“Frauen - Viel zu schön, um nass zu werden?” fragt die Zeile auf dem surf-Cover provokativ. Autorin Susanne Scheuer geht der Frage nach, warum der Frauen-Anteil in Surfkursen zwar relativ hoch ist (etwa 60%), aber nur ein Bruchteil der Einsteigerinnen nach dem Kurs weiter Windsurfen geht. “Die wollen es doch gar nicht!” entgegnet ihr Martina Loch, Surf-Lehrerin und Tausendsasserin vom Gardasee. “Die machen es wegen ihrem Freund oder weil’s grad in Mode ist. Aber da kommt nichts von innen heraus!” Während Martina bei ihren zahlreichen Extremsportarten das Aussehen extrem egal ist, beobachtet sie bei ihren Schülerinnen eine große Hemmschwelle und Eifersucht untereinander. Im (Streit-)Gespräch mit der surf-Autorin appelliert sie ans Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit der surfenden Frauen: Selber Material einstellen, selber Ziele und Grenzen setzen. “Mit der richtigen Mischung aus Gefühl und Verstand kann man unheimlich viel aus sich herausholen”, so Martina. Und bei ihr finde auch jede Schülerin einen passenden Anzug!
“Eine Karriere beim Rundfunk fängt nicht im Verkehrsfunk an!” - immer wieder wird vor verlorenen Surfboards gewarnt, surf zeigt wie man das Material richtig transportiert. Trockenes Thema? Schon, aber die Unterschiede sind beachtlich und auch heute noch weitgehend gültig. Bug nach vorne und nach unten, das sollte jeder einigermaßen verinnerlicht haben. Bug nach oben erhöht den Auftrieb, das Auto wird also im Prinzip vorne leicht angehoben. Darüber hinaus steigt der Verbrauch, ebenso bei der “coolen” Variante mit Heck nach vorne und der Nose als einer Art Spoiler hinten. Mehrere Boards besser aufeinander statt nebeneinander, und vor allem mit guten Gurten verzurren. Wie es aussieht, wenn man bei der Beladung schlampt, hat surf mit zwei PE-Boards von “Wild” ausprobiert. Die Bretter flogen 20 Meter durch die Luft und schlitterten dann nochmal 50 Meter über die (abgesperrte!) Straße. Wenn das auf ein anderes Auto trifft, sind schwere Unfälle vorprogrammiert. Die Boards haben auch zehn Versuche übrigens relativ unbeeindruckt weggesteckt.
Unkomplizierter Regatta-Spaß, das ist heute der “Racer of the Sea”, Anfang der Neunziger zog mit der North One Hour endlich Spaß und Gelassenheit in die sonst oft seglerisch-verbissene Wettkampfszene ein. Die Regeln sind denkbar einfach: Hundert Leute rasen eine Stunde lang um zwei Bojen, wer am Ende die meisten Runden hat, ist Sieger. Dementsprechend ist auch das Zählen der Runden der “einzige Hauch von Bürokratie”, ansonsten gibt es weder Materialbeschränkungen noch den Zwang einer Vereinszugehörigkeit. 230 Leute vom A-Cupper bis zum Urlauber wollten bei der Deutschland-Premiere auf Fehmarn dabei sein, so dass es vorher Qualifikations-Rennen geben musste, um das Feld auf einigermaßen handlebare 100 Starterinnen und Starter zu beschränken. Zu viel Ehrgeiz kam dabei nicht gut an: “Zwei erfahrene A-Cupper, die [...] den Fun-Charakter dieser Veranstaltung vergessen hatten, mußten disqualifiziert werden: Mit ‘Raum!’-Gebrüll versuchten sie sich an den Tonnen eine Express-Schneise zu bahnen.” An den beiden, rund 1,6 Kilometer voneinander entfernten Bojen herrscht “spektakuläres Dauergetümmel”, denn “von der gut gefüllten Bojenbahn heizt ständig wieder Nachschub heran.” Um ernsthafte Unfälle zu vermeiden, mussten zu spitze Brettnasen mit Luftpolsterfolie umwickelt werden. Nach dem gelungenen Auftakt ging es 1991 in Husum weiter, außerdem gab es ein großes Europa-Finale. Good times!
Thommens tolle Typen: “Auf einem Thommen-Board sollte der Weltmeister unbesiegbar sein und der Freizeitsurfer zum Beinahe-Weltmeister aufrücken”, so die Philosophie des Shape-Gurus. Thommen ist der Shooting-Star der Hobel-Helden, auf seinen Boards ist Björn Dunkerbeck nahezu unbesiegbar und die Tester sind hingerissen. Gelernt hat der Schweizer bei Ed Angulo und Helmut Kirner, bevor er bei F2 den Laden aufmischte. “Es gibt wohl viele Leute, die mich nicht mögen”, so Thommen - auch intern hat es immer wieder Spannungen mit dem Euro-Team um Werner Gnigler gegeben. Seine Boards hingegen sprechen für sich, auch wenn man Thommens Philosophie aus heutiger Sicht schwer mit den zappeligen Sputniks der frühen Neunziger zusammenbringt. Das beste Brett sei das, was am einfachsten zu fahren sei - “Ein Statement, das man so von einem ‘Formel-1-Shaper’ noch nie gehört hat”, staunt auch surf-Autor Gerd Kloos. Thommens Steckenpferd ist aber auch das Gewicht, er ist ein Freund neuer, leichter Bauweisen. “Schlagempfindlichkeit ist für mich kein Thema mehr”, entgegnet er fast schroff auf die vorsichtige Frage nach der Haltbarkeit. “Wenn ein Surfer glaubt, er müsse das Brett über die Steine ins Wasser zerren, dann soll er bitte die Hände von so einem Brett lassen!” Dunkerbeck vertraut dem Shaper blind, gibt vor allem seine Eindrücke wider und mischt sich nicht in Details ein: “Leute, die Vorträge halten, warum etwas nicht funktioniert, gehören sowieso vom Strand!”
Übrigens: In unserem aktuellen Frühgleit-Test tritt auch ein Board von Peter Thommen an. In Interview haben er und Werner Gnigler uns ihre Frühgleit-Philosophie erklärt: Peter Thommen & Werner Gnigler - früher Gleiten bei Leichtwind
Das gesamte Heft gibt es oben in der Galerie zum Durchklicken!

Redakteur