RückspiegelDas waren die Highlights in surf 8/1997

Tobias Frauen

 · 22.06.2024

Robby Naish verteilt stylischen Backside-Spray auf dem Cover im August 1997, fotografiert von D.W. Hollenbeck.
Foto: D.W. Hollenbeck
Eine surf-Ausgabe mit allen Facetten: Surfen lernen in einer Stunde und Mega-Wellen beim Namotu Fiji Wave Classic, Aussteiger auf Fuerte und Schweizer Business-Menschen, dazu träumen von Los Roques im Gegensatz zu Finnen- und Segel-Theorie. Viel Spaß beim Rückblick!

Themen in diesem Artikel

Aussteiger auf Fuerte

Jürgen Hönscheid hat es bereits Ende der Achtziger getan, ihm folgten viele wellenhungrige Aussteiger: Auf Fuerteventura hat sich eine bedeutende Szene von Festland-Europäern gebildet, die zum Surfen auf die karge Kanaren-Insel gekommen und dann einfach geblieben sind. Da ist Küssi alias Markus, der einen Fahrradverleih und einen Shop aufgebaut hat: “Ich hatte die Nase voll von verpißten Sommern und getreßten Typen”, sagt er über seinen Auswander-Plan. “Meine Entscheidung habe ich noch nie bereut!” Da ist außerdem Wasi, der in einer alten Villa am Strand von Corralejo wohnt, dort malt, Kunst aus Schaufensterpuppen bastelt und sein Geld als DJ verdient. Aus England kamen unter anderem “Corky” Corkham, der die gleichnamige Szenekneipe betreibt, und Danny Seales, der inzwischen leider verstorben ist. Sie versuchen, den anlaufenden Tourismus im Norden der Insel mitzugestalten und sich dabei eine Existenz aufzubauen - als Segelmacher, mit einem Shop oder auf andere Art. Weil Fuerte zu Spanien und damit zur damaligen EG gehört, ist der Papierkram für Ausländer relativ einfach: “Zumindest muß man heutzutage nicht mehr unbedingt eine Spanierin heiraten, um seine geschäftliche Daseinsberechtigung zu ergattern!”, freut sich Corky. Das Wort Brexit kannte damals noch niemand...

AHD: Blaue Boards mit Schweizer Präzision

“Schweizer Mentalität - präzise, motiviert, ordentlich - sei eine perfekte Vorrausetzung für die Qualität des Endproduktes”, so der Marketing-Mann von AHD beim surf-Besuch in der Fabrik. Die Schweizer mit den hellblauem Boards haben in den letzten Jahren Ansehen auf dem Windsurf-Markt aufgebaut und produzieren daheim am Genfer See statt in Fernost. “In Thailand hat man nur ein Zehntel der Lohnkosten, dafür aber den zehnfachen Arbeitsaufwand plus Transportkosten”, rechnet er vor. Dennoch gibt es in der Branche Gerüchte über marokkanische Schwarzarbeiter. Seinen Ursprung hat AHD in Australien, die ersten Modelle wurden als Semi-Customs in den USA an der Gorge gebaut. AHD-Boss Christophe Piaget (aus der Uhren-Dynastie) kaufte die Rechte und kam 1991 in Europa auf den Markt. Die ersten Sandwich-Boards, in trendigem Weiß und gleich der erste Serienboard-WM-Titel mit Svein Rasmussen sorgten für einen fulminanten Start. Daneben wird später noch die Zweitmarke ACE aufgebaut. AHD gilt als innovationsfreudige Marke, “zwischen Prototyp und Serienstart liegen nur drei Monate”. Piaget träumt davon, 2004 mit seinen Frühgleitern bei Olympia dabei zu sein. Daraus ist bekanntlich nichts geworden, doch AHD lebt bis heute weiter, derzeit in französischen Händen.

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Namotu Fiji Wave Classic - Der beste Wavecontest aller Zeiten

“Der beste Wavecontest in der Geschichte des Windsurfens!” fand Josh Stone am Ende des Namotu Fiji Wave Classic. Die PWA wollte den Sport in den bestmöglichen Bedingungen präsentieren und brachte 38 Fahrer und 10 Fahrerinnen auf die winzige Insel Namotu. “Andere Leute zahlen tausende Dollar, um auf Fidschi Urlaub zu machen. Wir zahlen tausende Dollar, um hier zu arbeiten”, frotzelte Ralf Bachschuster, der für surf berichtete. Die Profis bekamen “Waveriding-Bedingungen, wie man sie auch als Worldcupper vielleicht nur einmal im Leben erwischt.” Die Wellenritte spektakulär, die Waschgänge brutal. Während Robby Naish 30-Meter-Aerials springt, zerstören Anders Bringdal und Scott Fenton in einem einzigen Heat gleich drei Riggs. Am Ende gewinnt Robby Naish: “Wir haben lange auf so einen Wettkampf gewartet. Endlich konnten wir in richtig guten Bedingungen zeigen, was wir können!” Dass Namotu ganz fest in den Köpfen zahlloser Windsurf-Fans auf der ganzen Welt verankert ist, liegt auch an dem Video, was Sponsor O’Neill nach dem Contest veröffentlichte. Die VHS-Kassette war auch beim Autor dieser Zeilen mehr im Videorekorder als in der Hülle zu finden, noch heute ist der Film bei Youtube zu sehen:

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Und sonst so?

  • Perlen der Werbung: Laird Hamilton für Oxbow, die legendären Reef-Anzeigen (natürlich nur wegen der Schuhe!), Francisco Goya für Chiemsee... dieser Look prägte den damals jugendlichen Autor dieser Zeilen
  • In Berlin soll Ende Oktober der große Indoor-World Cup laufen, surf-Leser können sich für einen Platz beim Publikumsrennen bewerben
  • Mit Turtle Schulze war erstmal ein deutscher Teilnehmer bei der legendären “Trilogy” in Marokko dabei. Das Konzept: Kein Preisgeld, dafür Mega-Bedingungen an Top-Spots. “In 30-Minuten-Heats und in Logo-hohen Wellen wurde in zwei Wochen eine Hammer-Action gezeigt”, berichtet Turtle. “Ordonez fuhr Manöver in der Welle, die ich noch nie gesehen habe!” Weniger begeistert war die PWA, die zeitlich den World Cup auf Namotu (siehe oben) veranstaltete und auf einige große Namen verzichten musste...
  • Auf einem eigens vom VDWS gebauten Board wurde am Gardasee ein neuer Weltrekord aufgestellt: 19 Surfer samt Rigg auf einem Brett
  • Im Strömungskanal der Uni Bremen haben zwei Ingenieure im surf-Auftrag erforscht, welche Auswirkungen Schäden an der Finne auf die Fahrleistungen haben. Die Ergebnisse im Labor und in der Praxis: Weniger Spin Outs als befürchtet, aber einen deutlich spürbare Bremswirkung bei ausgefranstem Tip oder Schäden an der Anströmkante.
  • Josh Stone zeigt den Willy Skipper, eines der Traum-Manöver der frühen Freestyle-Ära. Wichtigster Tipp: “Don’t break your ankle!”
  • HiFly verspricht, dass man auf dem neuen Revo in nur einer Stunde Windsurfen lernen könne. Der PE-Brummer nimmt vorweg, was später der Starboard Go aufgreift: Kurz, breit, dick.
  • Eine kleine Meldung verkündet den Start einer Marke, die heute alle kennen: JP-Australia startet als Nebenprojekt von F2 mit drei Wave- und zwei Freerideboards - natürlich in damals angesagtem gelb.
  • “Kann ein Spot in den Niederlanden wirklich leer und trotzdem gut sein?” fragt sich Autor Christian Tillmanns und ist sich nach einem Besuch in Egmond, Bergen und Castricum sicher: Ja, das geht hier!
  • Beim King of the Lake gibt es wegen zu wenig Wind keinen Sieger, dafür in den Vorläufen viel hautnahe Action von Dunkerbeck, Ian Boyd, Mathias Holmberg, Josh Stone, Robby Seeger und Co. “Solche Events mit Power-Musik geben dem Sport eine Schuß in die Vene”, schwärmte Ian Boy etwas eigenartig.
  • Bei der Funboard-DM auf Sylt sorgt der Shorebreak für viel natürliche Selektion, am Ende gewinnt standesgemäß Bernd Flessner in allen Disziplinen

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Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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