Jürgen Hönscheid hat es bereits Ende der Achtziger getan, ihm folgten viele wellenhungrige Aussteiger: Auf Fuerteventura hat sich eine bedeutende Szene von Festland-Europäern gebildet, die zum Surfen auf die karge Kanaren-Insel gekommen und dann einfach geblieben sind. Da ist Küssi alias Markus, der einen Fahrradverleih und einen Shop aufgebaut hat: “Ich hatte die Nase voll von verpißten Sommern und getreßten Typen”, sagt er über seinen Auswander-Plan. “Meine Entscheidung habe ich noch nie bereut!” Da ist außerdem Wasi, der in einer alten Villa am Strand von Corralejo wohnt, dort malt, Kunst aus Schaufensterpuppen bastelt und sein Geld als DJ verdient. Aus England kamen unter anderem “Corky” Corkham, der die gleichnamige Szenekneipe betreibt, und Danny Seales, der inzwischen leider verstorben ist. Sie versuchen, den anlaufenden Tourismus im Norden der Insel mitzugestalten und sich dabei eine Existenz aufzubauen - als Segelmacher, mit einem Shop oder auf andere Art. Weil Fuerte zu Spanien und damit zur damaligen EG gehört, ist der Papierkram für Ausländer relativ einfach: “Zumindest muß man heutzutage nicht mehr unbedingt eine Spanierin heiraten, um seine geschäftliche Daseinsberechtigung zu ergattern!”, freut sich Corky. Das Wort Brexit kannte damals noch niemand...
“Schweizer Mentalität - präzise, motiviert, ordentlich - sei eine perfekte Vorrausetzung für die Qualität des Endproduktes”, so der Marketing-Mann von AHD beim surf-Besuch in der Fabrik. Die Schweizer mit den hellblauem Boards haben in den letzten Jahren Ansehen auf dem Windsurf-Markt aufgebaut und produzieren daheim am Genfer See statt in Fernost. “In Thailand hat man nur ein Zehntel der Lohnkosten, dafür aber den zehnfachen Arbeitsaufwand plus Transportkosten”, rechnet er vor. Dennoch gibt es in der Branche Gerüchte über marokkanische Schwarzarbeiter. Seinen Ursprung hat AHD in Australien, die ersten Modelle wurden als Semi-Customs in den USA an der Gorge gebaut. AHD-Boss Christophe Piaget (aus der Uhren-Dynastie) kaufte die Rechte und kam 1991 in Europa auf den Markt. Die ersten Sandwich-Boards, in trendigem Weiß und gleich der erste Serienboard-WM-Titel mit Svein Rasmussen sorgten für einen fulminanten Start. Daneben wird später noch die Zweitmarke ACE aufgebaut. AHD gilt als innovationsfreudige Marke, “zwischen Prototyp und Serienstart liegen nur drei Monate”. Piaget träumt davon, 2004 mit seinen Frühgleitern bei Olympia dabei zu sein. Daraus ist bekanntlich nichts geworden, doch AHD lebt bis heute weiter, derzeit in französischen Händen.
“Der beste Wavecontest in der Geschichte des Windsurfens!” fand Josh Stone am Ende des Namotu Fiji Wave Classic. Die PWA wollte den Sport in den bestmöglichen Bedingungen präsentieren und brachte 38 Fahrer und 10 Fahrerinnen auf die winzige Insel Namotu. “Andere Leute zahlen tausende Dollar, um auf Fidschi Urlaub zu machen. Wir zahlen tausende Dollar, um hier zu arbeiten”, frotzelte Ralf Bachschuster, der für surf berichtete. Die Profis bekamen “Waveriding-Bedingungen, wie man sie auch als Worldcupper vielleicht nur einmal im Leben erwischt.” Die Wellenritte spektakulär, die Waschgänge brutal. Während Robby Naish 30-Meter-Aerials springt, zerstören Anders Bringdal und Scott Fenton in einem einzigen Heat gleich drei Riggs. Am Ende gewinnt Robby Naish: “Wir haben lange auf so einen Wettkampf gewartet. Endlich konnten wir in richtig guten Bedingungen zeigen, was wir können!” Dass Namotu ganz fest in den Köpfen zahlloser Windsurf-Fans auf der ganzen Welt verankert ist, liegt auch an dem Video, was Sponsor O’Neill nach dem Contest veröffentlichte. Die VHS-Kassette war auch beim Autor dieser Zeilen mehr im Videorekorder als in der Hülle zu finden, noch heute ist der Film bei Youtube zu sehen:
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