 kg und sind trotzdem robust.” Das ist Werbung in eigener Sache - Autor Bert Morsbach hatte einige Monate zuvor Cobra mitgegründet, heute der größte Hersteller weltweit.
“Das Größte an der ganzen Sache” ist die Brandung: In einem der ersten Porträts von Jürgen Hönscheid schwärmt “Deutschlands bester Brandungssurfer” vom Windsurfen in der Welle. Anfang 1978 hatte Hönscheid auf Hawaii Platz vier hinter Locals wie Robby Naish belegt, 1975 war er bereits Europameister in der Welle geworden. Bis dahin war es aber ein steiniger Weg für den 23-Jährigen. Auf Sylt als Wellenreiter groß- und in der Brandung von Biarritz und Kalifornien richtig gut geworden, fixt ihn das neue Windsurfen schnell an. Den Surfkurs an Calle Schmidts legendärer Schule in Munkmarsch bezeichnet Hönscheid “heute mit reichlich Understatement als ‘knappe Unterweisung’”. Er arbeitet als Rettungsschwimmer, zieht ins “Binnenland” (gemeint sind Morsum und Tinnum) und tastes sich an die Brandung heran, immer mit großem Respekt. “Ich nehme längst nicht jede Welle”, sagt Hönscheid, “man muß wissen, was man sich selbst zutrauen kann.” Der Besuch zweier Hawaiianer öffnet ihm die Augen und zeigt ihm die Möglichkeiten in der Welle auf. Unterstützt wird er von Ski-Hersteller Marker, für den er ein Board entwickeln soll. Nebenbei bietet er auf Sylt “Surf-Safaris” an, bei denen die besten Bedingungen, der “optimale Flutsch durch die Brandung” gesucht wird.
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